Alles roger in Kambodscha?! – Meine erste Woche in Kep

Meine Reise nach Kambodscha begann am 7. August, als meine Familie und ich uns mit meinen gepackten Koffern auf den Weg von Herzogenaurach nach Frankfurt begaben. Ein letztes Mal für das kommende Jahr fuhren wir durch unsere Straße und es fühlte sich mehr als surreal an, dass das der Anfang meines Abenteuers war. Auf der Fahrt zum Flughafen dachte ich darüber nach, was auf mich zukommen wird, dachte über die Leute nach, die ich kennenlernen werde und auch darüber, was sich in dem Jahr wohl alles ändern wird. Auf der Fahrt nahm ich auch ein letztes Mal vor meiner Reise aus Deutschland Kontakt mit den Projektpartnern auf. In Frankfurt angekommen traf ich auf Sonja und nach einer eher turbulenten Gepäckaufgabe (die ganze Geschichte kann man bei Sonja nachlesen) war die Zeit des Abschieds gekommen. So oft hatte ich mir zuvor überlegt, wie der Abschied von meiner Familie ablaufen wird, aber am Ende kommt es ja doch immer anders als erwartet. Denn durch die Probleme bei der Gepäckaufgabe hatten wir so viel Zeit verloren, dass kaum Zeit für einen Abschied war. Nach einer schnellen Runde von Umarmungen begleitet von ein paar Tränen, hasteten Sonja und ich also zu unserem Gate und konnten spät, aber rechtzeitig unser Flugzeug boarden.

An Bord schickte ich meinen Eltern noch eine Nachricht, dass alles geklappt hat und dann ging es wirklich los. Das Flugzeug hob ab und nach einem letzten Blick auf Frankfurt schlugen wir den Weg in Richtung Osten nach Hong Kong ein. Als wir nach 11 Stunden Flug und einer Bratwurst zum Frühstück (wahrscheinlich meiner letzten dieses Jahr) in Hong Kong landeten, machten wir uns nach einer Sicherheitskontrolle, bei der meine (nicht vorhandenen) kanton- chinesisch Sprachfähigkeiten gefragt waren, auf die Suche nach unserem Gate. Dieses hatten wir jedoch schnell gefunden, da der Flughafen trotz seiner Größe erstaunlich übersichtlich ist. Obwohl ich in Hong Kong bereits über 75% der Gesamtflugzeit hinter mir hatte, kam es mir unglaublich komisch vor, dass ich 3 Stunden später in der Hauptstadt des Landes, in dem ich bis Juli nächsten Jahres leben werde, ankomme.

Blick auf Hong Kong
Zwischenlandung in Hong Kong

Nach einer sicheren Landung in Phnom Penh, war ich zunächst überwältigt von Sinneseindrücken. Wir traten aus dem klimatisierten Flughafengebäude, in die drückende feuchtwarme Hitze, wo uns unser Taxifahrer sehr freundlich empfing. Die Wärme war allerdings schnell vergessen, als wir unter arktischen Temperaturen von einem Hupkonzert begleitet (warum gehupt wurde konnte ich allerdings nur erahnen) mit einem Geländewagen von Phnom Penh nach Kep fuhren. Der Weg führte vorbei an vielen Werbungen und Anzeigen (bei denen ich teilweise nur raten konnte wofür sie sind), Reisfeldern, sumpfigen Wiesen, Palmen und durch viele Dörfer. Allerdings schien es mir, als wären einige Kilos meines Fluggepäcks durchaus überflüssig, da ich das meiste auch vor Ort hätte kaufen können.

Im Projekt angekommen, empfing uns die Sekretärin. Sie zeigte uns unser Zimmer und begleitete uns dann zum Mittagessen – unsere erste Reismahlzeit in Kambodscha.

Anschließend begrüßte uns der Projektleiter und informierte uns über wichtige Dinge (z.B. dass wir gleich am 2. Tag mit dem Khmerunterricht anfangen). Den restlichen Tag verbrachten wir mit einem kleinen Mittagsschläfchen und einem ersten Abendessen in der neuen Heimat, bei dem wir auch die beiden „Senior-Freiwilligen“ kennenlernten und so ging der erste Tag schneller als man sich versah zu Ende.

