Reisen!

Mittwoch, 01. Februar 2012 von Lukas Ott

Hallo liebe Blogleser!

Nach langer Zeit schaffe ich es endlich noch einmal meine Erfahrungen in den Blog zu schreiben. Das ich so lange nicht geschrieben habe liegt daran, dass das Projekt wegen der großen Sommerferien geschlossen wurde, und ich somit Zeit hatte ein bisschen Bolivien zu erkunden. Meine kleine Reise ging kurz vor Weihnachten los. Zunächst fuhr ich über die Weihnachtstage erneut zu meinem Freund Steffen nach La Paz, um mit ihm Weihnachten und Silvester in La Paz zu feiern. Ein Weihnachten bei Sonnenschein und immer gleichem bolivianischen Wetter war auch seine Erfahrung wert, aber leider nicht halb so schön wie ein deutsches Weihnachten mit Familie und vielleicht sogar Schnee. Steffens Chefin hatte uns zum Essen eingeladen. So gab es wenigstens ein sehr leckeres Essen und ein bisschen festliche Weihnachtsatmosphäre.

Die Tage zwischen Weihnachten uns Silvester haben wir ganz entspannt bei Steffen verbracht und ich war froh, dass ich mal durchgängig Internet hatte. An zwei Tagen wurden wir allerdings von Steffens Chefin Isa zu Überaschungsausflügen eingeladen. Überaschungsausflüge deshalb, weil wir uns ins Auto setzen mussten ohne zu wissen, wohin es geht.

Ausflug 1: Von La Paz aus ging es erstmal zum Altiplano. Der Name erklärt eigentlich schon, was es dort zu sehen gibt: Das “Hohe-Flach” ist eine Hochebene, die auf etwa 4100m liegt und unglaublich beeindruckend aussieht. In der Ferne ragen einige schneebedeckte Gipfel empor und auf der riesigen, flachen Fläche des Altiplanos sind nur wenige kleine Hütten zu sehen. Einige Bauern versuchen mit Methoden, die in Europa im Mittelalter verwendet wurden, dem kargen Boden ein paar Kartoffeln oder Quinoa abzuringen. Denn so beeindruckend die Landschaft auch ist, im Altiplano herrscht die größte Armut Boliviens. Entlang der betonierten Straße, die zum Titikakasee und Richtung Peru führt, stehen alle 50m bettelnde Kinder, in der Hoffnung, dass ein Auto anhält und ihnen etwas gibt. Nicht weit von ihnen sitzen ihre Familien in den Feldern. Das ist ein sehr bedrückendes Gefühl, doch Isa meint, dass man nichts geben sollte, da sie dann immer weiter machen würden und nicht zur Schule gehen. Als wir von der betonierten Straße abbiegen, geht es über sehr schlechte Feldwege durch eine Landschaft, in der kaum noch Menschen leben und anstatt der bettelnden Kinder am Straßenrand, stehen nun Lamas da, die verdutzt gucken, als wir mit dem Auto vorbeifahren. Unser Ziel ist schließlich ein etwa 5200m hoher Bergsee, von dem man eine schöne Aussicht auf die jetzt ganz nahen Berggipfel genießen kann.

Ausflug 2: Wieder geht es über das Altiplano, doch diesmal fahren wir in Richtung Chile. Ein ähnlich schöner Anblick bietet sich uns, nur diesmal noch weniger grün. Wegen der Regenzeit haben sich einige kleine Flüsse oder ganz flache Seen auf dem Altiplano gebildet, in denen man Flamingos beobachten kann. Unser Ziel ist eine Inkaruine die fernab von jeder Touristenroute liegt und deshalb scheinbar unberührt wirkt. Dazu müssen wir einen Hügel besteigen, was auf dieser Höhe leichter gesagt, als getan ist. Die steilen Hänge sind übersät mit den typischen Terrassenbauten der Inka, auf denen damals Landwirtschaft betrieben wurde. Oben auf dem Hügel hat man einen unglaublich schönen Überblick und kann die Überreste der Wohnhäuser vorfinden. Weil diese Ruine vermutlich auf fast keiner einzigen Touristenroute liegt, kann man sogar noch Tonscherben und Pfeilspitzen der Inkas finden und mitnehmen. Der Abstieg fällt leichter und nach vier Stunden Autofahrt kommen wir wieder in La Paz an.

Zu Silvester gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, da es schon ähnlich dem europäischen Silvester ist. Steffen und ich habe zusammen mit einigen anderen deutschen Freiwilligen in La Paz gefeiert und es gab sogar deutsches Essen!!!

Nach Silvester ging es dann los Richtung Peru-Cusco-Machu Picchu. Von La Paz aus sind es zwei Stunden bis zur bolivianisch-peruanischen Grenze. Eine Grenzkontrolle zur Einreise existiert zwar, man kann die Grenze aber auch ohne jegliche Kontrolle passieren. Weil wir in einem Bus der teureren Klasse reisen, ist der Bus voller Touristen und ich komme mir auch schon richtig “touri-mäßig” vor. Das Gefühl habe ich sonst selten, weil ich unter Bolivianern, wie ein Bolivianer Lebe.

