Musik, Tanz und Kirmes – das Fest der Kapelle

Am Wochenende war ein ganz besonderer Tag in der Kapelle hier in der Gegend Mexiko Citys. Schon die ganze Woche haben wir uns auf diesen Tag vorbereitet, indem wir die Kirche mit vielen Blumen und bunten Stoffen verziert haben. Am Freitag wurde die Straße gesperrt, um kleine Karussells, Achterbahnen, Schießbuden und Essensstände aufzubauen. An diesem Abend bin ich mit ein paar Freunden auf die Straße gegangen. Wir sind kleine Achterbahnen gefahren, haben unser Glück an den Schießbuden ausprobiert und ich habe zum ersten Mal original mexikanische Tacos gegessen, welche echt super lecker sind.

Verzierungen des Eingangstors zur Kapelle zu Ehren der Jungfrau Maria
Tacos de suadero

Am Sonntag war es dann endlich soweit: das Fest der Kapelle begann. Morgens früh um 8 Uhr versammelten sich alle in der Kirche und es wurde gemeinsam gefrühstückt. Es gab das typisch mexikanische Getränk Atole, eine Kombination aus Mais mit Milch, Wasser, Zucker und Kakao, ein Süßgebäck und Tamales, eine Maismasse gefüllt mit Fleisch und Chili. Nach dem Frühstück begann die Messe, bei welcher die Lieder von Mandolinen, Flöten und Gitarren begleitet wurden, was echt super schön klang. Als die Messe endete, gab es im Anschluss ein Feuerwerk mit ordentlich lauten Böllern. Ein kleines Orchester, bestehend aus sämtlichen Blechblasinstrumenten, Gitarren und Trommeln, marschierte mit schmetternden Tönen in die Kapelle und erfüllte den ganzen Saal mit der hier so beliebten und traditionellen Vanda-Musik. Nach einigen Minuten, befand sich die Musik wieder auf der Straße vor der Kirche. In kürzester Zeit kamen auch wir dazu und tanzen mit den anderen mit. Hauptsächlich trugen die Leute hier die traditionelle Kleidung Mexiko Citys, ein buntes Gewand in Kombination mit einer Maske und einem Hut, mit welchem man sich Chinelo nennt. Es kam richtig Stimmung auf und immer mehr Leute begannen zu tanzen. Das kleine Orchester setzte sich nun in Bewegung und lief allen voran die Straße entlang. Begleitet von einigen Böllern, zog auch ich hinterher. Die ganze Straße tanzte zu der Musik und alle hatten super viel Spaß.

Nach einer kleinen Tour durch das Viertel kamen wir wieder an der Kapelle an, wo die nächste Messe begann. Im Anschluss haben alle gemeinsam Pollo con Mole gegessen, Hühnchen mit Reis, Tortilla und einer Art Bratensoße, der Mole. Danach ging es wieder in die Kirche, hier wurden nun traditionelle Tänze aus sämtlichen Regionen Mexikos aufgeführt. Mexiko ist ein wahnsinnig vielfältiges Land mit super vielen unterschiedlichen Kulturen, die lange Traditionen haben. So habe ich auch sehr viele verschiedene Tänze gesehen. Von dem Tanz „Jarabe Tapatío“ aus Guadalajara, über den „Quetzal-Tanz“ aus Puebla und Veracruz zu dem „Ballett Folklórico“ ist alles dabei. Alle wurden von unterschiedlichster Musik begleitet, meist Trommeln, Gitarren und Blechblasinstrumente in unterschiedlichster Zusammensetzung mit verschiedensten Rythmen und Melodien. Auch die Kleidung variierte von Tanz zu Tanz. Meist trugen die Frauen farbenfrohe, bodenlange Kleider mit einem Tuch und Kopfschmuck, dazu Steppschuhe. Auch die Männer trugen Schuhe, die bei jedem Auftritt klacken. Dazu meist eine elegante Hose, ein Hemd und einen Sombrero, teilweise auch cowboyähnliche Reiterstiefel. Schon Mädchen und Jungs im kleinsten Alter haben sich für die Drehungen extrem verbogen und in einer rasanten Geschwindigkeit ihr Kleid geschwungen, was echt beeindruckend war.

Die unterschiedlichen Kleidungen der Tänzer
Aufführung eines Tanzes

Im Anschluss ging ich mit ein paar Freunden auf die Straße, um einige Karussells zu fahren und unser Glück an den Schießbuden auszuprobieren. Nachdem wir über die Straße geschlendert waren, hörten wir vor der Kapelle wieder die Musik und sahen die ersten Chinelos schon auf der Straße tanzen. Langsam bewegten sich alle mitsamt der Musik in die Kapelle, wo das Fest dann seinen Lauf nahm. Mir hat das super gefallen, da ich es bisher noch nie erlebt habe, dass in einer Kirche so viel getanzt wird und eine derartige Stimmung aufkommen kann. Der ganze Saal wurde von der Musik erfüllt, weshalb uns gar nicht auffiel, dass es draußen auf einmal wie in Wasserfällen zu schütten begann. Innerhalb von Minuten floss das Wasser in Bächen die Straße hinunter. Glücklicherweise führten zum Kircheneingang einige Stufen hinauf, sodass sich das Wasser nur außerhalb auf mindestens 10 cm Höhe staute. Es war in diesem Moment echt total beeindruckend, da draußen ein halber Weltuntergang vonstattenging, während das Fest in vollem Gange war.

So langsam neigte sich das Fest nach der dritten Messe an diesem Tag dann auch dem Ende zu. Mir hat das Fest echt super gut gefallen. In Mexiko wird wahnsinnig gerne gefeiert, alles wird als Anlass genommen. Es war eine schöne Erfahrung, mal so richtig Stimmung in der Kirche zu sehen, was ich so schnell nicht mehr vergessen werde.