Die Zeichen stehen auf Abschied

Donnerstag, 09. August 2012 von Sarah Patzelt

It’s time to say goodbye – die Tränchen kullern”

Die Zeit verfliegt weiter wie im Fluge und ich kann mir kaum vorstellen, in zehn Tagen meine Heimreise anzutreten. Doch die Zeichen stehen auf Abschied. Letzte Woche gab es bereits meine Verabschiedungsfeier in der Schule. Diese musste aus vielen organisatorischen Gründen so früh gelegt werden. Man hatte versucht, es eine Überraschungsparty werden zu lassen, allerdings war dies einigen Kinder nicht bewusst. So hörte ich doch des Öfteren: „Sarah are you leaving on Thursday?” Mhm, komisch, dachte ich mir, warum soll ich am Donnerstag abreisen?! Und meine Kollegen benahmen sich auch ganz seltsam, so dass es mir z.B. „verboten” war, in die Klassenräume zu gehen. Wollte ich mit einem Lehrer reden, kam dieser raus auf den Gang (sehr untypisch) und ich konnte ständig hören: „Psssst, Sarah is outside” 🙂

Kurzum, ich wusste also, dass etwas im Busch war…

Es kam der Donnerstag und ich wurde aus der Schule gelockt und kam auch erst am Nachmittag wieder, als bereits alle Kinder, Lehrer und Gäste in der großen Halle saßen.
Die Klassen hatten jeweils etwas Kleines vorbereitet. So wurde gesungen, getanzt, geschauspielert, geweint aber auch GANZ viel gelacht.

Es war rührend zu sehen, dass die Kinder sich wirklich sehr viel Mühe gaben und alle ihren Spaß hatten. 🙂

„Eine Tür wird zugeschlagen und ein Fenster geöffnet.

Das waren die Worte des Direktors des College in seiner Rede bei meiner Verabschiedung. Sie waren darauf bezogen, dass alle zwar traurig sind, dass ich gehen muss, aber ein Fenster bereits geöffnet wurde. Eine neue Freiwillige ist nämlich unterwegs und kommt heute in Johannesburg an. Es sind schon alle ganz gespannt auf Lena und darauf, wie sie wohl sein wird. Und vor allem ich, die mit Lena schon seit einiger Zeit im E-Mail-Kontakt steht und ihr jetzt endlich mein/ihr Projekt zeigen will 🙂
Lena startet im Gegensatz zu mir voll durch und fängt am Montag direkt mit dem Ferienprogramm an. Bis dahin haben wir aber noch ein paar Tage und ich werde ihr dann erst einmal mein Johannesburg zeigen 🙂

Also, wer mehr über Lena und ihre Zeit im Three2Six-Projekt lesen möchte, schaut einfach im Sternsingerblog unter Freiwillige nach Lena Monshausen in Südafrika!

Let the Holiday Program begin- endlich geht es los

Am Montag ist es endlich soweit: Nach Wochen der Vorbereitung und Organisation, starten wir unser Ferienprogramm. Die erste Wochen werden wir ganz künstlerisch mit den Kindern gestalten: Wir haben südafrikanische Künstler, die mit unseren Kindern arbeiten werden.

Auch in der zweiten Woche wird es nochmal künstlerisch, aber der Fokus liegt doch auf der Wiederholung vom Schulstoff und einem Trip zur Universität in Pretoria, wo Studenten wissenschaftliche Experimente den Kindern vorstellen und gemeinsam durchführen werden.

Und abschließend gibt es noch einen Ausflug ins Theater, den ich natürlich leider nicht mehr mitmachen werde. Ich bin mir aber sicher, dass die Kinder sehr viel Spaß dabei haben werden.

Ich kann es wirklich kaum erwarten, dass es endlich Montag wird, auch wenn das wiederum bedeutet, dass meine Zeit hier zu Ende geht 🙂


Es schneit, es schneit, kommt alle aus dem Haus…

Ja, so war es tatsächlich am Dienstag. Morgens wachte ich auf und bekam erst einmal einen kleinen Schock. Irgendetwas war anders… Richtig, es war bewölkt und man konnte die Sonne nicht sehen, was eigentlich total ungewöhnlich für Südafrika ist. Den strahlend blauen Himmel werde ich garantiert in Deutschland vermissen 🙂 Vormittags konnte ich nur kleine und wenige Schneeflocken ausmachen. Am Nachmittag aber ging dann das Ganze richtig los. Und da Schnee hier in Johannesburg eine Seltenheit ist (manche meinten, das letzte Mal richtigen Schnee hätte es 2008 gegeben?!), schrien alle wie verrückt. Wörtlich alle ließen die Arbeit für einen Moment ruhen und es zog sie nach draußen in den Schnee. Es war herrlich zu sehen, wie Groß und Klein sich freuten wie Schneekönige. Und natürlich musste auch ich ein Erinnerungsfoto machen. Schnee in Südafrika und das noch im August. CRAZY!!

Zum allen Überfluss fiel dann in unserem Büro (mal wieder) der Strom aus, sodass es keine Heizung und kein heißes Wasser gab. Brrr, das war dann nicht mehr so lustig und ich war zum ersten Mal froh, als die Uhr anzeigte, es ist Zeit nach Hause zu gehen. 🙂

 

Es gibt auch gute Neuigkeiten…

Mittwoch, 25. Juli 2012 von Sarah Patzelt

Nachdem mein letzter Blogeintrag doch etwas depressiv und dunkel die Situation in Südafrika geschildert hat, werde ich mich heute mal auf das Gute konzentrieren, denn auch gute Dinge passieren im Projekt, in Johannesburg und in Südafrika… 🙂

Also zu den guten Neuigkeiten:

Die Mutter ist zurück 🙂

Ich habe im letzten Eintrag von der Mutter berichtet, die seit März im Lager ist und über ihren Sohn, der nicht mehr zur Schule kommen konnte.
Irgendwann haben wir es nicht mehr ausgehalten zu warten, dass endlich was geschieht und beschlossen, den Jungen jeden Tag von seiner Tante abzuholen und wieder zurück zu bringen. Es ist ein immenser Zeitaufwand und unterbricht unsere Arbeit auch ziemlich, aber jedes Mal wenn wir das Strahlen des Jungen sehen, werden unsere Mühen tausendmal zurückgezahlt. Er ist wirklich sehr glücklich, nach vier Wochen zuhause rumsitzen, endlich wieder zur Schule gehen zu können, zu lernen und seine Freunde zu sehen.
Außerdem ist seine Mutter vor einer Woche aus dem Lager entlassen worden und hat Papier für die nächsten drei Wochen bekommen. Sodass sie sich in der nächsten Zeit wieder bei „Home Affairs” (Einwanderungsbehörde) melden muss, um eine längere Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen. Wir haben mehrere Organisationen eingeschaltet, die der Mutter jetzt helfen eine Unterkunft für sich und die Kinder zu finden, in Papierfragen zur Seite stehen und auch sonst Unterstützung anbieten.

Auch die Kinder, die mit dem Minibustaxi fahren mussten, um dann in unsere Busse einsteigen zu können, haben das Glück, dass sich ihre Situation geändert hat und sie umgezogen sind, sodass sie wieder im Einzugsbereich der Schule wohnen.
Umziehen ist für die Kinder eh eine ziemlich normale Sache. Nicht unbedingt, weil die Eltern es wollen, sondern eher weil sie aus den Wohnung rausgeschmissen werden. Das hat verschiedenen Gründe: Manchmal können die Eltern einfach die Mieten nicht mehr bezahlen, ein anders Mal will der Wohnungsbesitzer sie einfach nicht mehr haben, da andere Leute evtl. mehr Miete zahlen und ab und an wird auch einfach kein Grund genannt…
Es ist also keine Seltenheit, dass ein Kind einem erzählt: „They chased us out of the flat!” (Sie haben uns aus der Wohnung vertrieben) Und auf die Frage wo sie jetzt wohnen, bekommt man oft die Antwort, dass die Familie auf andere Verwandte aufgeteilt wurde.

Ein Eimer voll Suppe

Es ist südafrikanischer Winter und auch wenn es heute wieder ein sehr angenehmer Tag ist und wir heute Nachmittag garantiert 20 Grad haben werden, waren die letzten Wochen doch ziemlich kalt. Dass das Thermometer nachts unter Null fiel, war keine Seltenheit. Und auch tagsüber kletterte die Temperatur nur selten über 10 Grad hinaus.
Das hört sich für uns nicht wie ein allzu harter Winter an, allerdings sind die Häuser nicht isoliert und kleine Heizgeräte sind nun mal für wohlhabende Leute.

Aber wir haben Glück, dass wie Decken für unsere Kinder gespendet bekommen haben und einige Eltern der Regelschule Sacred Heart College nun jede Woche für jede Familie im Three2Six Projekt einen Eimer voll Suppe kochen. Jede Familie bedeutet in unserem Fall, dass wir 101 Familien haben. Und donnerstags werden die Suppen geliefert und ich bin nachmittags damit beschäftigt, die Eimer zu verteilen und den darauf folgenden Tag die Eimer wieder einzusammeln. Aber die Kinder freuen sich riesig über die leckeren Suppen und es hilft den Familien wirklich sehr.

Nelson Mandela Day – 67 Minuten etwas Gutes tun

Am letzten Mittwoch (18. Juli) hatte Nelson Mandela Geburtstag. Das ist ein ziemlich wichtiger Tag in Südafrika und die Leute spielen verrückt. Auch unsere Kinder. So haben sie während der üblichen täglichen Versammlung lautstark „Happy Birthday” für ihn gesungen. Sie sehen sich nun mal als Südafrikaner 🙂
An diesem Tag wird dazu aufgerufen 67 Minuten lang etwas Gutes zu tun. (Auch wenn es häufig Kritik gibt, dass einmal im Jahr 67 Minuten etwas Gutes zu tun nicht ausreicht…)
Warum aber 67 Minuten? Die Zahl kommt daher, dass Nelson Mandela mit 67 Jahren aus dem Gefängnis entlassen wurde und als Zeichen des Respekts soll nun jeder Südafrikaner 67 Minuten etwas Gutes tun. Und das machen sie dann auch, jeder versucht an diesem Tag etwas zu machen. Wochen vorher konnte man Plakate sehen, die genau dazu aufriefen. Gemeinnützige Organisationen nutzen natürlich die einmalige Hilfsbereitschaft. Auch wir hatten eine Veranstaltung, organisiert von einer anderen Organisation, die seit April mit uns zusammenarbeitet. Sie wollten sich und unsere gemeinsame Arbeit vorstellen und als „Eintrittsgeld” wurde um Bücher für unsere Bücherei, die leider immer noch nicht fertig ist, gebeten. Die Organisation „Teach Summit” bietet im Moment jeden Samstag zwei Stunden English an. Da sie erst am Anfang sind, ist es momentan noch eine kleine Gruppe von zehn Schülern, die daran teilnehmen können. Aber wir hoffen, dass wir bald mehr Freiwillige finden, sodass mehr Schüler and dieser Samstagsschule teilnehmen können.

