Wolkig mit Aussicht auf Reis?

Suasdey und Hallo!

Ich bin mittlerweile seit fast 5 Wochen hier in Kambodscha und doch kommt es mir vor als wäre es vorgestern gewesen, dass wir in Phnom Penh gelandet sind. Die Zeit vergeht wie im Flug. Und so ist nun mein Sprachkurs und mein Aufenthalt in Kep vorbei. Aber ich habe hier so viel erlebt in den letzen Wochen, davon muss ich euch natürlich berichten!

Vor drei Wochen haben wir zusammen mit Martin (aus Norddeutschland) einen Tagesausflug nach Kampot gemacht. Alleine die Fahrt dorthin war ein kleines Abenteuer für sich: Mit dem Tuk Tuk, einer Motorrikscha, ging es in die etwa 25 Kilometer entfernte Stadt. Das klingt jetzt erstmal nicht so spektakulär. Bis die Straße dann so aussah:

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Ruckeliges Angelegenheit
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Auf einem Großteil der Strecke war die Straße mit Löchern und Pfützen übersäht, der Fahrer hat versucht den Löchern auszuweichen, was es nicht besser gemacht hat. Die Fahrt war total ruckelig, man kann sogar fast sagen, dass wir rumgeschleudert wurden, manchmal hatten wir ein bisschen Angst im Straßengraben zu landen. Aber trotzdem konnten wir die wunderschöne Landschaft, die aufgrund der Regenzeit in voller, grüner Pracht erstrahlt, und die überfluteten Reisfelder bewundern. Das letzte Stück waren dann die Straßen ganz überflutet, aber das stört den Verkehr anscheinend nicht. Letzenendes sind wir heil in Kampot angekommen und das war die Fahrt auf jeden Fall wert.

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Landschaft auf der Strecke nach Kampot
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Sobald wir aus dem Tuk Tuk gestiegen waren, fing es an zu regnen. Also ging es erstmal in den nächsten Laden richtig schicke Regenmäntel kaufen (wir schlauen Kinder haben sowohl Schirm als auch Regenjacke in Deutschland vergessen…). Wir schlenderten entlang der Uferpromenade des Teuk Chhou. Weiter ging es zum Neuen Markt, bei dem es so ziemlich alles gibt: Klamotten, Stoffe, Obst, Gemüse, Fische und Krabben. Letztere werden in riesigen Wannen, teils noch zappelnd, lebend, angeboten. Der Geruch der Meerestiere ist für mich ziemlich gewöhnungsbedürftig, weshalb wir uns dort nicht sonderlich lang aufgehalten haben. Eine etwas skurille Sehenswürdigkeit der Stadt ist der sogenannte  „Durian Roundabout“, ein riesiger, mehrspuriger Kreisverkehr. Man muss allerdings dazu sagen, dass sich an die Spuren wohl niemand hält, es fährt jeder so durch, wie er will. Das eigentlich Sehenswerte an dem Kreisel ist jedoch die monströse Skulptur einer Durian, alias Stinkfrucht, in dessen Zentrum. Wir haben selber noch keine Durian probiert, aber sie soll ziemlich über stinken (daher auch der Name) und dafür umso besser schmecken. Mal schauen, ob ich mc uns im Laufe des Jahres noch überwinden können..

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Der Durian Roundabout
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Das Wetter ist seit dem Wochenende immer besser geworden! Wie es sich für eine normale Regenzeit gehört, hat es nur ein- bis zweimal am Tag geregnet, wenn wir Glück hatten war es sogar regenfrei. So konnten wir, dank der geringen Lichtverschmutzung, den wundschönen Sternenhimmel und die romantischen Sonnenuntergänge über dem Meer bewundern, die nur manchmal von einigen vielen Wolken gestört wurden. (Mein Internet ist aktuell leider zu schlecht um die restlichen Bilder hochzuladen…)

Vormittags hatten wir unseren Khmer-Unterricht. Was wir am Anfang nur erahnen und befürchten konnten, hatte sich bewahrheitet: die Sprache hat nahezu keine Ähnlichkeit mit Deutsch oder einer anderen, mir bekannten, europäischen Sprache, was das Lernen noch schwieriger macht. Zuerst einmal die Schrift: mit 33 Konsonanten und 23 Vokale ist das Khmer-Alphabet um einiges länger als unser Alphabet. Wenn man dann mal alle Buchstaben gelernt hat, dann kann man auch immer noch nicht einfach die Wörter lesen: da gibt’s dann noch Subscribts und die Vokale klingen auch unterschiedlich, je nachdem ob es sich beim vorherigen Konsonanten um einen „big sound“ oder „small sound“ handelt…. Naja, Übung macht den Meister, vielleicht komme ich noch dahinter wie man das richtig liest. Die Vielzahl der Buchstaben hat allerdings auch zur Folge, dass Laute genutzt werden, die für uns so nicht existieren. Allein zwischen einem „a“ und einem „ä“ gibt es zahlreiche Nuancen. Für uns klingen daher Wörter teilweise einfach identisch, da unsere Ohren diese Feinunterscheidung nicht „gewohnt“ sind. Die richtige Aussprache der Vokabeln, die wir lernen, erfordert unglaublich viel Übung und ich würde mal behaupten, dass es ohne die Hilfe eines Muttersprachlers für Europäer unmöglich ist die Sprache zu lernen. Zum Glück sind unsere Lehrer sehr geduldig gewesen und haben jeden Tag aufs Neue mit uns geübt. Mittlerweile ist unsere Aussprache bei den gelernten Wörtern halbwegs klar und verständlich. Allerdings gab es zwischendurch einige Turbulenzen, die unseren Lernfortschritt etwas zurückgeworfen haben. Ich kann mich jetzt zumindest auf dem Markt ein halbwegs verständigen, bin in der Lage ein bisschen über meinen persönlichen Background zu erzählen und kann etwas Small Talk führen. Aber vom flüssig sprechen und tatsächlichen Unterhalten bin ich noch weit entfernt.

