Einfach nur Danke!

Wie fängt man nun am besten an?! 12 Monate zuvor saß ich hier und habe voller Vorfreude, Aufregung und vielleicht auch ein wenig Angst meine Sachen gepackt. Ich bin in ein Land gereist, von dem ich zuvor noch so wenig wusste und habe eine komplett neue Kultur kennengelernt.

Doch nun ist alles vorbei? Völlig verzweifelt saß ich in meinem Zimmer in Cebu City und wusste nicht, wie ich die ganzen Erinnerungsstücke, Geschenke und Andenken in meinen Koffer bekommen sollte.

Aber ich spule erstmal zurück und erzähle euch von meinem letzten Monat auf den Philippinen, einem Land, in dem ich wunderbare Erfahrungen machen konnte, wahre Freunde gefunden habe und einen Teil von mir zurückgelassen habe.

Der Juli begann bereits mit dem Gedanken, dass ich bald abreisen würde. So begann der Anfang vom Ende …

Das letzte Mal zum Feeding auf die Straßen von Cebu City fahren, essen verteilen und die ganzen Menschen zum letzten Mal sehen – wirkte für mich einfach komplett unwirklich. Ich konnte es auch immer noch nicht fassen, als ich mich von den Kindern aus der Playgroup verabschieden musste. Vielleicht wollte ich es auch nicht wirklich wahr haben, denn es ist schwer auf Wiedersehen zu sagen. Mit dem Gedanken zu gehen, ohne zu wissen, ob man überhaupt einmal wiederkommt, viel mir sehr schwer. Nachdem dann die letzten Male auch zu Ende gingen und mir bewusst wurde, dass ich die Kinder nicht so schnell wiedersehen würde, konnte ich mich nicht mehr zusammen reißen und die ersten Tränen kullerten aus meinen Augen. Doch das war erst der Anfang!

                                           letztes Gruppenfoto mit der playgroup

In der letzten Woche hatten wir dann ein Abschiedsessen mit meiner Organisation vor Ort organisiert und ich habe mich am Pizza backen versucht. Ein schöner Abend mit vielem Händeschütteln und Geschenkeübergeben ging zu Ende. Damit fingen die ganzen Abschiedsfeiern an und ich konnte kaum klar sehen, durch meine total verweinten Augen. Es ist schon erstaunlich, wie einem die Menschen ans Herz wachsen können innerhalb eines Jahres. Man hat doch so viel mit ihnen allen erlebt. Umso fröhlicher bin ich, all diese lieben Menschen kennengelernt zu haben und so viele schöne Momente mit ihnen geteilt zu haben.

previous arrow
next arrow
Slider

In der darauffolgenden Woche war jeder Schritt zur Arbeit und jede noch so kleine Tätigkeit kostbar für mich, denn genau das wollte ich in Erinnerung behalten. Jede Sekunden mit meinen Scholars, jedes Lachen über einen Witz und auch Streitigkeiten der Kinder, wollte ich gern festhalten.

Schon in den letzten Tagen viel mir dann das Verhalten der Kinder und Arbeiter auf, die mir etwas vorenthalten hatten. Kurz vor dem Wochenende hat mich dann meine Chefin eingeweiht und mir erzählt, dass eine „kleine“ Abschiedsfeier (hier genannt despedida) für mich geplant ist! So viel Trubel um mich, war mir schon fast unangenehm aber die Überraschung war trotzdem groß, als ich dann am Wochenende ins Projekt kam und alle Scholars anwesend waren und ein Programm für mich vorgeführt wurde. Schon nach dem ersten Lied „I love Cebu“ konnte ich die Tränen nicht mehr zurückhalten. Dieses Lied hat einfach zu viele Erinnerungen in mir geweckt, vom Ankommen im Projekt über die unzähligen Male beim Feeding und die Zeit mit den Kindern. Am liebsten wäre ich mit aufgesprungen und hätte mitgetanzt, doch das sollte später noch folgen. Nach vielen Tänzen, Gesängen und instrumentalen Einlagen, habe einige Scholars ein Gedicht vorgetragen, was mich wirklich zu Tränen gerührt hat. Danach durfte ich dann auch nochmal in mein Tanzoutfit vom Sommer schlüpfen und mittanzen, das letzte Mal! Ich würde behaupten, dass ich in diesem Moment der glücklichste Mensch war…

