Skifahren ohne Schnee

Ich lebe nun schon einen Monat hier in El Alto und in dieser Zeit ist schon unglaublich viel passiert.

Meine große Reise startete am 8. August mit großer Aufregung, denn ich hatte immer die falsche Uhrzeit gelesen und als ich online einchecken wollte bemerkte ich dann, dass ich schon viel früher am Flughafen sein musste. Zum Glück hatte ich schon alles so gut wie fertig und es ging mit meiner Familie an den Flughafen. Dort bin ich dann auch noch rechtzeitig angekommen und alles hat gut geklappt; sogar mein zu schwerer Koffer wurde angenommen.

Zuerst ging es von München aus nach Madrid. Denn von dort aus startete mein Langstreckenflug. Die Zeit verging aber wie im Flug und ich kam nach einem Zwischenstopp in Santa Cruz in La Paz am Flughafen an. Meine Gasteltern und ein Mitarbeiter aus meinem Projekt warteten schon auf mich. Mein Gastpapa arbeitet als Busfahrer und so hatte ich sofort meine erste Fahrt mit einem Minibus.

Sonnenaufgang aus dem Flugzeug

Als dann die ganze Aufregung sich gelegt hat, habe ich die 3700 Höhenmeter Unterschied zu spüren bekommen. Meine Gastmama gab mir sofort einen Kokatee, der angeblich meine Kopfschmerzen lindern soll. Allerdings habe ich nicht wirklich was von der Wirkung bemerkt und so verbrachte ich die ersten Tage v.a. in meinem Bett, da jede Bewegung anstrengend war und ich sofort außer Atem kam. Hinzu kam auch noch die Kälte an die ich mich zuerst gewöhnen musste. Um es einigermaßen warm zu haben trage ich immer Skiunterwäsche und zwei Paar Socken unter meiner Kleidung und schlafe in meinem Schlafsack mit zwei Decken. Denn das Haus hier hat keine Heizung. Allerdings ist die Sonne hier sehr stark und scheint täglich. Und wenn es mir mal wieder sehr kalt ist, stelle ich mich in die Sonne und lasse mich wärmen.

Nach vier Tagen ausruhen wurde es mir dann aber auch wirklich langweilig und ich freute mich auf meinen ersten Arbeitstag. Den haben wir mit einem Obstfrühstück begonnen. Die Früchte dazu haben wir auf dem Markt eingekauft. Dabei musste ich immer aufpassen, dass ich meinem Kopf nicht an den Sonnenschirmen anstoße. Denn die meisten Leute hier sind viel kleiner als ich und passen so locker unter diese.

Normalerweise passiert am Vormittag in der Einrichtung nicht so viel, da die Kinder erst nach der Schule zum Mittagessen kommen. Diese Zeit kann ich aber immer gut nutzen, um mein Spanisch aufzubessern oder ich helfe irgendwo mit. Später kommen dann die Kinder und wir essen alle zusammen Mittag und putzen uns danach die Zähne. Oft versuchen die Kinder sich davor zu drücken, weshalb ich sie zuerst mal fangen muss. Danach gehen alle in ihre Gruppen. Ich helfe bei den Jüngsten mit, welche im Grundschulalter sind, und ich mache mit den Kindern Hausaufgaben oder wir üben lesen, rechnen und schreiben. Später spielen wir dann zusammen. Vor allem durch das Lesen lerne ich viele neue Wörter und so wird mein Spanisch jeden Tag besser. Trotzdem bin ich sehr froh über mein Wörterbuch auf meinem Handy, auf dem ich das ein oder andere Wort nachschaue.

Sonst ist noch nicht so ein richtiger Alltag eingekehrt, da wir jeden Tag ein anderes Programm haben.

Einmal sind wir in ein Theater gegangen und haben ein Ballett mit verschiedenen traditionellen Tänzen angeschaut. Da wir an diesem Abend erst spät heimgekommen sind und es gefährlich ist in der Nacht alleine nach Hause zu gehen, haben wir in der Einrichtung übernachtet. Dazu haben wir einfach alle Kissen und Decken, die wir gefunden haben, gestapelt und hatten ein wirklich gemütliches Lager.

Alle Tänzer auf der Bühne

Am nächsten Tag haben wir dann den Jahrestag der Einrichtung gefeiert. Zuerst haben wir alle im Hof Spiele gespielt und getanzt. Nach dem Mittagessen sind wir alle in einen Park gefahren. Die Kinder haben sich sehr über die riesigen Rutschen, die es dort gab, gefreut und wollten gar nicht mehr nach Hause.

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Aber auch eine Tradition hier durfte ich schon kennenlernen. Diese nennt sich „Mesa“, also Tisch, und soll dem Haus alles Gute bringen. Dazu wird eine Art Nest aus Kräutern, Hölzern mit Früchten, Nüssen und Süßigkeiten gefüllt und mit Reis, Zucker und Linsen bestreut. Das Ganze wird dann zu Ehren der Mutter Erde verbrannt. Währenddessen haben wir Kokablätter gekaut und einen Tee getrunken. Außerdem haben wir in jede Ecke des Hofes ein bisschen Wein und Cola geschüttet.

Mittlerweile bin ich auch schon mehrmals mit der Seilbahn hier gefahren. Es ist zwar bisschen teurer, als mit einem Minibus zu fahren, aber man kommt damit viel schneller von El Alto nach La Paz oder zurück. Außerdem ist es echt witzig, mit einer Seilbahn nicht über Schnee, sondern über Häuser zu fahren. Und wenn ich dann noch meine Skijacke anhabe, weil die am wärmsten ist, ist alles perfekt nur meine Skier und der Schnee fehlen noch. Wenn ich das noch finde, lass ich es euch wissen.

Margarete

Aus der Seilbahn