Erlebnisreiche Weihnachten

Die Zeit hier in Kambodscha fängt langsam an wie im Fluge zu vergehen. Ich kann mich noch gut an die Anfänge des Jahres in Kep erinnern und jetzt ist die Weihnachtszeit schon vorbei und wir haben es fünf Monate später und Januar im neuen Jahr. Das kann daran liegen, dass seid meinem letzten Blogeintrag mal wieder sehr viel passiert ist.

Der Dezember fing hier mit ein paar, für kambodschanische Verhältnisse, sehr kalten Tagen an, an denen die Temperatur in der Nacht mal auf 18 Grad abkühlte und auch tagsüber nur maximal 25 Grad Celsius erreichte. Auch wenn diese „kalten“ Temperaturen, bei denen die Kambodschaner dann plötzlich in Winterkleidung herumlaufen, nur drei Tage anhielten, habe ich es doch geschafft mir erstmal eine Erkältung einzufangen. Diese hat mich dann für ein Wochenende erstmal etwas aus der Bahn geworfen, doch mit etwas frischem Ingwer, den es hier überall gibt, geht das auch schnell wieder vorbei.

In der Woche darauf hatte ich mir vorgenommen endlich mal Bangkok zu besuchen, da das nur 250km von hier entfernt liegt und mit dem Bus gut zu erreichen ist. Also habe ich mir ein Ticket für den Donnerstagmorgen besorgt und mich einfach mal auf den Weg gemacht. Dabei muss man auch die Kambodschanische Grenze zu Thailand überqueren, was etwas ungewohnt war, da man die 200 Meter „zwischen“ den Ländern laufen muss um dann auf der anderen Seite in einen neuen Bus einzusteigen, der dann im Gegensatz zu Kambodscha, in Thailand dann ein Rechtslanker ist und auf der linken Straßenseite fährt. Nach etwas Verspätung und über 8 Stunden Reise kam ich dann in Bangkok an und war erstmal geschockt vom Verkehr, der doch nochmal um einiges schneller und wesentlich voller als in Phnom Penh ist. Außerdem fuhr gerade der thailändische König durch die Straßen der Hauptstadt, weswegen viele Straßen kurzfristig gesperrt wurden und mein 3 Kilometer Weg zum Hostel eine dreiviertel Stunde dauerte.

Am nächsten Tag konnte ich dann die Vielfalt der Metropole in aller Ausführlichkeit erkunden. Vom beeindruckenden Königspalast, prunkvollen Tempeln und Fährlinien auf dem Fluss bis hin zu riesigen Shoppingcentern, Wolkenkratzern und dem Skytrain ist viel dabei, was mich zum Staunen gebracht hat. Vor allem Orte, wie das Chinatown, das Abends mit seinen vielen Straßenständen zum Leben erwacht oder der Wochenendmarkt in der Nähe des Chatuchak Parks, auf dem auf einem riesigen Gelände mit verschiedenen Arealen alles Mögliche an Souvenirs , Kleidung, Taschen und vieles mehr verkauft wird, haben mir bei der Erkundung besonders viel Spaß gemacht. Außerdem habe ich in Bangkok mich mit einer Bekannten getroffen, die Thailänderin ist, dort zur Schule geht und auch dort wohnt. Sie hat mir auch einige interessante Ecken von Bangkok und thailändische Spezialitäten gezeigt und mir nochmal einen anderen spannenden Einblick gegeben.

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Nach drei Nächten und spannenden Tagen in Bangkok ging es dann für mich am Sonntag derselben Woche wieder Richtung Battambang, das ich mehr und mehr einfach hier als Heimat bezeichne. Dafür hatte ich in Bangkok nur ein Busticket bis zur Grenze gefunden, sodass ich dann auf kambodschanischer Seite hinter der Grenze spontan ein Transportmittel suchen musste. Da stehen aber viele Taxis und Busse, die nach Battambang fahren, sodass das kein Problem und relativ unproblematisch geht, wenn man sich nicht von den vielen Fahrern stressen lässt, die auf einen beim Grenzübergang einreden. Direkt nach meiner Ankunft ging es dann noch zur Weihnachtsfeier bei YWAM (einer kirchlichen Organisation hier), die schonmal mit einem Krippenspiel ein kleines bisschen Weihnachtsatmosphäre brachten, doch zu Weihnachten gleich mehr.

Denn wieder im Projekt standen einige spannende Aufgaben an. Zum einen Fieldvisits in den Süd-Westen der Provinz in eine sehr ländliche Gegend. Das war eine sehr interessante Erfahrung, da das Leben sich dort nochmal sehr von dem in der Stadt unterscheidet und seine eigenen Probleme, wie die minimalen Versorgungsmöglichkeiten aber auch Vorteile, wie die unglaublich schöne Landschaft in der Hügellandschaft und das gemeinschaftliche Leben in den Dörfern, mitbringt. Zum anderen soll das Freizeitprogramm für Kinder im Projekt, dass nur von mir angeboten und betreut wird, erweitert werden und meine Aufgabe war dafür ein Konzept zu erstellen und Ideen zur Umsetzung herauszuarbeiten. Leicht war das im ersten Moment nicht. Ich hatte zwar bei den Pfadfindern in Wolfsburg schon einige Lager, Fahrten und Programme geplant, doch ein dauerhaftes Programm in einer NGO, dass auch funktionieren soll, wenn mal kein Freiwilliger da ist, war für mich erst mal eine Herausforderung. In Zusammenarbeit mit meinen Kollegen und meiner Chefin haben wir, glaube ich, einen guten Weg gefunden und in den nächsten Monaten steht dann die Umsetzung an, an der ich hoffentlich in meiner Zeit hier noch mitwirken kann.

Mit dem Ende des Dezembers rückten dann auch die Weihnachtstage und mein Geburtstag am ersten Weihnachtsfeiertag näher. Da die größtenteils buddhistische Bevölkerung Kambodschas Weihnachten nicht wirklich feiert, kam vorher nicht wirklich Weihnachtsstimmung auf, was vielleicht auch an den Temperaturen liegen kann. Diese halten sich bis auf ein paar schon erwähnte Ausnahmen immer noch konstant über 30°C. So kam es also, dass ich am 24.12. nicht wie gewohnt Weihnachten feierte, sondern am Vormittag (da ich den 25. Von meinem Projekt frei bekommen haben) schonmal ein kleines Geburtstagsessen im Projekt hatte und am Abend statt Heilig Abend am Weihnachtsbaum, mit meinen kambodschanischen Freunden und einer befreundeten deutschen Freiwilligen bei mir zu Hause und anschließend in einer Bar in meinen Geburtstag reingefeiert habe. Am 25. war ich dann aber doch noch über YWAM zu einer Weihnachtsfeier eingeladen, zu der alle kommen konnten, die gerade weit weg von ihren Familien sind und zusammen haben wir gewichtelt, ein paar Weihnachtslieder gesungen, bei denen ich als Gitarrist gefragt war, und ein schönes Weihnachtsessen hatten, zu dem jeder etwas mitgebracht hat. Alles in allem also etwas durcheinander und ein sehr ungewöhnliches Weihnachten, doch trotzdem eine großartige Erfahrung mit vielen Freunden.

Doch damit war der Dezember noch nicht ganz am Ende. Da das Projekt die beiden letzten Dezembertage geschlossen hatte, habe ich mit einer guten kambodschanischen Freundin den Entschluss gefasst, uns die Wasserfälle bei Pailin anzuschauen. Pailin ist eine Kleinstadt etwa 80km süd-westlich von hier und in 1,5 Stunden erreichbar. Also haben wir kurzerhand uns eine Fahrgelegenheit organisiert und sind für 3 Tage in die benachbarte Provinz gefahren. Dort gibt es einige Wasserfälle, die im Dschungel in den an die Stadt angrenzenden Bergen liegen. Einer ist sogar mit dem Auto zugänglich und etwas touristisch. Die anderen beide, die wir uns ansehen wollten, liegen fernab der Straßen im Dschungel, weshalb wir dorthin gewandert sind. Dazu gehörte dann auch mehrere Male die Strecke auf Trampelpfaden durch den dichten Dschungel zu bewältigen, was ein unglaublich spannendes Abenteuer war. Trotz Trockenzeit führten die Wasserfälle noch einiges an Wasser und bei den Wasserfällen war außer uns meist niemand mehr, sodass wir einer der, in meinen Augen, Lieblingsbeschäftigungen der Kambodschaner nachgehen konnten: Viele Fotos und Selfies schießen. Außerdem hatte ich endlich mal die Gelegenheit ein bisschen Wandern zu gehen. Dafür hier jemanden zu begeistern ist nicht ganz leicht und rund um Battambang sind Berge wirklich zu finden.

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Am 31. Dezember ging es dann wieder zurück nach Battambang, wo abends direkt die Silvesterparty anstand, auf der auch wieder viele meiner Freunde waren, sodass wir zusammen die Musik genießen, tanzen und das Feuerwerk bewundern konnten. Da hier in der Stadt aber natürlich jeder auf irgendeine Feier wollte und auch eine Veranstaltung auf einer der Hauptstraßen stattfand, war es in der Moto-Flut gar nicht so leicht erstmal zur Party zu kommen.

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Nach einem guten Start in das neue Jahr ging es dann am ersten Tag im Projekt direkt mit einem Betriebsausflug los. Dabei sind wir mit einem gemieteten Bus etwas aufs Land gefahren und haben das monatliche Mitarbeiter-Meeting einfach an einen Fluss mit vielen Pavillons verlagert. Anschließend waren wir dort zusammen schwimmen und haben nach dem gemeinsamen Mittagessen auf dem Rückweg noch einige Stopps bei einer Gärtnerei und einem Blumenfeld gemacht, um wieder viele Fotos zu machen. In der zweiten Januarwoche war dann Johanna, meine Mitfreiwillige im Projekt in Kep, mit ihrer Familie in Battambang zu Besuch, wobei eine kleine Stadttour und ein Besuch im Akrobatik-Zirkus nicht fehlen durfte.

Das war jetzt mal ein langes Update, doch es war ja auch echt viel passiert. Im Januar geht es die nächsten Wochen geht es wahrscheinlich erstmal etwas entspannter weiter, doch hier weiß man nie, was spontan noch aufkommt und schon Anfang Februar geht es auf einen weiteren spannenden Trip, doch von diesem Abenteuer und bestimmt vielen weiteren schreibe ich dann in meinem nächsten Beitrag.

Also soweit alles Roger in Kambodscha,

Euer Moritz