Und die Kinder wollen auch samstags kommen, da es Zuhause langweilig ist. Erst letzten Samstag kamen zwei Schüler, die nicht auf der Liste standen. Sie kamen fein herausgeputzt und mit ihren Schulrucksäcken bewaffnet. Da wir aber die Gruppe klein halten wollen, sodass möglichst viel individuelle Arbeit zwischen Freiwilligen und Schülern möglich ist, musste ich sie wieder nach Hause schicken 🙁
Es ist kaum zu glauben, dass die Kinder wirklich traurig sind, wenn sie nicht zur Schule gehen können. Und leider ist es oft so, dass sie sogar kommen, wenn sie krank sind. So wird uns Büro manchmal zur Krankenstation.

Sacred Heart Entrance Test – ein Stipendium für unsere Kinder?

Fünf unserer Sechstklässler haben vor einer Woche den Sacred Heart Entrance Test geschrieben. Sollten sie diesen Test bestehen, können sie ein Stipendium für das Sacerd Heart College bekommen und ab der 7. Klasse (also 2013) auf das Sacred Heart College gehen. Bisher haben wir noch keine Ergebnisse, ob es die Kinder geschafft haben bzw. wer es geschafft hat, aber wir hoffen, dass ein oder zwei Schüler den Test gut bestanden haben. Es wäre eine super Motivation für unsere Kinder, wenn sie sehen, dass es einige geschafft haben zum Sacred Heart College zu gehen.
Und die Chance für die Kinder einen vernünftigen Schulabschluss zu machen, später eventuel zur Uni zu gehen und einen guten Job zu bekommen, steigen natürlich immens, sollten sie eine Privatschule besuchen.
Außerdem kommen alle fünf Kinder aus sehr armen Familien, so dass die Eltern im Moment Probleme haben sie an den öffentlichen Schulen zu registrieren. So wäre es eine Hilfe für die Eltern, sollten die Kinder ein Stipendium an einer so guten Schule wie dem Sacred Heart College bekommen 🙂
Die Kinder und wir Erwachsenen sind total gespannt und es vergeht kein Tag, an dem die Kinder nicht angerannt kommen und fragen, ob ich nicht schon die Ergebnisse hätte.
Uns bleibt im Moment aber nur „abwarten und Tee trinken”

Holiday Program – Ich bin so gespannt

Heute und morgen werden wir mit den Kindern ein bisschen Vorarbeit für das Ferienprogramm leisten. Ich bin schon total gespannt, was unsere Kinder fabrizieren werden.
Wir werden verschiedene nationale Künstler haben, die mit unseren Kindern arbeiten werden. Das Thema wird sein: „Meine Reise zum Frieden”. Die Kinder können malen, zeichnen, Skulpturen machen etc, je nachdem was ihnen beliebt und die Künstler stehen ihnen mit Rat und Tat beiseite. Die kleineren Kinder werden Teller und Wanduhren mit Mosaik verzieren.

Das Ganze soll dann in einer Auktion im Oktober versteigert werden. (Leider bin ich dann nicht mehr da, aber ich bin sicher, dass es eine wahnsinnige Aktion wird ;-))

Abschied nehmen – es ist zu früh…

Langsam aber sicher muss ich mir Gedanken um den Abschied machen und auch die Kinder darauf vorbereiten, dass ich gehen werde. Sie hören das im Moment gar nicht gerne, aber ich bin mir sicher, dass sie sich auch schnell an die neue Freiwillige gewöhnen werden und sie später nicht gehen lassen wollen 🙂
Letztens habe ich mich mit einem Viertklässler unterhalten und ihm erklärt, dass meine Mama schon auf mich zuhause wartet und ich daher gehen muss. Seine Antwort war simpel: „But not so soon.” 🙂

 

Ein sehr schönes Jahr geht zu Ende…

Montag, 16. Juli 2012 von Jakob Bauer

Hallo ihr Lieben,

gerade befinde ich mich auf dem Miami International Airport und warte auf meinen Anschlussflug nach Frankfurt. In diesem Eintrag möchte ich euch nochmal einen groben Eindruck geben, wie es mir in den letzten Tagen ging.

Meine letzte Woche in Juigalpa begann am Montag mit der Verabschiedung aus dem Zentrum “Jesus Amigo”. Am Nachmittag kamen alle Kinder und es gab eine schöne Verabschiedung, wenn auch eine sehr traurige. Einige Kinder hatten kurze Verabschiedungstexte für mich vorbereitet, es gab eine Pinata (auf die ich als erster mit einem Holzstock einschlagen durfte, um die Karamellen darin zu befreien) und ich vergoss einige Tränen. Es war doch sehr emotional und mir ist es sehr schwer gefallen, mich von den Kindern aus dem Zentrum zu verabschieden.

Am Dienstag und Mittwoch standen noch die letzten beiden Arbeitstage an, bevor die Schüler in die Ferien gingen und ich meine Arbeit damit beendete. Ich bekam super viele schöne Geschenke von Freunden, Arbeitskollegen und den Kindern, was mich sehr gerührt hat. Auch die Worte, die Maria Theresa an mich richtete, Direktorin des Zentrums “Jesus Amigo”, machten mir klar, dass ich mit meiner Anwesenheit ein bisschen helfen konnte und das war mein Ziel!

Am Donnerstag ging es dann nach Managua mit meiner Gastmutter, wo ich dann meine Geschenke für Freunde und Verwandte einkaufte. Es war ein super anstrengender Tag, da wir morgens um sieben aufbrachen und abends um zehn Uhr wieder zurück waren in Juigalpa. Nach diesem Tag hatte ich also alles Nötige getan, um mich in aller Ruhe und angemessen von Freunden und Gastfamilie verabschieden zu können.

Am Freitag hatte meine Gastmutter dann für mich meine “Despedida” (Abschiedsfeier) organisiert. Es kamen viele Freunde und Verwandte von ihr, es wurde viel getanzt, gelacht und gegessen. Insgesamt ein sehr schöner Abend, den wir dort alle verbracht haben und mir letztlich das Gefühl gab, dass ich ein Teil ihrer Familie und ihres Lebens geworden bin, was sie für mich auch für immer sein wird.

Samstag stand dann Kofferpacken auf dem Programm und die allerletzten Vorkehrungen und Vorbereitungen mussten getroffen werden. Abends ging es dann noch ein letztes Mal mit vielen Freunden feiern. Somit hatte ich einen runden und schönen Abschied von allen.

Am Sonntag begleitete mich dann meine Gastmutter mit einigen Freunden zum Flughafen, wo dann nochmal ein sehr emotionaler Abschied anstand, da ich mich mit meiner Gastmutter sehr gut verstanden habe und wir doch ein engeres Verhältnis aufbauen konnten. Ich hoffe, ich werde sie eines Tages wiedersehen, ebenso wie meine Freunde.

Mir hat es dieses Jahr in Juigalpa, Nicaragua, sehr gut gefallen. Ich habe dort nun eine zweite Heimat gefunden und hoffe, dass ich schnell meine Freunde und meine Familie dort besuchen kann. Ich habe viele Erfahrungen sammeln können und hoffe, dass diese mir auf meinem weiteren Weg durch mein Leben hilfreich sein werden. Außerdem habe ich dort, wie gesagt, viele neue Freunde und eine neue Familie gefunden, die ich jetzt schon wahnsinnig vermisse!

Ich möchte mich an dieser Stelle bei euch allen für euer Interesse an meinem Blog bedanken und hoffe, ich konnte euch dadurch etwas über mein Leben auf dem Laufenden halten. Besonderer Dank geht natürlich an meine Familie, meinen Onkel und meine Tante. Vielen Dank für die großartige Unterstützung.

Für den Fall, dass dieser letzte Blogeintrag nicht ganz so sauber und überarbeitet ist, möchte ich entschuldigend sagen, dass ich noch sehr emotional berührt bin von den ganzen Dingen, die da passiert sind und viel an die schöne Zeit zurückdenke!

Ein letztes Mal viele Grüße

euer Jakob

 

Neuigkeiten aus “La Barranca”

Samstag, 30. Juni 2012 von Tamesh Wagner

Liebe Blogleser,

nach langer Zeit wieder ein Eintrag zu den Neuigkeiten in der Schule La Barranca.

1. Beginn der Bauarbeiten von zwei Fußballfeldern

Nach den Osterferien hat die Fundación Lorena Ochoa begonnen, die schon lange geplanten Fußballfelder oberhalb der Schule „La Barranca“ zu bauen. Geplant sind ein offenes Fußballfeld und eine kleine Sporthalle. Nebenbei wird auch gleich ein neuer Parkplatz für die Lehrer errichtet. Für dieses Projekt arbeiten täglich 10 Arbeiter an der Baustelle.

Die ersten Schritte waren die Planierung und Einebnung des steilen, felsigen Geländes. Die Schule wollte die Bevölkerung des Stadtviertels „La Coronilla“ in das Fußballprojekt mit einbinden und so sind viele von den Arbeitern auch Väter von Kindern in der Schule. Tagesarbeiten wie diese werden hier im Viertel gern gesehen, da die Väter der Familien oft keiner geregelten Arbeit nachgehen und ihnen so durch die Bauarbeiten an der Schule zusätzliche Einnahmequellen geboten werden.

Auch ich konnte während der ersten Wochen der Bauarbeiten ein wenig helfen. An der weiterführenden Schule, der Secundaria, wurde ein neues Abwasserrohr gelegt. Hier haben auch die Jungs aus der Secundaria geholfen, da es viel Schlepparbeit war und die ganzen einzelnen Rohrteile verbunden und ineinander gesteckt werden mussten.

