Ich versteh nur Bahnhof!

Am 08. August begann meine Reise nach Peru. Nach einem traurigen Abschied ging es ab ins Flugzeug nach Madrid und von dort aus dann weiter nach Lima.

Blick über Madrid

Trotz ein wenig Nervosität war mir noch nicht bewusst, dass ich Deutschland, meine Freunde und Familie und all das Bekannte nun für ein Jahr gegen ein mir unbekanntes Land auf der anderen Seite der Erde tauschen würde. All das realisierte ich erst so richtig als ich in Lima landete, doch um traurig zu sein war dort gar keine Zeit, denn mich erwartete direkt die erste unangenehme Überraschung. Am Ausgang des Flughafens, in den Unmengen an wartenden Menschen mit Schildern, war mein Name nicht zu entdecken. Trotz einer Stunde Warten und ständigem auf und ab gehen der Menschenmenge war nichts zu sehen. Schließlich nahm ich die Hilfe eines Taxifahrers an, denn diese fragten mich immer wieder ob ich Hilfe bräuchte. Der Mann konnte zum Glück ein wenig Englisch, sodass die Verständigung einigermaßen klappte und er für mich den Projektleiter anrief. So erfuhr ich dann, dass alle dachten ich würde erst einen Tag später in Lima ankommen, Projektleiter, dessen Sohn und der Fahrer des Projekts sich jedoch sofort auf den Weg zum Flughafen machen würden. Nach weiteren zwei Stunden Warten und unzähligen Momenten, in denen mir die Augen zu fielen wurde ich abgeholt und konnte auf dem Weg zu meiner Gastfamilie dann schon direkt erleben wie der Verkehr hier so abläuft. Jeder fährt scheinbar irgendwie und hubt dabei so oft wie möglich.

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Ein Mototaxi, davon gibt es hier gefühlt tausende
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In der Gastfamilie wurde ich dann herzlich empfangen und ganz lieb aufgenommen. Dank der Englischkenntnisse von Paco (dem Sohn des Projektleiters) und meiner Gastschwester klappte die Kommunikation auch ganz gut, denn ansonsten verstand ich trotz eines Spanischsprachkurses in Deutschland nur Bahnhof.
Nach der Langen und nervenaufreibenden Anreise ging es für mich dann erstmal direkt ins Bett etwas Schlaf nachholen.

Meine Gastfamilie und ich

Die ersten Tage in der neuen Umgebung waren trotz der wenigen Aktivitäten sehr anstrengend, denn nicht nur der Jetlag machte mir zu schaffen, auch die unzähligen spanischen Wörter, die nur so auf mich einprasselten machten mich ziemlich müde. Zudem war die Umstellung vom heißen Sommer Deutschlands zum Winter in Peru etwas ungewohnt (auch wenn man sich gefreut hat endlich mal nicht die ganze Zeit zu schwitzen). Und trotz des im Vergleich zu Deutschland sehr milden Winters (meistens waren es jetzt hier so zwischen 15 und 18 Grad) habe ich doch einige Male gefroren und mir etwas von der Hitze zurückgewünscht.

In meinen ersten eineinhalb Wochen hier hatten die Kinder im Projekt noch Ferien, weshalb nur vereinzelt Kinder zur Therapie dort waren und es für mich nicht viel zutun gab. Die Ruhe im Projekt nutzte meine Mentorin Ana um mir alle Mitarbeiter vorzustellen, von welchen ich mir auf die Schnelle leider nur sehr wenige mit Namen merken konnte. Sonst war ich in dieser Zeit nur noch zwei weitere Male dort und half aufräumen.
Die ganze freie Zeit nutzte ich sinnvoll und lernte Unmengen an Vokabeln (von denen ich das Gefühl habe, sie am nächsten Tag schon wieder vergessen zu haben). Zudem durfte ich bereits zwei Mal Paco nach Lima Zentrum begleiten, wo sich die Touristen aufhalten und ihn bei seinen „Free Walking Touren“ mit Touristen begleiten. So kam ich in den Genuss schon mal ein paar interessante Sehenswürdigkeiten zu betrachten, etwas über die Geschichte zu erfahren und Pisco Sour und viele weitere Varianten von Pisco zu probieren und natürlich Ceviche (das Nationalgericht Perus) zu essen.

Auch in meiner Gastfamilie werde ich mit sehr gutem und sehr viel Essen versorg. Zusätzlich werde ich von jedem gefragt ob ich schon dies oder jenes probiert hätte und wenn ich verneine bekomme ich dies angeboten. All das Essen hier schmeckt mir sehr gut, auch wenn ich von Einigem nicht geglaubt hätte es zu mögen und meine Familie nie gedacht hätte, dass ich es essen würde (zum Beispiel Rinderlunge, die gibt es immer sonntags nach der Messe in einer Art Eintopf zum Frühstück). Auf jeden Fall liebe ich schon jetzt die peruanische Küche und das leckere Obst und Gemüse (,sodass ich befürchten muss in einem Jahr nach Hause rollen zu können).

Um noch einmal zur Arbeit zurück zu kommen. Nach der ganzen freien Zeit ging es für mich dann auch endlich richtig los. Zunächst war ich zwei Tage im Büro um mein Spanisch ein bisschen zu verbessern, denn wie gesagt, manchmal versteh ich nur Bahnhof (obwohl ich mittlerweile schon einiges verstehen kann und die Sprachkenntnisse immer besser werden). Die anderen Tage habe ich bis jetzt vormittags mal hier und mal dort geholfen, zum Beispiel durfte ich einmal in einer Werkstatt jungen Erwachsenen helfen Karten zu basteln. Nachmittags war ich dann bei einer Gruppe von Kleinkindern. Was zu tun war verstand ich trotz der Sprachbarriere schnell. Aufpassen, dass keines der Kinder wegrennt und gegebenenfalls wieder „einfangen“ und darauf achten das niemand sonst irgendwelchen Blödsinn anstellt. Auch die nächsten Wochen helfe ich in Gruppen, in welchen die Kinder unter fünf Jahre alt sind. Mal wird gebastelt und gemalt und mal eine Art Hindernislauf gemacht. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß auch wenn ich anschließend manchmal sehr erschöpft bin.

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Eingang zum Projekt
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Ich werde euch berichten, wenn es was Neuen gibt!

Hasta pronto! (bis bald) – Annette