Reis wiegen, Reis packen, Reis geben, Reis essen – Weihnachten in Cebu City

Mein Dezember startete in den Bergen, wo ich an einer „Retreat“ teilnahm. Von SALVO (SalesianLayVolunteers) organisiert, zog ich mit anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ein ziemlich kahles und schlichtes Haus irgendwo in Mantalongon, zwischen riesigen Palmen und Gemüsefeldern, um drei Besinnungstage einzulegen. Geleitet wurde alles von einem Jesuiten, dem es ziemlich schwer fiel, die vielen doch normalerweise sehr lauten filipinos zum „silentium“ zu bewegen. Auch in Berlin habe ich schon an ähnlichen Exerzitien teilgenommen, somit kannte ich vieles schon. Trotzdem war es schön, einfach mal ein bisschen runterzukommen und die letzten Monate ein wenig zu reflektieren. Da alle ziemlich persönliche Dinge miteinander geteilt haben, verstanden wir uns als Gruppe unglaublich gut, sodass am Ende die drei Tage wirklich zu kurz waren.

previous arrow
next arrow
Slider

Und dann war eigentlich auch schon Weihnachten!

Den ganzen Monat wurde gefeiert. Insgesamt habe ich an 13 (13!!!) Weihnachtsfeiern teilgenommen, die alle ziemlich ähnlich abliefen. Es wurde gegessen, gegessen und noch einmal gegessen. Zwischendurch wurde getanzt, es wurden Spiele gespielt, an denen auch die Erwachsenen mit sehr viel Euphorie teilnahmen und Preise verlost. Gewichtelt wurde auch manchmal.

previous arrow
next arrow
Slider

An den großen Weihnachtsfeiern, wie in meinem Projekt oder der des Feedingprograms mit all den Straßenkindern wurden nicht nur Preise, sondern auch „Bundles of Joy“ vergeben. Diese bestanden meist aus mehreren Kilos Reis, Dosenfleisch, Nudeln, Hygienemitteln, Kaffee und einem Kleidungsstück. All diese Dinge mussten natürlich verpackt werden, was eine ganze Menge Arbeit, aber mit den richtigen Leuten natürlich auch viel Spaß bedeutete.

Neben anderen Vorbereitungen und Bastelarbeiten sah so also mein Arbeitsalltag im Dezember aus…

Nach dem vielen Reis schleppen hab ich eindeutig ein paar mehr Armmuskeln gewonnen…

Neun Tage vor Heilig Abend startete die Tradition der Misa del Gallo. Die Leute gehen neun Tage jeden morgen vor Sonnenaufgang in die Messe. Sie wollen damit eine Art Opfer bringen, um ihre Treue zu beweisen. Gleichzeitig glauben sie, einen Wunsch frei zu haben, wenn sie es geschafft haben, zu allen neun Messen zu gehen.

Und ja ich habe es auch geschafft!

Ich glaube, noch nie so riesige Augenringe wie in diesen neun Tagen gehabt zu haben. Jeden morgen um drei Uhr morgens aufstehen, zum Gottesdienst, danach in der Gemeinde beim Frühstück austeilen helfen, Mengen an Geschirr spülen, sich mit vielen Menschen unterhalten und um neun direkt weiter arbeiten und packen. Es gab also wirklich nicht viel Zeit zum Ausruhen und ich fand es toll! Ich habe es geliebt, durchgängig beschäftigt zu sein!

Generell war es wunderschön, jeden morgen bis zu 2000 Menschen zu sehen, die im dunklen unter riesigen Lichterketten Weihnachtslieder oder einfach nur gemeinsam das Vater unser sangen.

Außerdem durfte ich durch die Misa del Gallo noch mehr Leute, vor allem aus der Jugend kennen lernen, die oft während der Messe ebenfalls viele Aufgaben übernommen hatten.

Nach diesen Tagen wirklich anderer Weihnachtstradition war ich doch schon sehr gespannt auf den Heiligen Abend, und wie dieser denn ablaufen würde. Leider hatte sich aufgrund organisatorischer Probleme plötzlich herausgestellt, dass ich nicht mit meinen Gasteltern und den Verwandten auf Negros, einer Nebeninsel hier, feiern kann. Ich hatte trotzdem ein sehr gemütliches Weihnachtsdinner mit meiner Cebuanolehrerin Ate Rhoda und dem schon erwachsenen Sohn meiner Gasteltern Kuja Mark, nachdem ich in der Messe auch noch die Maria spielen durfte.

Auch die nächsten Weihnachtsfeiertage waren sehr entspannt und ich konnte mich ein bisschen vom ganzen Stress erholen. Meine Gasteltern waren immernoch auf Negros, so verbrachte ich ein paar schöne Stunden mit Ate Rhoda und Kuja Mark, indem wir ein bisschen Karaoke sangen oder einfach in einige nette Restaurants gingen.

Vor Silvester hatte ich dann noch die Ehre für zwei Tage mit ein paar Gemeindemitgliedern for free nach Bohol zu reisen, da dort einer der Patres seine Thanksgivingmass halten sollte. Am ersten Tag war Touristenprogramm angesagt. Nachdem wir schon morgens mit der Fähre in Bohol anlegten, frühstückten wir in einem kleinen Restaurant und fuhren direkt zu den berühmten „Chocolate Hills“. Die Hügel tragen diesen Namen aufgrund ihrer braunen Farbe im Sommer. Für uns waren diese zwar noch gras grün und der Himmel ziemlich trüb, trotzdem war der Ausblick ziemlich schön.

Natürlich wurden mal wieder tausende Fotos und Selfies von allem und jedem gemacht. Dann fuhren wir weiter zu einem Schmetterlingspark und einem kleinen Zoo, wo ich endlich dem kleinsten Affen der Welt, dem Tarsier, begegnen konnte. Außerdem habe ich mich überwinden können und halb schreiend Schlange und Minikrokodil gehalten.

previous arrow
next arrow
Slider

Unser Mittagessen aßen wir während einer wunderschönen Bootsfahrt auf dem Loboc River, wobei die Natur um uns herum schon fast der des Amazonas ähnelte. Auf jeden Fall einer der schönsten Dinge bisher!

Unsere Nacht verbrachten wir in einem Resort am Strand. Somit nutzte ich natürlich die Gelegenheit und ging morgens bei Sonnenaufgang des nächsten Tages schwimmen. Trotz Wolken war es wunderschön und man konnte die ersten Fischer auf ihren Booten während ihrer Arbeit beobachten. Alles um mich herum war unglaublich ruhig und es war wieder einer dieser Momente, in denen ich realisiert habe, wie dankbar ich für dieses Jahr bin.

Mein Silvester war eindeutig nicht so spektakulär wie ich es von Zuhause kenne. Trotzdem bin ich ziemlich gut in das neue Jahr gerutscht. Nachdem ich mit meinen Gasteltern abends zusammen im Gottesdienst war, wurde ein bisschen Essen vorbereitet und auf den Countdown gewartet. Um Mitternacht wurde es dann für zehn Minuten ziemlich laut. Überall hörte man hupende Autos, Tröten und ein paar vereinzelte Feuerwerkskörper. Danach ging es aber auch schon zurück ins Haus und es wurde bei relativ ruhiger Atmosphäre mal wieder ziemlich viel gegessen. Ich zeigte meiner Gastfamilie, weil es sich ja so gehört, „Dinner for one“ und hörte sogar ein paar Lacher, zwischen eins und zwei ging es dann aber auch ins Bett…

…und das Jahr 2019 konnte beginnen…