Ein Winter zum Dahinschmelzen

Suasday!

Seit meinem letzten Blogeintrag sind jetzt ja doch schon wieder fast 3 Monate vergangen. Ich entschuldige mich hiermit, dass ich so lange nichts mehr geschrieben habe… Mittlerweile ist einfach über die Hälfte meines Jahres in Kambodscha vorbei und die Zeit fliegt nur so dahin. Aber egal… Jetzt geht’s erstmal darum, was seit Anfang Dezember so los war.

Die Advents-/ Weihnachtszeit war ein sehr komisches Gefühl. Ich habe so viele Fotos geschickt bekommen, dick eingepackt in Wintermäntel, Schnee, Weihnachtsbäume etc. Und ich? Ich bin in kurzen Klamotten rumgelaufen, war im Wasserpark, und bin mehr oder weniger geschmolzen, weil es so heiß war. Das dabei keine wirkliche Weihnachtsstimmung aufkommt, kann denk ich jeder verstehen. Was das ganze natürlich noch verstärkt, Kambodscha ist ein überwiegend buddhistische geprägtes Land. Weihnachten wird daher, wenn es gefeiert wird, häufig nur als „Konsumfest“ gefeiert. Eine Woche vor Weihnachten gab es dann in der einen kleinen christlichen Gemeinde ein etwas größeres Event: ein Krippenspiel auf Khmer. Für uns „Barangs“ gabs per Kopfhörer eine englische Übersetzung. Ich will mich jetzt gar nicht so viel mit dem Thema aufhalten, es war auf jeden Fall super, sehr professionell, hat sehr viel Spaß gemacht das anzuschauen.

Kurzer Einschub zum Wort „Barang“: Wenn man als Tourist irgendwo durch Kambodscha läuft, wird man dieses Wort des öfteren zu hören bekommen. Es bedeutet zum einen „französisch“ und zum andern eben schlichtweg einfach „Weißer“ oder „Ausländer“. Ich habe leider noch nicht rausgefunden, welche Bedeutung die ursprüngliche ist. Vorallem, weil Kambodscha unter französischem Protektorat stand, wäre das sehr interessant zu wissen. Egal… Da weiße Hautfarbe hier nach wie vor als Schönheitsideal gilt, passiert es dann ab und zu auch mal, dass Kinder irgendwo mit großen Augen vor dir stehenbleiben und einfach „Barang“ rufen. Oder auch das dieses Wort dir auf der Straße nachgerufen wird, passiert eigentlich täglich.

Zurück zu Weihnachten: Ein paar Tage vorher kamen dann die Kids im Projekt zu mir, ob denn eigentlich der Weihnachtsmann auch Geschenke für sie bringen würde. Ich hatte bis dahin eigentlich angenommen, dass die Kinder damit nichts anfangen können. Falsch gedacht. Die darauf folgenden Tage wurden daher Weihnachtslieder angehört, die die Kinder aus der Schule kannten, Weihnachtsmann Ausmalbilder tonnenweise koloriert,  Schneeflocken ausgeschnitten und und und… Und an Weihnachten hat der Weihnachtsmann dann tatsächlich auch für alle Kinder ein kleines Geschenk bringen lassen…. Die Kids haben sich mega mäßig gefreut, ein eigenes Spielzeug zu bekommen!

Ich habe den Heilig Abend bei einem super lecker gemeinsam gekochten Weihnachtsdinner mit meinen Freunden genossen. Getanzt, Weihnachtsfilme… War echt ein richtig schöner Abend, aber so ein bisschen habe ich mein „normales“ Weihnachten daheim im kalten, winterlichen Deutschland mit Tannenbaum, Krippenspiel etc schon vermisst…

Nachdem kurz zuvor meine Mentorin zurück nach Frankreich gezogen ist, meine Freunde zum Weihnachts-Strandurlaub in Thailand aufgebrochen sind, habe auch ich kurzerhand einen Wochenendtrip zum Jahresabschluss 2018 unternommen. 2017 war ich um diese Zeit in London. 2018 in Bangkok. Keine schlechte Entwicklung, so kann es weiter gehen. Und tatsächlich bin ich schneller in Bangkok, als bei Miri in Kep… Ich habe mich dort mit zwei meiner „neuen“ Freunde getroffen (danke @miri fürs vorstellen :D). Zusammen haben wir beim Sightseeing die Tempel unsicher gemacht (wortwörtlich…). Die Fotogalerie zeigt einige kleine Impressionen 😛

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Zum Jahreswechsel war ich dann aber rechtzeitig wieder daheim in Battambang, denn, welch eine Ehre, Miriam war mit ihren Eltern in der Stadt! Und auch hier merkte man wieder: Kambodschaner lieben Partys. Eigentlich gibt es ein extra Khmer New Year im April, dennoch haben sehr sehr viele Menschen Silvester gefeiert. Jedoch anstatt das jede Familie für sich feiert, gab es mehrere Bühnen in der Stadt auf denen Band gespielt haben, der Zirkus ist aufgetreten und und und…. Und anstatt Feuerwerksraketen, Böller etc gab es Himmelslaternen. Wir haben uns ein bisschen dämlich beim anzünden angestellt, aber es war einfach so wunderschön, wie die ganzen Laternen aufgestiegen sind. Fast wie bei Rapunzel Neu verföhnt….

