Die alten Hasen melden sich auch mal wieder
Uiuiui, wer hätte gedacht, dass ich zwei Jahre nach meinem FIJ in Mexiko nochmal einen Blogbeitrag hier schreiben werde?!
Ich bin Aquilin und war 2023/24 in Puebla, Mexiko bei Hogares Calasanz. Meine Blogs von damals findet ihr bestimmt noch irgendwo in der Datenbank – ihr könnt ja gerne mal die vochos zählen, die ich während meinem FIJ gesammelt habe!-)
Die Idee, auch nach dem Freiwilligendienst, von seinem Leben und Engagement – innerhalb wie außerhalb des weltwärts-Universums – zu berichten, kam beim Ehemaligenwochenende.
Und das ist auch das Erste, was ich mit Euch teilen möchte. Für manche, die das hier lesen und sich gerade eigentlich auf das Jahr im Ausland vorbereiten wollen oder sich fragen, ob das FIJ für sie geeignet ist, kommen diese Fragen wahrscheinlich noch sehr früh. Aber um ganz ehrlich zu sein, der Freiwilligendienst vergeht doch ziemlich schnell und man purzelt nach einem phänomenalen Jahr wieder in die „vertraute“ deutsche Umgebung. Dabei muss man aufpassen, im getakteten Alltag nicht unter die Räder zu kommen!
Entsprechend gefreut habe ich mich, als ich die Einladung zum ersten Ehemaligenwochenende nach Aachen bekommen habe! Die Möglichkeit, mich mit anderen Ex-Freiwilligen aus unterschiedlichsten Jahrgängen nochmal über die Erfahrungen auszutauschen war super!




Neben einigen Workshops zum Thema Frieden und meinem persönlichen Highlight, dem Friedensspaziergang durch die wunderschöne Umgebung Aachens, gab es viel Zeit für Anekdoten und Austausch. Es wurden von den oft ähnlichen Problemen berichtet, die uns in unserem FIJ begegnet sind. Es kamen aber auch viele Unterschiede heraus und man erfuhrt viel über die landesspezifischen und persönlichen Herausforderungen, denen sich die jeweiligen Freiwilligen stellen mussten.
Ich hatte außerdem endlich die Gelegenheit, meinen Nachfolger in meiner Einsatzstelle in Puebla, Gaston auch mal in persona kennenzulernen. Wir hatten zwar während seinem Jahr viel telefoniert und auch danach immer mal wieder geschrieben, ein persönliches Treffen ist aber etwas ganz anderes.

Sehr profitiert habe ich von seinen Erzählungen, die sich teilweise sehr mit meinen Erfahrungen gedeckt haben und sich aber dann doch ganz oft total von meinen Erlebnissen unterschieden. Ganz spannend war auch, wie andere Freiwillige, mit denen Gaston und ich, während unseren Diensten und danach, viel Kontakt hatten, uns wiederum einschätzten und natürlich viele Gemeinsamkeiten und Unterschiede feststellen!
Gerade mit zwei Jahren Abstand auf meine Zeit in Mexiko lernt man immer wieder nochmal neue Aspekte des eigenen Jahrs kennen und ich weiß die gesammelten Erfahrungen immer mehr zu schätzen!
Eine besondere Ehre für mich war, als ich meinen Chef aus Mexiko, Padre Cristian im September 2025 bei mir zuhause begrüßen durfte. Er hatte während seiner Europareise auch bei mir einen Stop gemacht und wir haben sehr viel erlebt!
Neben vielen Städtetrips, u.a. nach Nürnberg und München konnte ich ihm meine Familie vorstellen und ihm mal zeigen, wie das Leben hier in Deutschland funktioniert – und natürlich was ein richtiges Schnitzel mit entsprechendem Kaltgetränk ist!-)

Natürlich darf nicht fehlen:

Ein zweiter Höhepunkt kam dann vom 13.-17. Mai in meine Heimatstadt Würzburg. Der Katholikentag brachte viel Schwung in die Stadt und es war phänomenal die Stimmung auf den Straßen und die hitzigen Diskussionen auf den Podien miterleben zu dürfen.



