Urlaub in der Wüste

Die letzten Monate vergingen wie im Flug und irgendwie habe ich gar keine Zeit gefunden, euch upzudaten. Bevor ich euch irgendwann erzählen werde, was alles so passiert ist, möchte ich über mein absolutes Highlight der letzten Zeit schreiben – den Salar de Uyuni. Ich weiß, dass dieser Blog sich eigentlich eher um mein Projekt drehen sollte. Aber ich will euch auch erzählen, welche schöne und einzigartige Natur es hier gibt. Diese Seite von Bolivien ist vielen, glaube ich, gar nicht so bewusst, da das Land doch eher mit Armut und sozialen Problemen in Verbindung gebracht wird.

Nun aber zu meiner Reise; die ging gleich nach der Arbeit los und ich traf mich mit Louisa, meiner Mitbewohnerin, am Busbahnhof. Es war gar nicht so einfach mit meinem riesigen Rucksack dorthin zu kommen, da es in den Minibussen sowieso schon immer sehr eng ist. In unserem Reisebus war das dann aber kein Problem mehr, da es dort ein Kofferfach gab. Von der Fahrt an sich habe ich nicht wirklich was mitbekommen, weil ich eigentlich nur schlief. Als ich dann wieder aufwachte, waren wir schon in Uyuni und die Touranbieter stürmten auf uns zu und wollten uns ihre Touren verkaufen. Nachdem wir uns dann einen kleinen Überblick verschafft hatten und uns für eine Agentur entschieden hatten, gab es endlich Frühstück und kurz darauf startete auch schon unsere Tour. Mit uns im Jeep saß unser Fahrer Eusevio, drei Peruaner und ein Spanier. Zuerst ging es zum Zugfriedhof – einem Ort an dem alte Züge abgestellt werden. Das war zwar schön zu sehen, aber noch viel lustiger waren all die Menschen, die auf den Zügen herumgeklettert sind, um ihre perfekten Bilder zu machen.

Zugfriedhof

Danach ging es erst so richtig los, denn wir fuhren in die Salzwüste und kurz darauf standen wir mitten im Nirgendwo. Um uns herum waren alles weiß und man konnte auch kein Ende sehen. Ich hielt es auch nur mit Sonnenbrille aus, weil das Salz das Licht so stark reflektierte. Uns wurde dann gezeigt, wie das Salz hier abgebaut wird und ich probierte auch ein kleines Stück.

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Unseren nächsten Stopp machten wir dann an einer Stelle, bei der etwas Wasser war. Zur Zeit ist nämlich der „Salzsee“ fast ausgetrocknet. Erst nach der Regenzeit ist es wieder ein richtiger See und man hat die bekannten Spiegelungen. Das wenige Wasser reichte zwar nicht für schöne Fotos, als wir aber sprangen, spritzte es an uns hoch und unsere Hosen waren danach vom Salzwasser weiß gepunktet. Dazu fiel auch noch meine schwarze Kappi ins Wasser und war dann auch eher weiß als schwarz. So schlimm war das alles aber nicht, denn das konnte man wieder gut mit Wasser auswaschen.

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Ein weiteres Highlight war auch die Insel Inka Huasi. Eine Insel auf der unzählige Kakteen wachsen. Wir machten dort eine kleine Wanderung, um die Insel zu erkunden und der Ausblick war echt fantastisch. Mittlerweile waren wir auch schon wieder weiter am Rand der Wüste und konnten so schon ein paar Berge und Vulkane erkennen.

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Am Abend sahen wir uns dann noch den Sonnenuntergang an. Der war wirklich schön anzuschauen, denn der Himmel färbte sich in die verschiedensten Farben. Allerdings wurde es dann auch echt kalt und ich war froh, als wir im Hostel ankamen. Nach einem wirklich sehr leckerem Abendessen fuhren wir nochmal nach draußen, um uns den Sternenhimmel anzuschauen. Da weit und breit kein Licht und kein Haus war, konnte man so unglaublich viele Sterne sehen und wir waren alle sprachlos. Dazu kamen noch die unzähligen Sternschnuppen, die wir sehen durften.

Als wir dann wieder im Hostel waren, gingen wir auch bald ins Bett. In der Nacht schlief ich viel besser als ich erwartet hatte. Alle hatten mir erzählt, dass es dort in der Nacht eiskalt wird. Deshalb hatte ich auch meinen Schlafsack und noch eine Decke dabei. In der Nacht war mir aber dann so warm, dass ich nur noch in meinem Schlafsack schlief. Ich glaube, ich bin mittlerweile einfach andere Temperaturen gewöhnt.