Cusco ist eine wunderschöne Stadt, die Steffen und mir wegen kleinen Gassen und schönen Häuser filmreif erscheint. Allerdings stören mich die Unmengen von Touristen, die zu jeder Tageszeit die Straßen füllen. Natürlich bin ich jetzt als einer von ihnen unterwegs, und trotzdem gefällt mir dieser Massentourismus nicht wirklich. Wir finden gleich eine halbwegs günstige Tour zum Machu Picchu, checken in ein Hostal ein und gucken uns danach ein wenig in der Innenstadt um. Cusco war die Hauptstadt der Inka und das sieht man auch: überall findet man inkatypische Mauerrreste und Museen, die von der großen Inkakultur berichten, die allerdings erst 600 Jahre alt ist.

Für Machu Picchu brauch man mindestens zwei Tage. Wir nehmen uns drei, um alles ein bisschen entspannter ansehen zu können. Die Reise geht mit dem Bus los, im Zug weiter, und endet in dem “Basislager” Aguascalientes, von wo aus wir am nächsten Tag Machu Picchu erklimmen wollen. Der Aufstieg dauert zu Fuß 1,5 Std. und als wir oben ankommen, sind wir schweißgebadet. Doch es lohnt sich! Die Landschaft und der Ausblick, der sich uns bietet, sind wunderschön. Für mich sogar fast beeindruckender, als die Ruinen selbst. Wir nehmen auch eine Führung, die ich allerdings für wenig sinnvoll halte, weil man gar nicht weiß, was Machu Picchu überhaupt war, und man nur spekulieren kann. Das liegt daran, dass Quechua, die Sprache der Inka, nur gesprochene Sprache war und nichts schriftlich festgehalten wurde. Insgesamt scheint mir dieses super schöne Reiseziel für die peruanische Regierung reine Geldquelle und nicht Kulturzentrum zu sein. Insgesamt hat uns der Ausflug zum Machu Picchu ohne Verpflegung etwa 130 Euro pro Person gekostet, die auch fast komplett an die peruanische Regierung weiter gehen.

Mit einem kurzen Zwischenstopp in La Paz reisen wir weiter von Cusco nach Santa Cruz (Bolivien), um am Zwischenseminar für Freiwillige teilzunehmen. Hier hatten wir eine Woche Zeit, über die bereits vergangene Zeit unseres Auslandsdienstes zu erzählen und darüber zu reden, und uns Ziele für das verbleibende halbe Jahr zu stecken. Besonders interessant war es für mich, von unterschiedlichen Einsatzstellen in ganz Südamerika zu hören und auch ihre Erfahrungen kennenzulernen.

Nach dieser Zeit, in der ich sehr viel mit Deutschen gemacht habe, mich ausgetauscht habe und viel gereist bin, bin ich jetzt wieder ziemlich froh, zurück in Sucre zu sein, in der Stadt, in der ich mich schon ein bisschen wie zu Hause fühle.

Ich freue mich schon auf nächste Woche, wenn die Ferien vorbei sind und ich die Kinder wieder sehen werde!

Lukas

 

Ein paar Eindrücke aus Bolivien!

Sonntag, 13. November 2011 von Lukas Ott

Hallo Leser!

Nach längerer Suche habe ich jetzt mal ein Internet gefunden, das schnell genug ist, sodass ich mal einige Fotos hochladen kann. Ein paar Eindrücke, die ich in der ersten Zeit hier in Bolivien festgehalten habe. Weil Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte…

Etwas ausserhalb von Cochabamba ein Blick über die Dächer des Dorfes.

Hier stehe ich vor der Christus Statur in Cochabamba.

Ein Blick über die Stadt Cochabamba, die in einer Smogglocke versinkt.

Das klassische Fortbewegungsmittel: ein “Micro” – kunstvoll bemalt

Einer von vielen schönen Plätzen in Sucre.

Zwei Esel haben sich direkt vor meine Haustür verirrt. Ein Besitzer ist weit und breit nicht zu sehen.

 

La Paz – El Alto

Dienstag, 01. November 2011 von Lukas Ott

Liebe Blogleser,

dass ich es erst jetzt wieder schaffe ein paar Worte zu schreiben, liegt daran, dass ich die letzte Woche meinen Freund Steffen, der ebenfalls mit dem Kindermissionswerk in Bolivien ist, besucht habe. Er lebt in La Paz, eigentlich in El Alto. Gereist wird in Bolivien in der Regel in Bussen, die je nach Preis unterschiedlich komfortabel sind. Ich habe mich für die teure Schlafbus-Version entschieden (13,50 Euro), weil die Fahrt immerhin zwölf Stunden dauert.