Am Donnerstag starteten wir um 7 Uhr mit einem Frühstück, um dann anschließend um 8 Uhr unsere ersten Stunden Khmerunterricht zu haben. Ich muss gestehen, ich hab mir die Sprache schon sehr schwer vorgestellt und aus Erwartung wird Erfahrung: Die Sprache ist für mich tatsächlich schwer zu lernen, da ich irgendwie bis jetzt keinen Draht dazu gefunden habe.

Manchmal hab ich das Gefühl, dass ich einfach rein physisch nicht in der Lage bin, die Worte auszusprechen. Allerdings würde es mich auch interessieren, wie man meine Khmerkünste als Muttersprachler wahrnimmt und ob man mich tatsächlich verstehen kann oder ob die Leute manchmal einfach nur so tun als würden sie mich verstehen, damit ich mich besser fühle.

Nach dem Mittagessen wurde uns noch das Gelände gezeigt und wir verbrachten den restlichen Tag damit, die ganzen neuen Eindrücke zu verarbeiten und uns etwas auszuruhen.

Der Freitag lief recht ähnlich ab, bis auf, dass es diesmal logischerweise keine Tour über das Gelände gab. Insgesamt sollte aber gesagt werden dass es hier extrem viel regnet, ich meine klar es ist Regenzeit, aber jeder den ich davor gefragt hab meinte, dass es dann 2-4 Stunden am Tag ordentlich regnet und dann scheint auch wieder die Sonne.

Nun gut, bei uns sah es bis jetzt eher so aus, dass es die ganze Zeit ordentlich regnet und vielleicht 2-4 Stunden am Tag Pause sind. Die Sonne ist hierbei ein eher seltener Gast.

Trotz alledem konnte es niemanden davon abhalten am Samstag ein Fußballturnier im strömenden Monsunregen abzuhalten, das wir von der (überdachten) Tribune verfolgt haben. Allerdings glich das Ganze nach etwa einer halben Stunde auf dem sowieso bereits durchnässten Rasen mehr einer schlammigen Rutschpartie und ich hatte unheimlich viel Spaß daran das Spiel anzuschauen.

Am nächsten Tag hatten wir Glück und es blieb der sonst alltägliche 12Uhr- Regen aus, weshalb wir uns so schnell wie möglich auf den Weg machten, die Gegend außerhalb des Projektgeländes zu erkunden.

So gingen wir an der National Road 33 entlang, vorbei an verlassenen Villen aus der Kolonialzeit bis hin zum berühmten Keper Krabbenmarkt. Dort gibt es ein breites Angebot von Gemüse und Obst über Getränke aller Art bis hin zu dem eigentlich Wichtigstem: den Krabben. Obwohl das Angebot riesig war, kauften wir nichts außer gekühlten Getränken und machten uns weiter daran, die Umgebung kennenzulernen.

Der Weg zum Krabbenmarkt
Blick auf den Krabbenmarkt

Als jedoch so langsam wieder Regenwolken aufzogen, machten wir uns wieder auf den Heimweg, allerdings nicht ohne in einem Cafe für einen Schokoladenkuchen einzukehren.

Insgesamt war das ganze die absolut richtige Entscheidung, denn kaum waren wir wieder zurück im Projekt, prasselte wieder der Monsunregen auf uns ein.

Am Montag begannen wir dann mit unserer aktuellen Routine: am Morgen haben wir Khmerunterricht und am Nachmittag können im Internetcafe auf dem Gelände mitarbeiten. Die „Arbeit“ im Cafe hilft uns dabei, die kambodschanische Währung Riel besser kennenzulernen und somit die Zahlen auf Khmer zu verinnerlichen.

Wie ich bereits erwähnt hatte, sind zur Zeit auch noch „Senior-Freiwillige“ im Projekt. Am Dienstag verabschiedeten wir uns von einem der beiden, einem sehr netten Neuseeländer, der hier Englischunterricht gegeben hat, da er nun wieder zurück in seine Heimat gereist ist. Witzigerweise war er als Jugendlicher auf der gleichen Schule in Christchurch wie ich, als ich dort zum Schüleraustausch war und wir haben uns sehr gut mit ihm verstanden.

Und dann war es ganz schnell schon wieder Mittwoch. – Meine erste Woche in Kambodscha.

Wie die Überschrift schon erahnen lässt, ist bei mir alles roger in Kambodscha 😉 und mir geht es hier sehr gut. Über weitere Erlebnisse versuch ich euch hier auf dem Laufenden zu halten.

Bis bald

Miriam