Das, was bleibt…
Ich bin Daniela Piechatzek, 23 Jahre alt und habe meinen Freiwilligendienst 2024/2025 in Lima, Peru bei der Partnerorganisation Yancana Huasy absolviert.
Liebes Tagebuch,
Bald bin ich wieder ein Jahr zurück in Deutschland, obwohl ich das Gefühl habe, erst aus dem Flugzeug gestiegen zu sein. Manchmal fühle ich mich noch immer fremd in meiner Heimat, als ob noch ein Teil von mir in Peru ist. Vielleicht ist dies auch der Fall, weil Peru in meinem Herzen einen Platz bekommen hat.
Weißt du, wie gerne ich durch Lima spazieren würde.
Wie gerne ich nochmal den Regenbogenberg hochwandern würde.
Wie gerne ich mit meiner Gastfamilie am Esstisch sitzen würde.
Wie gerne ich mich mit meinen Freunden treffen würde und sie sich dabei über meinen deutschen Akzent lustig machen, da ich das R nicht so rollen kann wie sie.
Wie gerne ich nochmal in Yancana Huasy wäre und bei einer Rollstuhlanpassung oder einer Therapie helfen würde.
Wie gerne ich Locro, Chaufa oder Aji de pollo essen würde.
Wie gerne ich meine Tanzmoves raushole und zu Cumbiamusik tanzen würde.
Wie gerne ich “Peru Danni” für eine Augenblick wäre.
Wie sehr sich mein Weltbild verändert hat.





Wie sehr ich mir wünsche, dass wir auf einer Welt leben, wo jeder Mensch so akzeptiert wird wie er ist, unabhängig von Hautfarbe, Religion, Behinderung und Sexualität. Keine Kriege, sondern Weltfrieden. Dass alle in Sicherheit leben und alle Privilegien und Rechte zur Verfügung haben. Dass jeder Mensch seine Träume erfüllen darf, welche er sich erträumt hat. Wir alle leben das Leben zum ersten Mal. Wieso muss es so ungerecht sein. An manchen Tagen macht es mich Sauer, dass es leider so ist.
Manchmal schaue ich mir die Bilder aus Peru an und denke:“ Verrückt, ich habe ein Jahr in Peru gelebt!“ Vor Ort habe ich es auch nicht realisiert. Ich war so mutig und habe meine Komfortzone verlassen, und zeitgleich sehe ich eine andere Danni – Peru Danni – welche sich neu kennengelernt hat oder vielleicht auch das wahre Ich, was versteckt war. Ich würde alle Erfahrungen nochmal so erleben wollen, obwohl es auch manchmal herausfordernd war. Ich bin gewachsen.
Als ich in Peru angekommen bin, hat meine Tante ein Audionachricht gemacht, in welcher sie meinte: ”Denk immer positiv, nie negativ. Alles, was im Leben passiert, hat einen Sinn. Es hat einen Sinn, wieso du jetzt in Peru bist. Danke Gott für diesen Tag der dir geschenkt wurde[…] Du wirst glücklich nach diesem Jahr sein.” An manchen Tagen kamen die Zweifel hoch, was ich hier machen würde, was leider auch am Heimweh lag. Zum Glück verändert sich Heimweh im Laufe der Zeit. Ich habe ein Jahr lang nur durchs Telefon meine Familie und Freunde gesehen. Ich hätte Ihnen gerne Yancana Huasy und Peru so gezeigt, wie ich es lieben gelernt habe, damit sie ein besseres Verständnis für meinen Alltag hätten. Die meiste Zeit des Freiwilliges Internationales Jahr war ich glücklich. Als ich zurück nach Deutschland kam, habe ich mich so fremd gefühlt. Meinen Alltag in Peru gab es nicht mehr. Ich habe so viele Dinge vermisst. Ich musste mich wieder neu finden, ich glaube, im Leben findet man sich nicht nur einmal neu, sondern öfter wegen unterschiedlicher Ereignisse.
Achja mein geliebtes Peru, müsste ich dich beschreiben kämen mir diese drei Wortein den Sinn: bunt, verrückt und spontan. Ich habe in diesem Jahr so viel Liebe und Dankbarkeit gespürt, aus Deutschland und in Peru. Es lag an den Menschen, die mir ihr großes Herz gezeigt haben. Wie ein Glauben Menschen verbinden kann, obwohl man aus zwei unterschiedlichen Kulturen kommt. Wie ich von den Peruanern gelernt habe, jeden Tag zu feiern und ihn so anzunehmen, wie er ist, vergisst aber nicht, wie ein Peruaner zu essen und das mit den Händen und einem Löffel. Man hat nur dieses eine Leben. Wie die Kinder einem gezeigt haben, jeden Tag zu lachen und Spaß zu haben, sonst wäre der Alltag ja langweilig.







Es bleiben Momente, die man nicht missen will, Freundschaften, die auch durch Distanz funktionieren können und ein Wiedersehen, das sich bestimmt anfühlt, als ob man nie weg gewesen wäre und eine Vision von sich selbst, die man kennengelernt hat. Eine Verbindung zu Gott, die sich vielleicht in einsamen Momenten stärker anfühlt, wenn man sich allein fühlt.
Selbst nach einem Jahr entschwinde ich in meinen Tagträumen nach Peru und denke an diese abenteuerliche Zeit. Und alles hat nur mit einem Traum angefangen, obwohl ich eigentlich ein Angsthase vor neuen Dingen bin, war ich doch so mutig und bin diesen Schritt gegangen.
Deine Danni