Am nächsten Morgen verließen wir dann den Salar wieder und fuhren weiter Richtung Chile. Unseren ersten Stopp machten wir dann an einer wunderbaren Lagune. Die war übrigens nicht mehr von Salz umgeben, sondern eher in einer Sandwüste. Das Wasser war außerdem von den Felsen vor Wind geschützt und so spiegelte sich alles perfekt darin.

Die erste Lagune

Wir fuhren dann weiter und die Natur änderte sich ständig. Bald darauf kamen wir zu einer weißen Lagune, später dann zu einer grau-grünen und daraufhin zu einer Schwefellagune. Diese war nun mitten in der Wüste und es gab gar keine Pflanzen mehr.

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Die Fahrt durch die Wüste war ohnehin schon ein Erlebnis, denn unser Fahrer genoss es sehr, dass es dort keine Regeln oder Straßen gibt. Wir kamen trotzdem unversehrt an unserer letzten Lagune an, die eindeutig nochmal viel schöner war als das, was wir an diesem Tag gesehen hatten – die Laguna colorada. Die farbige Lagune übertraf einfach alle meine Erwartungen, denn sie war nicht nur rot wie Rotwein, sondern hatte auch orangene, grüne, weiße und blaue Stellen. Darüber hinaus leben dort unzählige Flamingos.

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Wir machten dort einen Spaziergang und sehr viele Fotos und fuhren dann in unsere Unterkunft. Auch diese Nacht war es wärmer als ich erwartet hatte. Allerdings war sie sehr kurz, denn wir mussten schon um vier Uhr aufstehen. Die Müdigkeit hatte ich aber spätestens dann vergessen, als ich die Geysire sah. Die brodelnden grauen Krater und der aufsteigende Rauch in der Mondlandschaft waren echt atemberaubend.

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Wir fuhren dann weiter durch diese graue Wüste und kamen zu Thermalquellen. Auch wenn es draußen eiskalt war, zog ich meinen Bikini an und wärmte mich darin auf. Erst als wir alle komplett entspannt waren ging es weiter durch die Wüste. An diesem Tag schauten wir leider nicht mehr so viel an, weil wir den ganzen Weg wieder zurückfahren mussten. Einen wunderschönen Stopp machten wir noch, denn wir hielten an der mysteriösen Lagune. Das ist ein See, der hinter Felsen versteckt ist. Um dorthin zu kommen, wanderten wir zuerst über ein Lamafeld und mussten dann ein bisschen hochklettern. Oben angekommen hatten wir dann aber eine wunderbare Aussicht.

Die mysteriöse Lagune

Bald darauf kamen wir auch wieder in Uyuni, unserem Ausgangspunkt an. Für Louisa und mich ging es dann am nächsten Tag noch nach Potosi, eine süße Kleinstadt. Dort machten wir ein Tour durch die Minen und fuhren dann über Nacht nach La Paz zurück, wo wir dann am Montag wieder in die Arbeit gingen.

Auch wenn das eigentlich nur eine Vier-Tages-Reise war, fühlte es sich viel länger an, weil ich einfach so unglaublich viel gesehen habe. Trotzdem habe ich mich wieder gefreut, als ich am Montag in die Arbeit gegangen bin, da mir das auch echt viel Spaß macht. Ich hoffe, dass ich bald Zeit finde, auch darüber zu schreiben.


Skifahren ohne Schnee

Ich lebe nun schon einen Monat hier in El Alto und in dieser Zeit ist schon unglaublich viel passiert.

Meine große Reise startete am 8. August mit großer Aufregung, denn ich hatte immer die falsche Uhrzeit gelesen und als ich online einchecken wollte bemerkte ich dann, dass ich schon viel früher am Flughafen sein musste. Zum Glück hatte ich schon alles so gut wie fertig und es ging mit meiner Familie an den Flughafen. Dort bin ich dann auch noch rechtzeitig angekommen und alles hat gut geklappt; sogar mein zu schwerer Koffer wurde angenommen.

Zuerst ging es von München aus nach Madrid. Denn von dort aus startete mein Langstreckenflug. Die Zeit verging aber wie im Flug und ich kam nach einem Zwischenstopp in Santa Cruz in La Paz am Flughafen an. Meine Gasteltern und ein Mitarbeiter aus meinem Projekt warteten schon auf mich. Mein Gastpapa arbeitet als Busfahrer und so hatte ich sofort meine erste Fahrt mit einem Minibus.