Doch die Überraschungen hörten nicht auf und so kamen dann plötzlich die Kinder auf mich zu und übergaben mir alle nach einander eine Rose. Die Kinder sind mir so ans Herz gewachsen, dass es mir sehr schwer viel passende Worte für alle zu finden aber auch ich musste mich unbedingt bei allen, den Kindern und auch den Eltern und Mitarbeitern bedanken. Mit einem kleinen Poster wollte ich mich für das Jahr bedanken und hatte zuvor Bilder ausgedruckt. Dennoch ist das nicht genug, für all das, was sie mir gegeben haben und mit mir geteilt haben. Auf Cebuano (der Sprache in Cebu City) heißt es „Salamat“ (Danke) und genau das ist das passende Wort für all die Erlebnisse, Erfahrungen, Bekanntschaften und Liebe, die mir entgegengebracht wurde. Mit tausenden Abschiedsfotos und unzähligen Umarmungen musste ich mich verabschieden…

previous arrow
next arrow
Slider

Genauso ging es in der Woche darauf weiter und nach dem letzten Feeding in den Straßen von Cebu hatten die Freiwilligen eine Abschiedsfeier vorbereitet. Mit Kuchen und kleinen Geschenken haben sie mich überrascht. Mit noch mehr Tränen in den Augen habe ich versucht mich für alles zu bedanken, aber es ist nie genug, da ich alles kaum in Worte fassen kann. So habe ich zur Erinnerung kleine Armbänder vorbereitet gehabt und jedem eines geschenkt, als Erinnerungsstück. Der Priester, der das Programm leitet hat sich schon zuvor mit einem Essen bedankt, wobei ich eigentlich diejenige bin, die sich bedanken muss. Diese Menschen sind so offen auf mich zugegangen, dass ich mich seit dem ersten Tag unglaublich wohl in ihrer Nähe gefühlt habe. Deshalb heißt am dieser Stelle nur Danke für eine unglaubliche Zeit!

previous arrow
next arrow
Slider

Mit den Freiwilligen des Feedingprogrammes hatte ich einige Wochen zuvor auch eine kleine Abschiedsreise organisiert, wo wir zusammen die Zeit genossen haben und ich mich von ihnen verabschieden konnte. Unsere gemeinsamen Ausflüge waren für mich immer sehr prägend und ich habe dadurch auch gute Freunde gefunden.

previous arrow
next arrow
Slider

Natürlich gab es auch in meiner Gastfamilie auch eine Abschiedsparty mit all den Nachbarn aus unserem kleinen Bezirk. Fast wie bei meiner Ankunft waren alle beisammen und haben mir eine gute Reise gewünscht und mir ein wundervolles Gebet geschrieben. Nachdem jeder einige Worte zu mir gesagt hat, liefen bei mir bereits die Tränen. Mit der Rede von meinen Gasteltern wurde abgeschlossen und danach konnte ich einige Worte sagen, die mir auf dem Herzen lagen. Extra für diesen Anlass hatte ich auch einige Kleinigkeiten vorbereitet und meiner Lehrerin für Cebuano eine Urkunde überreicht und meinen Gasteltern ein kleinen Erinnerungsgeschenk. Meine Tränen haben dabei nur gezeigt, wie viel mir die Menschen dort alle bedeuten und sie immer einen Platz in meinem Herzen haben werden. Es sind Tränen voller Freude und auch Trauer des Abschieds.

                                                              meine Gastfamilie, Nachbarn und Freunde

Nachdem ich dann auch wirklich jeden Tag geweint hatte, fühlte ich mich schon ziemlich fertig aber eher auf emotionaler Ebene. Mit dem Abschied vom Feeding center, den Müttern und den Kindern, mit denen ich fast jeden Tag gearbeitet habe, sollte es nun vollkommen zu Ende sein. Am Mittwoch saß ich dann allein in meinem Zimmer und habe mit meinem Koffer und dem Gewicht, welches von den Flugzeugmaßen noch weit entfernt war, gekämpft.

Der Abschied von meinem Zuhause, den Menschen mit denen ich tagtäglich zu tun hatte, die Straßen, die ich jeden Tag entlanggelaufen bin und einfach allem viel mir unglaublich schwer und habe ich die ganze Zeit nur aus dem Fenster geschaut und wollte diese Welt nochmal auf mich wirken lassen. Mit meiner Chefin ging es dann zum Flughafen, wobei wir nochmal bei den Priestern vorbeigefahren sind, damit ich mich verabschieden konnte. Begleitet von meiner Mentorin und meiner Chefin fuhren wir dann über die Brücke, die Cebu City mit der Nachbarinsel verbindet, auf der der Flughafen steht. Ein letzter Blick auf die Stadt, die mir so viel geboten hat und die ich für ein Jahr mein Zuhause nennen durfte. Ich komme wieder…

Am Flughafen warteten dann meine Freunde vom Feeding auf mich! Die Minuten des Abschieds vielen mir unglaublich schwer, doch ich musste langsam einchecken. Mit den Worten „Amping“, was so viel heißt wie gute Reise, und „Kita ta puhon“ (Wir sehen und bald wieder) ging ich schweren Schrittes zum Eingang des Flughafens. Ein Abschied, den ich mir nicht schöner hätte vorstellen können. DANKE für alles …

previous arrow
next arrow
Slider