Feste feiern
Wusstet ihr, dass Kambodscha zu den Top 10 der Länder mit den meisten gesetzlichen Feiertagen gehört? Ich bis vor einigen Monaten auch nicht. Aber ich habe schnell gemerkt, dass in Kambodscha sehr gerne und sehr viel gefeiert wird. Zum Feiern gibt es hier die unterschiedlichsten Gründe und wenn es keinen gibt, wird einer gefunden : )
Heute möchte ich euch von drei Festen erzählen, die mir in den letzten Wochen besonders gut gefallen haben.
Am 31. Januar haben wir in der Schule den Tag des Heiligen Don Boscos gefeiert. Auf diesen Tag hatte die ganze Schulgemeinschaft schon lange hingefiebert, denn traditionell finden an diesem Tag die sogenannten Color Games statt, die mich sehr an die olympischen Spiele erinnert haben. Bereits Anfang Januar wurde jedem der 600 Schülerinnen und Schüler und auch allen Lehrerinnen und Lehrern eine Farbe zugeteilt, die jeweils für eines von vier Teams standen.
Den ganzen Monat über haben sich alle Teams nach dem Mittagessen bei der großen Sporthalle eingefunden, um bei ohnehin schon hohen Temperaturen in den verschiedensten Ballsportarten gegeneinander anzutreten. Wer nicht selbst auf dem Feld stand, feuerte seine Mannschaft bei lauter Musik und Live-Moderation an. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, was das für eine tolle Stimmung war. Diese Nachmittage haben mir fast noch besser gefallen, als der eigentliche Don Bosco Tag : )
Dieser wurde mit einem Festzug begonnen, der genauso eine bunte Parade wie eine sehr feierliche Prozession war. Bunte Fahnen, eine Marching Band und auch das olympische Feuer durften natürlich nicht fehlen. Anschließend fanden über den Tag hinweg Wettkämpfe in allen möglichen Disziplinen statt: Sprint, Langlauf, Tauziehen, Weitsprung… Besonders viel gelacht wurde bei Spielen wie „Betrunkener Elfmeter“ und „Aus-dem-Kreis-Drängen“.
Am 8. März haben wir in Kep den „Weltfrauentag“ gefeiert. Als mir einige Wochen zuvor davon erzählt wurde, war ich etwas verwirrt und konnte mir nicht wirklich vorstellen, was mich erwarten würde. In Deutschland habe ich nämlich noch nie erlebt, dass dieser Tag feierlich begangen wurde. Ganz anders aber nun hier in Don Bosco Kep. An besagtem Sonntag haben sich alle Technical Students und Mitarbeiter nachmittags in der großen Sporthalle eingefunden. Als Ehrengast war Ms. Ou Sokunt, die Direktorin der Abteilung für Frauenangelegenheit der Provinz Kep, eingeladen. Sie hat eine Rede über Mädchen- und Frauenbildung und den Schutz von Frauen vor gewaltsamen Übergriffen gehalten. Im Anschluss durfte ich eine Tradition kennenlernen, die ich liebend gerne auch zu Hause in Deutschland einführen würde. Alle Jungs der Technical School haben zuvor ein kleines Geschenk vorbereitet. Nacheinander sind sie dann alle nach vorne gekommen und haben einen Zettel mit dem Namen einer Schülerin oder einer Lehrerin gezogen, der sie dann ihr Geschenk überreichten. Nach und nach haben so alle Frauen der Schule ein kleines Geschenk erhalten. Vielleicht könnt ihr euch vorstellen, wie aufgeregt alle waren, wann und von wem ihr Name gezogen wurde ; )
Eine Woche später haben wir entsprechend mit den jüngeren Brother Sun Children den „Weltmädchentag“ gefeiert. Abends haben wir uns alle auf dem großen Fußballfeld versammelt. Die Jungs haben Tänze einstudiert und die Mädels mit Getränken versorgt. Es war richtig schön zu sehen, wie viel Mühe und Gedanken besonders die Kleinsten in ihre Geschenke gesteckt haben.
Mein größtes Geschenk an diesem Abend war das Lachen von Teh Rith, als er meinen Namen gezogen hat und mir sein selbstgebasteltes Geschenk überreichen konnte.
Im Moment befinden wir uns hier in Kambodscha in der Trockenzeit. Eigentlich könnte diese Jahreszeit aber auch die „Hochzeitssaison“ genannt werden. Es ist unfassbar, wie viele Menschen in diesen Monaten heiraten. Ich habe mal für euch mitgezählt, auf dem Weg zu einem Dorf auf dem Land sind wir innerhalb einer Dreiviertelstunde an sechs Hochzeiten vorbeigekommen : )
Ich hatte das große Glück in den letzten Monaten gleich zwei Hochzeiten miterleben zu dürfen. Über die Einladung zur Hochzeit meiner Freundin Sorea im Februar habe ich mich ganz besonders gefreut. Sorea hat mich bereits im Vorfeld immer auf dem Laufenden gehalten, wie es mit den Vorbereitungen stand. Auf diese Art und Weise konnte ich einen ganz besonderen Einblick in die kambodschanische Kultur bekommen. Bereits im November hatte beispielsweise das sogenannte Prewedding stattgefunden. Dabei handelt es sich hauptsächlich um ein professionelles Fotoshooting, bei dem bereits die ersten Hochzeitsfotos gemacht werden. Die eigentliche Hochzeit erstreckte sich dann über zwei Tage, während denen traditionelle Rituale im Kreis der Familie und enger Freunde durchgeführt werden. Zu diesen ganzen Zeremonien werden acht verschiedene Kleider benötigt. In jedem einzelnen sah Sorea aus wie eine Prinzessin.
Am Abend des zweiten Tages werden dann alle Menschen eingeladen, die die Familien kennen. Zu Soreas Hochzeit sind 1000 Gäste gekommen – mir wurde aber gesagt, dass da definitiv noch Luft nach oben sei … Jeder einzelne Gast hat wunderschöne Kleidung getragen, traditionell oder modern.
Traditionell wird die Hochzeit im Zuhause des Bräutigams gefeiert, was in diesem Fall bedeutete, dass hinter dem Haus auf einem riesigen Feld eine große Bühne aufgebaut war, auf der sehr laute Livemusik gespielt und Tänze vorgeführt wurden. Für die Gäste waren unfassbar viele runde Tische vorbereitet. Sobald zehn Personen an einem Tisch Platz genommen hatten, wurde das Essen serviert. Ich sage nur so viel, es hat an nichts gefehlt ; )
Ich hoffe, dass euch der kleine Einblick in die kambodschanische Freude am Feiern gefallen hat.
Bis zum nächsten Mal, eure Maura
















