Der Unabhängigkeitstag, eine Aztekenstadt und meine Ankunft in Puebla

In meinen ersten zwei Monaten in Mexiko City habe ich schon einiges von dem Land kennengelernt und konnte so schon viele Eindrücke Mexikos sammeln. Mir ist direkt aufgefallen, dass die Menschen hier sehr aufgeschlossen und herzlich sind. Vom ersten Tag an wurde ich direkt wie ein langjähriger Freund behandelt. Ich habe sehr viele nette Menschen kennenlernen können, die mich zu sich eingeladen haben oder Ausflüge mit mir machten. So gut wie jedes Wochenende habe ich etwas unternommen und so einen neuen Teil der Stadt bzw. des Landes entdecken können.

Was mir in meinen ersten zwei Monaten auf jeden Fall auch nicht entgangen ist, war der Patriotismus. Besonders im September hat man gesehen, wie stolz die Menschen auf ihr Land sind. Jedes Haus wurde in den Landesfarben verziert, an die Eingänge hat man in rot, weiß und grün „Viva México“ geschrieben und an fast jedem Ort sah man die mexikanische Fahne im Wind wehen. Alle bereiten sich auf den wichtigsten Tag Mexikos vor – der Tag der Unabhängigkeit am 16. September.
An diesem Tag begannen die Mexikaner 1810 mit ihrem Aufstand gegen Spanien. Der Priester Hidalgo rief früh morgens zum Kampf gegen das spanische Regime auf, welches Mexiko seit 1521 kolonisiert hatte. Bei dem sogenannten „Grito“ rief er „Viva México! Viva la Independencia! Vivan los héroes!“ ("Es lebe Mexiko! Es lebe die Unabhängigkeit! Es leben die Helden!"), womit die Revolution begann. Ein gutes Jahr dauerte der Unabhängigkeitskrieg, bis Mexiko am 27. September 1821 schließlich wieder selbstständig wurde.
Noch heute gibt es jedes Jahr am Unabhängigkeitstag den „Grito“. Viele Menschen gehen auf die Straßen, versammeln sich im Zentrum der Stadt auf großen Plätzen, um gemeinsam „Viva México!“ zu rufen und vor allem zu feiern. Ich durfte dies ganz persönlich miterleben, da wir zum Zócalo, dem zentralen Platz Mexiko Citys, gegangen sind. Die historischen Gebäude, welche den Platz umgeben, waren in rot, weiß und grün verziert und in der Mitte der großen, zum Platz führenden Straße thronte ein riesiger Adler, welcher über den Menschen schwebte. In der Mitte des Platzes wehte eine große mexikanische Flagge, welche man trotz der hohen Häuser schon von weitem sehen konnte. Vor der Kathedrale hatte man mehrere Bühnen aufgebaut, auf welchen viele traditionelle Tänze aus jeglichen Regionen des Landes aufgeführt wurden. Besonders beeindruckend war hier, die Vielfalt sowohl der Tänze und der Musik als auch der Kleidung. Nach und nach strömten immer mehr Menschen zum Zócalo und der riesige Platz füllte sich. „Viva México“ ruft hier in Mexiko City nämlich jedes Jahr der mexikanische Präsident. Um 11 Uhr war es dann auch endlich so weit und er erschien in einem der Fenster mit seiner Frau. Der ganze Platz begann zu jubeln und alle stimmten voller Leidenschaft in den „Grito“ mit ein. Im Anschluss wurden im Chor typisch traditionelle Lieder Mexikos gesungen, welche den Stolz der Mexikaner auf ihr Land ausdrückten. Bis spät in die Nacht wurde gesungen, getanzt und gefeiert.

Auf dem von Menschen überfüllten Zócalo am Unabhängigkeitstag
Wartend auf den "Grito" des Präsidenten, der sich aus dem Fenster dieses Gebäudes zeigen wird

Ebenfalls sehr beeindruckend war es, die Kultur der Azteken näher kennenzulernen. Auf Grund eines Seminars in Mexiko City ist Mara, eine andere deutsche Freiwillige, für ein paar Tage aus Guadalajara angereist und zusammen mit zwei Freunden aus meinem Projekt fuhren wir nach Teotihuacán. Teotihuacán ist die wohl berühmteste Pyramidenstadt Mexikos. Schon von weitem sah man die zwei riesigen Pyramiden am Horizont, die noch gigantischer waren, als wir wenige Minuten später tatsächlich davor standen. Bis heute ist es ein Rätsel, wie solche gigantischen Monumente schon um ca. 100 n. Chr. nur von Hand erbauet werden konnten. Wir bestiegen zuerst die Pyramide des Mondes, welche die kleinere der zwei ist. Obwohl man hier nur bis zur ersten Ebene hinaufklettern kann, war die Sicht echt schon super schön. Über eine breite Straße, die rings um von kleineren Stufentempeln umgeben ist, gelangten wir zur Pyramide der Sonne, welche man bis zu Spitze besteigen kann. Von dort aus hat man umso weiter blicken können und hatte eine noch beeindruckendere Sicht. Die Stadt liegt in einer grünen Ebene und ist ringsum von Bergen umgeben, die riesige Pyramiden vertreten sollten und so laut der Azteken die Stadt beschützten.