El Alto ist die “Oberstadt” von La Paz und liegt, wie der Name schon sagt, ziemlich hoch (ca. 4.200m). Daher unterscheidet sich das Klima natürlich von dem so angenehmen Klima in Sucre, und man muss den ein oder anderen dicken Pullover einplanen. Die Stadt El Alto entstand aus den Siedlungen der armen Bevölkerung von La Paz, die sich am Rande der Stadt in der Hochebene ansiedelte. Deshalb ist die Stadt ziemlich unorganisiert. Es gibt oft sehr schlechte Straßen, keine Straßennamen und wenige Arbeitsplätze. Die Stadt ist der soziale Brennpunkt von La Paz. Wobei man besser von einem sozialen Flächenbrand sprechen sollte, denn die Stadt zählt mindestens genau so viele Einwohner wie La Paz selber, und es werden immer mehr. In einfachsten  Backsteinhäusern, die fast alle gleich aussehen, leben mehr als eine Millionen Menschen unter oft sehr schlechten Umständen.

La Paz hingegen ist eine moderne Stadt, die eindrucksvoll aus dem Tal klettert, bis sie in die Oberstadt übergeht. Sehr viel Verkehr und hektische Menschen, im Stile einer deutschen Großstadt, waren das erste, was mir aufgefallen ist. Überall in der Stadt gibt es steile Straßen und wenig Platz. Deshalb findet man in der Stadt einige Hochhäuser, die mir in Bolivien sonst noch nicht aufgefallen sind. Allerdings fehlen mir in La Paz die schönen Kolonialbauten, die den meisten bolivianischen Städten so viel spanische Atmosphäre verleihen.

Doch nicht die Stadt selber oder die Gebäude haben bei mir bleibenden Eindruck hinterlassen, sondern der große Unterschied, der sich zwischen arm und reich in diesem Land auftut und der mir in La Paz besonders aufgefallen ist. In der Schule habe ich gelernt, dass dies normal sei in einem Land, das sehr arm ist. Doch dies mit eigenen Augen erleben zu können/müssen, war eine ganz eigene Erfahrung. Steffen, Urs (ein befreundeter Schweizer, den wir in der Sprachschule in Cochabamba kennengelernt haben) und ich sind einmal in die “Zona Sur” gefahren, das Reichenviertel von La Paz, um dort essen zu gehen. Je näher wir dem Restaurant kamen, desto schöner wurden die Autos, die Straßen, die Häuser. In einem 5 Sterne Restaurant konnten wir dann zwischen Köstlichkeiten wählen, die ich in Deutschland nicht leckerer bestellen könnte (und auch nicht billiger: 7,5o Euro ein Hauptgericht!). Gleich nach dem Essen ging es dann wieder rauf nach El Alto, in eine Stadt bestehend aus notdürftigen Häusern, in denen Menschen leben, die vielleicht nicht einmal genug Geld haben um ihre Familie zu versorgen. Da überkommt einem schon ein schlechtes Gefühl.

Die Zeit in La Paz war für mich Urlaub. Selber entscheiden wann und was ich esse, dauerhaftes Internet in der Wohnung und viel Deutsch sprechen war für mich eine angenehme Abwechslung vom Alltag in Sucre. Allerdings habe ich mich trotz Lamasocken, die ich mir noch zugelegt hatte, erkältet. Letztlich wurde mein Urlaub sogar noch verlängert. Denn meine Abreise wurde wegen Straßenblockaden auf der Strecke um
drei Tag verzögert, so dass ich nicht wie geplant nur ein Wochenende, sondern fast eine Woche bleiben “musste”.

Jetzt bin ich wohlbehalten und nur noch leicht erkältet wieder in Sucre angekommen.

Bis bald. Grüße!

Lukas

 

“Olympische Spiele von Bolivien”

Donnerstag, 13. Oktober 2011 von Lukas Ott

Buenos dias,

seit einer Woche findet in Sucre eine Art olympischer Wettkampf zwischen den einzelnen Departements statt. Auswahlmannschaften der besten Schulen der Departements messen ihre Kräfte in den unterschiedlichsten Disziplinen. Dieser Wettkampf wurde letztes Jahr vom amtierenden Präsidenten Evo Morales ins Leben gerufen und soll nun alljährlich stattfinden. Evo Morales hat sich dann auch überlegt, die Spiele nach sich zu bennen und so heißen die Spiele offiziell “Juegos estudiantiles plurinacional president Evo Morales”. Bei der feierlichen Eröffnung im Fußballstadion war er als Ehrengast anwesend und ich habe ihn sogar gesehen. Bei dieser Eröffnung präsentierten sich die einzelnen Departements mit traditionellen Tänzen der jeweiligen Regionen. Dabei fiel mir wieder einmal die unglaubliche Vielseitigkeit des Landes auf: Von traditionellen Tänzen der indigenen Bevölkerung des Hochlandes, über Tänze der Indianer des Regenwaldes, bis hin zu kolonial geprägten Tänzen war alles vertreten. Das Publikum beeindruckte durch bunte, laute und sehr gut einstudierte Choreographien. Schließlich wurde im Stil der olympischen Spiele eine Fackel durch das Stadion getragen, um das “Olympische Feuer” zu entzünden. Bei so einem Event durfte (in Bolivien schon gar nicht) am Ende natürlich ein Feuerwerk nicht fehlen. Das ganze war ein gelungenes Ereignis, auch wenn beim Auszug beinahe eine Massenpanik ausgebrochen wäre, weil die Kapazitäten des Stadions leider überschritten wurden, und man vergessen hatte, das große Tor zu öffnen. Deshalb gab es ein Gerangel der Meute, die sich durch ein kleines Tor quetschen musste, bei dem es auch leichte Verletzungen gab. Ich bin glücklicher Weise unversehrt geblieben.