Am Ende hatten wir ein ca. 50 Meter langes Abwasserrohr, welches dann von den Arbeitern in der Secundaria angebracht und gegen das alte Rohr ausgetauscht wurde. Im Laufe der Arbeiten des Fußballprojekts konnten auch viele Arbeiten und Reparierungen in der Schule erledigt werden, da die Anwesenheit der Profi-Bauarbeiter genutzt wurde.

Auch ich konnte diese Chance nutzen, da der Lichtturm und die Palme für den Schauspieler Wolfgang Maria Bauer noch aufgestellt werden mussten. Die Palme wurde so, wie auf Wunsch Bauers, vom Meer in Colima, einem im Westen gelegenen Bundesstaats Mexikos, bestellt und mit einem LKW direkt bis in die Schule gebracht. Mit der Hilfe von 15 Jungs mit Lehrern und Arbeitern wurde die Palme dann schließlich unterhalb des Theaters in der linken Ecke aufgestellt.

Sie hat eine Größe von ca. 12 Metern und soll später als Bühnenbild dienen. In einem Meter Abstand von der Palme wurde der Lichtturm aufgestellt. Hierfür mussten wir als erstes ein Loch graben, eine Zementbasis gießen und schließlich die Turmteile zusammenschrauben und verbinden. An diesen Turm mit einer Größe von ca. 8 Metern können später Scheinwerfer angebracht werden.

2. Fußballtrikots vom BVB

Mein Vater, Robert Wagner, hatte im Mai eine super Idee zum Thema des Fußballprojekts in der Schule „La Barranca“. Er hat beim BVB 09 angefragt, ob es nicht einen ungebrauchten Trikotbestand beim BVB gibt, der für ein Fußballprojekt in Mexiko gespendet werden könnte. Mit Hilfe des Blogs und meiner Berichte für das Kindermissionswerk konnten sich die Verantwortlichen beim BVB ein gutes Bild über mein soziales Jahr hier vor Ort machen.

Der BVB 09 hat dann schließlich Ende Mai 15 Fußballtrikots zu mir geschickt und ich habe diese in der Schule den Schülern und den betreffenden Lehrern weitergeleitet. Mit den Schülern wurde der Kompromiss gemacht, dass, wenn sie ein Trikot haben wollen, sie täglich und immer anwesend sein müssen in der Fußballgruppe und dazu auch das Trikot mitnehmen müssen. Die Kids haben sich super gefreut, als ich mit den Trikots in die Schule gekommen bin.

Da sie auch hier übers Fernsehen etwas über die deutsche Bundesliga mitbekommen, waren sie ganz interessiert, aber wussten auch gut Bescheid. Auch die beiden Sportlehrer Felipe und Artemio waren begeistert von der Idee und freuten sich sehr über die Spende des BVB 09. Es gab leider nur 15 Trikots, aber für die anderen Schüler wird dies eine Motivation sein, so hoffen die beiden Lehrer.

„Nos da mucho gusto de tener el contacto con Alemania y de conseguir los donativos del BVB.
Gracias para las playeras. Hicimos cuenta que su equipo ganó la ultima copa de la Bundesliga. Muchas Felicidades! Les queremos mandar muchos saludos por su apoyo aquí en el colegio La Barranca.“

3. “Wasserschlacht” und Muttertag

Am 4. Mai fand kein Unterricht für die Kids statt. Stattdessen gab es an diesem Tag eine große „Wasserschlacht“. Eine Möbelfirma hat für diesen Tag drei große aufblasbare Swimming-Pools gespendet und auch einen Tank-LKW mit sauberem Wasser. Ein Riesenspaß für die Kinder, da viele weder ein Schwimmbad kennen noch den Strand etc. und so konnten sie sich den ganzen Tag in den Pools austoben. Ich hatte die ganze Zeit auch meinen Spaß, da mich die Kinder ins Wasser schubsten und döppten. Auch gab es ein paar kleine Verletzungen im Laufe des Tages bei den Kids, so dass ich auch manchmal die Kinder zur Sekretärin bringen musste.

Am Muttertag mussten wir die Mütter der Kinder bekochen. Alle Mütter haben sich im Speiseraum gesammelt und wurden dann von den Lehrern und mir bedient. Es gab typisches Essen: Tacos, Tortas etc.
In Mexiko hat der Muttertag eine große Bedeutung für die Familien und wird fast so gefeiert wie ein Geburtstag. Es war also einiges los in der Schule. Nachmittags wurden kleine Spielchen und Werkstätten für die Eltern der Kinder zur Verfügung gestellt. Auch gab es einen kleinen Film mit den Höhepunkten des vergangenen Schuljahrs, in dem die Kinder ihren Eltern, besonders den Müttern, alles Gute wünschten.


4. Besuch von Wolfgang Maria Bauer

In der letzten Woche im Mai ist der Schauspieler Wolfgang Maria Bauer zu seinem zweiten Besuch in die Schule La Barranca gekommen.  In seiner Zeit vor Ort hat er Interviews mit den Kindern zum Thema „Machismus“ geführt. Die Berichte der Kinder werden eine Grundlage für Bauers Stück sein, an dem er seit seiner Rückkehr nach Deutschland schreibt. Es wird ein Stück, das viele wichtige Themen für die Kinder abdeckt: Der Umgang mit Gewalt und Drogen sowie der für Mexiko sehr typische Machismus in den Familien.

Auch die Rollenverteilung für das Stück steht schon. Die Kinder werden im Laufe des nächsten Schuljahrs die Texte zugeschickt bekommen, die sie dann in drei Monaten beherrschen müssen. Wolfgang hat sich gefreut, dass mit seinem Spendengeld, der Palme und dem Lichtturm alles gut geklappt hat. Mir hat die ganze Woche sehr viel Spaß gemacht, ich musste die ganze Zeit für Wolfgang alles übersetzen und erklären. Es tat auch gut, sich nebenbei auszutauschen und einfach mal ein bisschen deutsch zu reden, denn normalerweise tu ich dies nur mit meinen Eltern oder dem anderem Freiwilligen hier in Mexiko.

In einem halbem Jahr wird Wolfgang für drei Wochen in die Schule zurückkehren und in diesem etwas längerem Zeitraum das Stück mit den Kindern einplanen und am Ende dieser Zeit dann eine Vorpremiere aufführen lassen. Wolfgang war sehr begeistert von seinem Besuch hier in Guadalajara. Es hat ihn nochmal total beeindruckt, wie stark die sozialen Unterschiede in Mexiko sein können. Die Menschen haben nicht sehr viel zum Leben, haben aber gleichzeitig auf der anderen Seite eine offene Art und große Lebensfreude.

Sonst hab ich in der Schule meine üblichen Aufgaben verfolgt. Schließlich sind immer noch Kaninchen in der Schule, die versorgt werden müssen. Auch die Gärten, mittlerweile haben wir dort auch Wassermelonen angepflanzt, gedeihen prächtig. In den nächsten Wochen wird es eine sportliche und danach eine kulturelle Woche geben in der Schule. Die ganzen zwei Wochen findet kein Unterricht statt. Es wird den Tag über Sportgruppen, Werkstätten und Arbeitsgemeinschaften geben.

In der Sportwoche gibt es mehrere Basketball-Turniere. In der Kulturwoche dann z.B. einen kleinen Deutsch-Mini-Sprachkurs, den ich machen werde. Kommen werden dort alle Schüler des 3. Jahrganges der Secundaria. Ab dem 7. Juli gibt es Ferien und ich werde meine kurze Zeit bis dahin noch genießen. Auch werde ich mich schon mal langsam auf den Abschied vorbereiten, da ich dies nicht im letzten Moment machen will. Da muss dann auch eine kleine Feier in der Schule geplant werden!

Bis dahin alles Gute und bis zum nächsten Eintrag, der dann wahrscheinlich schon aus Deutschland kommt. 🙂

 

Rennen wir hier gegen die Wand?!

Montag, 18. Juni 2012 von Sarah Patzelt

Wir rennen hier gegen die Wand?! – Die Gewaltbereitschaft ist hoch

Schlägt man die Zeitung auf, wird viel von Überfällen, Mord, Hijacking (Entführung, Anm. d. Red.) oder ähnlichem berichtet. Selbst einige der Studenten, mit denen ich im Studentenwohnhaus wohne, erzählen ohne rot zu werden, dass sie sich schon geprügelt haben und es immer wieder tun würden, wenn jemand einen dummen Spruch über sie reißt.
Vor 3 Wochen war es sogar soweit, dass bei einer Kundgebung einer Partei ein andere Partei nicht einverstanden war mit der kundgegebenen Meinung und sie anscheinend keine andere Lösung wusste, als mit Gewalt zu antworten. So gab es eine große Straßenschlacht in dem Stadtviertel, in dem ich wohne (es geschah direkt vor meiner Wohnung und da ich krank war, war ich sogar zuhause, habe allerdings das ganze Debakel verschlafen. Zum Glück kann ich nur sagen, denn die Polizei musste mit Tränengas und Wasserwerfern eingreifen).
Die Gewaltbereitschaft ist hoch hier in Südafrika und auch in unserem Projekt. Da kommt es doch manchmal vor, dass man sich fragt ob es überhaupt Sinn macht, den Kindern beizubringen, dass kämpfen keine Lösung ist, wenn sie doch die restliche Zeit mit Gewalt konfrontiert werden.
In Südafrika ist es den Lehrern verboten, die Kinder zu schlagen. Allerdings bekommt man von vielen Erwachsenen (auch manchmal einigen Lehrern) zu hören, dass man die Kinder schlagen muss, damit sie Respekt zeigen. (Eine Einstellung, die ich eindeutig nicht nachvollziehen kann.) Das Problem ist, so sagen einige Lehrer, dass die Kinder zuhause geschlagen werden und da wir das in der Schule nicht dürfen und die Kinder das wiederum genau wissen, respektieren sie die Lehrer nicht und es ist schwierig, die Disziplin durchzusetzen. Das mag wohl sein, trotzdem rechtfertigt es meiner Meinung nicht, Kinder zu schlagen.