Auf der ertsen Ebene der Pyramide des Mondes mit Blick über die gesamte Aztekenstadt
Blick auf die Pyramide des Mondes

Meine ersten zwei Monate und somit auch die Zeit in Mexiko City neigten sich nun aber auch dem Ende zu und es hieß, sich zu verabschieden. Da ich mich dort echt wohlgefühlt habe, war es anfangs nicht ganz einfach, zu gehen.

Abschiedsbild mit allen Jungs aus Mexiko City

Trotzdem habe ich mich sehr auf die Zeit in Puebla gefreut und fühle mich auch hier schon sehr wohl. Obwohl ich erst eine Woche in Puebla bin, habe ich schon ein paar Kontakte knüpfen können. Die Tíos und Tías sind auch hier sehr aufgeschlossen und super nett. Die Arbeit mit den Jungs gefällt mir ebenfalls echt gut. Meistens machen wir Aufgaben zusammen, spielen Spiele, malen oder unterhalten uns über alles Mögliche. Sie sind sehr aufgeweckt und stets daran interessiert, etwas über mich und die deutsche Sprache zu lernen.

Ich bin gespannt, was mich hier alles noch erwarten wird und welche neuen Bekanntschaften ich machen werde.

Liebe Grüße,
Phoebe


Musik, Tanz und Kirmes - la fiesta de la capilla

Am Wochenende war ein ganz besonderer Tag in der Kapelle hier in der Gegend Mexiko Citys. Schon die ganze Woche haben wir uns auf diesen Tag vorbereitet, indem wir die Kirche mit vielen Blumen und bunten Stoffen verziert haben. Am Freitag wurde die Straße gesperrt, um kleine Karussells, Achterbahnen, Schießbuden und Essensstände aufzubauen. An diesem Abend bin ich mit ein paar Freunden auf die Straße gegangen. Wir sind kleine Achterbahnen gefahren, haben unser Glück an den Schießbuden ausprobiert und ich habe zum ersten Mal original mexikanische Tacos gegessen, welche echt super lecker sind.

Verzierungen des Eingangstors zur Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria
Tacos de suadero

Am Sonntag war es dann endlich soweit: das Fest der Kapelle begann. Morgens früh um 8 Uhr versammelten sich alle in der Kirche und es wurde gemeinsam gefrühstückt. Es gab das typisch mexikanische Getränk Atole, eine Kombination aus Mais mit Milch, Wasser, Zucker und Kakao, ein Süßgebäck und Tamales, eine Maismasse gefüllt mit Fleisch und Chili. Nach dem Frühstück begann die Messe, bei welcher die Lieder von Mandolinen, Flöten und Gitarren begleitet wurden, was echt super schön klang. Als die Messe endete, gab es im Anschluss ein Feuerwerk mit ordentlich lauten Böllern. Ein kleines Orchester, bestehend aus sämtlichen Blechblasinstrumenten, Gitarren und Trommeln, marschierte mit schmetternden Tönen in die Kapelle und erfüllte den ganzen Saal mit der hier so beliebten und traditionellen Vanda-Musik. Nach einigen Minuten, befand sich die Musik wieder auf der Straße vor der Kirche. In kürzester Zeit kamen auch wir dazu und tanzen mit den anderen mit. Hauptsächlich trugen die Leute hier die traditionelle Kleidung Mexiko Citys, ein buntes Gewand in Kombination mit einer Maske und einem Hut, mit welchem man sich Chinelo nennt. Es kam richtig Stimmung auf und immer mehr Leute begannen zu tanzen. Das kleine Orchester setzte sich nun in Bewegung und lief allen voran die Straße entlang. Begleitet von einigen Böllern, zog auch ich hinterher. Die ganze Straße tanzte zu der Musik und alle hatten super viel Spaß.