Sonnenaufgang aus dem Flugzeug

Als dann die ganze Aufregung sich gelegt hat, habe ich die 3700 Höhenmeter Unterschied zu spüren bekommen. Meine Gastmama gab mir sofort einen Kokatee, der angeblich meine Kopfschmerzen lindern soll. Allerdings habe ich nicht wirklich was von der Wirkung bemerkt und so verbrachte ich die ersten Tage v.a. in meinem Bett, da jede Bewegung anstrengend war und ich sofort außer Atem kam. Hinzu kam auch noch die Kälte an die ich mich zuerst gewöhnen musste. Um es einigermaßen warm zu haben trage ich immer Skiunterwäsche und zwei Paar Socken unter meiner Kleidung und schlafe in meinem Schlafsack mit zwei Decken. Denn das Haus hier hat keine Heizung. Allerdings ist die Sonne hier sehr stark und scheint täglich. Und wenn es mir mal wieder sehr kalt ist, stelle ich mich in die Sonne und lasse mich wärmen.

Nach vier Tagen ausruhen wurde es mir dann aber auch wirklich langweilig und ich freute mich auf meinen ersten Arbeitstag. Den haben wir mit einem Obstfrühstück begonnen. Die Früchte dazu haben wir auf dem Markt eingekauft. Dabei musste ich immer aufpassen, dass ich meinem Kopf nicht an den Sonnenschirmen anstoße. Denn die meisten Leute hier sind viel kleiner als ich und passen so locker unter diese.

Normalerweise passiert am Vormittag in der Einrichtung nicht so viel, da die Kinder erst nach der Schule zum Mittagessen kommen. Diese Zeit kann ich aber immer gut nutzen, um mein Spanisch aufzubessern oder ich helfe irgendwo mit. Später kommen dann die Kinder und wir essen alle zusammen Mittag und putzen uns danach die Zähne. Oft versuchen die Kinder sich davor zu drücken, weshalb ich sie zuerst mal fangen muss. Danach gehen alle in ihre Gruppen. Ich helfe bei den Jüngsten mit, welche im Grundschulalter sind, und ich mache mit den Kindern Hausaufgaben oder wir üben lesen, rechnen und schreiben. Später spielen wir dann zusammen. Vor allem durch das Lesen lerne ich viele neue Wörter und so wird mein Spanisch jeden Tag besser. Trotzdem bin ich sehr froh über mein Wörterbuch auf meinem Handy, auf dem ich das ein oder andere Wort nachschaue.

Sonst ist noch nicht so ein richtiger Alltag eingekehrt, da wir jeden Tag ein anderes Programm haben.

Einmal sind wir in ein Theater gegangen und haben ein Ballett mit verschiedenen traditionellen Tänzen angeschaut. Da wir an diesem Abend erst spät heimgekommen sind und es gefährlich ist in der Nacht alleine nach Hause zu gehen, haben wir in der Einrichtung übernachtet. Dazu haben wir einfach alle Kissen und Decken, die wir gefunden haben, gestapelt und hatten ein wirklich gemütliches Lager.

Alle Tänzer auf der Bühne

Am nächsten Tag haben wir dann den Jahrestag der Einrichtung gefeiert. Zuerst haben wir alle im Hof Spiele gespielt und getanzt. Nach dem Mittagessen sind wir alle in einen Park gefahren. Die Kinder haben sich sehr über die riesigen Rutschen, die es dort gab, gefreut und wollten gar nicht mehr nach Hause.

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Aber auch eine Tradition hier durfte ich schon kennenlernen. Diese nennt sich „Mesa“, also Tisch, und soll dem Haus alles Gute bringen. Dazu wird eine Art Nest aus Kräutern, Hölzern mit Früchten, Nüssen und Süßigkeiten gefüllt und mit Reis, Zucker und Linsen bestreut. Das Ganze wird dann zu Ehren der Mutter Erde verbrannt. Währenddessen haben wir Kokablätter gekaut und einen Tee getrunken. Außerdem haben wir in jede Ecke des Hofes ein bisschen Wein und Cola geschüttet.

Mittlerweile bin ich auch schon mehrmals mit der Seilbahn hier gefahren. Es ist zwar bisschen teurer, als mit einem Minibus zu fahren, aber man kommt damit viel schneller von El Alto nach La Paz oder zurück. Außerdem ist es echt witzig, mit einer Seilbahn nicht über Schnee, sondern über Häuser zu fahren. Und wenn ich dann noch meine Skijacke anhabe, weil die am wärmsten ist, ist alles perfekt nur meine Skier und der Schnee fehlen noch. Wenn ich das noch finde, lass ich es euch wissen.

Margarete

Aus der Seilbahn