Letzte Woche hatten wir am Nachmittag Besuch von einer Mutter, die mit ihrem Kind kam, da dieses suspendiert worden war. Allerdings empfangen wir am Nachmittag keine Eltern, da wir oftmals sehr beschäftigt sind. Auch an diesem Nachmittag waren wir alle in den Klassen, um zu unterrichten. Als die Mutter hörte, dass sie am nächsten Morgen mit ihrem Sohn wiederkommen sollte, wusste sie nicht hin wohin mit ihrem Ärger über ihren Sohn und schlug auf ihn ein. Man konnte sehen, dass sie keine anderen Weg wusste, um mit ihrer Aggression umzugehen. Es ging sogar soweit, dass sie anfing, ihr Kind zu beißen. Da war es uns doch zuviel und wir gingen dazwischen (zum Glück stand ein Angestellter vom Sacred Heart College in der Nähe, der mir half, das Kind und die Mutter zu trennen).
Natürlich war ich zunächst sehr geschockt. Unter anderem auch, da dieses Kind nicht schrie oder irgendwelche Abwehrreaktionen zeigte, es weinte einfach nur. Aber auch, weil wir direkt vor einem Klassenraum standen und die Kinder in diesem sich schallend über ihren Mitschüler lustig machten. Während ich also total geschockt in den Klassenraum zurückkehrte, lachten und scherzten sie. Es schien, dass so etwas Alltag für die Schüler war.
Später erfuhr ich, dass diese Mutter nie zur Schule gegangen ist und sie nun verständlicherweise sehr wütend darüber war, dass ihr Sohn diese Chance so mit den Füßen tritt. Vielleicht wird die Mutter auch zuhause geschlagen, sodass sie keine andere Erziehungsmaßnahmen als Schlagen kennt.
Trotzdem frage ich mich dann manchmal, ob das ganze Reden gegen Gewalt und Kämpfen manchmal nicht für die Katz’ ist, wenn die Kinder mit Gewalt aufwachsen. Wundert es einen dann noch, dass die Kinder ihre Probleme mit Gewalt lösen? Sie kennen doch einfach keinen anderen Weg…

Kleine Kinder müssen ganz groß sein – wo sind die Erwachsenen?

Eigentlich nehmen wir nur Kinder, die in direktem Umfeld der Schule wohnen. Auch wenn wir die Kinder in ihre Stadtviertel transportieren, können wir nicht alle Stadtviertel anfahren. Nun kommt es manchmal vor, dass die Eltern, Großeltern oder Tanten mit den Kindern aus verschiedenen Gründen umziehen müssen. Dies ist zwei unserer kleinen Mädchen passiert, sie wohnen nun in einem weit entfernten Stadtteil.
Diese Kinder nehmen unseren Schulbus und steigen mit den anderen Kindern an einer Bushalte aus. Dann aber nehmen sie ein Minibustaxi, um nach Hause zu kommen. Man mag sich das vorstellen: ein acht Jahre und ein neun Jahre altes Mädchen nehmen abends ein Minibustaxi in Gegenden, in denen ich nicht alleine um diese Uhrzeit unterwegs sein möchte. Diese Kinder nehmen es aber auf sich, um zur Schule zu gehen und ihre Freunde zu treffen. Manchmal bekommen sie kein Minibustaxi mehr, sodass sie in einer nahgelegenen Kirche übernachten müssen.
Eigentlich sind diese Kinder, sobald sie nicht mehr im Einzugsgebiet wohnen, disqualifiziert für unser Projekt, weil wir genau so etwas eben nicht wollen und dafür keine Verantwortung übernehmen können. Aber will man es den Kindern wirklich antun? Würde man sie nicht mehr zur Schule kommen lassen, würde es bedeuten, dass sie auf der Straße landen. Denn die Großeltern haben kein Geld, um sie an den öffentlichen Schulen zu registrieren, geschweige denn haben sie alle Papiere zusammen, die für eine Registrierung benötigt werden. Es wäre, als ob man den Kindern die letzte Chance nehmen würde. Und trotzdem ist es schrecklich, dass diese Kinder das durchmachen müssen.

Ein anderes Beispiel ist, dass wir drei Geschwisterkinder haben, deren Mutter seit März im Deportationslager (so heißt das Lager hier wirklich) sitzt, da sie mit abgelaufenen Asylpapieren gefasst wurde. Eigentlich ist es rechtswidrig, Flüchtlinge in ihr Heimatland zu deportieren, nur weil ihr Asyl abgelaufen ist, trotzdem passiert es hier täglich und sie ist nur noch in Südafrika, da sie aus dem Kongo kommt. Wäre sie aus Simbabwe, wäre sie längst abgeschoben worden. Wir haben im April Kenntnis von der Situation bekommen und sofort eine Flüchtlingsorganisation benachrichtigt, die sich um solche Fälle kümmern sollte. Bis heute ist nicht mehr passiert, als dass diese besagte Organisation die Daten der Mutter aufgenommen hat. Es scheint ein bisschen so, dass diese Leute einfach nur Daten für ihre Statistik brauchen. Nun ja, die Tante passt auf die Kinder auf, insgesamt sechs, allerdings arbeitet die Tante nicht, sodass sie sich nun genötigt fühlte, die Kinder auf verschiedene Familien aufzuteilen. Dies hatte zur Folge, dass eines der Kinder nun ebenfalls sehr weit weg wohnt und nun nicht mehr zur Schule kommen kann.
Mittlerweile haben wir einen weiteren Anwalt eingeschaltet und sie wollen Dienstag vor Gericht gehen. Wir hoffen wirklich, dass dieser Albtraum bald für die Kinder und die Mutter ein Ende hat.

Unsere Kinder müssen so viel durchmachen in ihrem noch so jungen Leben, dass man sich manchmal die Haare raufen möchte und sich ernsthaft fragt, wer dafür verantwortlich ist und sich anstatt über ein bescheuertes Bild, das den südafrikanischen Präsidenten mit entblößten Genitalien zeigt, doch mal ernsthaften Problemen zuwenden sollte (wer möchte, sollte mal „The spear” googeln, da fasst man sich ernsthaft an den Kopf).

Und es sei noch einmal erwähnt, dass ich im Grunde nicht nur von Flüchlingskindern zu sprechen brauche, denn vielen südafrikanischen Kindern geht es oftmals nicht besser. Die öffentlichen Schulen sind schlecht ausgestattet, teilweise ist es egal, ob die Lehrer zur Arbeit kommen und es sitzen mindestens 40 Kinder in den Klassen. Zudem gibt es Schulen, in denen nicht auf Englisch unterrichtet wird, die Abschlussprüfungen und auch später die Universitäten verlangen aber Englisch als Hauptsprache.
Wie man sieht, geht es nicht nur den Flüchtlingskindern hier schlecht und gute Schulen sind rar.

Ein Flüchtling zu sein ist nicht leicht…

Auf ein spezifisches Problem der Flüchtlingsgemeinde möchte ich noch einmal genauer eingehen, da wir kurz davor stehen, genau wieder mit solchen Problemen konfrontiert zu werden.
Die Registrierung für das nächste Jahr hat begonnen und unsere Eltern sind nun auf der Suche nach der geeigneten Schule. Dies bedeutet, man schaut unter anderem, wie gut die Schule ist, aber auch wie hoch die Schulgebühren sind.
Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass unsere Kinder es oftmals auf die Warteliste schaffen, aber oftmals nicht weiter. Dies liegt daran, dass teilweise sehr offen mit Fremdenfeindlichkeit umgegangen wird und den Eltern ganz klar gesagt wird, dass man ihre Kindern nicht nehmen wird, selbst wenn sie die Schulgebühren für das ganze Jahr zahlen würden. Oftmals wird aber auch eben dies verlangt; die Eltern sollen die Schulgebühren auf einmal bezahlen, während südafrikanische Eltern Monat für Monat zahlen können. Manchmal wird aber auch einfach kein Grund genannt, warum das Kind nicht in die öffentliche Schule aufgenommen wird.

Wir haben nun einige Kinder, um die es verdammt schade wäre, wenn sie ihre Zeit weiter in Three2Six verbaseln würden. Daher sind wir auf die Suche nach einer guten Schule gegangen, um selber zu schauen, welche Möglichkeiten bestehen, unsere „Toplearner” zu registrieren. Eigentlich ist alles gut verlaufen und wir bekamen die Antwort, dass man unsere Kinder gerne nehmen würde. Aber unter einer Bedingung: Sie müssten die für südafrikanische Verhältnisse recht hohen Schulgebühren bezahlen. Nun ja, und da stehen wir schon wieder vor der Wand und wissen im Moment nicht weiter.

The Winter is here…

Der Winter hat es endlich geschafft in Südafrika einzufallen, und ja, es ist kalt. Nicht unbedingt Minustemperaturen, die braucht man aber auch nicht, da die Häuser kaum isoliert sind und es häufig auch keine Heizungssysteme gibt. Manchmal wird dann ein Heizlüfter eingerollt, aber in den Klassenräumen gibt es auch diese nicht.
Aber laut den Südafrikanern dürfte ich gar nicht frieren, schließlich wird es in Deutschland noch viel kälter. Ja, nur dass wir vernünftige Klamotten haben und unsere Häuser auch wunderbar isoliert sind. Und natürlich – es gibt Heizungen 🙂
Zum Glück für unsere Kinder haben wir Decken gespendet bekommen, so dass sie sich in den Klassenräumen darin einwickeln können und so nicht allzu sehr frieren.

Marcellin Champagnat – Begründer der Maristenbrüder

Die Schule wurden von den sogenannten Maristenbrüdern gegründet und war zunächst eine reine Jungenschule. Im Burenkrieg diente sie zwischenzeitlich als Lazarett für Buren und Engländer, bis sie dann eine multi-rassische Schule zur Zeit der Apartheid wurde. Einmal im Jahr gibt es ein Fest zu Ehren des Begründers der Maristenbrüder Marcellin Champagnat.
Dies bedeutet wiederum, dass unsere Kinder morgens kommen und sie nach einer gemeinsamen Messe einfach nur Spaß haben dürfen, bis sie mittags dann wieder abgeholt werden.

16. Juni 1976 – Tag der Jugend

Am 16. Juni wird hier der Tag der Jugend gefeiert, doch warum genau an diesem Tag? Am 16. Juni 1976 gingen tausende von Jugendlichen in Soweto (Südafrikas größtes Township) auf die Straße, um gegen die Ungerechtigkeit im Schulsystem, vor allem die schwarze Bevölkerung betreffend, zu demonstrieren. Die damalige Afrikaans-Regierung antwortete auf brutalste Weise auf diese Demonstration und richtete ein wahres Massaker an. In ehrenvoller Erinnung an die Jugend von damals ist der 16. Juni ein landesweiter Feiertag und man trägt seine Schuluniform, selbst wenn man schon lange aus der Schule raus ist.

