Unerwarteter Abschied

Mein letzter Blogeintrag ist nun schon knappe zwei Monate her und seitdem hat das Corona-Virus die Welt auf den Kopf gestellt. Dies ging auch an uns Freiwilligen nicht vorbei und ich sitze schon seit Wochen wesentlich früher als geplant wieder zu Hause in Wolfsburg bei meiner Familie. Doch erstmal von Anfang an:

Schon während des Zwischenseminars (von dem ich im letzten Blogeintrag erzählt habe) kamen auch in Kambodscha weitere Corona-Fälle auf und auf meiner Fortbildung nach dem Seminar habe ich auch ein Mitarbeitertraining gehabt, der alle in dem richtigen Umgang mit Mitarbeitern und Familien in diesen Zeiten trainiert hat. Als ich dann voller Energie nach dem Seminar wieder in Battambang ankam, habe ich über die Medien mitbekommen, dass alle Schulen in Kambodscha schließen. Da in meinem Projekt auch Kindern aus verschieden Familien zum Kinderprogramm zusammenkamen, haben wir dies vorsorglich auch eingestellt, doch der normale Betrieb lief mit Vorsicht weiter. Das war auch notwendig, denn die Kinder in Pflegefamilien brauchen natürlich trotz allem weiter Betreuung durch das Projekt. Trotzdem hat mir das erstmal einen kleinen Dämpfer verpasst, da ich mich sehr wieder auf die Arbeit im Projekt gefreut hatte. Auch zu beobachten war der allgemeine Anstieg an Personen, die freiwillig dauerhaft nur noch mit Mundschutz vor die Tür gingen. In Kambodscha war es zwar bei vielen sowieso üblich beim Motofahren oder bei viel Staub einen Mundschutz zu tragen, doch der Anstieg war trotzdem zu merken, vor allem da viele Abstand genommen haben von Personen, die keinen Mundschutz getragen haben und ein genereller Respekt vor dem Virus vorherrschte. Sonst lief der Alltag aber erstmal ohne weitere Beschränkungen fort und auch ein Wochenendausflug zur Reispapierproduktion mit meinen Freunden war kein Problem, doch von dem habe ich im letzten Eintrag ja schon berichtet.

An diesem Wochenende habe ich dann aber auch erfahren, dass meine Familie mich leider nicht besuchen kann, da durch Corona ihre Flüge gestrichen wurden und auch meine Freunde, die schon in Thailand waren und mich auf der auf de Durchreise besuchen wollten, hatten (im Nachhinein glücklicherweise) beschlossen in Thailand zu bleiben und nicht das Risiko eines Länderwechsels einzugehen. Somit ging ich schonmal mit einem mulmigen Gefühl in die nächste Woche, denn auch einige Berichte von Freiwilligen aus anderen Ländern, die nach Hause zurückkehren mussten, hatten mich schon erreicht. Direkt an dem Montag (an dem ich auch meinen letzten Blogeintrag veröffentlicht hatte) kam dann abends die Nachricht vom Kindermissionswerk an alle Freiwilligen, dass wir so schnell wie möglich wieder nach Deutschland reisen müssen, um einer Grenzschließung zuvorzukommen. Nach dem motivierenden Zwischenseminar, all der Motivation und der Tatsache, dass ich mich immer besser eingelebt hatte und auch mit der Sprache immer besser zurecht kam, war das ein richtiger Schock für mich. Das Abflugs Datum stand noch nicht fest, aber es hätte jeder Flug in den nächsten Tagen sein können und da ich in Battambang gewohnt habe und der Flug auf jeden Fall wieder aus der Hauptstadt Phnom Penh gehen sollte, habe ich mich direkt an das Packen meiner Sachen gemacht, um möglichst früh schon nach Phnom Penh zu reisen. Nach einer kurzen Nacht ging es dann am nächsten Tag direkt weiter mit Sachen packen und vor allem auch Wohnung sortieren und ausräumen. Ich habe in Battambang in einer Wohnung gewohnt, die nun natürlich wieder lehr werden musste, doch einige Sachen wollte ich auch für einen nächsten Freiwilligen dort lassen. Zum Glück kamen mir meine kambodschanischen Freunde zur Hilfe. Zunächst haben wir auf den Motos eine Runde durch Battambang gedreht und noch einige Souvenirs besorgt, die noch auf meiner Liste standen und haben anschließend meine Wohnung ausgeräumt, einfach um auch noch ein bisschen Zeit miteinander zu verbringen und die Zeit noch zu genießen. Am Mittwoch hieß es dann morgens mit meinen Mitarbeitern die restlichen Dinge, wie Regale und mein Fahrrad ins Projekt zu bringen und dann meine Koffer fertig zu packen. Nachmittags hatten dann meine Mitarbeiter auf die Schnelle noch einen kleines Abschiedsessen im Projekt organisiert und um ein paar Tränen beim Abschied zu verdrücken kam ich nicht drum herum. Anschließend musste ich dann noch meine Wohnung übergeben und habe mich dann mit meinem Koffer und meinem Wanderrucksack sowie Handgepäck in einem Tuktuk auf den Weg gemacht. Erstmal ging es zum gemeinsamen Abendessen mit meinen kambodschanischen Freunden und anschließend haben wir noch zusammen in einer Bar gesessen, wo auch einige andere Freunde vorbei geschaut haben, um sich zu verabschieden. Leider konnte ich mich dort nicht mehr von allen verabschieden, die ich in er Zeit dort kennenlernen durfte und so blieb es mir bei manchen nur per Facebook „Tschüss“ zu sagen. Und dann kam irgendwann die Zeit meiner mir so ans Herz gewachsenen Stadt Lebewohl zu sagen und mich von meinen tollen Freunden zu verabschieden, die mir immer eine große Hilfe gewesen sind, denn mittlerweile stand der Flug für Donnerstagabend fest und der Nachtbus, der mich in die Hauptstadt bringen sollte stand bereit. Nach dem letzten „Good bye“ ging es dann ein letztes Mal auf der Strecke, die ich in den sieben Monaten etliche Male gefahren war, in sechs Stunden durch die Nacht in die Hauptstadt, wo ich dann morgens um fünf Uhr ankam und bis Mitternacht Zeit als Puffer hatte. Zum Glück ist am frühen Nachmittag dann Johanna, meine Mitfreiwillige, zu mir gestoßen und nach einigem Warten ging es dann am Abend auf den Rückflug.

