Aller guten Dinge sind 3 – Meine 3 Neujahrsfeste in Kambodscha

Das ist ein Blogeintrag über meine drei Neujahrsfeste in Kambodscha, den ich  schon seit längerer Zeit veröffentlichen wollte, es aber aus mehreren Gründen erst jetzt schaffe, ich wünsche trotzdem allen viel Spaß beim Lesen!

1.1.2019 – Sticky Rice und Fledermäuse am internationalen Neujahresfest

Hier möchte ich erst einmal etwas mehr als eine Woche vorher mit meinen Erzählungen beginnen. Denn kurz vor Weihnachten sind meine Eltern und mein Bruder wohlbehalten auf kambodschanischer Erde gelandet. Die Freude bei unserem Wiedersehen war natürlich riesig und irgendwie war ich sehr dankbar, dass ich Weihnachten doch nicht ohne meine Familie verbringen musste, denn von einer vorweihnachtlichen Stimmung habe ich in dem überwiegend buddhistischen Kambodscha nicht allzu viel mitbekommen und die tropischen Temperaturen haben meine Stimmung auch nicht weihnachtlicher werden lassen.

24.12.2018-Weihnachten mit meiner Familie in Kep

Nach einem Tag in der Hauptstadt sind wir alle zusammen in das Projekt nach Kep gefahren, wo wir auch gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen aus dem Projekt Weihnachten gefeiert haben. Es war ein ganz besonderer Heiliger Abend, denn unsere Geschenke waren wir vier, die wir zusammen dieses Fest feiern durften. Nach zwei weiteren Stopps auf den Inseln vor Sihanoukville (Kampong Som) und bei den Tempeln von Angkor bei Siem Reap, sind wir am 31.12. mit dem Boot über den Tonle Sap in Richtung Battambang zu Sonja getuckert.

Nach einer Zirkusvorführung in einer Zirkusschule am Abend sind Sonja und ich gemeinsam losgezogen, damit ich zumindest schon einmal einen Eindruck von Sonjas neuer Heimat bei Nacht bekomme. In der Stadt waren mehrere Konzerte und man konnte Himmelslaternen steigen lassen, was wir natürlich gemacht haben und mit der Unterstützung von zwei freundlichen Kambodschanern mit Feuerzeug auch geschafft haben.

Um Mitternacht gab es dann sogar ein Feuerwerk mit Raketen.

Am nächsten Tag, am internationalen Neujahrstag, haben wir (meine Familie, Sonja und ich) eine Tour mit einem Tuc Tuc durch Battambang gemacht und haben ein Denkmal für die Opfer der Roten Khmer, einen Tempel und eine sticky rice- und Reispapierproduktion besucht.

Am Abend sind wir zu den „Bat Caves“ etwas außerhalb von Battambang gefahren, wo jeden Abend zu Sonnenuntergang tausende von Fledermäusen aus einer Felsspalte fliegen, um auf die Jagd zu gehen. Dieses sehr beeindruckende Spektakel lockt täglich viele Besucher an den Ort.

Den Rest des Urlaubs mit meiner Familie haben wir in Phnom Penh verbracht und obwohl der Abschied am Ende definitiv kein leichter war, wäre es für mich unvorstellbar gewesen mit meinen Eltern zurück nach Deutschland zu fliegen.

Und so ging es dann für mich am 05.01. wieder zurück nach Hause, nach Kep.

05.02.2019 – Zwischenseminar in Kampot am Chinesischen Neujahr

Am 03.02. haben Sonja und ich uns auf die lange Reise in das 20km entfernte Kampot begeben, wo das Zwischenseminar mit den anderen weltwärts-Freiwilligen stattfand.

Da unsere Reise aber so kurz war, kamen wir vier Stunden vor allen anderen Teilnehmern des Seminars an. Es war sehr schön, die anderen Freiwilligen kennenzulernen und über das bis dahin Geschehene zu reflektieren und ein paar Anregungen für die zweite Hälfte des Jahres zu bekommen. Außerdem war das Seminar im Vergleich zum Arbeitsalltag sehr erholsam und wir haben die Sonnenuntergänge am Fluss mit Blick auf den Bokor Nationalpark sehr genossen.

Am Dienstag während der Woche war dann das Chinesische Neujahr und der Jahreswechsel vom Jahr des Hundes zum Jahr des Schweins hat stattgefunden (in Deutschland hätte ich dann allen ein sau gutes neues Jahr gewünscht 😉 ). Allerdings gab es zumindest in der Region um Kampot/Kep keine großen Feierlichkeiten, trotzdem fand ich es erwähnenswert, da das Chinesische Neujahr immerhin einer der 28 offiziellen kambodschanischen Feiertage ist.

