Wassermassen überall

Sonntag, 27. August 2017 von Lea Feldhaus

Ihr Lieben,

Ich stehe nicht im Regen. Ich dusche unter Wolken.

Den Spruch kann man als Optimist gefühlt immer anbringen. Aber selbst Realisten bekommen hier in Nicaragua eine Menge Gelegenheiten, ihn zu nutzen.
Denn gerade ist hier “Winter”, also Regenzeit. Nica-Regen ist kurz, heftig, warm und löst die Schwüle in angenehme Luftfeuchtigkeiten und Temperaturen auf. Das ist auch nötig, weil ohne ihm der Kontrast zur Sonne (und der damit verbundenen Hitze) fehlen würde. Für mich ist es faszinierend. Immer wieder aufs Neue. Dann dusche ich im Regen, staune über die Wassermassen, die die Wolken in sich bergen. Muss lachen, weil es so ungewohnt und wunderschön ist.

Meine “Gastschwester” filmt mich manchmal und grinst den Rest des Tages vor sich hin, wenn sie mich sieht…
Denn für sie als Nicaraguanerin gehört das Wasser zum Alltag, genauso wie die früh eintretende Dämmerung zum Leben hier dazugehört. Es fängt an zu tröpfeln? Dann stellen sich mal eben alle, die unterwegs sind, für ein paar Minuten unter. Auf die Zeit kommt es echt nicht an. Und schlechte Laune bekommt hier auch keiner vom Regen… Es ist schließlich normal. Kritisch wird es nur, wenn die Wäsche noch draußen hängt… Irgendwer wird dann bei dem Gedanken daran zum Retter. Für die Situation gibt es einen Reflex:) Denn ohne werden die mühsam mit der Hand gewaschenen Kleidungsstücke platschnass und  wahrscheinlich erst am nächsten Tag wieder trocken.

 

Ihr Lieben,
Es regnet gerade. Und ich liebe das Geräusch auf dem Wellblechdach, denn es ist beruhigend. Die Welt ist normal und sorgt mit dem Wetter dafür, dass ich in Juigalpa in einer so wunderbar grünen Stadt wohnen kann. Was es in Deutschland das ganze Jahr über gibt, existiert hier nur wenige Monate im Jahr. Und der Niederschlag muss dann eben für die restliche Zeit reichen.

Viele Grüße von hier und bis bald
Lea

 

Bienvenida

Freitag, 04. August 2017 von Lea Feldhaus

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.

Was denn zum Beispiel? Seid versichert, der Fantasie muss keine Grenzen gesetzt werden.
Als ich am Mittwoch, dem 02. August 2017, gemeinsam mit Sandra in unsere neue Wahlheimat aufbrach, reisten mit uns 22 kg Gepäck, 6.7 kg Handgepäck, Handtasche mit Pass, Reiseverbindung und Kalender als umfunktioniertes Tagebuch und natürlich ungefähr ein Pfund Briefe, die ich zum Abschied für das nächste Jahr bekommen habe. Das ist viel zu viel Gepäck, selbst wenn man einen Sitzplatz bekommen hätte. Das heißt, nein, erst einmal begann unsere Reise mit dem Einchecken. Dabei bekam ich einen Sitzplatz, aber Sandra nicht. Nach Abgabe des Gepäcks ging es dann los, ab durch die Sicherheitsschleuse. Und dann hoffen, dass noch ein Platz frei ist. Es hat alles geklappt, aber aufregend war das schon. Und noch cooler war es, als wir angefangen haben, mit allen möglichen Menschen Plätze zu tauschen. Das Ende der Geschichte: Zwei Plätze neben einander, einer davon am Fenster, beide mit mehr Beinfreiheit. Und das für den elf Stunden langen Flug. Der Ausblick während der Zeit war wunderschön: Unser Weg führte über Großbritannien, den Atlantik (größtenteils mit Wolken bedeckt) vorbei an dem nicht sichtbaren Island, Grönland (das ich erst beim zweiten Blick erkannte, denn es guckten nur Bergspitzen durch die dichte weiße Decke), über Kanada, die USA nach Houston.

Dort mussten wir in das Flugzeug nach Managua umsteigen (mit vorherigem Transitvisumsantrag, viermaligem Fingerabdruck nehmen und noch einmal durch die Sicherheitsschleuse). Dieser ganze Vorgang lief mach meiner inneren Uhr um halb drei nachts ab.

Dass da fast alle im Flugzeug schliefen ist klar, aber die wenigen wachen Momente lohnten sich: Ein Gewitter von oben, Lichter, die wie kleine Glühwürmchen aussahen und natürlich der Moment, in dem man kapiert, dass das echt ist und man bald in seiner neuen Wahlheimat angekommen ist!

Ihr Lieben,
Von ebenda sende ich euch heiße Grüße und glaube ganz fest, dass sich die weite Reise lohnt!
Macht es gut und bis bald
Eure Lea