Eine lange Reise…

Lust auf was Neues!? Dieser Satz passt zu meinem freiwilligen Dienst sehr gut. Dadurch, dass ich euch die letzten Monate immer wieder mitgenommen habe, habt ihr sicherlich auch mitbekommen, dass immer wieder neue Erfahrungen auf mich zukommen. Diese Eigenschaft hat sich über die meisten Monate hinweg gezogen. Ihr könntet jetzt vermuten, dass das auf Dauer ziemlich anstrengend sein kann, womit ihr sicherlich auch irgendwo recht habt. Trotzdem bleibt es für mich auch so immer wieder spannend. Dieses Gefühl genieße ich auch die meiste Zeit. Ich streite nicht ab, dass es manchmal eine Überwindung braucht, sich wieder einer neuen Situation zu stellen, für das Gefühl, welches man im Nachhinein bekommt, lohnt es sich jedoch. Doch bevor wir zu unserer äußerlichen Veränderung im April kommen, stand erstmal Besuch an. Moritz, der Freiwillige aus Masaka, kam uns in Mityana besuchen. Wir zeigten ihm unser Projekt, das Krankenhaus und die Schule. Im Krankenhaus war er im ‚Drug Store‘ sowie im ‚Scan room’ sehr beschäftigt. In der Schule war er zum einen mit in Klaras Klasse (P1) und zum anderen in meiner (P3). An diesem Tag hatten nicht nur wir unheimlich viel Spaß sondern auch die Kinder. Es ist wirklich bemerkenswert, immer wieder auf neue tolle Lehrer zu treffen. Sie zu sehen, wie sie mit den Kindern interagieren und den Unterricht gestalten. 

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In der Primary 3

 

Nach den neuen Eindrücken, die Moritz bekommen hatte, war es auch für uns an der Zeit, neue Eindrücke zu sammeln. Dafür wurde gut gesorgt ;). Zunächst einmal ging es für uns in den Salon. Bevor uns noch weitere Kolleginnen fragten, wann wir denn endlich unsere Haare machen lassen, hatten wir entschieden unsere Haare passend an einem Feiertag in Angriff zu nehmen. Wir hatten damit gerechnet, dass wir sehr lange dort verbringen würden. Unsere Haare zu flechten ist nicht ganz so einfach. Im Vergleich zu den afrikanischen Haaren sind unsere teilweise länger, mehr und weicher, wodurch das Flechten einfach schwieriger ist. Trotzdem haben die Frisöre es nach 6 Stunden geschafft. Ja, ihr habt richtig gehört! Nach 6 Stunden waren wir dann auch fertig. Aber es hat sich gelohnt! Wir waren sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Für mich war es vor allem am ersten und zweiten Tag noch etwas ungewohnt, dadurch das wir durch die Frisur nochmals mehr die Blicke auf uns gezogen haben. Wir bekamen sehr viele Komplimente, wodurch es einem eindeutig einfacher fiel, sich mit der neuen Frisur wohl zu fühlen. Außerdem hatten wir den nächsten Tag eh ganz andere Probleme. 

Wir wurden nämlich wieder auf eine Introduction mitgenommen. Diese war auch wieder außerhalb und somit sehr nah gelegen an der Hauptstadt, Kampala. Angekommen bei der Introduction, wurde uns die Informationen weitergeleitet, dass wir als Blumenmädchen fungieren sollten. Zudem sollten wir ein anderes, traditionelles Kleid, Gomez, zum ersten Mal tragen. Als Blumenmädchen muss man vor allen Gästen tanzend einlaufen, die Leute begrüßen und den Gästen bzw. den Angehörigen des Bräutigams Stecker anstecken. Eine derartige Situation mitzumachen, bedeutet eine Aufmerksamkeit zu bekommen, die wir in dem Ausmaß auch noch nicht wirklich hatten. Die Personenanzahl der Blumenmädchen besteht nämlich aus fünf Frauen. Deswegen versuchten wir die Braut davon zu überzeugen, dass diese Aufgabe echte Ugandische Frauen lieber übernehmen sollten. Jedoch konnten wir sie nur überzeugen, dass wir die Leute nicht begrüßen mussten aber trotzdem mit den anderen Brautjungfern einlaufen. Wir hatten Glück, keiner fiel trotz des ganzen Stoffes, welcher durch das Gomez an einem klebte, und wir gleichzeitig auf hohen Schuhen gehen mussten, hin. Wir hatten es also über die Bühne gebracht und konnten uns Gott sei Dank in die Gästemenge setzen. Der Weg zurück bestand eigentlich auch nur aus zwei Stopps. Zuerst die Eltern zuhause abzusetzen und dann weiter nach Mityana zu fahren um uns abzusetzen. Jedoch wurde irgendwie ein Stopp ausgelassen. Ich gebe euch eine Minute zum raten…

Genau unser Stopp! Wir machten nämlich, eigentlich, nur einen kurzen Zwischenstopp bei dem Haus der Eltern. Aus dem kleinen Zwischenstopp wurde ein etwas längerer, sodass der Fahrer gar nicht mehr kam. Spontane Notlösung also, die Nacht dort zu verbringen und am nächsten Tag wieder zurück zu fahren. Am nächsten Morgen wurde uns dann auch noch das richtige Landleben beigebracht. Wir holten Wasser an einer Wasserstelle und versuchten es auf unserem Kopf zu tragen. Die Betonung liegt auf versuchten. Kläglich gescheitert sind wir nicht, aber besonders weit sind wir auch nicht gekommen. Trotz das die Dinge nicht so ganz wie geplant funktionierten, hatten wir ein sehr lehrreiches und kulturelles Wochenende. 

