Mein neues Zuhause – die Millionenstadt Mexiko City

Am 7. August konnte das Abenteuer endlich starten. Erst als ich alleine ins Flugzeug stieg, realisierte ich, dass ich Deutschland wirklich verlasse und auf eigene Faust in ein völlig fremdes Land gehen werde. Nachdem ich in London umgestiegen und für fast 12 Stunden geflogen bin, setzte das Flugzeug zum Landen an. Als wir die Wolkendecke durchbrachen, sah ich ein riesiges Meer von Lichtern. Die 8,5 Millionenstadt Mexiko-City erstreckte sich über eine gigantische Fläche – mein neues Zuhause.

In Mexiko City lebe ich für die ersten drei Wochen, bevor ich für die restlichen elf Monate nach Puebla gehe. Das Heim Hogares Calasanz ist in 3 Häuser aufgeteilt. In dem ersten Haus leben die jüngsten Jungs, sie sind um die 6-12 Jahre alt. Ich wurde allen vorgestellt und habe so schon die Gastfreundschaft der Mexikaner erfahren. Wirklich jeder hat mich freundlich begrüßt und direkt herzlich in Empfang genommen. Die Aufgabe war es an diesem Tag, den Innenhof zu streichen. Die Jungs sind immer wieder zu mir gekommen und haben mir Geschichten erzählt, von denen ich leider aber nicht sehr viel verstehen konnte, da sie sehr schnell geredet haben und mein Spanisch noch nicht ganz so gut ist. Die kleinen Jungs nehmen mich echt herzlich auf und sind daran interessiert, etwas über mich und Deutschland zu erfahren oder mit mir Spiele zu spielen.

Ein Tío mit einem der Jungs am Streichen

Danach bin ich mit zwei der Jungs zu einer klassischen Tortilleria gegangen. Die Tortillas hier sind echt nicht mit den eingeschweißten aus dem deutschen Supermarkt zu vergleichen. Im Allgemeinen ist das Essen hier wirklich lecker, ich durfte schon viele typisch mexikanische Gerichte probieren. In so ziemlich jedem Essen findet sich Mais. Mit Mais als Grundlage allem erscheint einem das Essen vielleicht etwas eintönig, aber das ist nicht der Fall. Ob als Tamales, Tortilla, Tostada, Atole de Maza, Tacos, Quesadillas oder in Pozole – Mais wird vielfältig zubereitet und zeigt sich in verschiedensten Kombinationen mit Gemüse, Fleisch oder Chili oder auch süß mit Milch, Schokolade oder Marmelade. Ich glaube, das Essen hier in Mexiko ist sehr wichtig, man kann eigentlich jeder Zeit etwas essen und wird auch immer herzlich dazu aufgefordert, Nachschlag zu nehmen.

Außerdem habe ich das zweite Haus gesehen, in welchem die etwas älteren Jungen, im Alter von 12-18 Jahren, leben. Auch hier wurde ich allen vorgestellt und wurde ebenso freundlich begrüßt. Besonders am darauffolgenden Tag habe ich viel mit ihnen machen dürfen. Wir haben viel geredet, gebastelt, Ballspiele gespielt. Danach gab es eine Lerneinheit, mit welcher die Jungs wieder auf die Schule vorbereitet werden, da in zwei Wochen die Ferien enden. Auch mit den etwas älteren Jungs verstehe ich mich gut. Es ist auch einfacher sich mit ihnen zu unterhalten, da sie langsamer und deutlicher reden.

Im Haus drei wohne ich mit zwei Mexikanern, die früher auch in den ersten zwei Häusern gelebt haben, mit welchen ich mich auch echt gut verstehe. Einer der beiden hat mir auch einiges der mexikanischen Kultur nähergebracht. Dank ihm kenne ich mich jetzt neben dem Essen auch bestens mit den mexikanischen Tänzen und der Musik aus.

Am Abend nimmt mich Padre Reyes, mein Mentor, oft zu etwas ganz Besonderem mit. In einer Woche findet hier ein Fest in der Kirche statt, bei dem gemeinsam gegessen und viel getanzt wird. Bis dahin trifft man sich jeden Abend in einer Kapelle und läuft gemeinsam mit viel Gesang und einer kleinen Reliquie durch die Straßen in die Wohnung einer Familie. Hier wird nun die Messe gehalten und danach können sich alle bei Essen und süßen Getränken unterhalten. Es war eine echt schöne Erfahrung, bei der ich mit einigen Mexikanern ins Gespräch gekommen bin.

Außerdem durfte ich noch Mexiko City näher kennenlernen. Zwei Mexikaner, Margarita und ihr Bruder Carlos, haben mir vor allem das Zentrum der riesigen Stadt gezeigt. Die Architektur im Zentrum Zócalo hat mir super gefallen, es gibt noch viele gut erhaltene Gebäude. Das Museum El Palacio de Bellas Artes ist ein sehr beeindruckendes Gebäude Mexiko Citys, welches wir besucht haben. Hier wurden drei Künstler ausgestellt, von welchen man echt schöne Kunstwerke sehen konnte. Ich habe mich viel mit Margarita und Carlos unterhalten können, die beiden waren echt super lieb und haben mir wahnsinnig viel zeigen können. Außerdem sind wir noch typisch mexikanische Pozole essen gegangen, eine Suppe mit Mais, Fleisch, Gemüse und Chili. Dazu gibt es Tostada, gebackene Tortilla, mit Guacamole. Es hat mir so wie eigentlich alles hier, sehr gut geschmeckt, auch wenn es etwas scharf war. Neben dem Zentrum Zócalo haben wir noch Xochimilco gesehen, ein anderer Teil Mexiko Citys. Hier haben wir uns am Abend mit ein paar Freunden von Carlos und Margarita getroffen, um eine Bootstour  zu machen. Diese führte uns entlang schmaler Flüsse bzw. Kanäle, welche das ehemalige Bewässerungssystem der Azteken waren. Margarita machte Musik an und wir haben bisschen gequatscht. Mit der Zeit wurde es immer dunkler, weshalb sich die Lichter der anderen Boote auf dem Wasser gespiegelt haben, was echt schön aussah. Es war ein super schöner Tag, bei dem ich viel von Mexiko City sehen konnte.

Eine Seitenstraße des Zentrums von Mexiko City
Margarita, Carlos und ich im Museum El Palacio de Bellas Artes
Die Boote in Xochimilco

Es gefällt mir wirklich gut hier in Mexiko. Schon in meinen ersten Tagen konnte ich viele Eindrücke sammeln und sowohl die neue Kultur als auch die Menschen kennenlernen, die mich alle herzlich in Empfang nehmen.