Zu den Spielen selbst bin ich dann auch öfter gegangen, und habe mir hauptsächlich Basketball angeguckt. Das war teilweise amüsant, weil das Spielniveau nicht allzu hoch ist. So endete das erste Spiel, das ich mir angeguckt habe 30 zu 33, was auch das Ergebnis eines Handballspiels sein könnte. Aber durch die teils wilde Spielweise und die aufgebrachten Fans macht es mir immer Spaß, die Spiele anzuschauen. Ausserdem kostet keines der Spiele Eintritt und kann deshalb auch mal spontan für zehn Minuten besucht werden. Fußball hätte mich eigentlich mehr interessiert, aber ich konnte bisher nur zwei Austragungsorte ausmachen, und an keinem wurde Fußball gespielt.  Das Event dauert noch bis Freitag und ich werde versuchen, noch einige Spiele zu besuchen.

Ich lebe mich hier immer besser ein und durch die “universelle Sprachen” Sport, Musik und Tanz, kann ich die noch immer vorhandenen Sprachbarrieren gut überwinden. Obowhl ich wegen der Visumsbeschaffung, die immer noch im Gange ist und die langsam ziemlich ärgerlich wird, immer noch nicht viel arbeiten konnte, lerne ich das Projekt und die Menschen hier immer besser kennen. Das Projekt gefällt mir sehr gut. Es ist ein super Prinzip der Integration behinderter Menschen, von dem alle profitieren. Im Unterricht, beim Essen, beim Sport, bei der Arbeit und eigentlich bei allem was hier getan wird, findet ein gegenseitiger Austausch statt. Es wird jeder Mensch akzeptiert, respektiert und individuell gefördert, und zwar von allen. Ich selbst fühle mich sehr wohl bei der Arbeit mit den Menschen hier. In der Hoffnung, dass sich das nicht ändert und ich bald ordentlich Spanisch spreche und verstehe sende ich schöne Grüße!

Lukas

 

Dinosaurier, Christus und heiraten…

Mittwoch, 05. Oktober 2011 von Lukas Ott

Hallo Blogleser!

Gestern war ich mit dem Kindergarten der Einrichtung auf einem Ausflug. Mit dem Bus, der Eigentum des Projektes ist, und viel zu voll war, ging es zu den Dinos!!! Nicht weit von Sucre wurden in einem Kalksteinbruch Fußspuren von Dinosauriern gefunden. Es wurden ungefähr 5000 Fußabdrücke von über 300 verschiedenen Tieren, die hier vor 65 Millionen Jahren lebten, entdeckt. Die Fußabdrücke befinden sich auf einer fast senkrechten Steilwand, die durch geologische Ereignisse im Laufe der Zeit aufgerichtet wurde. Bevor wir allerdings näher an diese Wand gelangten, haben wir mit 30 Kindern im Kleinkindalter, darunter auch einige Behinderte, eine Führung durch einen Park bekommen, der aus Nachbildungen der Dinosaurier besteht. Für mich war das nicht sehr spannend, aber die Kinder waren natürlich hin und weg von den riesigen Dinosauriernachbildungen. Dafür hatte ich die Spezialaufgabe, auf ein Kind mit dem Downsyndrom aufzupassen, und das hat mir mindestens genau so viel Spaß bereitet, wie den Kindern die Dinosaurier. Er hatte besonders große Lust, Dinosauriergeräusche zu imitieren, sich auf den Boden zu setzen oder wegzulaufen, und so wurde mir zu keiner Zeit langweilig. Die Führung endete an der Aussichtsstelle auf die Steilwand. Die Kinder hat das Highlight, nämlich diese Fußsspuren im Kalkstein, wenig interessiert. Es sind halt auch nur Fußspuren im Kalkstein und für Kinder nicht sonderlich spektakulär. Am Ende der Führung durften noch Fragen gestellt werden. Besonders hat mich dabei die Frage der Kinder amüsiert, wo denn King Kong geblieben sei.

Noch zwei kleine Nachträge aus Cochabamba, die ich hier auf jedenfall noch erwähnen wollte:

1) Die (fast) größte begehbare Jesusstatue der Welt in Cochabamba. In Cochabamba steht auf einem Hügel unübersehbar eine riesige Christusstatue (40 Meter hoch), die fast von Jedem Punkt der Stadt zu sehen ist. Die Statue von Cochabamba ist sogar 14 cm höher als die viel bekanntere Statue in Rio. Darauf legen die Cochabambinos, so nennen sich die Einwohner Cochabambas, besonders großen Wert. Der höchste begehbare Jesus steht allerdings in Europa, in Polen. Oben auf dem Hügel, den wir zugegebener Weise per Seilbahn erklommen haben, gibt es eine tolle Sicht über die große Stadt, und oben drein eine Jesusfigur im Großformat. Besonders beeindruckend war für mich die Smogglocke, die über der Stadt hängt, sodass die Sicht trotz strahlendem Sonnenschein sehr diesig war. Die Bergkette, die die Stadt einschließt und eigentlich ein hervorragendes Fotomotiv sein könnte, verschwimmt daher leider in Abgasen. Betreten konnten wir den Christus leider nicht, da er nur sonntags geöffnet hat.

