Alles auf Anfang

Nun ist es schon mehr als ein Monat vergangen, seit ich in Kambodscha angekommen bin dieser ist wie im Flug vergangen, was daran liegen könnte, dass einiges passiert ist. Die dritte und vierte Woche habe ich weiter in der Don Bosco Technical School in Kep gewohnt und mit Johanna im Kindergarten geholfen. Leider waren die Jungs aus meinem Musikunterricht mittlerweile im Urlaub, sodass dieser nicht mehr stattfand, doch im Kindergarten konnte ich noch das ein oder andere Mal fleißig englische Lieder mit den Kindern üben.

Liederüben im Kindergarten

Natürlich ging auch unser Khmer Unterricht weiter. Eine Konversation zu führen ist zwar immer noch sehr schwer, doch im Alltag kann ich mich schon ein bisschen verständlich machen, sodass ich nicht mehr ganz aufgeschmissen bin, wenn Englisch mal nicht funktioniert. AM dritten Wochenende hat leider die Regenzeit voll zugeschlagen, sodass außer einem kleinen Besuch in einem Café, dass direkt über das Meer gebaut war, sodass die Wellen manchmal reinschwappten, waren keine großen Unternehmungen möglich, doch ein bisschen Entspannung tat gut. Am Mittwochabend davor waren nämlich die Reliquien von St. Zelie Und St. Louis Martin bei uns im Projekt, sowie einige Besucher aus den umliegenden Provinzen zu Gast. Der Abend startete mit einem gemeinsamen Gottesdienst. Danach war aber nicht Schluss, sondern die Nacht wurde in Gruppen aufgeteilt, die das Gebet bei den Reliquien machen, sodass bis zum Frühstück dauerhaft Gebete dort stattfanden. Die Zeit von uns und den Don Bosco Sisters war von 00:00 bis 02:00 Uhr mitten in der Nacht, was für Müdigkeit an den nächsten Tagen sorgte. Doch es hat sich gelohnt. Die Sisters hatten mich im Vorfeld gefragt, ob ich einige Lieder vorbereiten könnte und was könnte ich lieber tun. Also habe ich viele Taizé-Lieder rausgesucht, ausgedruckt und mit Johanna zweistimmig geübt, um dann ein schönes Taizé-Gebet zu machen.

Zusätzlich war am einen Tag später am Freitagabend Culture-Night im Projekt. Die Schüler hatten die Wochen davor immer nachmittags und abends Tänze einstudiert, die nun vorgeführt wurden. Das war ziemlich spannend mal die traditionellen Tänze von hier zu sehen. Außerdem wurde die leitende Lehrerin des Children Funds verabschiedet und auch ich habe einen kleinen Abschiedsbrief von den Schülern bekommen.

Und ehe ich mich versehen konnte, war mein Monat in Kep auch schon vorbei. So sehr ich es auch genossen habe in der Don Bosco Gemeinschaft zu leben, hieß es Abschied nehmen. Am letzten Tag im Kindergarten gab es auch einen kleinen Abschied mit Fotos und noch einmal „I like the flowers“ Singen, doch ich hoffe, dass das nicht das letzte Mal in Kep gewesen ist.

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Am 05.09. ging es dann für mich mit dem Minibus in vier Stunden Fahrt nach Phnom Penh, wo ich eine Nacht in der Don Bosco School übernachtete, um die weite Distanz nach Battambang nicht an einem Tag reisen zu müssen. Dort habe ich auch die englischen und schottischen Freiwilligen der Organisation „Project Trust“ kennengelernt, von denen zwei Johannas neue Mitfreiwillige in Kep sein werden und auch mit den anderen wurden schon einmal Kontakte ausgetauscht, um sich gegenseitig in den Städten zu besuchen. AM nächsten Morgen ging es dann aber direkt weiter erstmal mit dem Tuktuk eine halbe Stunde durch den dichten morgendlichen Berufsverkehr zum Minibus, der dann sechs Stunden für die 300km nach Battambang brauchte. Für kambodschanische Verhältnisse ist das eigentlich gar nicht schlecht, denn die Straßen sind teilweise sehr holprig, vom Regen aufgeweicht, oder mit zahlreichen LKWs gefüllt, die das Vorankommen erschweren, sodass man auch gerne mal länger brauchen kann. Angekommen in Battambang wurde ich von Lucas, meinem Mentor, abgeholt und ins Projekt gebracht. Dort haben wir aber nur eine kleine Rundtour gemacht und ich habe die Mitarbeiter kurz kennengelernt, bevor es in meine neue Unterkunft ging. Hier wohne ich in einem kleinen Haus etwas außerhalb der Innenstadt in einer WG zusammen mit Ali, einer Logopädin aus England, die auch früher einmal für mein Projekt gearbeitet hat. AM Abend hat Ali mich auch direkt mitgenommen zu den Bars, in denen sie sich immer freitags mit ihren Freunden trifft, sodass ich schon direkt die ersten Kontakte knüpfen konnte. Im Dragons, dem Standard-Treffpunkt vieler ausländischer Freiwilligen und Entwicklungshelfer, sowie Mitarbeiter von NGOs, findet außerdem freitags immer ein „Open Mic“ statt, bei dem jeder Lieder spielen darf, oder mit den Musikern in die Jamsession einsteigen kann. Da musste man mich nicht zweimal fragen um mich zum mitmachen zu animieren.

