Die Arbeit im Projekt

Da ich nun schon zwei Monate in Puebla bin und mich mittlerweile ganz gut im Projekt einfinden konnte, erzähle ich nun, wie meine Aufgaben hier im Jungenwohnheim aussehen.

Wie in Mexiko City gibt es auch hier drei Häuser. Hauptsächlich arbeite ich in Haus eins, wo die kleinsten Jungs im Alter von 5 bis 12 leben. Mein Arbeitsalltag beginnt offiziell um 10:30 Uhr. Momentan in der stressigen Vorweihnachtszeit werde ich aber häufig gebeten, auch schon früher zu kommen.
Die Vormittage gestalten sich von Tag zu Tag unterschiedlich. Da die Jungs vormittags zur Schule gehen, helfe ich in der Zeit den Tías. Das Heim hier in Puebla hat einen Kleinbus, mit welchem eine Tía und ich so gut wie jeden Vormittag zu Firmen, Kirchen, Familien oder auf den Markt fahren, um Spenden abzuholen. Hierbei handelt es sich meistens um Kleidung, Essen, Spielzeuge oder Geldbeträge. Da der mexikanische Staat aber Kinderheime eher nicht unterstützt, sind wir neben den Spenden noch auf eigene Projekte angewiesen. So waren wir zum Beispiel schon auf Messen in Schulen, um von den `Casas Hogares Calasanz´ zu erzählen und die Leute aufmerksam auf uns zu machen. Außerdem haben wir den Dezember über beispielsweise Rosen und Weihnachtssterne verkauft, um nur ein paar unserer Vormittagsveranstaltungen zu nennen. Sollten keine Besorgungen oder Projekte am Vormittag anstehen, helfe ich einer anderen Tía beim Kochen. Die mexikanische Küche ist super lecker und ich bin echt froh, so ein paar neue Gerichte zu lernen, die ich in Deutschland auf jeden Fall nachkochen werde.

Um 13:15 Uhr holen wir die Kinder von der Schule ab, das meistens das ein oder andere Chaos mit sich bringt. Da momentan 14 der 16 Jungs aus Haus eins auf dieselbe Schule gehen, dauert es immer so seine Zeit, bis alle aus ihrem Salon kommen und wir gemeinsam heimfahren können. Somit kommen wir eine Stunde später erst wieder in Haus eins an, obwohl der Schulweg eigentlich nur ca. 20 min dauert.

Tía Bere, ein paar der Jungs und ich beim Warten auf die restlichen Kinder

Nach dem Mittagessen wird das ganze Haus geputzt, wobei jeder seinen Aufgaben nachgeht. Anschließend ist ein bisschen freie Zeit, in der wir meistens Ballspiele im Innenhof spielen. Die Jungs bringen mir immer wieder neue Spiele bei, bei denen wir super viel lachen müssen. Oft lese ich den Jungs auch ein paar Geschichten vor, wir malen oder reden über alles Mögliche.

Im Innenhof am Volleyball spielen
Am Vorlesen

Um 4 Uhr geht es ans Hausaufgaben machen. Eine Lehrerin kommt dazu und lernt mit den meisten der Jungs im Lernzimmer. Währenddessen helfe auch ich ein paar Jungs in einem anderen Zimmer bei ihren Hausaufgaben.

Am rechnen, lesen oder schreiben

Freitags haben die Jungs meistens keine Hausaufgaben zu erledigen, weshalb wir öfters zum Beispiel Gesellschaftsspiele spielen. Während mir neue Spiele beigebracht werden, versuche auch ich, den Jungs typisch deutsche Kartenspiele beizubringen. Ansonsten gehen wir auch gerne auf einen Spielplatz, was die Kinder auch immer sehr freut. Hier wird dann den ganzen Nachmittag über geschaukelt, gewippt, Fangen oder Fußball gespielt.

Zwei der Jungs am wippen

Um 6 Uhr ist mein Arbeitstag planmäßig zu Ende. Oft bleibe ich aber auch noch bis zum Abendessen und helfe einer Tía beim Essenzubereiten. Um ca. halb 9 gehen die Jungs dann ins Bett und ich mache mich dann auch auf den Weg nach Hause.

Manchmal war ich nachmittags auch schon in Haus zwei, in dem Jungs im Alter von 12 bis 16 wohnen. Auch ihnen habe ich bei den Hausaufgaben geholfen. Wenn ich in Haus zwei bin, gehen wir oft aber auch auf den nahegelegenen Bolzplatz, um Fußball oder Basketball zu spielen. Öfters sitzen wir auch nett zusammen und reden ein bisschen. Auch mit den Jungs aus Haus zwei verstehe ich mich gut, hauptsächlich arbeite ich aber in Haus eins mit den jüngeren Kindern.

 

An sich macht mir die Arbeit hier wirklich Spaß. Es ist immer etwas los und sowohl die Jungs, als auch die Tías, sind echt aufgeschlossen und super nett. Immer wieder passiert etwas oder dir wird eine Geschichte erzählt, die dich zum Lachen bringt. Ich konnte mich also echt schon gut im Projekt einleben und fühle mich hier sehr wohl.

Liebe Grüße aus Mexiko
Phoebe