Sonnenuntergang mit Blick auf den Bokor-Nationalpark am Chinesischen Neujahrsfest

14.04.-16.04.2019 Miri in Chum Kiri an Khmer Neujahr

Das Neujahrsfest dauert eigentlich nur drei Tage, aber in der Schule haben wir eine ganze Woche Ferien bekommen, das habe ich nur allerdings erst ziemlich spät kapiert, was in dem Fall vielleicht sogar ein riesiger Vorteil war. Denn meine beiden britischen Freiwilligenkollegen haben beide Besuch von ihren Familien bekommen und auch sonst hatte irgendwie jeder außer mir große Pläne. Lida, eine meiner Kolleginnen, mit der ich mich darüber unterhalten hatte, war sehr irritiert, dass ich mir für die Feiertage nichts vorgenommen hatte und hat mich dann zu sich nach Hause nach Chum Kiri, einem kleinen Dorf in der Kampot Provinz, eingeladen.

Bevor es jedoch nach Chum Kiri ging, wurde eine Woche vor den Ferien das komplette Schulgelände mit Lichterketten, Papiergirlanden, Bannern mit Neujahrswünschen und einem Tor aus Palmblättern geschmückt.

Dekoration und Opfergaben vor dem Kindergarten
Ein Tor aus Palmblättern als Neujahrsdekoration auf dem Projektgelände
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Und auch außerhalb vom Projekt konnte man viele Neujahrsdekorationen finden. Der Projektleiter hat mir auf einer Autofahrt durch die geschmückten Straßen erklärt, dass ich mir die Zeit im April so wie die Zeit vor Weihnachten und dem internationalen Neujahr in Deutschland vorstellen kann.

Der Unterricht in der technical school endete am Montag vor Khmer Neujahr und stattdessen wurde getanzt, es wurden Spiele gespielt und es gab extrem viele große Wasser-und Babypuderschlachten.

Im Kindergarten jedoch, in dem ich hauptsächlich eingesetzt bin, haben wir mit eiserner Disziplin bis Dienstag fleißig gelernt. Aber ab Mittwoch gab es auch dort Wasser- und Babypuderschlachten und am Donnerstag hatten wir eine eigene kleine Khmerneujahrsfeier mit viel Essen und Spielen.

Nach einer erfolgreichen Babypuderschlacht
Wasserschlacht im Kindergarten
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Insgesamt war während der kompletten Zeit eine sehr schöne Atmosphäre, weswegen ich sie auch sehr genossen habe und sie auf jeden Fall zu den Highlights des Jahres gehört.

Am Freitag wurde der Kindergarten geschlossen und wir (die Lehrkräfte aus dem Kindergarten) haben an einer Dankeszeremonie der technical school teilgenommen. Teil dieser war es, dass die SchülerInnen ihren Eltern die Hände und Füße gewaschen haben und sich für ihre Fehler im vergangenem Jahr entschuldigt und sich bei ihren Eltern bedankt haben. Das war sehr emotional, vor allem weil viele SchülerInnen weinen mussten und da manche InternatsschülerInnen keine Eltern mehr haben, saß ich stellvertretend für diese mit den LehrerInnen des Children Fund bei den anwesenden Eltern.

Nach der Dankeszeremonie der technical school

Nach den Feierlichkeiten sind fast alle SchülerInnen nach Hause gegangen und innerhalb weniger Stunden war das Schulgelände wie ausgestorben.

Am Abend sind alle Lehrkräfte gemeinsam Essen gegangen um Khmer Neujahr zu feiern.

Als dann auch wirklich alle Festlichkeiten in der Schule beendet waren, ging es für mich am Samstag morgens als Lidas Beifahrerin auf einem Motorroller – mit drei Durianfrüchten auf dem Schoß – in das 50 km entfernte Chum Kiri.

Über die Woche in Chum Kiri könnte ich einen eigenen Blogeintrag machen, da sie so erlebnisreich war, ich versuche aber das Wichtigste möglichst knapp darzustellen.

Als ich dort ankam, wurde ich unglaublich herzlich aufgenommen und die Eltern meiner Kollegin haben mich wie eines ihrer eigenen Kinder behandelt und mich auch immer „Oun“ (Tochter auf Khmer) gerufen.

Ich fand es unheimlich aufregend, in einem klassischen Khmer Stelzenhaus auf Strohmatten zu übernachten.

Das Zimmer haben sich Lida, ihre beiden Schwestern, ihr Bruder und ich geteilt und zum Bad mussten wir immer um das ganze Haus laufen. Dort gab es kein fließendes Wasser, sondern es gab einen großen Wasserbehälter, der je nach Bedarf einmal am Tag oder alle zwei Tage vollgefüllt wurde.

