Kumusta, gwapo nga Amerikano? – Erste Schritte in Cebu
Das, was in der Vorbereitungszeit so weit entfernt zu sein schien, ist nun Realität geworden. Sonnenuntergang, Verabschiedung in Deutschland und Sonnenaufgang auf den Philippinen. Ich lebe in Cebu City auf den Philippinen, einer Millionenstadt ca. 10.476,25 km entfernt von meiner Heimatstadt Dresden.





Der Weg dorthin war lang über Arztbesuche, Einkäufe, Seminare und einem langen Flug. Immerhin war der Weg zum Flughafen nicht weit. Und so ging es über Singapur, auch bereits eine Erfahrung für sich, weiter nach Cebu, wo ich laut Ortszeit 29 Stunden nach dem Verabschieden von meinen Eltern, beim Sicherheitscheck im heimatlichen Flughafen, ankam. Das Lebewohl sagen für die lange Zeit, besonders da es um die Philippinen geht, war ein Prozess, der gleichzeitig mit dem Verabschieden der Schulfreunde seinen Platz gefunden hat, aber mit gemischten Gefühlen verbunden war; immerhin haben die Einsatzländer der Sternsinger beim Auswärtigen Amt lange Texte.
Dennoch war auch viel Vorfreude dabei, als ich in den Flieger stieg, nicht nur, weil es mein erster Flug war. Selbst während des Fluges schien ein Ankommen in Cebu noch sehr weit entfernt und unwirklich. Als ich dann im Flieger aus Singapur saß, änderte sich das: Wer wird mich erwarten? Was wird alles passieren? Werde ich mich einleben können?
Auch als ich dann 1 Uhr morgens von meiner Gastmutter Tita Reggie, meiner Mentorin Ate Joy, einer Schwester, einer japanischen Jugendlichen und dem Fahrer in Empfang genommen wurde, legte sich die Anspannung noch nicht. Im Auto jedoch auf der Fahrt zum Haus legte sich das schnell; viele Eindrücke des nächtlichen Cebu ließen keine Zeit dafür und die gegenüberliegenden Sitzbänke des Transporters, sowie die Kühle der Klimaanlage, waren Entspannung pur. Es kam mir fast vor als wäre ich schon immer ohne Gurt in solch einer Runde unterwegs gewesen, wozu sicher auch der sehr herzliche Empfang beitrug. Jedes mulmige Gefühl von Fremde gab es hier nicht. Dabei hilft vielleicht zu wissen, dass man ältere Frauen je nach Alter und Position als Ate oder Tita bezeichnet, was man wörtlich mit Schwester und Tante übersetzen könnte.

Am gleichen Tag und doch am nächsten Morgen ging es dann bereits zum ersten Programmpunkt meiner Willkommensphase, dem Welcome Program für mich, die Japanerin und einer Sponsorengruppe aus Japan mit Präsentationen verschiedener Gruppen, die sehr beeindruckend waren, wie Tanz, Musik oder Gesang.


Welcome Program
Die nächste Woche war gefüllt mit Programmpunkten mit der japanischen Gruppe wie einem Besuch in der Shopping Mall mit der Playgroup, den Jüngsten hier, sowie wichtiger Sehenswürdigkeiten, aber auch ersten Orientierungen in den verschiedenen Aufgabenbereichen von Pfarrei, Förderungsprogramm (Sponsorship) oder den Salesianern vor Ort.
Als Beispiele seien hier das Lapu-Lapu-Denkmal genannt, das an die erste gewonnene Schlacht gegen die Spanier und den Tod Magellans erinnert, sowie ein Tag mit den SalVos (Salesian Volunteers), die Essen in den Straßen Cebu Citys verteilen. Auch meine erste Stunde zum Erlernen der Sprache Bisaya fand ihren Platz.