Nach einer kleinen Tour durch das Viertel kamen wir wieder an der Kapelle an, wo die nächste Messe begann. Im Anschluss haben alle gemeinsam Pollo con Mole gegessen, Hühnchen mit Reis, Tortilla und einer Art Bratensoße, der Mole. Danach ging es wieder in die Kirche, hier wurden nun traditionelle Tänze aus sämtlichen Regionen Mexikos aufgeführt. Mexiko ist ein wahnsinnig vielfältiges Land mit super vielen unterschiedlichen Kulturen, die lange Traditionen haben. So habe ich auch sehr viele verschiedene Tänze gesehen. Von dem Tanz „Jarabe Tapatío“ aus Guadalajara, über den „Quetzal-Tanz“ aus Puebla und Veracruz zu dem „Ballett Folklórico“ ist alles dabei. Alle wurden von unterschiedlichster Musik begleitet, meist Trommeln, Gitarren und Blechblasinstrumente in unterschiedlichster Zusammensetzung mit verschiedensten Rythmen und Melodien. Auch die Kleidung variierte von Tanz zu Tanz. Meist trugen die Frauen farbenfrohe, bodenlange Kleider mit einem Tuch und Kopfschmuck, dazu Steppschuhe. Auch die Männer trugen Schuhe, die bei jedem Auftritt klacken. Dazu meist eine elegante Hose, ein Hemd und einen Sombrero, teilweise auch cowboyähnliche Reiterstiefel. Schon Mädchen und Jungs im kleinsten Alter haben sich für die Drehungen extrem verbogen und in einer rasanten Geschwindigkeit ihr Kleid geschwungen, was echt beeindruckend war.

Die unterschiedlichen Kleidungen der Tänzer
Aufführung eines Tanzes

Im Anschluss ging ich mit ein paar Freunden auf die Straße, um einige Karussells zu fahren und unser Glück an den Schießbuden auszuprobieren. Nachdem wir über die Straße geschlendert waren, hörten wir vor der Kapelle wieder die Musik und sahen die ersten Chinelos schon auf der Straße tanzen. Langsam bewegten sich alle mitsamt der Musik in die Kapelle, wo das Fest dann seinen Lauf nahm. Mir hat das super gefallen, da ich es bisher noch nie erlebt habe, dass in einer Kirche so viel getanzt wird und eine derartige Stimmung aufkommen kann. Der ganze Saal wurde von der Musik erfüllt, weshalb uns gar nicht auffiel, dass es draußen auf einmal wie in Wasserfällen zu schütten begann. Innerhalb von Minuten floss das Wasser in Bächen die Straße hinunter. Glücklicherweise führten zum Kircheneingang einige Stufen hinauf, sodass sich das Wasser nur außerhalb auf mindestens 10 cm Höhe staute. Es war in diesem Moment echt total beeindruckend, da draußen ein halber Weltuntergang vonstattenging, während das Fest in vollem Gange war.

So langsam neigte sich das Fest nach der dritten Messe an diesem Tag dann auch dem Ende zu. Mir hat das Fest echt super gut gefallen. In Mexiko wird wahnsinnig gerne gefeiert, alles wird als Anlass genommen. Es war eine schöne Erfahrung, mal so richtig Stimmung in der Kirche zu sehen, was ich so schnell nicht mehr vergessen werde.

 

Eure Phoebe


Mein neues Zuhause - die Millionenstadt Mexiko City

­Am 7. August konnte das Abenteuer endlich starten. Erst als ich alleine ins Flugzeug stieg, realisierte ich, dass ich Deutschland wirklich verlasse und auf eigene Faust in ein völlig fremdes Land gehen werde. Nachdem ich in London umgestiegen und für fast 12 Stunden geflogen bin, setzte das Flugzeug zum Landen an. Als wir die Wolkendecke durchbrachen, sah ich ein riesiges Meer von Lichtern. Die 8,5 Millionenstadt Mexiko-City erstreckte sich über eine gigantische Fläche - mein neues Zuhause.

In Mexiko City lebe ich für die ersten paar Wochen, bevor ich dann nach Puebla gehe. Das Heim Hogares Calasanz ist hier sowohl in Mexiko City als auch in Puebla in 3 Häuser aufgeteilt. In dem ersten Haus leben die jüngsten Jungs, sie sind um die 6-12 Jahre alt. Ich wurde allen vorgestellt und habe so schon die Gastfreundschaft der Mexikaner erfahren. Wirklich jeder hat mich freundlich begrüßt und direkt herzlich in Empfang genommen. Die Aufgabe war es an diesem Tag, den Innenhof zu streichen. Die Jungs sind immer wieder zu mir gekommen und haben mir Geschichten erzählt, von denen ich leider aber nicht sehr viel verstehen konnte, da sie sehr schnell geredet haben und mein Spanisch noch nicht ganz so gut ist. Die kleinen Jungs nehmen mich echt herzlich auf und sind daran interessiert, etwas über mich und Deutschland zu erfahren oder mit mir Spiele zu spielen.