2) Heiraten auf bolivianisch. Gleich am ersten Wochenende wurden Steffen und ich von unserer Gastfamilie zu einer Hochzeit auf dem Land eingeladen. Die Fahrt dauerte 1 Stunde in einem Großraumtaxi. Als wir ankamen, waren die Vorbereitungen auf Hochtouren, doch nach einigem Warten konnten Steffen und ich unser Zimmer beziehen. Auf dem Land ist das Leben noch um einiges uriger und ruhiger als in der Stadt. Gekocht wird im Innenhof, und alles wird ganz langsam gemacht. Die Luft ist hier dafür Balsam für die Lungen, wenn man längere Zeit in der verdreckten Stadtluft gelebt hat. Die Hochzeit fand in der Dorfkirche statt. Diese war zu Beginn nur sehr dürftig gefüllt und Steffen und ich zählten zu den knapp 10 Personen, die zu Beginn der Messe schon da waren. Dies änderte sich dann im Laufe der Zeremonie und pünktlich zum Auszug war die Kirche dann voll. Das nennt man dann wohl die südamerikanische Pünktlichkeit. Die Messe dauerte etwa 1 Stunde und war vergleichbar mit einer Messe bei uns. Es wurde zwar etwas mehr geredet und dafür nicht gesungen, aber im Grunde war es einer europäischen Messe schon sehr ähnlich. Danach wurde vor der Kirche fleißig gratuliert und Konfetti verteilt. Als auch das abgehakt war, ging es zum gelassenen Teil der Hochzeit. In einem größeren Saal wurde mit viel Alkohol, lauter Musik und Tanz gefeiert. Der Alkoholkonsum war wirklich enorm, und jeder, wirklich jeder war daran beteiligt: Von 15-16-jährigen Jugendlichen bis hin zu alten Frauen und Männern waren am Ende glaub ich die meisten betrunken. Und so betrunken die Leute waren, so ausgelassen wurde auch gefeiert. Getrunken wurde Rum und Bier. Bolivien ist so wie Deutschland ein “Bierland” und so hat fast jede größere Stadt ihre eigenen Brauereien, die sehr leckeres Bier herstellen. Am zweiten Tag der Hochzeit ging das Ganze wieder von vorne los. Ja gefeiert wurde nur zwei Tage, die Hochzeiten hier können durchaus auch mal eine Woche lang dauern. Zur Geschenkübergabe wird zunächst den Trauzeugen, Braut und Bräutigam gratuliert, dann kriegt jeder der Beteiligten eine Hand Konfetti über den Kopf – was das bedeuten soll habe ich noch nicht herausfinden können – und erst dann wird das Geschenk überreicht. Praktisch sind auch die kleinen Stände vor der Festhalle, an denen man sich noch schnell ein Geschenk kaufen kann, falls man seins vergessen hat. So war die Hochzeit ein feucht-fröhliches Erlebnis, an das ich mich sehr gerne zurückerinnern werde!

Man sieht: die drei sehr unterschiedlichen Begriffe der Überschrift können sehr leicht in einem Blogartikel aus Bolivien vereint werden. Das Land ist einfach zu vielseitig, als dass ich sinnvolle Überschriften finden könnte!

Das wars erstmal von mir. Auf bald!

Lukas

Ach und mein Visum habe ich leider immer noch nicht, weil wir leider vergessen hatten, mein Internationales Führungszeugnis bei Interpol zu beantragen. Naja, ich muss mich eben noch ein bisschen gedulden.

 

Schnitzeljagd nach dem Visum

Donnerstag, 29. September 2011 von Lukas Ott

Hallo miteinander!

So langsam lebe ich mich hier ein und ich war jetzt auch schon öfter mal in der Stadt, um zu shoppen, zu essen, feiern, oder einfach nur zum Zeitvertreib.

Die Stadt Sucre ist wirklich sehr sehr schön, und ist nicht umsonst zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt worden. Die weißen kolonialzeitlichen Gebäude zieren die schmalen Straßen. Das Theater, das Rathaus oder das Landesgericht sind wahre Prachtbauten in Weiß. Die Stadt ist sauber und angenehm klein, sodass man problemlos zu Fuß zurechtkommt. Es ist sogar meistens schneller das Auto stehen zu lassen und zu gehen. Denn die schmalen Gassen der Stadt, die natürlich auch rasterförmig angelegt sind, sind in der Regel Einbahnstraßen. Hinzu kommen einige Baustellen in der Innenstadt, sodass eine vermeintlich kurze Strecke mit dem Auto ziemlich lange dauern kann. Insgesamt sind die Straßen für ein großes Verkehrsaufkommen nicht geeignet und verstopfen in der Rushhour ziemlich schnell. Interessant ist auch das Relief der Stadt. Sie liegt mitten in einer sehr zerklüfteten Landschaft, und so werden auch in der Innenstadt beachtliche Höhenunterschiede bewältigt.

