Die Milestones
Als ich mir dann aber den Text über den Milestones-Kindergarten bei Bethesda durchlas, dachte ich mir zum ersten Mal:
Das Milestones-Development-Program
Als ich damals von den Milestones gelesen hatte und mir dachte: „Vielleicht mache ich das ja wirklich“, lag das daran, dass ich dieses Projekt schon beim ersten Lesen so toll und sinnvoll fand. Den Gedanken, dass diesen Kindern eine echte Chance gegeben wird, die ihnen sonst nur wegen Unglücks nicht offen gestanden hätte, fand ich sehr berührend.
Ich wusste zwar, dass ich mir das Projekt nicht aussuchen können würde – trotzdem war es aber diese konkrete Stellenbeschreibung, die mich damals dazu motiviert hat, ein FIJ zu machen.
Als ich dann tatsächlich meine Wunschstelle bekommen hatte, wuchs mit meiner Vorfreude aber auch der Respekt. Ich war ja sowieso schon nicht dazu ausgebildet, um mit Kindern zu arbeiten – aber dann auch noch Kinder in solch schwierigen Lebenssituationen zu begleiten? Ich hatte keine Ahnung, wie ich auf all die Probleme angemessen und kindgerecht reagieren könnte – ganz besonders in einer anderen Kultur auf einer anderen Sprache. Denn irgendwie erwartete ich damals, dass die schwierigen Lebensumstände der Kinder dauerhaft präsent wären. Dass so gesagt ein konstanter Ausnahmezustand herrschen würde, in dem Spielen und Spaß in den Hintergrund rückten, bis die akuten Belastungen bewältigt worden waren.
Und dann kam ich an.
Ich glaube, das, was ich daraus gelernt hab, ist, dass Leid bei Kindern manchmal anders funktioniert als bei Erwachsenen.
Erstens verstehen Kinder oft noch gar nicht, dass die Dinge, die ihnen passiert sind, nicht „normal“ sind. Wenn sie ihr ganzes Leben mit einer Benachteiligung erlebt haben, wird diese Realität eben oft zum Maßstab. Sie können die Ungerechtigkeit dann schwer begreifen und suchen den Fehler, wenn überhaupt, eher bei sich.
Zweitens haben Kinder im Vergleich zu Erwachsenen noch viel mehr die Fähigkeit, im Alltag vollkommen im Moment aufzugehen. Während man das ja oft bei Erwachsenen erlebt, dass schwierige Erfahrungen oder Krisen den gesamten Alltag einnehmen und auch viel vom Selbstbild ausmachen können, wirkt die Identität von den Kindern auf mich noch gegenwartsbezogener. Sie erleben eher den konkreten Moment: sie wollen spielen, Spaß haben, finden etwas lustig, wollen Aufmerksamkeit oder erleben eben auch Angst oder Frustration.