Das war auch das erste mal in meinem Leben, dass ich für eine längere Zeit ohne fließendes Wasser gelebt habe und um ehrlich zu sein, hat mir auch nichts gefehlt.

Ich fand diese Erfahrung unheimlich hilfreich um verstehen zu können, wie wohl viele der SchülerInnen außerhalb von Don Bosco leben.

Gekocht wurde immer gemeinsam, entweder über einem Feuer oder auf einem kleinen Gaskocher und so habe ich auch zum ersten Mal über einen längeren Zeitraum sehr leckere typische Khmer-Cuisine genießen können, die nicht aus einer Großküche (wie im Projekt) stammt.

Ein persönliches Highlight war es, als Lidas Oma zu Besuch kam und wir sticky rice mit Bananen zubereitet haben.

Ganz am Anfang der Woche wurde ich gefragt, ob ich denn etwas typisch deutsches kochen könnte und so habe ich dann am Donnerstag Schnitzel mit Kartoffeln und Ketchup gezaubert. Es war zwar eine kleine Herausforderung alle Zutaten auf dem Markt zu finden, aber letztendlich ist mir das Essen doch ganz gut gelungen und natürlich gab es dazu Ganzberg-Bier (Bier einer Brauerei, die in Phnom Penh von einem Deutschen gegründet wurde). Ich wurde dann allerding doch ein wenig schräg angeschaut, als ich mein Schnitzel mit Kartoffeln ohne Reis gegessen habe.

Auch sonst war sehr viel los in der Woche, denn es war ja immerhin Khmer-Neujahr.

Am ersten Abend sind wir direkt zu einer von Lidas Omas gefahren, wo eine kleine Party für die ganze Großfamilie mit einer Bühne, Essen, Karaoke und Tanz veranstaltet wurde.

Für die drei tatsächlichen Feiertage hatte die Familie vor dem Haus einen kleinen Altar mit Opfergaben, Räucherstäbchen und Lichterketten aufgebaut.

Einmal sind wir abends nach Kampot gefahren, um dort zu einer großen Khmer-Neujahrs Feier, die über die ganze Stadt verteilt war, zu gehen. Ein anderes Mal waren wir bei einer von Lidas Omas und es gab eine große Feier zu der auch alle Nachbarn kamen mit viel Essen, natürlich auch wieder Karaoke und traditionellen Spielen, wie beispielsweise Sackhüpfen (da habe ich sogar 5000 Riel gewonnen) oder ein Spiel bei dem man mit verbundenen Augen einen Tontopf zerschlagen muss, in dem Geld ist (so ähnlich wie Pinatas in Lateinamerika).

An einem anderen Tag kamen Cousins und Cousinen vorbei und wir haben Karten gespielt (da habe ich fast alle meine 100 Riel (= 0,025$) Scheine verloren.

Einmal sind wir auch zu einer Party in die Pagode gegangen. Dieser Besuch war eine der interessantesten Erfahrungen, denn geprägt durch Hollywoodfilme etc, habe ich eine Pagoda in meinem Kopf immer als sehr ruhigen und ausschließlich religiösen Ort gesehen. Das Bild wurde aber komplett erneuert, als ich dort ankam und laute Tanzmusik gespielt wurde. Außerdem gab es viele Essensstände . Mir wurde erklärt, dass eine Pagode neben seiner religiösen Funktion auch als Versammlungsort oder Dorfmittelpunkt dient.

Letztendlich hat mich aber Khmer Neujahr doch auch wie schon erwähnt irgendwie vom Gefühl her sehr an Weihnachten in Deutschland erinnert; das Zusammenkommen mit der Familie, Dankbarkeit und das gemeinsame Blicken auf ein neues Jahr. Deswegen bin ich auch sehr dankbar, dass ich diese Zeit nicht alleine verbringen musste und gleichzeitig Kambodscha gefühlt intensiver als je zuvor erleben durfte.

Auf nach Chum Kiri!
Am 1. Abend bei Lidas Oma
Khmer-Neujahr-Feier
Sackhüpfen
Altar mit Opfergaben
Erst habe ich alle Zutaten für die Schnitzel auf dem Markt eingekauft
...Dann wurden die Kartoffeln über dem Feuer gekocht, während die Schnitzel in der Pfanne gebrutzelt haben...
...Und fertig war das Mittagessen!!
Bei der sticky rice Produktion mit Lidas Mama
Es geht wieder nach Kep (diesmal im Großraum-Tuc-Tuc)
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