Die letzte Woche habe ich eigentlich kaum gearbeitet. Das lag daran, dass ich fast pausenlos die “Zutaten” für mein Visum sammeln muss. Denn mein Visum läuft diese Woche aus. Das ist nicht weiter schlimm, weil es der Regierung  scheinbar nur darum geht, ein bisschen Geld zu verdienen. Für jeden Tag mit abgelaufenem Visum fallen 2 Euro an den Staat an. Also bin ich letzte Woche mit meiner Chefin zum Amt für Migration gegangen und habe mich nach dem Visum erkundigt. Dort haben wir eine lange Liste bekommen und die “Schnitzeljagd” nach meinem Visum ging los: Zur Polizei, zur Bank, zum Anwalt, zum Arzt, zum Amt, zur Schule, zum Aidstest, zum Fotografen……… Und jede Station musste ich mindestens 2 Mal aufsuchen. Es gibt eben nicht nur in Deutschland viele bürokratische Hürden zu meistern.                                          Doppelt ärgerlich ist es dann von meinem Freund Steffen zu hören, dass er für sein Visum in La Paz nichts dergleichen tun muss und es ganz einfach und unkompliziert ist. Naja, so ist eben Bolivien.

Interessant ist die Beschaffung meines Visums dennoch. Die Polizeiwache in Sucre befindet sich in einer alten Hutfabrik. An der Wand prangt in großen Lettern noch der Name der Fabrik. Die Gefängnisszellen erinnern ein bisschen an einen Kaninchenstall mit Maschendrahtzaun. Die Preise der Polizei, zum Beispiel für ein Visum, werden seit Kurzem in der Zeitung der Stadt veröffentlicht, um die zunehmende Korruption in der Polizei einzudämmen.

Das Allerwichtigste bei der Beschaffung von irgendwas in Bolivien sind persönliche Kontakte. Hier gibt es viel mehr Bekanntschaften unter den Menschen als in Deutschland. Um mein Visum zu beantragen, bin ich mit unterschiedlichen Leuten durch die Stadt gegangen/gefahren und alle hatten gemein, dass sie eine Unzahl von Leuten kannten, sie grüßten und sich unterhielten. Und eben das half ungemein bei der Beschaffung meiner Unterlagen. Man kommt schneller an die Reihe, wird besser und schneller bedient. Deshalb war es für mich besonders wichtig, immer mit Angestellten der Schule unterwegs zu sein.

Heute ist mal wieder frei, denn das Departement (Bundesland) Sucre hat beschlossen, dass heute von bestimmten Gruppen gestreikt werden darf. Davon sind auch die Lehrer betroffen, und deshalb fällt die Schule eben heute flach. Dafür gab’s ein Fussballspiel mit den Physiotherapeuten, die mussten nämlich arbeiten, auch wenn keine Patienten da waren.                                                                                       Gestreikt wird nicht etwa für bessere Löhne oder Arbeitszeiten, sondern gegen den Bau einer Straße quer durch den Osten Boliviens, durch einen Nationalpark. Der Großteil der Leute, mit denen ich gesprochen habe, sind tatsächlich dagegen, weil die Natur so zerstört wird. Andererseits würden ein paar ordentliche, geteerte Straßen zwischen den großen Städten auch nicht schaden. Aber es ist wohl zu befürchten, dass diese Straße vor allem den Koka/Kokainhandel fördern würde.

Naja, so viel von mir. Ich fahre jetzt in die Stadt, um ein wenig die Demonstrationen zu verfolgen.

Bis bald!

 

Angekommen 2!

Donnerstag, 22. September 2011 von Lukas Ott

Hallo Blogleser.

Nach 2 Wochen in Cochabamba in der Sprachschule bin ich jetzt in Sucre angekommen.
Nachdem ich mich von meiner Gastfamilie und am Flughafen auch von Steffen vorerst verabschiedet habe, ging es mit einem bolivianischen Billigflieger in 20 Minuten von Cochabamba nach Sucre. 28 Euro hat das umgerechnet gekostet. Die Alternative dazu wären 12 Std Busfahrt, inklusive betrunkenem Busfahrer, der Cocablätter kaut, über Schotterpisten.

In der halbgefüllten Maschine war der Flug sehr angenehm und wegen der geringen Reisehöhe konnte man auch einiges von der Landschaft sehen. Diese war auf dieser Strecke total zerklüftet und kaum bewohnt.
Am Flughafen angekommen wurde ich sehr nett von zwei Mitarbeitern meiner künftigen Arbeitsstätte, dem ETI, in Sucre empfangen. Die Fahrt zum ETI dauerte dann nochmal 20 Minuten, und auch auf dieser Fahrt gab es einiges zu sehen, denn im Gegensatz zu Cochabamba ist Sucre sauberer, ruhiger, schöner! Am Strassenrand steht eine Sau, die Sonne scheint, und vor mir eine weisse Stadt – das waren meine ersten Eindrücke von Sucre.

