Meine Aufgaben im Projekt

Schon fast drei Monate bin ich jetzt Teil des Teams in der Komar Rekreay Association und wie ich in meinem ersten Blogeintrag zu meinem Projekt erzählt habe, sind meine Aufgaben hier sehr unterschiedlich. Davon, dass diese Aufgaben sich mittlerweile eingespielt hätten kann ich aber trotz der schon vergangenen Zeit noch nicht sagen, was vor allem auch daran liegt, dass sich die Rahmenbedingungen und die resultierenden Aufgaben sich ändern und so auch immer mal etwas Neues hinzukommt.

Doch was macht die Komar Rikreay Association überhaupt? „Komar Rikreay“ ist Khmer und bedeutet übersetzt „Glückliche Kinder“ und dafür zu sorgen, dass Kinder glücklich und sorgenfrei mit Zugang zur Bildung aufwachsen können, hat sich diese Organisation zur Aufgabe gemacht. Die Maßnahmen, um diese Ziele zu erreichen können sehr unterschiedlich sein. Manche Kinder und deren Familien werden zum Beispiel mit Essen versorgt, sodass sie Geld sparen können, um ein selbständiges Familienunternehmen aufzubauen und die Kinder zur Schule zu schicken. Andere Kinder, die aus welchen Gründen auch immer, keine Eltern mehr haben, werden in Pflegefamilien vermittelt oder bei anderen Verwandten untergebracht. Bei diesen Fällen sind dann die Sozialarbeiter des Projekts noch monate- oder jahrelang hinterher und schauen regelmäßig, wie es den Kindern geht. Wieder andere Kinder mit körperlichen oder geistigen Einschränkungen werden von Mitarbeitern zu Besuchen im Krankenhaus begleitet und es wird mit deren Familien überlegt, wie man die Situation der Kinder verbessern kann. Das ist in Kambodscha sehr wichtig, da hier der Umgang mit Kindern mit zum Beispiel Autismus noch wenig erprobt und wenig inklusiv ist. In allen Fällen steht das Kind zwar im Fokus, doch um die Lebensumstände des Kindes zu verbessern muss die ganze Familie ins Blickfeld genommen werden. Dafür gibt es zum Beispiel Workshops oder Tipps zum Thema „positive Erziehung“.

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Um die Ziele bestmöglich zu erreichen, arbeitet die KMR nicht nur allein, sondern kooperiert mit vielen lokalen Behörden und Organisationen. Dadurch können Kinder, die Unterstützung brauchen schneller identifiziert werden und zu passenden Stellen vermittelt werden, um zum Beispiel intensivere Pflege oder eine Ausbildung zu bekommen. Außerdem nehmen die Mitarbeiter hier oft an Trainings und Weiterbildungen in der Hauptstadt teil und verbreiten dieses Wissen dann hier in Battambang, in dem wieder kleinere Workshops mit Mitarbeitern anderer Organisationen und Institutionen hier bei uns im Projekt stattfinden.

Meine hauptsächliche Aufgabe liegt dabei beim Unterrichten und Programm gestalten, um den Kindern, die in Pflegefamilien untergebracht sind, etwas Freizeitprogramm zu bieten und spielerisch etwas an ihrem Englisch zu arbeiten. An zwei Tagen in der Woche kommen nun vormittags und nachmittags die Kinder, die vom Projekt unterstützt werden, aus ihren Familien in das Projekt und zusammen lernen wir Englisch, üben das Singen leichter englischen Lieder, Basteln Kleinigkeiten und spielen einfach mal Spiele. Auch Fußball spielen ist hier hoch im Kurs und da darf ich als gefragter Mitspieler dann nicht fehlen.

Da die Altersspanne, wie im letzten Eintrag erwähnt, sehr groß ist, versuche ich beim Englisch-Unterricht immer etwas zu finden, was ich mit allen machen kann oder verschiedene Aufgaben zu stellen, sodass auch alle etwas gefordert werden. Da es hier bei vielen noch an den Zahlen, dem Alphabet und dem Lesen im generellen hapert, mache ich zur Zeit viele Zuordnungs-Spiele bei denen dann Paare von Zahlen und den entsprechenden Wörter gebildet werden müssen oder ein kleines Quiz bei dem die Buchstaben erraten werden müssen. Das klingt erstmal sehr simpel, da aber hier in der Schule nicht viel Englisch unterrichtet wird, ist das ein guter Weg um ein bisschen den regelmäßigen Umgang mit der Sprache zu fördern und mit meinem noch kleinen Wortschatz an Khmer ist dieses Basiswissen auch nicht so schwer zu vermitteln, sodass ich mittlerweile auch des Öfteren ohne Unterstützung einer Kollegin mit den Kindern alleine Unterricht mache. Da muss ich mir die Aufmerksamkeit der Kinder zwar manchmal erstmal erarbeiten, aber da die meisten eigentlich gerne neues Lernen ist das gar nicht so schwer und ist eine schöne Herausforderung, um auch Khmer zu üben.

