Feste, Fahrten und Alltag – Ein bewegter Jahresabschluss in Peru

Im November bekam ich die Möglichkeit, über meinen eigenen Alltag hinauszublicken und neue Erfahrungen zu sammeln. Am 17. November fuhr ich gemeinsam mit meiner Mentorin Anne zum 25-jährigen Jubiläum des Westfalia Kinder-Dorfs, einem anderen Kinderheim in Peru. Im Gegensatz zu meinem Heim, das ausschließlich Jungen betreut, leben dort sowohl Jungen als auch Mädchen, und die Altersstruktur ist breiter gefächert. Es war spannend zu sehen, wie andere deutsche Freiwillige dort arbeiten und ihren Alltag gestalten. Besonders beeindruckend war, dass sogar die deutsche Botschafterin anwesend war. Der Austausch mit den anderen Freiwilligen gab mir einen neuen Blick auf meine eigene Arbeit und zeigte mir, wie unterschiedlich die Erfahrungen sein können, selbst wenn das übergeordnete Ziel dasselbe ist: Kindern aus schwierigen Verhältnissen eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Meine Mentorin Anne auf dem Jubiläum


Nur eine Woche später fand im Jungenheim ein weiteres großes Ereignis statt: das Reencuentro-Fest. Ähnlich wie das „Evento de Primavera“ war es ein Tag voller Musik, Tanz und fröhlicher Atmosphäre. Auch diesmal gab es wieder den Verkauf von handgefertigten Produkten aus den verschiedenen Werkstätten. Die Jungen präsentierten stolz ihre Arbeiten aus der Schreinerei, darunter Schneidebretter, Uhren und kleine Möbelstücke. Auch die Stoffmalerei war mit kunstvoll gestalteten Taschen und Textilien vertreten. Neben Pflanzen, Kleidung und Elektronik wurden sogar Tiere wie Meerschweinchen, Kaninchen und Gänse verkauft. Einige ehemalige Jungen des Heims kamen ebenfalls zurück, um an der Feria teilzunehmen. Es war ein schönes Gefühl zu sehen, dass das Heim für sie immer noch ein wichtiger Ort ist. Das Fest diente nicht nur dazu, Geld für die Organisation zu sammeln, sondern gab den Jungen auch die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten zu zeigen und stolz auf das zu sein, was sie gelernt hatten.


In dieser Zeit hatte sich mein Alltag verändert, da ich extrem viel mit dem Lieferwagen unterwegs war, um Spenden in Lima abzuholen. Gemeinsam mit dem Fahrer des Heims und meist einem der Jungen fuhren wir stundenlang durch die Stadt, um Lebensmittel und andere Waren in Supermärkten und auf Großmärkten einzusammeln. Wir luden alles in unsere Kisten, wogen die gespendeten Lebensmittel ab und machten am Ende noch ein Foto mit dem Banner der Banco de Alimentos, der Organisation, die diese Spenden koordinierte. Manchmal ging es auch zu anderen Marktständen oder wir holten Tierfutter oder Möbel ab. Diese Fahrten dauerten oft den ganzen Tag, sodass kaum Zeit für andere Aufgaben blieb. Trotz der langen Wege und der körperlichen Anstrengung machte es mir Spaß, durch Lima zu fahren und einen wichtigen Beitrag zur Versorgung des Heims zu leisten.

Hundeaufführung der Polizei im Jungenheim


Anfang November kam zudem eine kanadische Freiwillige ins Heim, die viel in der Küche und auf dem Bauernhof half. Nach langer Zeit als einziger Freiwilliger war es eine willkommene Abwechslung, wieder jemanden zu haben, mit dem ich Erfahrungen teilen konnte. Wenn keine anderen Freiwilligen da sind bleibt die Wohnung natürlich ruhig, aber Gesellschaft hatte ich ohnehin immer durch die Jungen. Auch wenn mein Tagesablauf durch die vielen Fahrten mit dem Lieferwagen geprägt war, war ich weiterhin morgens in der Küche, half in der Schreinerei, unterstützte den Unterricht oder arbeitete auf dem Bauernhof. Mein Freiwilligendienst war zu diesem Zeitpunkt bereits fest in meinen Alltag übergegangen, doch immer wieder gab es Momente, die mich daran erinnerten, wie wertvoll diese Erfahrung für mich ist.

Neben meiner Arbeit im Heim konnte ich auch außerhalb viel erleben. Ich war zweimal in Ica, um meine Freundin zu besuchen, die dort lebt. Ica ist eine angenehme Stadt, die im Gegensatz zu Lima keine riesige Metropole ist. Besonders beeindruckt hat mich die Oase Huacachina, die direkt neben Ica liegt. Dort kann man nicht nur die beeindruckende Wüstenlandschaft genießen, sondern auch spannende Aktivitäten wie Sandboarding oder Buggy-Touren unternehmen. An den Wochenenden war ich oft in Lima unterwegs, entweder bei Freunden oder meiner Freundin. Dadurch konnte ich die Stadt noch besser kennenlernen, viele neue Orte entdecken und das Leben in der peruanischen Hauptstadt von einer anderen Seite erleben.

In der Kathedrale von Ica

Mitte Dezember erhielt ich ein großes Paket aus Deutschland – 15 Kilogramm voller Weihnachtsgebäck und Süßigkeiten, die meine Eltern mir geschickt hatten. Ich fuhr mit dem Sohn des Direktors quer durch Lima, um die Pakete abzuholen, und schleppte sie anschließend stundenlang zurück. Am Abend vor dem Nikolaustag ging ich zu den Häusern der Jungen, gab den Tutoren die Schokolade und Kekse und erklärte ihnen die deutsche Tradition. Am nächsten Morgen, als die Jungen aufwachten, bekamen sie die Überraschung und sie freuten sich sehr. Es war ein besonderer Moment, denn ich konnte ihnen nicht nur eine Freude bereiten, sondern ihnen auch ein Stück deutsche Kultur näherbringen.

Diese Monate waren voller intensiver Erlebnisse. Die Feste, die Spendenfahrten, die Arbeit mit den Jungen – all das hat mir einmal mehr gezeigt, wie wertvoll diese Zeit für mich ist. Jeder Tag brachte neue Herausforderungen, aber auch neue Erkenntnisse, und ich war dankbar, Teil dieses Projekts zu sein.