 

Kurz nach dem Wochenende ging es für uns nach Masaka, in das Projekt von Moritz. Das Projekt nennt sich „Child Protection Mobile Organisation“. Es setzt sich für Kinderrechte ein, so dass Kinder besonders in den Schulen geschützt werden. Denn in vielen ugandischen Schulen werden Kinder noch geschlagen. Untergekommen waren sowohl Moritz als auch wir beim Bischof von Masaka. Ein sehr bemerkenswerter Mann! 

In dem Projekt vermittelten wir in einer Schule Aufklärungsarbeit und besuchten zwei spezifische Projekte. Bei der Aufklärungsarbeit geht es darum, den Kindern zu vermitteln, welche Rechte sie haben. An einem Tag besuchten wir eine Werkstatt, in der die Organisation junge Männer unterstützt, eine KFZ- Mechatroniker*in Ausbildung zu erzielen. Wir verbrachten den ganzen Tag mit ihnen und sogar wir als Mädchen konnten gute Arbeit leisten. Zu Beginn konnte man merken, dass sie noch nicht ganz familiär damit waren, zwei weiße Frauen eine Aufgabe zu geben. Jedoch konnten sie uns dann auch eine Aufgabe geben und wir waren dann damit beschäftigt, den Lack von den Autos zu schrubben. Keine leichte Aufgabe! Wir mussten nämlich mit einem kleinen Schleifpapier den ganzen Lack vom Auto abschleifen. Das Bewusstsein dafür zu bekommen, dass die Mittel die man hier zur Verfügung hat, sehr andere als in Deutschland sind, ist jedes Mal wieder eine Lehre.

Im Kfz- Mechaniker*in Ausbildungszentrum

 Einer unserer Tage in Masaka bewegt mich noch bis heute. Wir besuchten ebenfalls einen ganzen Tag lang eine Einrichtung für Kinder mit körperlichen Einschränkungen. Die meisten Kinder konnten nicht mehr laufen und hatten somit entweder Gehilfen zum Laufen oder Geräte, die ihnen ermöglichten, richtig sitzen zu können. Wir spielten mit den Kindern und konnten ihnen dadurch ein wahnsinniges Lächeln auf die Lippen zaubern. Es war eines der schönsten Gefühle, sie lächeln zu sehen und lachen zu hören. Denn man konnte manchen ansehen, dass sie leiden oder einfach Spaß haben wollten. Ihnen dann das zu geben hat einen selber unfassbar glücklich gemacht.

In der Einrichtung für Kinder mit körperlichen Einschränkungen

Abschließend waren wir auch nochmal auf einer Introduction. Dadurch, dass wir ein paar Wochen zuvor das erste Mal ein Gomez anhatten, war es nicht mehr ganz so neu für uns, auch für diese Introduction wieder eines zu tragen. Diesmal hatten wir sogar auch nochmal die andere Perspektive einer Introduction. Bis jetzt haben wir also aus allen Perspektiven eine Introduction erlebt: Aus der Sicht eines einfachen Gast, aus der Sicht der Braut als Brautjungfer und zuletzt als Angehörige des Bräutigams. Denn gehört man als Angehörige zu ihm, läuft man ebenfalls nochmals ein, aber jedoch mit allen anderen gemeinsam. 

In Masaka auf der Introduction (Klara als Weihnachtsgeschenk und ich als Oma 😉

Foto

Damit waren unsere ereignisreichsten Tage in Masaka dann auch vorbei und wir mussten wieder zurück nach Mityana. Mir hatte Masaka sehr gefallen. Das Projekt fand ich sehr abwechslungsreich und spannend, aber auch die Stadt hat mich sehr angesprochen. Eine etwas größere Stadt als Mityana, aber nicht zu groß. Wer also noch weitere Einblicke von diesem Projekt haben möchte, sollte auf jeden Fall auf Moritz Instagram Account vorbei schauen: moritz.uganda :). 

Nun sitze ich hier und schreibe meinen vorletzten Blog Eintrag. Blickt man zurück, war es eine lange Zeit, die ich hier verbracht habe. Mein Gefühl sagt mir jedoch was ganz anderes: die Zeit verflog. Somit muss ich nun die letzen Wochen genießen und melde mich noch ein letztes Mal kurz vor meinem Abschied!