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Im Oktober hatte dann mein Projekt eine Jugendgruppe im Alter von 16-19 Jahren mit zwei Betreuern aus Frankreich zu Gast. Diese sind über einen Partner unseres Projekts als „Kurzzeit-Freiwillige“ für acht Tage nach Battambang gekommen. Die Organisation des Programms und die Durchführung sollte eigentlich unser Fundrasing Officer übernehmen, der selbst Franzose ist. Da dieser aber Mitte September eine neue Stelle im Tschad angenommen hat, fiel diese Aufgabe mir zu. Das bedeutete einige Planung im Vorfeld wofür ich auch mit einigen französischen NGOs hier vor Ort Kontakt hatte, sodass dein ein buntes Programm inklusive Aktionen mit unseren Kindern, Schulbesuch, Landausflug, und Austausch mit Schülern im französischen Institut bereitstand. Während des Aufenthalts habe ich dann die Gruppe bei uns durch das Projekt geführt und sie zu vielen Programmpunkten begleitet um dort auch als Übersetzer etwas zu helfen. Da ich in der Schule fünf Jahre Französisch gelernt habe kann ich Französisch noch sehr gut verstehen, doch beim Sprechen hapert es bei mir. Doch so konnten die Franzosen, bei denen einige mit Englisch Schwierigkeiten hatten, einfach Französisch mit mir reden und ich habe auf Englisch geantwortet und schon konnten wir uns super verständigen. Außerdem konnte ich ihnen einige meiner schönsten Ecken Battambang zeigen, von denen ich schon viele kennengelernt habe. Auch ein schöner Programmpunkt waren die gemeinsamen Aktionen mit den Kindern aus unserem Programm. Zusammen haben wir T-Shirts dekoriert, eins unserer Häuser verziert und Spiele gespielt. Dazu brauchte man meist keine Sprache sodass alle viel Spaß und eine schöne, aber auch volle Woche hatten.

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Da bei der Verlängerung meines Visums etwas schief gelaufen war, musste ich zusätzlich zu all dem Programm dringend persönlich in Phnom Penh meinen Pass in das entsprechende Ministerium bringen. In Battambang wurde ich aber auch gebraucht, sodass keine Zeit für einen langen Aufenthalt in der Hauptstadt war. Auf dem Hinweg habe ich den Nachtbus genommen, sodass ich morgens um 05:00 Uhr ankam. Bis um 08:30 Uhr das Ministerium aufmachte, habe ich die Zeit in einem 24h Café verbracht und kurz gefrühstückt, um dann zwei Stunden im Ministerium darauf zu warten meinen Pass einreichen zu können. Anschließend war noch Zeit, um einen kleinen Snack für die Rückfahrt zu besorgen, und schon ging es mit dem Minibus die guten sechs Stunden wieder zurück nach Battambang, sodass ich innerhalb von circa 20 Stunden wieder am Beginn der Reise stand. Der Aufwand hat sich aber gelohnt und ich habe mittlerweile mein Visum für den gesamten Rest des Jahres inklusive mehrfacher Ein- und Ausreisemöglichkeit, sodass ich jetzt damit keine Probleme mehr haben sollte.

In der Zeit, in der ich gerade nicht Unterrichte oder andere Aktivitäten mit den Kindern unternehme, habe ich immer noch die Aufgabe des Communication Officers. Das bedeutet ich kümmere mich um regelmäßige Posts auf der projekteigenen Facebookseite (da Facebook in Kambodscha das am meisten genutzte soziale Netzwerk ist und sogar als Suchmaschine häufiger als Google verwendet wird), die Verwaltung der Fotos und helfe nebenbei noch beim Schreiben und korrigieren englischer Berichte für die Partner-Organisationen. Außerdem fahre ich ab und zu mit zu den Familien hier in Battambang oder begleite Mitarbeiter auf Touren in die Provinz, auf denen wir Essen verteilen oder kleine Bildungsveranstaltungen für Eltern organisieren. Inoffiziell habe ich jetzt auch noch die Rolle des Techniksupports. Wenn irgendwo der Download nicht beginnt, eine E-Mail Signatur eingefügt werden soll oder der Drucker werde ich gefragt, ob ich da helfen kann und als Technik-Enthusiast mache ich das doch gerne

 

Soweit also alles Roger in Kambodscha,

Euer Moritz