Das Projekt liegt etwas ausserhalb von Sucre, und das Zentrum ist in etwa 10 Minuten zu erreichen. Im Projekt gibt es mehrer Abteilungen: Nähwerkstatt, Bäckerei, Kantine, Physiotherapie, Kindergarten, Schule, Sportplatz, Unterkünfte. Alles in allem ein sehr ausgereiftes Projekt. Gut organisiert, gute Räumlichkeiten – wenn auch zu wenige, gutes Personal und sehr sauber. Meine Chefin und das gesamte Personal sind sehr nett und kümmern sich hervorragend um mein Wohl.

Ich arbeite in der Schule in einer integrativen Klasse. Die Klasse ist etwa so groß wie eine deutsche Schulklasse, also etwa 25 Schüler. Die Schule beginnt um 8.15 und endet zwischen 12 und 12.30. Der Unterricht ist sehr hektisch. Es scheint als wäre knapp die Hälfte der Klasse hyperaktiv. Fliegende Stifte,
Geschrei, Schläge, Tritte und Kinder, die auf dem Boden liegen, sind normal. Die Lehrerinnen leisten ganze Arbeit, um “den Haufen” zu bändigen. Ich kann dabei leider noch keine allzu große Hilfe sein, da mein Spanisch noch nicht ausreicht, um mich mit den Kindern anzulegen. Meine Sprachkenntnisse verbessern sich zwar von Tag zu Tag, aber als ich gestern alleine auf die Klasse aufpassen sollte, fühlte ich mich eher
wie in einem Kriegsfilm als in einer Schulklasse. Doch ich gewöhne mich so langsam an diese Umstände und finde auch immer bessere Wege, um mit den Kindern in Kontakt zu kommen. So werde ich auch immer ganz liebevoll “Tio Lukas” (Onkel Lukas) genannt.
Jeder hier kennt mich schon, weiß meinen Namen und grüßt mich sehr nett, während es mir schwer fällt, mir auch nur einen Bruchteil der Namen zu merken.

Am Nachmittag arbeite ich dann in der Hausaufgabenbetreuung. Hier geht es um einiges gelassener zu als am Vormittag. Es kommt mir so vor, als hätten die Kinder ihre ganze Energie am Vormittag verbraucht und bräuchten nun auch ein wenig Pause. Um 5 ist mein Dienst dann getan und ich kann mich ein wenig ausruhen.

Ich wohne im Projekt in der so genannten Residenz, in der auch etwa 25 Behinderte dauerhaft leben. Mein Zimmer hat ein eigenes Badezimmer und ist um einiges geräumiger als mein Zimmer in Cochabamba. Ein bisschen mehr Abstand zu der Arbeit würde mir aber besser gefallen. So kann ich mich nach meinem anstrengenden Arbeitstag nur begrenzt ausruhen. Deshalb werde ich mich bei Gelegenheit nach einer Wohnung in der Stadt umschauen. Andererseits kann ich so immer schön lange schlafen, was auch nicht so schlecht ist!

Heute ist in Bolivien Frühlingsanfang, und auch diese Gelegenheit wird nicht ausgelassen, um einen Feiertag einzubauen. Ausserdem ist heute noch Tag der Freunde, Tag der Studenten und Tag der Geliebten (wenn ich es richtig verstanden habe). Insgesamt gibt es in Bolivien eine Vielzahl von Feiertagen, von denen ich noch nie gehört habe. Aber man feiert eben sehr gerne und viel in Bolivien und mir scheint, dass das Volk auch so bei Laune gehalten wird. Jedenfalls gab es auch bei uns in der Schule eine Fiesta, bei der einige Spiele gespielt und einige Tänze getanzt wurden. Ich selbst habe mit den Physiotherapeuten einen klassischen bolivianischen Tanz aufgeführt. Wir haben allerdings die Geschlechterrollen getauscht, sodass wir trotz
sehr schlechtem Tanz für unsere Kostüme tobenden Beifall erhielten.

Mir geht es hier also blendend und ich hoffe, ich komme in nächster Zeit häufiger dazu, etwas hier zu schreiben.

Bis dahin schöne Grüße aus Bolivien!
Lukas

 

Angekommen!

Samstag, 10. September 2011 von Lukas Ott

Hallo zusammen!

Nach 28 Stunden sehr anstrengender Reise nach Bolivien sind wir (Steffen und Ich) endlich in Bolivien angekommen. Unser Flug ging von Frankfurt ueber Sao Paolo nach Santa Cruz in Bolivien und dann noch weiter nach Cochabamba, wo wir jetzt 2 Wochen eine Sprachschule besuchen. Am Flughafen von Cochabamba wurden wir von der bolivianischen Presse und von der Leiterin unserer Sprachschule herzlich empfangen. Die Presse kam allerdings nicht unseres wegen, sondern um die Fussballspieler von Aurora Cochabamba (1. Bolivianische Liga) zu begruessen, die zufaellig im selben Flug sassen. Von dort aus ging es dann zu unserer Gastfamilie, bei der wir uns nur kurz vorstellten, um dann wie tot in die Betten zu fallen.