EM 2012 – auch in Südafrika

Die EM ist natürlich nicht so ein Event hier wie es in Deutschland oder Europa sein mag, bleibt aber trotzdem nicht ganz unbemerkt. Natürlich werden die Spiele übertragen und jeder, der sich für Fußball interessiert, schaut fleißig zu. Aber wisst ihr eigentlich, wer Afrikameister 2012 geworden ist? Ich denke nicht, dass dieser Cup in Deutschland übertragen wurde. Eines kann ich verraten: „Bafana Bafana”, die südafrikanische Mannschaft, war es nicht 🙂

Zwei Monate habe ich noch

Langsam aber sicher geht meine Zeit hier doch zu Ende und ich muss mir immer mehr Gedanken über die Rückreise und die Zeit nach meiner Rückkehr machen.
Natürlich will ich das eigentlich noch gar nicht, vielmehr möchte ich jeden einzelnen Tag hier genießen und erst gestern sagte ich zu einer Freundin, dass es keine Verschnaufspause mehr gibt und wir nun all das machen müssen, was schon so lange auf unserer To-Do-Liste steht.
Ich werde auch immer mehr angesprochen und letztens sagte doch jemand zu mir: „Du bist noch hier? Ich dachte, du wärst schon wieder zurück!” So etwas höre ich gar nicht gern. Ebenso die Nachfrage, wie viele Wochen ich denn noch hätte, diese weise ich momentan noch mit den Worten zurück: „Ich zähle noch nicht in Wochen”.
Ich kann es mir auch kaum vorstellen, all den lieben Leuten und vor allem den Kindern auf Wiedersehen sagen zu müssen und ebenso zuhause in Deutschland zu sitzen und zu wissen, dass die Kinder gerade ankommen und darauf warten, dass der Unterricht beginnt.
Trotzdem freue ich mich natürlich auch schon auf zuhause und all die Leute, die ich lange nicht gesehen bzw. gesprochen habe und all die Sachen, die ich doch hier vermisst habe. So freue ich mich auf schönes, leckeres Vollkornbrot, darauf, durch die Straßen zu gehen oder joggen zu gehen, ohne angequatscht zu werden, oder einfach sich keine Gedanken darüber machen zu müssen, ob die Gegend nun sicher ist und ob ich hier mein Auto abstellen kann oder nicht.

 

Angekommen im Monat der “Mutter”…

Freitag, 25. Mai 2012 von Jakob Bauer

Hallo ihr Lieben,

Am vorletzten Aprilwochenende haben mich Max und Lio aus Masaya besucht. Es war ein sehr entspanntes und lustiges Wochenende und ich fühle mich immer sehr wohl, wenn sie von Zeit zu Zeit mal hier sind. Am Montag kam dann endlich das Paket mit den Sachspenden von Werder Bremen an. Um diese Sachspende hatte ich mich schon vor einiger Zeit bemüht und war nun sehr glücklich über die Ankunft als auch den Inhalt des Paketes.

Das Paket nahm ich natürlich sofort mit auf die Arbeit und alle waren begeistert über die Trikots. Ich, Elias und die Kinder konnten nun also endlich unser kleines Fußballspiel organisieren, mit all den gespendeten Hosen und Trikots. Doch dazu später mehr…

Am Freitag, den 27. April, fand in Nicaragua der “Teleton 2012” statt. Eine Aktion, bei der in allen Ecken und Enden Nicaraguas Spendengelder für Kinder mit Behinderungen gesammelt wurden. Durch diese Gelder werden die Kinder unterstützt, z.B. in Form von neuen Einrichtungen etc.. Eine super Aktion wie ich fand, die von morgens früh bis spät in die Nacht hier in Juigalpa andauerte. Ich für meinen Teil war den ganzen Tag im Park und habe dem bunten Treiben dort zugeschaut. Natürlich habe ich auch etwas gespendet. Ein Armband sowie ein T-Shirt vom “Teleton 2012” habe ich mir gekauft und somit meinen kleinen Teil zu dieser tollen Aktion beigetragen.

Am Wochenende war ich am Samstag wieder im Baseballstadion anzutreffen, um leider eine 6:0 Niederlage der “Torros” von Chontales gegen Granada mitzuerleben. Eine kurze Trauerphase musste durchlitten werden, aber dann raffte ich mich im Stile eines Profisportlers wieder auf und ging erstmal eine Runde Basketball spielen! 😀

Um 5 Uhr Nachmittags gab es dann eine Art Elternversammlung in meinem Zentrum, an der ich auch teilnehmen wollte, und so trudelte ich um kurz nach 5 Uhr dort ein. Es kamen von 54 Eltern nur 14, was ich sehr schade fand. Trotzdem waren Tanja und Maria Theresa wieder mit vollem Einsatz dabei und versuchten das Bestmögliche daraus zu machen. Auch ich wurde der “kleinen” Runde kurz vorgestellt und war froh, mich den – wenn auch wenigen – Eltern zeigen zu können, da ich das vorher noch nicht geschafft hatte.

Abends stand dann die “Fiesta de Espuma” in “La Quinta” auf dem Programm. Einfacher gesagt war es eine riesige Schaumparty in der größten Disco hier in Juigalpa. Nach einer feucht-fröhlichen Nacht ging es dann am Sonntag danach meiner Gastmutter wie versprochen “Skype” einzurichten, damit ich auch nach meiner Rückkehr nach Deutschland den Kontakt mit ihr halten kann. Nach einigen Testversuchen und Erklärungen haben wir es dann geschafft, einige Tage später mit Annika in Deutschland zu skypen. Sie war die Freiwillige, welche vor mir hier war und auch in dem selben Haus gelebt hat wie ich. Ich hoffe, dass meine Gastmutter trotz der vielen Arbeit oft dazu kommen wird mit mir zu skypen! 🙂

Am Montag, dem letzten Tag im April, fand das von uns organisierte Fußballspiel statt. Es war ein unvergesslicher Morgen für mich und ich denke auch für die Kinder. Alle hatten viel Spaß, es wurde viel gelacht, aber natürlich auch mit vollem Einsatz Fußball gespielt. Das Spiel endete etwas einseitig 3:0 nach zwei mal 10 Minuten. Gleich nach dem Spiel bestürmten mich alle Kinder und fragten, wann denn das nächste Spiel kommen würde. Also haben wir uns dazu entschlossen, bald noch ein paar weitere Spiele mit den Kindern zu organisieren!

Am 1. Mai wurde auch hier der “dia de los trabajadores” mehr oder weniger gefeiert. Ich hatte somit den Montag und Dienstag frei bekommen. In der restlichen Stadt allerdings ging das alltägliche Leben wie immer weiter. Das liegt aber wahrscheinlich an den Gegebenheiten, unter denen die Menschen hier leben und arbeiten.

Gleichzeitig begann der Monat Mai und somit auch der Monat der “Mutter”. Im Zentrum machte sich dies bemerkbar durch vielen Bastelarbeiten, die von nun an Tag für Tag auf der Tagesordnung standen. Es wurden viele Herzen für die Mütter gebastelt, viele schöne Gedichte und Texte verfasst sowie viele wunderschöne Bilder von den Kindern gemalt. Auch jetzt gerade wird noch viel gebastelt, da wir uns sozusagen im Endspurt in Hinsicht auf den Muttertag befinden, der hier am 30. Mai ist. In dieser ersten Maiwoche haben ich und Elias auch mit den kleinsten etwas für ihre Mütter gebastelt und ich habe dann auch direkt etwas für meine Gastmutter gebastelt. Ich glaube sie hat sich ein klein wenig über die diese Geste gefreut 😉

Des Weiteren habe ich noch eine Anfrage aus Deutschland erledigen können. Ich habe in einer kleinen Runde mit meinen Kindern in Zentrum Fragen beanwortet, die Kinder aus einer Schulklasse in Deutschland an “uns” geschickt hatten. Dabei ging es darum, wie die Kinder hier leben, wie sie wohnen, wie ihre Schulen sind, was sie gerne spielen, essen und noch sonst so gerne machen. Eine sehr lustige Runde mit vielen süßen Antworten, die ich dann ein paar Tage später mit einigen Bildern von den Kindern aus dem Zentrum zurück nach Deutschland schickte.

In den Wochen darauf habe ich im Zentrum mitgeholfen viele schöne Dinge für den anstehenden Muttertag zu basteln, habe viel mit meinen kleinsten Kindern Mathe geübt und darüber hinaus noch einen weiteren Basar mit Maria Theresa und meinen anderen Arbeitskollegen geplant. Dieser soll am ersten Juni-Wochenende stattfinden. Dafür wollen wir noch Plakate gestalten und es muss auch noch viel vorbereitet werden.

Außerdem ist noch ein weiteres Paket von meinem Onkel angekommen, in dem wirklich super viele nützliche Dinge enthalten waren, wie z.B. viele Trikots, Medaillen, Blöcke, Wachsmalstifte, etc.. Einige dieser Spenden wollen wir auch auf dem Basar anbieten und hoffen somit noch etwas mehr Geld für unser “Streichprojekt” zu sammeln. Ich glaube, dass es Mitte Juni etwas werden könnte, wenn ich Maria Theresa richtig verstanden habe!

So… Der Muttertag steht wie gesagt bevor, wofür auch noch einiges organisiert und eingekauft werden muss, da wir dazu alle Mütter der Kinder ins Zentrum einladen und dann kommt auch schon die “Woche der Kinder” (erste Juni-Woche). Für die Woche haben wir schon einige Spiele auf der Arbeit geplant und wollen dann auch ein paar Dinge aus dem Paket von meinem Onkel an alle Kinder verteilen.

bis zum nächsten Mal…

euer Jakob

 

Halli Galli im Hühnerstall

Freitag, 11. Mai 2012 von Sarah Patzelt

The kids are back- Halli Galli im Hühnerstall

Endlich, die Kinder sind wieder zurück aus den Ferien. (Ja, unsere Kinder hatten schon wieder frei, keine Ahnung warum die Privatschulen hier so viele Ferien haben. Da wir uns aber an der Regelschule orientieren, haben wir auch zeitgleich Ferien. Dies gefällt unseren Kindern natürlich weniger ;-))
Mit den Kindern kommt natürlich auch der Lärm zurück und das Sacred Heart College lebt wieder. Nachdem 3 Wochen lang nur die Erwachsenen da waren um zu arbeiten, sind alle Schüler zurück und es ist den ganzen Tag Halli Galli angesagt.