Lapu-Lapu-Memorial (das ist eine optische Täuschung)
Die zweite Woche begann mit einer neuen Sponsorengruppe und dementsprechend erneut mit einem Welcome Program, wo wieder alle versammelt waren und teilweise sogar neue Programmpunkte dargeboten wurden. Mit dieser Gruppe besuchten wir die Mutter-Theresa-Schwestern in Pasil, einem armen Hafenviertel, die sich um Kleinkinder kümmern, was auch ein Teil meiner Aufgaben hier ist. Darauf folgte ein Island Hopping, ein Highlight in der Region, bei der man die Riffe vor Cebu und umliegender Inseln erschnocheln kann. Die Vielfalt an Fischen war unglaublich schön und sehr fremd, da wir in Deutschland ja keine Riffe haben.
In dieser Woche durfte ich dann zum ersten Mal nach Plan meinen Dienst versehen. An meinem freien Tag, dem Donnerstag, besuchte ich das Nationalmuseum, was zu jedem Aspekt der Philippinen sehr informativ und anschaulich dokumentiert. Interessant war für mich, dass die geschichtlichen Erkenntnisse und früheren Lebensweisen, im Gegensatz zu Europa, hier nicht aus Chroniken oder Denkmälern von Monarchen stammen, sondern aus der Vielzahl an gesunkenen Schiffen aus verschiedenen Jahrhunderten vor den Küsten; sogar schon aus dem 13. Jahrhundert findet man konservierte Zeugnisse in den Tiefen des Ozeans.
Die weiteren Tage waren überwiegend mit den Aufgaben in den verschiedenen Einsatzbereichen oder Bisayastunden gut gefüllt. Besonders das Beisammensein und Unterstützen der Kinder des Sponsorshipprograms haben mir gut gefallen. Interessant ist für mich hierbei immer wieder, dass man die Hintergründe der Kinder, die sehr ergreifend sind, allein im Umgang mit ihnen, übersehen könnte. Wenn einige jedoch etwas über sich und ihre Familie erzählen, gewinnt man einen Eindruck davon, wie schwierig die Bedingungen sind. Das ist sehr bewegend, kam allerdings bisher nicht häufig vor.

Versammlung der gesponserten Kinder
Was mir jedoch sehr häufig auffällt, ist die katholische Prägung es Landes und natürlich besonders der Salesianer vor Ort. So gab es zum Beispiel einen Rosenkranz in Vorbereitung auf Mariä Geburt abends in der Turnhalle und am darauffolgenden Tag eine große Prozession, an der ich leider nicht teilnehmen konnte, Gottesdienst und im Anschluss mit allen Jugendlichen ein großes Bingo (Eine der Lieblingsbeschäftigungen von Filipinos), bei dem der Priester, der für die Jugendlichen verantwortlich ist, sogar Preisgelder festsetzte. Ich hatte, wie die meisten, leider kein Glück, was aber die allgemeine Freude nicht trüben konnte, denn es war ein Riesenspaß.

Außerdem durfte ich einer Fiesta zum Patrozinium der „Diener Mariens“ beiwohnen, die hier ein sehr zahlreiches Konvent haben, oder auch einem Seminar zu Synodalität und Pfarreientwicklung in Vorbereitung auf das Pfarreijubiläum 2034. Diese nur wenigen Beispiele machen die Bedeutung von Kirche und Glauben auf den Philippinen sehr deutlich, der älter ist, als man häufig wahrnimmt, was Kirchen aus dem 16. Jahrhundert bezeugen.

Insofern habe ich in der kurzen Zeit bereits viel und in vielerlei Hinsicht gelernt, zum Beispiel auch die Bedeutung des Titels: Wie geht’s, gutaussehender Amerikaner. Das wird einem hier häufig nachgerufen, da mich eigentlich niemand für schon 18 hält und selbst wenn, ist die erste Reaktion ein erstauntes Gesicht: „That’s still very young!“
So viel zum Ankommen während der ersten Wochen vor Ort und dem Beginn eines außergewöhnlichen Jahres. Ich danke allen, die diese Zeit verfolgen und freue mich über Fragen.
Bis zum nächsten Mal, denn mittlerweile wandelt sich bereits das Wetter und es regnet tagelang in Strömen…
Fakten für Eilige:
Besonderes Essen: Siomai, ein eigentlich chinesisches, sehr scharfes Essen, teilweise sogar mit Katzenfleisch und natürlich die Vielzahl an frischen Früchten
Habe ich gelernt: von meiner Bisayalehrerin: „Filipinos denken wie Amerikaner, fühlen wie Spanier und bewegen sich wie Japaner/ Asiaten.“
Gewöhnungsbedürftig: Es gibt keine Messer beim Essen, zudem isst man sehr früh Mittag (manchmal schon 10:30)
Wichtiges Bisaya-Wort: Sigi = Okay
Auffälligkeiten: Filipinos sind sehr sauber. Riechende Kleidung wird sofort gewechselt, alles andere ist unhöflich, man benutzt sehr häufig Desinfektionsmittel und auch die Autos sehen immer aus wie frisch gekauft, trotzdem sieht man sehr deutlich ein Müllproblem, besonders in Gewässern; nur einer der vielen Kontraste

Unangenehme Situation: Häufig werde ich für meine Hautfarbe „bewundert“, deshalb schaut einen eigentlich jede Person auf der Straße an und man wird von Fremden angesprochen, zum Beispiel, ob man eine Mitfahrgelegenheit benötigt
Einige Eindrücke von vor Ort:












