Die Zeit ist um, aber die Erinnerung bleibt

Jetzt lest ihr schon die Einträge von den nächsten Einträgen und ich habe mich noch gar nicht von euch verabschiedet, so schnell vergeht die Zeit. Nachdem ich ja dann (mit Lea) gefühlt ohne irgendwelche Verabschiedungen auf einmal in Deutschland stand, hat es sehr lange gedauert, dass ich mich an so vieles altes und doch bekanntes gewohnt habe. Man glaubt nicht wie groß der Schock ist, wenn man so unvorbereitet aus den schwierigen Verhältnissen, die leider weiterhin in Nicaragua andauern kommt und auf einmal hier alles seinen ganz normalen Lauf nimmt.

Mit zwei weinenden Augen bin ich also hier angekommen und mittlerweile konnte ich zumindest eins in ein frohes Umwandeln. Nach so langer Zeit seine Freunde und Familie zu sehen war definitiv ein sehr schöner Moment. Und dennoch denkt man viel an seine andere Familie, die über 9000 Kilometer weit weg in einer Ungewissheit lebt und nicht weiß, was morgen ist. Nicaragua ist für mich nicht nur mein Auslandsaufenthalt, sondern ein großes Stück Heimat geworden und wird es immer bleiben!

Nicht nur das, was man so sehr lieben gelernt hat, sondern auch, dass was man manchmal doch verflucht hat, vermisst man.  Ich erinnere mich an die ruckeligen Busfahrten mit Motorschaden bei 30 km/h über mehrere Stunden bei vierzig Grad Hitze, die dauernd laufende laute Reggaeton-Musik oder einfach mal wieder eine nicht funktionierende Toilettenspülung. Ja, es nervt, dass hier alles immer da ist und es an nichts fehlt. Paradox, weil ich es vorher nie so wahrgenommen habe. Mir fallen viele Sachen auf, die ich immer als selbstverständlich wahrgenommen oder einfach nicht hinterfragt habe. Nach einem Jahr Rolltreppe zu fahren, mehrspurige Straßen zu sehen, einen Fahrplan, abends auf die Straße zu gehen und nicht für jede Strecke ein Taxi zu rufen (in Nicaragua wurde ich echt faul was das angeht, aber wer sagt zu 30 bis 40 Cent für eine Fahrt schon Nein?!)  sind ein paar von meinen großen Deutschland- Abenteuern.

Meine Arbeit und meine Mädels vermisse ich natürlich weiterhin sehr, aber ich kann euch sagen, dass es ihnen bisher gut geht und im Heim sicher sind! Als es dann hieß, dass ich am nächsten Tag schon meinen Koffer packen muss, haben sie einfach schnell für Lea und mich eine Abschiedsfeier auf die Beine gestellt. Für uns wurde getanzt, gesungen, ein Gedicht vorgetragen, Bilder gemalt,…  Wie gut, dass meine Eltern noch ein wenig Schokolade und andere Sachen für die Mädchen aus Deutschland mitgebracht hatten, sodass ich nicht mit leeren Händen dastand, wobei das ihnen in dem Moment auch nicht wichtig war.

 

Es bleiben ganz viele schöne Erinnerungen an die schönste Zeit und diese trage ich immer bei mir in meinem Kopf und meinem Herzen! Ich danke dem Kindermissionswerk für die Ermöglichung und ständige Begleitung auch während der spontane Rückkehr, ich danke dem Heim und hier nicht nur den Schwestern, die sehr fürsorglich und ständig bemüht waren, sondern besonders den Kindern, die mir viel mehr geschenkt haben, als ich ihnen je geben kann! Auch meiner Gastfamilie ein großes Dank, die immer für mich da waren und meine Gastmama oft den Kummerkasten für mich gespielt hat, muchas gracias!

Auch wenn mein Leben jetzt hier weitergeht, leben die Erinnerungen immer in mir. Ich danke euch für euer Lesen und hoffe, dass ich euch einen Einblick in das schöne Land, die schöne Zeit und die lieben Menschen geben konnte.

Hasta siempre!

Eure Sandra