Über Ali habe ich am Samstag dann den Kontakt zu Hibba, einer deutschen Freiwilligen, bekommen und mich auch am Sonntag mit ihr und ihren kambodschanischen Freunden auf eine kleine Tour durch Battambang begeben auf der wir uns auch eine Hängebrücke hier in der Nähe angeschaut haben. Die ist zwar relativ klein und wackelig, doch die Kambodschaner fahren trotzdem mit dem Motorrad hinüber. Anschließend haben wir noch beim Bau eines gigantischen Fisches aus Alt-Plastik in einer Kunst-Galerie geholfen, die dort zusammen mit vielen Kindern diesen als Projekt für den Rubbish-Collection- Day am 21. September bauen.

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Am Montag war dann mein erster Arbeitstag in der Komar Rikreay Association. Das ist ein Projekt, das Kinder, die Probleme in ihren Familien haben, auf der Straße leben oder Opfer von Gewalt, Missbrauch oder Kinderhandel geworden sind, betreut, sie in ihre Familien reintegriert, Pflegefamilien sucht und sie mindestens drei Jahre betreut. Dazu gehören auch Trainings für die jeweiligen Familien, die auch KMR übernimmt. Früher haben auch viele Kinder zeitweise hier im Projekt gewohnt, doch da ein familiäres Umfeld für ein Kind immer noch das beste ist, wohnen nur noch 2 Kinder hier, für die auch noch Familien gesucht werden. Im Projekt befindet sich also eigentlich nur das Büro, in dem auch ich viel Arbeite und ein Saal, in dem Meetings, Trainings und Workshops stattfinden. Meine Aufgabe wird erstmal die Öffentlichkeitsarbeit sein. Dazu gehört mit auf die Hausbesuche zu gehen, Fotos von der Arbeit zu machen und Website, Facebook- und Instagram-Accounts des KMR zu betreuen. Außerdem mache ich noch einige kleinere Dinge, wie englische Berichte korrigieren und werde vielleicht ein bisschen Englisch unterrichten, doch das ist noch in der Planung.

Zum Projekt komme ich morgens mit dem Fahrrad, wobei ich einmal quer durch das Zentrum von Battambang fahren muss. Obwohl Battambang sonst eher als Kleinstadt durch geht, ist morgens und nachmittags ziemlich viel Verkehr auf den schmalen wichtigen Straßen. Einige Autos schieben sich hinter den LKWs her und überall schlängeln sich die Honda-Motorräder (hier einfach nur „Motos“ genannt) hindurch, denn fast jeder besitzt eines und benutzt dieses als Hauptverkehrsmittel. Fahrräder sieht man eher selten und öffentlichen Transport, wie Busse gibt es in hier nicht, denn für ein Moto braucht man keinen Führerschein und ist flexibel. Sich mit dem Fahrrad dann aber durch diesen Verkehr zu manövrieren braucht manchmal ein bisschen Mut und Selbstbewusstsein, da man sonst nicht über die Kreuzung kommt. Ampeln gibt es nur an den wichtigsten Kreuzungen. An allen anderen muss man sich einfach eine Lücke abpassen oder mal vorsichtig drauflosfahren.

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Hier in Battambang macht sich die Regenzeit nicht ganz so stark bemerkbar, wie in Kep. Dort hat es wirklich jeden Tag für mehrere Stunden geregnet, doch hier gibt es maximal einmal am Tag einen Gewitterschauer, der ungefähr 20 Minuten bis eine Stunde dauert. Das hat zur Folge, dass es zurzeit ziemlich warm ist und man bei Fahrradfahren ziemlich ins Schwitzen gerät.

Da ich erst seit fünf Tagen in Battambang bin, muss ich mich noch ein bisschen einleben. Ohne Google Maps finde ich mich noch nicht ganz zurecht und in der Markthalle gibt es immer noch neue Dinge zu entdecken. Auch von den Sehenswürdigkeiten habe ich noch nicht sonderlich viel gesehen, doch dazu kann ich euch dann bestimmt mehr im nächsten Blog schreiben.

Soweit alles Roger in Kambodscha!

Euer Moritz