April, April : )

Heute nehme ich euch mit auf eine Reise durch meinen April, in dem ich weitere neue Orte kennenlernen und bereits vertraute neu entdecken durfte.

Während unserer deutschen Osterferien ist endlich mein Papa zu Besuch gekommen. Nach knapp acht Monaten habe ich diesem Wiedersehen sehr entgegengefiebert und die Tage gezählt, bis es endlich so weit war, dass ich ihn vom Flughafen in Phnom Penh abholen konnte, um mit ihm zusammen das Land zu bereisen, das für mich mittlerweile zu einem zweiten Zuhause geworden ist und ihm an meinem neuen Leben teilhaben zu lassen.

Unsere Erkundungstour hat in der Hauptstadt Phnom Penh begonnen. Natürlich haben wir dort die großen Sehenswürdigkeiten wie den Königspalast bestaunt, vor allem aber das alltägliche Leben, das Treiben auf den Straßen, die unzähligen Streetfoodstände und die Menschen, die ihrer Arbeit nachgehen. Da es für meinen Vater die erste Reise nach Asien war, war sein Besuch für mich die Möglichkeit Kambodscha noch einmal mit seinen Augen zu sehen und mir die vielen kleinen Dinge ins Gedächtnis zu rufen, die für mich mittlerweile schon ganz selbstverständlich geworden sind: angefangen beim TukTuk-Fahren im organisierten Chaos des Straßenverkehrs über den Smalltalk mit der einheimischen Bevölkerung bis hin zu den wimmelnden Märkten. Ich liebe es so sehr, über die Märkte zu schlendern, mir die bunten Schals und wunderschönen Kleider anzusehen und natürlich das Essen zu probieren. Selbstverständlich mussten wir neben den lokalen Klassikern wie Fischamok und den weltbesten Mangoshakes auch mal die etwas ungewohnteren Gerichte wie frittierten Frosch probieren – wir hatten den Spaß unseres Lebens : )

Von Phnom Penh ging es mit dem Nachtbus weiter nach Battambang. Ich habe das Reisen in kambodschanischen Bussen schon sehr zu schätzen gelernt, denn mit ihnen kommt man – mit etwas Spontanität und Geduld – in Kambodscha wirklich überall hin. In unserem Fall sind wir sogar eine Stunde zu früh angekommen – das ist mir in Deutschland  wirklich noch nie passiert : )

In Battambang haben wir vor allem die umliegenden Dörfer, Pagodas und Tempel erkundet. Ein Highlight waren auf jeden Fall die Höhlen, aus denen jeden Abend sechs Millionen Fledermäuse herauskommen, um auf Futtersuche zu gehen. Das war wirklich ein spektakuläres Naturereignis.
In Battambang durften wir bei einer kambodschanischen Familie übernachten. Dabei habe ich noch einmal gemerkt, wie zugewandt und offen die Kambodschaner sind, wenn man sich mit ihnen in der Landessprache unterhält. Auf diese Weise konnten wir in den paar Tagen unserer Reise viele tolle Gespräche führen, die uns beiden geholfen haben, Kambodscha, seine Bevölkerung und Geschichte besser zu verstehen.
Besonders in Bezug auf das Regime der Roten Khmer in den späten 1970er Jahren, habe ich nochmal viel dazugelernt. Im Alltag wird mir immer wieder bewusst, dass diese Schreckensherrschaft noch gar nicht lange zurückliegt. Wenn ich hier auf Menschen treffe, die heute sechzig Jahre oder älter sind, haben sie diese Zeit bewusst miterlebt. Ich merke immer wieder wie sehr noch heute alle Generationen von den gravierenden Auswirkungen betroffen sind.

Unseren nächsten Stopp haben wir in Sihanoukville eingelegt, um in der dortigen Don Bosco Schule, in der ich im September ein paar Wochen verbringen durfte, Ostern zu feiern. Nachdem ich Weihnachten das erste Mal nicht zu Hause verbacht habe, war ich sehr froh dieses Fest mit Papa feiern zu können. Trotz der unglaublichen Hitze hat es sogar ein etwas deformierter aber noch immer unglaublich leckerer Schokohase bis nach Kambodscha geschafft : )

Am nächsten Tag hat uns eine Fähre dann direkt auf die kleine Insel Koh Rong Sanloem gebracht. So einen Ort habe ich zuvor noch nie gesehen. Die Strände waren strahlend weiß, der Himmel leuchtend blau und das Wasser hatte Badewannentemperatur. Zudem ist der Tourismus bis hierher noch kaum vorgedrungen, so dass wir nach all den neuen Eindrücken eine wirklich entspannte Zeit haben konnten.

Dann ging es auch schon weiter nach Kep. Ich habe mich sehr gefreut, meinem Papa endlich den Ort zeigen zu können, an dem ich den Großteil meiner Zeit verbringe. Passender Weise waren es genau die Tage vor dem berühmten Khmer New Year, das auch in der Schule gebührend willkommen geheißen wurde. In diesem feierlichen Rahmen konnte ich Papa die Menschen vorstellen, die mir schon richtig ans Herz gewachsen sind. Außerdem bekamen wir beide bei einem wunderbaren Programm anlässlich des neuen Jahres einen tollen Einblick in die kambodschanische Kultur mit all ihren Tänzen und Traditionen. 

Schneller als ich mich umsehen konnte, war unsere gemeinsame Reise dann auch schon vorbei. Wir hatten beide eine wunderbare Zeit und es ist für mich sehr wertvoll, dass jetzt auch jemand von zu Hause die Menschen und Orte kennengelernt hat, von denen ich immer erzähle, denn es ist einfach etwas anderes, ob man das alles nur aus Erzählungen und Videos kennt, oder selbst einmal vor Ort gewesen ist.

In diesen Tagen haben dann direkt die großen Ferien begonnen, zu denen alle Schüler nach Hause gefahren sind. Ich habe diese Tage gemeinsam mit einigen anderen Freiwilligen in Siem Reap verbracht. Schon Wochen vor den eigentlichen Feiertagen waren alle Kinder in Don Bosco ganz aufgeregt und man konnte beobachten wie langsam alles vorbereitet wurde: überall wurden die typischen bunten Wimpelgirlanden aufgehängt, Tänze einstudiert usw. Ich habe mich immer ein bisschen gefragt, wie Khmer New Year denn wirklich gefeiert wird und weshalb so ein riesengroßes Aufsehen darum gemacht wird. Jetzt, wo ich dieses Fest miterleben durfte, kann ich es absolut verstehen. Khmer New Year war ein unvorstellbares Ereignis. Drei Tage lang hat das ganze Land gefeiert und sich in einer riesigen Wasserschlacht befunden. In diesen Tagen konnte ich das Hostel weder zu Fuß noch im TukTuk verlassen ohne komplett nassgespritzt zu werden und buntes Puder im Gesicht haben. Die Stimmung in Siem Reap war unbeschreiblich – alle waren so ausgelassen und einfach glücklich. Noch jetzt, wo die Feiertage eigentlich schon vorbei sind, hört man in den Geschäften und Häusern noch die Musik zum neuen Jahr. Dieses Fest ist ein sehr wichtiger Bestandteil der kambodschanischen Kultur und ich bin sehr dankbar, dass ich mitfeiern durfte.

Zurück in Don Bosco sind auch langsam alle Kinder wieder angekommen und mein Alltag hat mich wieder. Ich glaube sie haben sich über das Wiedersehen genauso gefreut wie ich mich – ich hab die Rasselbande wirklich vermisst.