Auch das KMW war mit seinem Sternsingermobil vor Ort und ich durfte, während meinem Standdienst, ganz viele Gespräche mit jung und alt führen.
Das Sternsingermobil ist ein kleiner LKW, der vollgestopft mit Informationen und Spielen rund um das Kindermissionswerk ist. Es kommt sowohl zu kleinen Pfarrfesten als auch zu Großveranstaltungen, wie Ministrant*innen-Festivals oder sogar dem Katholikentag. Hierbei ist das Angebot sehr vielfältig. Man kann sich natürlich über die aktuelle Sternsingeraktion informieren oder darüber wie die Spendengelder verteilt werden. Man kann aber auch viel interaktiv erleben und spielerisch das Leben von Kindern auf der ganzen Welt und ihren Kontakt mit den Sternsingern kennenlernen.



Viele Eltern berichteten begeistert, wie lange sie selbst am 06.01. durch die Straßen gezogen sind oder, dass sie jetzt an der Organisation der Aktion beteiligt sind. Für die Kinder gab es Papierkronen zum selber basteln, sodass bald die ganze Stadt voller kleiner Königinnen und Könige war!

Ansonsten hat sich mein Leben als Rückkehrer nach mittlerweile zwei Jahren wieder ziemlich „normalisiert“. Klar, manchmal rutscht doch mal noch ein spanischer Ausdruck heraus oder man schwebt in Erinnerungen. Ich schaue im Tex-Mex-Restaurant nun auch etwas genauer und kritischer auf die Speisekarte. Aber nach dieser Zeit des Abstandes und des Lebens in der deutschen Gesellschaft haben sich für mich die Abläufe wieder eingespielt.
Da das natürlich viel zu langweilig ist, plane ich bereits meine Rückkehr nach Mexiko! Zwar nicht als Freiwilliger, sondern als Auslandsstudent, wird es dennoch bestimmt wieder eine einzigartige Erfahrung. Ich freue mich darauf, bereits bekannte Orte nun mit „erfahrenerem“ Blick nochmal sehen zu können, meine Freund*innen vor Ort wieder zu treffen und natürlich auch meine Jungs in HOCA zu besuchen! Gleichzeitig erwartet mich bestimmt auch noch ganz viel Neues und Unbekanntes, auf das ich mich wieder neu einstellen muss.
Da ich diesmal nur ein halbes Jahr aus Deutschland verschwinde und mittlerweile hier auch durch diverse Ämter usw. sehr verwurzelt bin, fällt mir der Abschied wieder nicht ganz leicht. Ich werde wahrscheinlich aus der Ferne ziemlich viel in Deutschland „mitdenken“ müssen und werde im Vergleich zu meinem FIJ viel weniger zwei getrennte Leben und Welten haben. Aber auch auf diese neue Symbiose beider Länder freue ich mich schon und hoffe, dass das alles gut geht!

Ich kann auf jeden Fall sagen, dass der Organisationsaufwand bei meinem ersten Mexikoaufenthalt über das KMW deutlich geringer war, da ja viel über weltwärts läuft. Jetzt muss ich mich mit Visums- und Versicherungsfragen herumschlagen und natürlich auch die Flüge selber zahlen!-)
Der Freiwilligendienst hat mein bisheriges Leben im positivsten Sinn geprägt und – auch wenn ich in Mexiko nicht 365 Highlights hatte – sieht man ja, dass ich trotzdem wieder zurückkehren will und werde.
Es lohnt sich definitiv – auch für den deutschen Alltag – mal über den Tellerrand der eigenen Persönlichkeit und Kultur hinauszuschauen und sich selbst herauszufordern. Das hat mich unglaublich weitergebracht!
Ich würde mich sehr freuen, Euch irgendwann mal bei einem Ehemaligen-WE zu treffen oder Euren Weg als Freiwillige/r begleiten und beobachten zu können. Doch dafür braucht es genau eine Sache: Hab Mut, steh‘ auf!
Nur so nebenbei, den vocho gibt’s natürlich auch in Deutschland. Manchmal sieht man ihn ja noch…