Ein Tío mit einem der Jungs am Streichen

Danach bin ich mit zwei der Jungs zu einer klassischen Tortilleria gegangen. Die Tortillas hier sind echt nicht mit den eingeschweißten aus dem deutschen Supermarkt zu vergleichen. Im Allgemeinen ist das Essen hier wirklich lecker, ich durfte schon viele typisch mexikanische Gerichte probieren. In so ziemlich jedem Essen findet sich Mais. Mit Mais als Grundlage allem erscheint einem das Essen vielleicht etwas eintönig, aber das ist nicht der Fall. Ob als Tamales, Tortilla, Tostada, Atole de Maza, Tacos, Quesadillas oder in Pozole - Mais wird vielfältig zubereitet und zeigt sich in verschiedensten Kombinationen mit Gemüse, Fleisch oder Chili oder auch süß mit Milch, Schokolade oder Marmelade. Ich glaube, das Essen hier in Mexiko ist sehr wichtig, man kann eigentlich jeder Zeit etwas essen und wird auch immer herzlich dazu aufgefordert, Nachschlag zu nehmen.

Außerdem habe ich das zweite Haus gesehen, in welchem die etwas älteren Jungen, im Alter von 12-18 Jahren, leben. Auch hier wurde ich allen vorgestellt und wurde ebenso freundlich begrüßt. Besonders am darauffolgenden Tag habe ich viel mit ihnen machen dürfen. Wir haben viel geredet, gebastelt, Ballspiele gespielt. Danach gab es eine Lerneinheit, mit welcher die Jungs wieder auf die Schule vorbereitet werden, da in zwei Wochen die Ferien enden. Auch mit den etwas älteren Jungs verstehe ich mich gut. Es ist auch einfacher sich mit ihnen zu unterhalten, da sie langsamer und deutlicher reden.

Im Haus drei wohne ich mit zwei Mexikanern, die früher auch in den ersten zwei Häusern gelebt haben, mit welchen ich mich auch echt gut verstehe. Einer der beiden hat mir auch einiges der mexikanischen Kultur nähergebracht. Dank ihm kenne ich mich jetzt neben dem Essen auch bestens mit den mexikanischen Tänzen und der Musik aus.

Am Abend nimmt mich Padre Reyes, mein Mentor, oft zu etwas ganz Besonderem mit. In einer Woche findet hier ein Fest in der Kirche statt, bei dem gemeinsam gegessen und viel getanzt wird. Bis dahin trifft man sich jeden Abend in einer Kapelle und läuft gemeinsam mit viel Gesang und einer kleinen Reliquie durch die Straßen in die Wohnung einer Familie. Hier wird nun die Messe gehalten und danach können sich alle bei Essen und süßen Getränken unterhalten. Es war eine echt schöne Erfahrung, bei der ich mit einigen Mexikanern ins Gespräch gekommen bin.

Außerdem durfte ich noch Mexiko City näher kennenlernen. Zwei Mexikaner, Margarita und ihr Bruder Carlos, haben mir vor allem das Zentrum der riesigen Stadt gezeigt. Die Architektur im Zentrum Zócalo hat mir super gefallen, es gibt noch viele gut erhaltene Gebäude. Das Museum El Palacio de Bellas Artes ist ein sehr beeindruckendes Gebäude Mexiko Citys, welches wir besucht haben. Hier wurden drei Künstler ausgestellt, von welchen man echt schöne Kunstwerke sehen konnte. Ich habe mich viel mit Margarita und Carlos unterhalten können, die beiden waren echt super lieb und haben mir wahnsinnig viel zeigen können. Außerdem sind wir noch typisch mexikanische Pozole essen gegangen, eine Suppe mit Mais, Fleisch, Gemüse und Chili. Dazu gibt es Tostada, gebackene Tortilla, mit Guacamole. Es hat mir so wie eigentlich alles hier, sehr gut geschmeckt, auch wenn es etwas scharf war. Neben dem Zentrum Zócalo haben wir noch Xochimilco gesehen, ein anderer Teil Mexiko Citys. Hier haben wir uns am Abend mit ein paar Freunden von Carlos und Margarita getroffen, um eine Bootstour  zu machen. Diese führte uns entlang schmaler Flüsse bzw. Kanäle, welche das ehemalige Bewässerungssystem der Azteken waren. Margarita machte Musik an und wir haben bisschen gequatscht. Mit der Zeit wurde es immer dunkler, weshalb sich die Lichter der anderen Boote auf dem Wasser gespiegelt haben, was echt schön aussah. Es war ein super schöner Tag, bei dem ich viel von Mexiko City sehen konnte.

Eine Seitenstraße des Zentrums von Mexiko City
Margarita, Carlos und ich im Museum El Palacio de Bellas Artes
Die Boote in Xochimilco

Es gefällt mir wirklich gut hier in Mexiko. Schon in meinen ersten Tagen konnte ich viele Eindrücke sammeln und sowohl die neue Kultur als auch die Menschen kennenlernen, die mich alle herzlich in Empfang nehmen.

 

Liebe Grüße,

Phoebe