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An Neujahr hieß es dann aber auf ein neues Sightseeing. Zusammen mit Miriam und ihrer Familie habe ich mir neue Seiten von Battambang angeschaut, die ich selber noch gar nicht kannte…

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Mein Highlight in der letzten Zeit: eine kambodschanische Hochzeit. Ich und meine Freundin Ali haben die ganze Zeit darüber lamentiert, wie super es doch wäre auf eine Hochzeit eingeladen zu werden. Et Voilà! Mitte Januar fand die Hochzeit des Bruders meiner Freundin Neath statt und wir wurden eingeladen. Ich war so aufgeregt, weil ich keine Vorstellung hatte, was auf mich zukommt, was ich anziehen sollte, was man mitbringen sollte und und und… Wie für Khmer Hochzeiten üblich fanden die zahlreichen Zeremonien über 2 Tage verteilt am Haus der Braut in einem rießigen Pavillion statt. Eigentlich wollte ich an dieser Stelle ein bisschen über die verschiedenen Zeremonien berichten, aber ich warte noch darauf die offiziellen Fotos zu bekommen, daher werde ich dazu demnächst einfach nochmal einen eigenen Artikel schreiben 🙂
Den krönenden Abschluss bildete das große, „fancy“ Dinner. Neath hat uns dafür eigenhändig zum Markt geschleppt um Kleider zu mieten und uns Hair & Makeup Termin organisiert, damit wir auch ja „fancy enough“ aussehen. Wobei Barangs auf einer Khmer Wedding eh ein Highlight sind, ich glaub ich wurde noch nie so intensiv angestarrt wie an diesem Abend. Besonders als wir dann zum Tanzen im traditionellen Khmer-Stil aufgefordert wurden, wurden soooooo viele Fotos von uns gemacht…

Ali,​ Neath und ich auf dem Wedding Dinner

Joa, und dann war auch schon Halbzeit. Und das heißt im Leben eines Freiwilligen: Zwischenseminar. Mit den Kambodscha Freiwilligen von „Brot für die Welt“ und „Via e.V.“ hatten wir, also Miri und ich, ein einwöchiges Seminar, bei dem wir uns auf verschiedene Weise mit den Erfahrungen, Problemen und Erkenntnissen auseinandergesetzt haben, denen wir in unserem Alltag, auf der Arbeit und in der Freizeit begegnet sind. Summa Summarum, sehr viel Input um mit voller Energie in die zweite Hälfte des Jahres zu starten!

Zwischenseminar mit den Freiwilligen von Brot für die Welt, Via e.V. und den Jesuiten-Freiwilligen

Im Projekt „Komar Rikreay“ läuft alles weitest gehend wie bisher. Musik Nachmittag, Kunst-Unterricht, Englisch, Spielen und Spaß haben.

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Manchmal gibt es noch ein paar kleinere Kommunikations-Schwierigkeiten, aber das meiste lässt sich mit Zeichensprache lösen 😛 Die Kids sind unglaublich lieb (abgesehen von den kleinen „Zick“-Phasen, aber das gehört ja irgendwie dazu), ebenso meine Kollegen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, dass ich irgendwann ein letztes Mal ins Büro und zu den Kindern kommen werde. Und vor allem fühlt es sich so an, als wenn das echt gar nicht mehr so lange hin ist… Egal, dieses Gedanken werden einfach ignoriert. In 4 Monaten kann schließlich noch sehr sehr viel passieren.

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Tatsächlich ist es aber gar nicht mehr so lange bis meine Familie mich in Kambodscha besuchen kommt! Da freue ich mich schon richtig doll drauf <3

Bis dahin werde ich hier ein bisschen schmelzen. Es gab wohl letztens eine neue Kalkulierung der Stromnutzung und die Regierung hat festgestellt, dass es nicht genug Strom für das gesamte Jahr haben. Daher wird die nächsten 72 Tage der Stromreguliert, besser gesagt: halbtags abgestellt. Alternierend Vor- und Nachmittags. Und nachdem wir uns langsam der Hot Season nähern, haben wir meistens über 35°C, bald wahrscheinlich über 40°C. Ohne Ventilatoren oder Klimaanlage fühlt man sich echt, als würde man gegart werden. Aber: Some people (bzw experiences) are worth melting for!

Hoffentlich brauche ich für den nächsten Artikel nicht wieder so lange, und ihr hört bald wieder neues von mir 🙂

Alles Roger in Kambodscha! Lia San Haoy!

Liebe Grüße
Sonja

(oder auch „Sopi“, das scheint mein „offizieller“ Khmer Name zu sein)