Parents Consultation – Elternsprechtag

Am Karsamstag hatten wir noch einmal eine Art Elternsprechtag, bevor es dann in die Ferien ging. An diesem Tag hatten die Eltern die Chance die Zeugnisse der Kinder abzuholen, mit dem Klassenlehrer sowie mit der Koordinatorin des Projektes oder dem Head of the College zu reden. Einige Kinder hatten ihre Eltern auch begleitet und es war gut, dass sich Eltern und Lehrer mal treffen konnten und sich über die Kinder austauschten. Denn so stellte sich schnell heraus, dass es doch das ein oder andere gab, was Klärung bedurfte. Aber letztlich sind alle zufrieden nach Hause gegangen und konnten Ostersonntag in Ruhe genießen 🙂

Welche Hühner legen denn weiße Eier?

Eine witzige Anekdote zum Eier anmalen als österliche Tradition. Ich erzählte meiner Kollegin davon und sie war ganz interessiert. Irgendwann ließ ich aber in einem Nebensatz fallen, dass es mit dem Anmalen hier ja etwas schwierig wäre, in Südafrika gäbe es ja nur braune und keine weißen Eier. Daraufhin fing sie schallend an zu lachen und fragte mich: „Welche Hühner legen denn weiße Eier?”

Kuscheltiere und Pullover für alle!

Als Überraschung für die Kinder hatten meine Familie und Freunde ein riesiges Paket vollgestopft mit rund 180 Kuscheltieren auf den Weg nach Südafrika geschickt und wir konnten den Kindern jeweils eines an den ersten Tagen nach den Ferien geben. Sie haben sich sehr darüber gefreut und konnten es kaum glauben, dass all die Kuscheltiere aus Deutschland kamen. Vielen, lieben Dank dafür!!!!!!

Zusätzlich zu den Kuscheltieren gab es dann für jedes Kind noch einen Schulpullover. Denn angeblich wird´s hier Winter. Davon ist zumindest in den letzten Tagen nicht wirklich viel zu spüren gewesen. Bisher hatten wir strahlenden Sonnenschein und immer um die 25 Grad. Aber der „böse” Winter soll kommen. (Ehrlich gesagt freu ich mich darauf schon, nach 2 Sommern kann ich einen Winter echt mal gebrauchen :-))

Examensphasen der Lehrer

Auch die Lehrer sind fleißig am studieren, um ihren Masterabschluss zu machen (In Südafrika kann man bereits mit einem Bachelor Honor (4 Jahre Studium) unterrichten). Dies bedeutet aber leider wieder einmal, dass einige der Lehrer im Mai aufgrund von Klausuren ausfallen. Dieses hat zur Folge, dass meine Kollegin und ich wieder einmal Vertretungsunterricht machen dürfen (Yeah, ich freu mich :-D) Vertretungsunterricht bedeutet aber auch, dass uns die Nachmittagsstunden für unseren Bürojob fehlen und somit wieder einiges an Arbeit einfach liegen bleiben wird, bis die nächsten Ferien kommen und wir alles nachholen können 🙂

“Sarah, you´ve got money because you are white!”

So etwas muss ich mir ab und an nicht nur von den Erwachsenen anhören, sondern auch von den Kindern. Wobei ich es den Kindern doch eher verzeihen kann als den Erwachsenen. Und selbst denen halte ich die Geschichte der Apartheid noch zu Gute und nach wie vor lebt die Mehrheit der Weißen sehr gut, während die Mehrheit der Schwarzen um das Überleben kämpft. Trotzdem gibt es Tage, an denen ich nicht lachend darauf antworten kann und am liebsten schreien würde.
Erzählt man dann noch, dass man aus Deutschland kommt, ist alles vorbei und jeder glaubt ich hätte die Millionen auf dem Konto. Ensetzt nahmen meine Kollegen zur Kenntniss, dass ich kein Auto in Deutschland habe, sondern mit dem Fahrrad und dem Zug fahren musste, und  dass ich keine Hausmädchen habe wie fast jeder hier in Südafrika 🙂

Sarah, kennst du das? – Äh ja, das ist eine Ananas!

Auch so etwas passiert immer wieder. Einige Menschen in Südafrika haben keinen blassen Schimmer, wie es in Deutschland aussieht, wie sollten sie auch. Das Einzige, das sie wissen, ist, dass Deutschland dieses reiche Land in Europa ist. Wie groß, wie viele Einwohner oder welche Sprache in Deutschland gesprochen wird, wissen manche nicht. (Da bin ich doch froh, dass einige Deutschland nur mit Bayern verbinden. Immerhin ist Bayern deutsch:-))
Erstauntes Ausrufen, wenn ich erzähle, dass es bei uns keine Löwen oder Elefanten gibt. Interessiertes Nachfragen, was man als erstes machen muss, wenn man sich für einen Lehrerjob in Deutschland bewerben will. Und dann die Erkenntnis, dass die Unterrichtssprache Deutsch ist und man daher erst einmal Deutsch lernen müsste.
Auch hier kommt es stark darauf an mit wem man spricht. Generell wird in der Schule viel europäische Geschichte durchgenommen, so dass einige manchmal mehr über die europäische Geschichte wissen als ich. Aber anscheinend leben manchen Menschen hier auch einfach von Vorurteilen gegenüber Europa und Deutschland, ohne diese skeptisch zu betrachten und zu hinterfragen.

Südafrikaner sind faul und langsam?!

Natürlich gibt es einige Sachen, die ich hier vermisse und meine Familie ist fleißig dabei, mir das ein oder andere zukommen zu lassen (Danke!). Allerdings vermisst man machmal hier einfach den deutschen Arbeitswahn.

Einige Beispiele:

Möchte man mal eben schnell ein, zwei Dinge einkaufen gehen, funktioniert das allerdings nicht wirklich. Denn für 10 Minuten Einkauf steht man manchmal eine halbe Stunde an der Kasse. Und es scheint sich keine Kassiererin irgendwie die Mühe zu geben schneller zu kassieren. (Allerdings scheine ich auch regelmäßig die Einzige zu sein, der das gewaltig auf die Nerven geht. Der Rest steht einfach da und wartet. Vielleicht wäre das ein weiteres Vorurteil: Südafrikaner sind sehr geduldige Menschen ;-)) Einmal war es fast soweit, dass ich schon fragen wollte, ob ich nicht eben die Dinge über den Scanner ziehen soll.
Freunde und Kollegen lachen immer wieder über mein Unverständnis über die lange Wartezeit und sind regelmäßig erstaunt wenn ich erzähle, dass unsere Kassiererinnen eine bestimmte Anzahl an Items in der Minute einscannen müssen. Ich scherze schon immer, dass ich zurück in Deutschland wahrscheinlich mit dem Einpacken gar nicht mehr hinterher kommen werde. (Selbst das Einpacken übernimmt hier jemand in aller Seelenruhe…)

Ein weiteres Beispiel ist, dass immer sehr viele Leute für einen Job beschäftig werden. In Restaurants findet man unter Umständen 10 Kellner plus 5 Supervisor. An Tankstellen und an Baustellen das Gleiche. Dies führt manchmal aber auch dazu, dass 3 Menschen arbeiten und 7 drum herum stehen und ein Pläuschchen halten.
Im Restaurant gibt es wie gesagt zig Kellner und natürlich die berühmt berüchtigten Supervisor, die alle 5 Minuten vorbeischauen, um sich zu erkunden, ob alles okay wäre.

Effizient wird hier eindeutig anders ausgelegt. Und so kann man schnell in die Situation kommen und behaupten, Südafrikaner sind langsam und faul.

ABER. Südafrika ist durch eine hohe Arbeitslosigkeit geprägt. Vor allem die Jugend leidet darunter. Die Arbeitslosenrate liegt bei 20%, also wer will sich nochmal über Deutschland beschweren? Dazu kommt, dass es kein finanzielles Auffangnetz gibt. Haste keine Arbeit, gibt’s auch kein Geld.

Der Staat versucht mit den vielen zusätzlichen Arbeitern wie Einpackhilfen im Supermarkt, Fahnenschwenker an der Baustelle oder Parkwächter auf einem bereits bewachten Parkplatz zumindest etwas der Arbeitslosigkeit entgegen zu wirken. Und dafür zu sorgen, dass Menschen die Möglichkeit haben Geld zu verdienen und ihre Familie zu ernähren. Ob das der richtige Weg ist mag ich nicht zu beurteilen, aber das Wissen darüber macht die Warteschlange an der Kasse doch etwas erträglich und lässt mich zum Supervisor im Restaurant auch zum 5. Mal in 15 Min. sagen: „Thanks, everything is still fine.”

Schwarz und Weiß- darf man oder darf man nicht?

Es ist nach wie vor eine Gratwanderung für mich, ob ich nun Schwarz und Weiß sagen darf, Witze darüber machen darf oder nicht. Es kommt hierbei wie immer ganz auf den Gegenüber an und eigentlich ist die Hautfarbe für mich so gar kein Thema. Für die Südafrikaner aber nach wie vor schon.

So waren wir letztens im Kino und wurden gefragt, ob wir nicht eine Clubkarte haben wollten, dann kämen wir nächstes Mal günstiger ins Kino. Gesagt getan. Also haben wir fix das Formular dafür ausgefüllt. Allerdings stockte ich dann am Ende des Formulars denn da sollte man eines von 4 Kästchen ankreuzen. In den Kästchen stand einmal ein B, einmal ein W, einmal ein C und einmal ein I.
Ich war etwas verwirrt und schaute meine Freundin um Hilfe fragend an. Sie schaut von ihrem Formular auf und sagte: „Sarah, you have to tick W; you are white” ( = Sarah, du musst „W” ankreuzen, du bist weiß) Und damit kreuzte sie auf hrem Formula das „B” an. Und dann begriff ich erst wonach hier gefragt wurde: W=White; B= Black; C= Colored; I= Indian. Natürlich war ich zunächst sehr erschrocken. Vor allem erschrocken und verwirrt war ich aber, da es anscheinend keiner als persönliche Beleidung aufnimmt, sondern es ganz normal ist nach der „Rassenzugehörigkeit” zu fragen. Man möge sich diese Situation in einem deutschen Kino vorstellen…

Aber schwarz ist auch nicht schwarz. Es scheint, dass von jedem Schwarzen erwarten wird, dass er Zulu spricht. Genauso wie es manchmal passiert, dass von einem Weißen erwartet wird, dass er Afrikaans spricht.
Genau dieses ist uns u.a. in Durban passiert. Ich wurde auf Afrikaans angesprochen und erst nachdem derjenige meinen verwirrten Gesichtsausdruck gesehen hatte, merkte er wohl, dass ich der Sprache nicht mächtig war. Dafür aber meine Freundin (sie ist schwarz und ihre Muttersprache ist Afrikaans), die allerdings immer von anderen Schwarzen auf Zulu angesprochen wird. Selbst wenn sie auf Englisch fragt, wird auf Zulu geantwortet. Und auch wenn wir zusammen nach dem Weg fragen, wird ihr auf Zulu geantwortet. Wir lachen oftmals darüber, aber es ist manchmal doch arg anstrengend und ich frag mich, ob man so nicht die Grenzen zwischen Schwarz, Weiß, Pink und Grün noch aufrecht erhält.