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Dieser führte uns zum Umsteigen über Peking, was durch die vielen Sicherheitsmaßnahmen zu einem eigenen kleinen Abenteuer wurde, doch schlussendlich haben wurden wir dort nach einigen Stunden des Wartens dann in unseren nächsten Flieger gesetzt, der fast komplett leer war und dann waren es nur noch elf Stunden Flug, bis wir unsere Familien in Frankfurt wieder getroffen haben. Diese ganze Reise angefangen von dem Montagabend bis zum Ankommen zu Hause war für mich unglaublich stressig, da mit dem Wohnung Leerräumen, sich in kürzester Zeit verabschieden und über Nacht in die Hauptstadt Reisen einfach sehr viele Dinge in kürzester Zeit erledigt werden mussten und dann eine extrem lange Reise anstand. Vom Verlassen meiner Wohnung bis zum zu Hause ankommen waren es allein 60 Stunden, die ich unterwegs war. Das hat dazu geführt, dass ich irgendwie ein bisschen in einem Tunnel war und mir erst zu Hause richtig klar wurde, wie sehr ich diese Zeit vermissen werde und was ich damit verloren habe. Andererseits war ich auch froh, dass das Kindermissionswerk so schnell reagiert hat, denn andere bekannte Freiwillige, die drei Tage nach uns fliegen sollten, saßen auf Grund gestrichener Flüge noch 1,5 Wochen in der Hauptstadt Kambodschas fest. Generell war ich sehr froh, dass uns das Kindermissionswerk da so viel unterstütz hat. Nicht nur mit dem Organisieren von Flügen, sondern auch mit Tipps und Absprachen, bei zum Beispiel wie und wann ich in die Hauptstadt fahre, aber auch nach der Rückkehr einfach als offenes Ohr, dem man von den aktuellen Schwierigkeiten berichten kann.

Denn auch wenn ich mit offenen Armen wieder zu Hause empfangen wurde, sich erstmal wieder in den „alten“ Alltag wieder einzufinden war nicht ganz leicht. Vor allem, da man durch die Kontaktbeschränkungen auch kein richtiges Wiedersehen mit Freunden und Verwandten machen konnte. Doch mit der Zeit habe ich mich auch wieder eingefunden und zum Glück einige Aufgaben und Beschäftigungen gefunden, denen ich mich hier nun widmen kann. Nur Kleinigkeiten und Gewohnheiten aus Kambodscha wundern mich hier immer wieder, wenn es zum Beispiel um Essgewohnheiten, das generelle Miteinander oder die persönliche Einstellung geht.

Kontakt nach Kambodscha versuche ich noch regelmäßig zu halten. Des Öfteren schreibe ich mit meinen Freunden oder verfolge die News, denn auch dort hat das Corona-Virus einiges durcheinander gebracht. Die Schulen sind zwar noch geschlossen und die Reisebeschränkungen zwischen den Provinzen gelten noch, was die Arbeit zwischen NGOs im Landesweiten Netzwerk schwierig macht, aber mittlerweile kehrt in vielen Bereichen des Lebens wieder einigermaßen Normalität (mit Abstand) ein, was auch meinem Projekt zu Gute kommt, die durch die Auflagen erhebliche Hürden in ihrer täglichen Arbeit zu bewältigen hatten. Und auch vielen meiner Freunde hilft, da sie ohne große Versicherung und Sozialleistungen in der Corona-Zeit keine andere Möglichkeit hatten, als arbeitslos zu sein.

Für mich geht es jetzt erstmal mit kleinen Aufgaben von zu Hause aus weiter, bevor ich dann wahrscheinlich ab nächstem Herbst in die Uni und hoffentlich ein neues Abenteuer starte. Ich glaube, dass ich die Zeit in Kambodscha, auch wenn sie jetzt etwas kürzer war als erhofft, dabei nie vergessen werde. Ich habe so großartige Freunde gefunden, Erfahrungen gesammelt, wie es ist in einer fremden Kultur und Stadt zurechtzufinden, unglaublich viel gelernt, Fähigkeiten, wie auch persönlich, und ich hatte eine Menge Spaß. So kann ich nun auch mit einem lächelnden Auge auf diese Zeit zurückblicken und voller Vorfreude und ein bisschen kambodschanischer Gelassenheit und Spontanität in die Zukunft blicken.

Also alles Roger,

Euer Moritz