Unser Lieblings -„Look Kru“ Bormey

Bei der Don Bosco Technical School Kep, in der ich die letzen Wochen war, handelt es sich um eine Art Berufsschule. Unter anderem bekommen die Schüler hier eine Ausbildung in den Zweigen „Media Communication“, „Secretarial Science“, „IT“ und „Hospitality & Tourism“. Unter anderem wird hier auch Englisch unterrichtet. Wir wurden daher von einem Lehrer eingeladen, seine Klasse zu besuchen. Die meisten Schüler hatten Englisch schon  in der High School. Allerdings wurde uns erzählt, dass der Englischunterricht dort nicht sonderlich gut ist, weshalb die wenigsten etwas aus dem Unterricht mitgenommen haben und hier von vorne angefangen wird. Außerdem ist es für Kambodschaner sehr schwer Englisch zu lernen. So wie wir die Khmer-Laute nicht aussprechen können, sind einige Laute, die für uns total selbstverständlich sind, nicht aussprechbar. So wird aus einer Box auf einmal eine „boss“ und „to leave“ klingt ganz schnell nach „to live“. In unseren ersten Tagen in Kambodscha mussten wir daher immer mehrmals nachfragen, bis wir das richtige verstanden haben, aber mit der Zeit gewöhnt man sich dran. Wir hatten dann sehr viel Spaß in der Englischklasse. Die Schüler haben uns Fragen über unsere Heimat, unsere Beweggründe, wieso wir in Kambodscha sind, unsere Hobbys, unsere Familien und vieles mehr gestellt. Besonders das Thema Schnee hat natürlich alle fasziniert, da sie den sonst nur aus Filmen kennen. Witzig ist auch die Frage nach unserem Alter: Jedesmal wird überrascht nachgefragt, ob wir uns sicher sind, dass wir die richtige Zahl in Khmer gesagt haben oder ob sie uns falsch verstanden haben. Die meisten Schüler hier sind älter als wir. Aber wenn ich deren Alter schätzen würde, würde ich fast alle jünger einschätzen, als sie tatsächlich sind. Und wir werden umgekehrt auf Mitte zwanzig geschätzt….

Das aufregendste bis jetzt war aber unser Ausflug zur Rabbit Island (nein, da gibt’s keine Hasen, die heißt wegen ihrer Form so). Mit einem kleinen Boot fuhren wir zusammen mit Martin und einer Schülerin zu der kleine 4,5 km entfernten Insel. Aufgrund der Regenzeit kann der eigentliche Anleger am bewirtschafteten Strand nicht angefahren werden. Daher wurden wir auf der anderen Seite der Insel abgesetzt. Da ist zwar nicht mal ein Steg, aber dann steigt man halt aus und läuft durchs Wasser.

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Mit dem Boot geht's zur Rabbit Island
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Durch den Dschungel wanderten wir zum „Hauptstrand“, wo es auch zwei kleine Restaurants gibt. Abgesehen von den paar wenigen Bungalows in dieser Bucht ist die Insel großteils „unberührt“. Deshalb sind wir nach dem Mittagessen auf die grandiose Idee gekommen, einmal um die Insel zu laufen (ist laut Reiseführer tatsächlich möglich…). Auf einem schmalen Trampelpfad machen wir uns auf den Weg. Durch den Dschungel, der an manchen Stellen etwas verschlammt war, kamen wir zu einem wunderschönen, einsamen Strand.

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Wir haben dann beschlossen lieber am Meer entlang zu laufen, anstatt auf dem Weg weiter zu laufen. Dumme Idee. Ganz dumme Idee. Aus dem Sandstrand wurde nach und nach ein Kies- bzw. Steinstrand, es wurde felsiger, es gab immer mehr Mangroven. Und irgendwann war da kein Weg mehr. Also sind wir erneut durchs Meer gewandert.

Miriam ist sichtlich begeistert durchs Meer zu wandern

Zum Glück sind wir dann zwei Fischern begegnet, die so nett waren uns bis zum Anleger mit zu nehmen, so dass wir erschöpft wieder zurück zum Festland fahren konnten. War echt ein sehr abenteuerlich er Tag!!

Eine Bootsfahrt, die ist lustig…

Auch in der Umgebung von Kep gab es viel zu sehen. Wir waren am Strand, haben Affen gesehen und haben den Butterfly Garden besucht. Nachdem letztes Wochenende noch 10 britische bzw schottische Freiwillige zum Sprachkurs nach Kep kamen, wurde uns mit dem Schulbus die ganze Umgebung gezeigt, unter anderem die Salzfelder und die Samathi Pagode. Auch einen kambodschanischen Karaokeabend konnten wir schon genießen.

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Ich habe Kep und das Projekt sehr zu schätzen gelernt. Ich durfte viele neue Leute kennenlernen und ich finde es sehr schade, diese nun zu verlassen. Zwar gab es jeden Tag zweimal Reis, aber ich habe mich hier rundum wohl gefühlt. Ich war gerade mal 4 Wochen hier und es fühlt sich schon an als hätte ich ein zweites Zuhause. Father Albeiro, der Projektleiter, hat mir auch angeboten, dass ich jederzeit willkommen bin und gerne zu Besuch kommen kann.

Mittlerweile bin ich, nach einigen Komplikationen, in Battambang angekommen und habe mein erstes Wochenende hier verbracht. Aber darüber berichte ich bald mehr.

Bis dahin, alles Roger in Kambodscha!

Eure Sonja