 

Neue Geschichten aus Juigalpa…

Donnerstag, 19. April 2012 von Jakob Bauer

Im März war es hier noch einmal so richtig schön kochend heiß. Täglich durfte ich bei gefühlten 40 Grad arbeiten. Macht super viel Spaß, die Laune ist auch immer sehr gut, nur ich war doch jeden Tag recht erschöpft als ich abends nach Hause kam. In den ersten Tagen im März war ich für eine Woche in Miami und habe mich dort mit einem sehr guten Freund getroffen und mir einen Kindheitstraum erfüllt: ein NBA-Spiel live zu sehen. Gutes Wetter, ein sensationeller Strand und eine atemberaubende Kulisse rundeten das Ganze sehr schön ab.

‘Back to work’ gab es wieder viel zu tun und ich war wieder froh, meine Kids um mich zu haben. Wir bastelten viel, meine Gruppe der kleinsten Kinder erlernt gerade das Alphabet, wofür wir viel Material herausgesucht haben, um es den Kinder so einfach und spaßig wie möglich zu gestalten. Bei den etwas älteren helfe ich meistens mit Mathe und Englisch aus, somit bleibt man immer ein ganz kleines bisschen in Form! 😉

Ansonsten wurde wie immer auch viel gelacht, gemalt, Fußball und “Mensch ärgere dich nicht” gespielt. So verflog die Zeit sehr schnell und bevor ich mich versah, rückte Ostern näher. Eine spannende Sache für mich, auch wenn es nicht den selben Stellenwert wie Heiligabend für mich hatte und ich gar nicht so darauf bedacht war alles zu vergleichen, sondern eher darauf, einfach alles zu erleben und viele neue Eindrücke mitzunehmen. In der “Semana Santa” (Karwoche) vom 30.03-08.04 musste ich nicht arbeiten und hatte somit viel Zeit für neue Entdeckungen. In dieser Woche, lernte ich Granada kennen, eine wunderschöne Stadt am Nicaraguasee, die im Kolonialstil erbaut wurde. Dadurch entstand für mich gleich ein ganz neues Feeling, dass ich so noch nicht von Nicaragua kannte. Darüber hinaus ist es “DIE” Touristenstadt in Nicaragua. Danach ging es weiter nach Somoto, eine Stadt im Norden Nicaraguas. Dort machte ich mit Freunden eine wirklich sensationelle Tour durch den “Canyon von Somoto”. In voller Montur inklusive Rettungsweste ging es knapp 5 Stunden einen schlangenförmigen Fluss zwischen den Felswänden hindurch. Dabei ergaben sich auch immer wieder Möglichkeiten, von Felsvorsprüngen in den Fluss zu springen, die ich allesamt begeistert wahrnahm!

Die letzten freien Tage verbrachte ich dann wieder in Juigalpa. Am Freitag ging es dann mit meiner Gastmum zum letzten “Via-cruz” (Kreuzweg). Hierbei wurde der gesamte Kreuzweg mit lebendigen Schauspielern nachgestellt. Man muss dazu erwähnen, an diesem Tag waren es über 40 Grad und das ganze fand mittags statt. Hinzu kommen die 14 Station, die zu Fuß abgelaufen werden, wobei an jeder Station halt gemacht wurde, Gebete und Texte rezitiert wurden und dann gab es auch noch das Schauspiel. Wahnsinn wie voll die Straßen an diesem Tag waren und wie viele “Via-cruzes” es in ganz Juigalpa gab. Nachdem alles überstanden war, gingen die Menschen in ihre Häuser und die Straßen waren so menschenleer, wie ich es hier noch nicht erlebt habe. Ein sehr besinnlicher Tag.

Aufgefallen war mir, dass trotz dieser starken Gläubigkeit und dem Bekenntnis zur Kirche fast alle Menschen in dieser doch so religiösen Woche auf ihre Fincas an Flüsse oder ans Meer fuhren um sich dort zu erfrischen und zu entspannen (nicht dass ich nicht dasselbe getan hätte :D, ich war nur etwas überrascht). Nur der Freitag stand ganz im Zeichen Gottes und wurde sehr stark wahrgenommen. Desweiteren gab es hier auch nicht den Brauch Ostereier zu bemalen, Hasen zu basteln oder dass sich die Familie trifft und Schokohasen, etc. versteckt werden…

Meine letzte neue Erfahrung die ich in dieser freien Woche sammeln durfte, war der Besuch in den zwei naheliegenden Schwimmbädern. Komischerweise gehen die Leute hier in voller Montur ins Wasser, warum auch immer??!! Ich für meinen Teil blieb bei meiner Badehose. Auch wenn es mich nicht wirklich gewundert hat, wirklich sauber waren die Schwimmbäder nicht und auch sonst, Bier im Wasser zu trinken… kein Problem! 😀

Was mir von dem Besuch in den Schwimmbädern übrig geblieben war, war eine Mandelentzündung. Anfangs ging es mir nicht sonderlich gut aber mit der Zeit, den Besuchen beim Doktor und den Medikamenten ging es dann wieder aufwärts. Leider konnte ich die erste Woche nach der “Semana Santa” nicht arbeiten gehen und war mehr oder weniger ans Bett “gefesselt”…

Das ist jetzt über eine Woche her und ich spüre kaum noch etwas und bin seit Montag schon wieder voll im Einsatz. Zuletzt habe ich aus Deutschland die Bitte erhalten, ob ich nicht ein paar Kindern einige Fragen zum Thema Glück stellen könnte. Ich habe zwei super Interviews gemacht und hoffe, dass die Antworten und die Fotos von den beiden in Deutschland bei den vielen anderen Kindern gut ankommen werden.

Ich wünsche allen nachträglich frohe Ostern und bis bald…

euer Jakob

 

Human Rights Day and 326´s Next Topmodel

Dienstag, 10. April 2012 von Sarah Patzelt

Human Rights Day – Wie? Was ist denn das nochmal?

“…let us celebrate the right of being South Africans and of living in this wonderful country, whose people defeated colonial and racial oppression, to build a country that belongs to all.”

– President Jacob Zuma, Republic of South Africa

Wie hoch loben wir doch Deutschland für die Vertretung der Menschenrechte. Wie hoch loben wir die EU, dass sie die Menschenrechte durchsetzt. Wie hoch loben wir uns doch …

Aber schätzen wir die Menschenrechte noch? Nehmen wir sie noch als etwas Besonderes wahr? Oder sind sie für uns selbstverständlich geworden? Selbstverständlich, obwohl noch in großen Teilen der Welt die Menschenrechte verachtet und nicht anerkannt werden. (Und auch selbst in Deutschland wir uns nicht immer ganz danach richten.)

Der Tag der Menschrechte war am 21. März in Südafrika
Hier in Südafrika ein besonderer Tag. Ein besonderer Tag, da die Menschenrechte erst vor weniger als 20 Jahren ALLEN Menschen hier zugesprochen wurden. Ein besonderer Tag für die Erwachsenen, die diesen Umschwung mitgemacht haben und ein besonderer Tag für die Jugend und Kinder, die Generation geboren in Freiheit („The generation born in freedom”), auf der die Zukunft lastet. Die „alte Generation” ist stolz auf das Erreichte und sie wird die „junge” Generation nie vergessen lassen, dass die Menschenrechte nicht einfach so vom Himmel gefallen sind, sondern dass Menschen dafür gekämpft, gelitten haben und sogar gestorben sind!
Gefeiert wurde das Ganze einen Tag früher auch im Sacred Heart College. Die Familie von Erik Molobi, der sich zur Apartheidszeit im Sacred Heart College versteckt hielt, war ebenfalls anwesend.

„Are you a white person?” – Bist du eine weiße Person?

Diesen Satz bekam ich zu hören, als ich eine Kollegin zu einer Bekannten begleitete, um kongolesischen Fisch zu holen (ja, ihr habt richtig gelesen…).
Uns machten die beiden Söhne die Tür auf und das Erste, was der ältere Junge sagte, war eben: „Are you a white person?”:-)
Wir haben dann unsere Hautfarbe verglichen und ich bestätigte ihm, dass ich sehr wohl weiß wäre. Aber dieses Beispiel zeigt, dass „Black” und „White” (ganz im Gegensatz zu meinen euphorischen Eindrücken vom Anfang) nach wie vor Thema ist. Und dieses Thema nicht immer unbedingt von den Weißen hochgehalten wird, sondern es oft auch von den Schwarzen kommt, die die Hautfarbe als Unterschied manifestieren.

Auch in der Schule merkt man machmal, dass ich eben die Weiße bin, die auch zu allem Überfluss ein Auto fährt und eine eigene Wohnung hat. (Ach ja, und dann kann ich mir auch noch den „richtigen” Kaffee  in dem „Coffeeshop” leisten. Eindeutig ein Zeichen für Reichtum)
Manchmal ist es dann doch schwierig, sich selbst zurück zu nehmen und erst einmal Rücksicht auf die Person zu nehmen, die dieses Denken an den Tag legt. Trotzdem fällt es mir dann doch leichter, über den kleinen Jungen zu lachen, der es einfach nun mal so vermittelt bekommt, als über die erwachsene, studierte Person, die doch es eigentlich besser wissen müsste.