Auch wenn es noch einige Verstaendnisprobleme mit der Gastfamilie gibt, kann ich doch sagen, dass sie sehr nett und sehr gross ist! In einer relativ kleinen Wohnung mit Innenhof leben 8 Personen aus 3 Generationen zusammen. Ausserdem finden noch 2 Hunde und eine Katze platz. Steffen und ich kommen in einem kleinen Zimmer unter, das aber vollkommend ausreichend ist. Besonders wichtig natuerlich: Das Essen ist lecker und es gibt viel: Reis, Nudelsuppen, Tomate, Banane und etwas Fleisch. Obligatorisch werden ueberall selbstverstaendlich noch ein oder zwei Kartoffeln dazu gelegt.

Am ersten Tag in Bolivien ging es dann auch gleich zu Sprachschule, die 2 Minuten Fussmarsch von unserer Wohnung entfernt ist. Mit einem Jetlag von 6 Stunden in den Knochen fiel es allerdings schwer, der netten Lehrerin zu folgen. Der Unterricht hier ist sehr gut. Wir haben jeden Werktag 5 Stunden Einzelunttericht. Die Lehrerinnen wechseln taeglich, sodass man viele Sprachstile und Ansichten kennenlernt. Denn trotz Verstaendnisschwierigkeiten, die aber schon immer weniger werden, erzaehlen die Lehrerinnen stolz von ihrem Land, der Geschichte, der Politik und auch, weniger stolz, von den Problemen. In der Sprachschule sind ausser uns noch einige andere Schueler aus Amerika, Suedafrika, Oesterreich, der Schweiz und vor allem Deutschland.

Cochabamba liegt auf 2600m Hoehe und hat etwa 900.000 Einwohner. Das Klima ist sehr angenehm: Am Tag scheint sehr intensiv die Sonne und es ist schoen warm. Nachts kuehlt es dann aber ordentlich ab, sodass man sich besser nicht ohne Jacke raus wagt. Bisher habe ich hier auch noch keinen einzigen Regentropfen abbekommen! DIe Stadt wird von hohen Gebirgszuegen umgeben, die gruen emporragen. Der Tunari ist mit mehr als 5000m der hoechste Berg dieser Gebirgskette. Der Anblick der Berge ist wunderschoen und man kann sich gut vorstellen, wie hier fuer mehr als 5000 Jahre das Volk der Inka lebte.

Ich habe mich jetzt auch schon einige Male in die Stadt getraut. Dies ist ein echtes Wagnis, denn der Verkehr ist ein Wahnsinn. Mit einem Micro (Bus) oder Truffi (Kleinbus) brauche ich von mir zu Hause etwa 10 – 15 Minuten in die Stadt. Die Busse werden per Handzeichen angehalten und kosten, egal wohin, 1,70 Bolivianos (etwa 17 cent). Oft ueberfuellt und in den total veralteten Fahrzeugen geht es dann in die Stadt. Die Busse sind Hauptverkehrsmittel und fahren sehr, sehr haeufig. Hier fahren ohnehin fast nur alte Autos, meist aus Japan, die in Deutschland wohl eher in Museen oder vorallem auf Schrottplaetzen vorzufinden waeren. Doch wenn es am Geld fehlt, wird eben viel repariert. So fahren hier auch beispielsweise einige sehr schicke VW Kaefer durch die Gegend, in die ich mich auch gerne mal setzen wuerde. Auf der Strasse gilt allgemein: “Wer hupt, der gewinnt!” Vorfahrtsregeln oder aehnliches kann ich jedenfalls nicht erkennen. Falls mal eine unuebersichtliche Kreuzung kommt, wird eben mal gehupt und einfach druebergefahren. Oder springt eine Ampel auf gruen, so wird sicherheitshalber von allen mal gehupt, falls der Vordermann gerade nicht aufpasst. Ampeln gibt es aber nur fuer die Autos. In dem ganzen Gewusel gibt es auch noch tausende Fussgaenger, die einen guenstigen Zeitpunkt abpassen muessen, um die Strasse zu queren oder in einen Bus ein- oder auszusteigen.

In der Stadt findet man sich dank rasterfoermigem Strassennetz gut zurecht. Das Strassensystem war eine Idee der spanischen Besetzer und ist in fast jeder Stadt Boliviens vorzufinden. An jeder Strassenecke finden sich meinst indigene Frauen, die irgendetwas verkaufen. Der Plaza Prinzipal ist das Zentrum des gesellschaftlichen Lebens. Hier ist es sehr gruen und man kann sich gut mal hinsetzen und ein wenig ausruhen. Um den Platz gibt es die Kathedrale und einige administrative Gebaeude im Kolonialstil. Viel mehr habe ich von der Stadt noch nicht gesehen.

Soviel zu meinen ersten Eindruecken aus Bolivien!
Bis bald! Hasta Luego!
Lukas