Endlich Ferien…. zumindest für ein paar Tage

Unser Projekt hat mal wieder Ferien. Ja, ich weiß, man glaubt es kaum, aber hier sind für 4 Wochen mal wieder die Schultore geschlossen – zumindest für die Schüler, die anderen, also Lehrer, Sekretärinnen, Putzkräfte und Co., müssen natürlich nach Ostern wieder hin. Und natürlich auch das Three2Six-Büro muss arbeiten, wobei es doch etwas entspannter zugeht, wenn die Kinder nicht um Punkt 14 Uhr auf der Matte stehen. Von daher werde ich jetzt eine Woche mal die Beine hochlegen und einer Freundin „mein” Johannesburg zeigen und danach voller Energie die liegengebliebene Arbeit angehen 😀

SuperSoccer die Zweite und 326´s Next Topmodel.

In den letzten Wochen hatten wir auch noch das ein oder andere Highlight. So gab es eine zweite Runde mit dem SuperSoccer und die Kinder kamen einen Samstag, um erneut einen Ball und diesemal sogar 2 T-Shirts mit nach Hause nehmen zu dürfen. Sie hatten wie immer Unmengen an Spaß und diesmal spielte das Wetter auch die ganze Zeit mit.

Zudem halfen unsere Kinder den Schülern der Regelschule eine Modenschau zu veranstalten und nahmen als Model in ihren traditionellen Kleidern teil. Es war unglaublich und die Schüler der Regelschule waren hin und weg von unseren Kindern. Sie sahen auch einfach umwerfend aus und haben es echt gut gemacht.  Und vor allem waren sie sehr nervös vor dem Catwalk. So konnte man immer wieder hören: „Sarah, wie seh ich aus?”, „Sarah, geht das so?”  Sie waren dann auch sehr stolz, dass sie es so gut gemacht haben und werden diesen Tag hoffentlich nicht so schnell vergessen – den Tag, an dem sie das Sacred Heart College rockten.

Happy Easter!

Ostern haben meien Freundin und ich mit „Housesitting” verbracht. Eine Bekannte von mir ist über die Ostertage weggefahren und fragte mich, ob ich nicht auf das Haus, den Hund und die zwei Katzen aufpassen könnte. Natürlich war ich hin und weg, hatte das Haus doch einen Swimmingpool. 🙂 So haben wir die Nachmittage oft am Swimmingpool verbracht. Denn, man will’s glauben oder nicht, lansgam kehrt auch hier der Herbst ein und morgens und abends ist es echt noch ziemlich kalt. Erst am Nachmittag, wenn die Sonne richtig hoch steht, ist es noch recht warm.

Ansonsten waren die Gottesdienste über Ostern katholisch und feierlich, sodass ich mich sehr wohl hier fühlte und ich Ostern in allen Zügen genießen konnte.

Und etwas, das mich sehr gefreut hat, da man es sonst immer nur auf Bildern sieht, waren die echten Palmenzweige am Palmsonntag! 🙂 (Ja, ich weiß, ein bisschen kindisch jetzt, aber ich hab mich trotzdem gefreut :-))

 

Neues aus La Barranca

Dienstag, 20. März 2012 von Tamesh Wagner

Liebe Blogleser,

Nach dem langen Eintrag über meine Urlaubserfahrungen gibt es jetzt mal wieder Neuigkeiten aus der Schule La Barranca. Hier hat sich im letzten Monat einiges getan. Deswegen macht es auch Spaß, wieder vom Projekt zu berichten.

Nach meiner Rückkehr in die Schule habe ich als erstes mit einer Gruppe von vier Kindern die angebauten Zwiebeln geerntet, da die in einem Zeitraum von einem Monat prächtig gewachsen sind. Hierzu habe ich mit den Kindern vorsichtig die Zwiebel mit Wurzel aus dem Boden gezogen, diese mit den Kindern gesäubert und schließlich mit großer Hilfe der Kinder zerschnitten. Unsere Augen haben dabei sehr gebrannt, aber dadurch kam auch sehr viel Spaß auf. 🙂 Die Zwiebeln wurden dann am nächsten Morgen für das Frühstück der Schule verwendet. Es gab Tacos mit Bohnen und den von mir angepflanzten Zwiebeln. Das Frühstück in der Schule wird von Müttern der Schüler vorbereitet, obwohl dies nicht verpflichtend ist. Jedoch folgen viele Mütter dem Aufruf der Schule, sich freiwillig am Schulalltag zu beteiligen. Die Tacos haben übrigens super geschmeckt.

Auch mit dem Projekt “grüne Schule” geht es immer weiter bergauf. Da der Biologielehrer Viktor sich nicht mehr so um das Projekt gekümmert hat, habe ich jetzt eigentlich die komplette Verantwortung darüber. Hierzu muss ich jeden Tag einen kleinen Bericht für die Direktorin schreiben, eine Art Tagebuch. Mit diesen Notizen können dann bei der Regierung Gelder für Pflanzen, Bäume, Erde etc. beantragt werden. Von 9 bis 12 Uhr muss ich mich jeden Tag um das Projekt “grüne Schule” kümmern und dafür sorgen, dass der Rasen gemäht, das Unkraut gerupft, und alles gegossen wird. Schließlich soll die Schule eine kleine Oase im heruntergekommenen Stadtviertel sein und durch ihr äußerliches Erscheinen ein Magnet für das Viertel und die Leute sein. Wie auf den folgenden Bildern zu sehen, haben wir auch mit viel Arbeit wieder ein neues Beet angelegt. Hier wird ein kleiner Kräutergarten entstehen und paralell dazu eine kleine “Baumschule”.

Die Idee mit der Baumschule hatte der Biologielehrer und ich finde sie super. Dafür haben wir den unteren Bereich der Schule mit ca. 2 Tonnen Erde aufgefüllt. Die Jugendlichen aus der Secundaria haben mir dabei sehr geholfen. Bei 35°C mit der Schubkarre und Bottichen die Erde transportieren ist wirklich anstrengend, aber wir hatten auch jede Menge Spaß dabei, den Hausmeister mit ein paar Erdklumpen zu bewerfen :). Einen Nachmittag haben mir sogar noch die Kleinen aus der Primaria geholfen, da viele Jungs aus der Secundaria nachmittags arbeiten gehen d.h. Süßigkeiten auf der Straße verkaufen oder dem Vater auf einer Baustelle beim Steine schleppen helfen.

Für den Kräutergarten wurden uns ein Basis-Start-Set mit Kräuterpflanzen vom Colomos-Park, ein öffentlicher Botanik-Garten, zur Verfügung gestellt. Dieses Starter-Set wird uns sehr helfen, schnell und erfolgreich den Garten anzulegen und die Kräuter für den Biologieunterricht zu verwenden zu können. Praktisches Arbeiten ist mit den Kindern hier in Mexiko sehr wichtig, da dies durch ihre Familien nicht geschieht. Von Haus aus wird hier der Umgang mit der Natur und Umwelt komplett vernachlässigt und es kümmern sich auch nicht viele Leute drum. Deswegen ist es so wichtig, dass die Schule bzw. das Projekt den Kindern die Möglichkeit und Chancen bietet, den Umgang mit Pflanzen und Müllentsorgung zu lernen und es später besser zu machen als ihre Eltern.

Nach 12 Uhr arbeite ich an meinem neu angelegten Kaninchenstall. Die Idee ist mir gekommen, da wir im unterem Bereich der Schule einen ca. 14 m² großen Käfig haben. Früher haben hier mal zwei Ziegen gelebt, die sind aber im Laufe der Zeit gestorben. Um den Käfig nicht ungenutzt zu lassen, habe ich vier Kaninchen gekauft. Diese fühlen sich, wie man auf dem folgenden Foto sieht richtig wohl. Damit die Kinder viel von den Kaninchen haben, gehe ich jeden Tag mit drei Kindern der Primaria zum Käfig und die Kinder müssen dann die Tiere füttern und den Käfig vom Kot befreien. Das Kaninchenprojekt ist auch eine wunderbare Ergänzung zum Pflanzenprojekt, da sich die Kinder um die Tiere kümmern müssen und so die Fürsorge und den Umgang erlernen können. Natürlich haben die Kinder beim Arbeiten einen riesigen Spaß, da kleine Kaninchen eine magische Anziehungskraft auf ebenso kleine Kinder ausüben. Ich arbeite wie alle in der Schule bis 15 Uhr.

Neben den beschriebenen Arbeiten fallen auch immer kleinere Arbeiten für mich an. In der letzten Woche haben wir zum Beispiel ein neues Abwasserrohr verlegt, da das alte einen Riss hatte und viel Abwasser aufs Nachbargelände geflossen ist. Im Lehrerzimmer wurden mit Hilfe des Hausmeisters Ventilatoren angebracht, die von einer Immobilienfirma gespendet worden sind. Die Montage dieser Ventilatoren war eine schweißtreibende Arbeit. Mit dem Biologielehrer habe ich dann noch eine so genannte Schattenwand über die Pflanzen gespannt, da es jetzt mit der Zeit immer wärmer und auch schwüler wird. Die Sonne wird im Mai hier so stark, dass viele Pflanzen ohne diese Schattenwand nicht überleben könnten.

Es gab auch einen Erste-Hilfe-Fall. Eine Schülerin der Secundaria hat sich beim Basketballspielen den Arm gebrochen. Sie musste ganz schnell ins Krankenhaus gefahren werden und gestützt werden. Ich habe sie mit Hilfe des Sportlehrers Artemio ins Hospital begleitet. Die Eltern wurden informiert und dann war die Situation für die Schülerin schon besser.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich einen spannenden Monat bei mir in der Schule erlebt habe und freue mich schon auf die folgenden Wochen. Mitte vom Mai wird der Schauspieler Wolfgang Maria Bauer wieder in die Schule La Barranca zu Besuch kommen. Bis dahin werde ich noch mit dem Hausmeister Juan Manuel den Lichtturm aufbauen müssen. Die Materialien dafür werden auch in der nächsten Woche geliefert. In meiner Freizeit habe ich sehr viel Spaß im Haus mit meinen mexikanischen Freunden und jedes Wochenende ist Ramba-Zamba. Aber es stehen natürlich neben Feiern auch Arbeiten im Haus, wie Kleidung waschen
oder Zimmer putzen an. Ich fühle mich nach meinen sieben Monaten aber noch immer pudelwohl hier in Mexiko und finde, dass die Zeit viel zu schnell rum geht 🙂

Schöne Grüße aus Guadalajara und aus der Schule La Barranca und bis zum nächsten Blogeintrag.

Euer
Tameshito  🙂