Sinulog – Was ist das?

21. Apr 2018 | von | Kategorie: Freiwillige 2017/2018, Luise Reichelt auf den Philippinen

Wie fange ich nun an? Es ist schon eine sehr lange Zeit seit meinem letzten Beitrag passiert. Ich möchte euch aber trotzdem meine Eindrücke der letzten Monate nicht vorenthalten. Die traditionelle philippinische Festkultur konnte ich euch noch gar nicht richtig vorstellen aber im Januar wurde das große Sinulog Fest gefeiert und dabei habe ich nochmal einen ganz anderen Eindruck von den Philippinen und besonders von Cebu bekommen.

Am 21.Januar wird das Sinulog Fest in Cebu gefeiert! Das Jesuskind, auch Santo Niño genannt, steht dabei im Vordergrund und wird von allen gefeiert. Doch wenn ihr glaubt, dass hier nur am 21. gefeiert wird, dann habt ihr euch mächtig getäuscht. Neun Tage bevor das eigentliche Event stattfindet, steht die Stadt schon völlig auf dem Kopf. Jeden Tag gibt es Gottesdienste, um sich auch auf die Feierlichkeiten vorzubereiten. Für viele ist es auch ein kleiner Wettkampf, jeden Tag den Weg in die Kirche zu finden. Leider muss ich mir jedoch eingestehen, dass ich nicht alle 9 Messen vollendet habe, da ich im Projekt ziemlich eingenommen war. Trotzdem waren die Kirchenbesuchen eine sehr beeindruckende Erfahrung! Ich stehe also inmitten von mehreren hundert Menschen im Gottesdienst und alle stimmen das Lied „Batobalani sa gugma“ an. Das Gefühl dazuzugehören ist einfach unglaublich, auch wenn dabei einige Traditionen sehr fremd für mich sind.

7. Novena Messe (die Regenschirmen fungieren hier als Sonnenschutz)

Ich fange aber jetzt am besten von vorne an zu erzählen! Denn mit dem ersten Tag der neuntägigen Vorbereitung begannen die Festlichkeiten und es gibt an verschiedenen Orten in Cebu Konzerte und Attraktionen. Da ich nebenbei im Projekt mitgeholfen habe, konnte ich erst am Wochenende alles erkunden. Die Zeit reicht jedoch trotzdem nicht aus, um alles mitzuerleben, da ich mich bei vielem entscheiden musste, ob ich lieber zu dem einen oder zum anderen möchte. Ich bin mit meiner Wahl jedoch durch und durch zufrieden gewesen!

 

SINULOG FESTIVAL

Samstag – Mein Wecker klingelt um 3 Uhr nachts und ich bekomme kaum meine Augen

Cebu City vom Wasser

auf. Nach einer kalten Dusche und einem Schluck Wasser bin ich dann auch endlich richtig ansprechbar. Ich werde von einem Freund mit dem Auto abgeholt und wir machen uns auf den Weg zur „Fluvial Parade“. Die Straßenlaternen leuchten noch und es sind kaum Menschen auf den Straßen. Wir nähern uns dem kleinen Hafen und ich sehe immer mehr Taschenlampen. Die Sonne geht langsam auf und ich laufe mit einigen anderen Freiwilligen durch Sand gemischt mit Müll.

Mehrere hundert Boote schließen sich der Parade auf dem Wasser an!

Geschmückte Boot warten am Ufer auf uns und wir laufen durch das kalte Wasser zum Boot. Die Sonne spiegelt sich auf der Wasseroberfläche und ich erkenne die Orte, an denen wir vorbei fahren. Ich bin so aufgeregt, dass ich gar nicht mehr übers Schlafen nachdenke. Aber auch durch die vielen Trommeln und Gesänge kann ich gar nicht mehr an mein Bett denken. Es schließen sich immer mehr Boote an und es vermischen sich die Klänge der anderen Boote mit unserer Musik. Wir fahren Richtung Norden, um das große Schiff zu sehen, welches den Santo Niño nach Cebu bringt. Am Ziel angekommen heißt es erstmal etwas Essen und da es sich um eine Feier handelt, wurde natürlich Lechon (geröstetes Spanferkel) mitgebracht. Der Duft vom Essen und die fröhliche Musik vermischen sich in meinem Kopf und alle fangen an zu tanzen.
Doch dann sehen wir das riesige mit blütenbesetze Schiff und an der Spitze eine Glasvitrine mit dem festlich gekleideten Santo Niño und die Leute stimmen Lieder an. Es wird getanzt, gelacht und gegessen und so folgen wir dem Schiff begleitet von mehrern hundert weiteren Booten auf den Weg nach Pasil (Ortsteil von Cebu).

Der Santo Nino kommt nach Cebu!

Trommel begleiten uns auf dem Weg…

 

 

bloß nicht vom Boot fallen…

 

Immer mit viel Freude und Spaß am Start!

 

 

Es ist erst 9 Uhr morgens als wir an dem kleinen Hafen ankommen aber die Stimmung ist schon auf dem Höhepunkt. Alle Menschen sind auf der Straße, in Kostümen gekleidet und tanzen und singen zu Ehren des Jesuskindes. Die Starßenparade führt an den vielen kleinen Häusern vorbei. Ich fühle mich, wie in einer anderen Welt aber es ist einfach atemberaubend wie sehr mich diese Atmosphäre in seinen Bann gezogen hat. Am liebsten wäre ich dort die ganze Zeit geblieben aber ich habe noch einiges vor. Das frühe Aufstehen macht sich auch bei mir langsam bemerkbar uns so begebe ich mich auf den Heimweg.

Kinder tanzen zu Ehren des Jesuskindes

Alle Straßen rund um die Hauptkirche sind gesperrt und so treffe ich mich mit Freunden etwas außerhalb und wir schließen uns der großen Parade an. Das besinnliche Wandern in Mitten von Millionen von Menschen gibt einem ein unglaubliches Zugehörigkeitsgefühl. Ich kann zwar nicht alles verstehen aber in den Gebeten, wenden sich die Menschen an das Jesuskind. Sogar die Kommunikation wird den Tag über unterbrochen und es gibt kein Netzsignal, um mehr Sicherheit gewährleisten zu können, da sich so viele Menschen auf den Straßen befinden.

Die Stadt ist ungewöhnlich still und das Straßenbild ist hauptsächlich von Menschen geprägt. Mein nächster Stopp ist aber die Einkaufsmall, in der ich meine Gastschwester aus Liloan treffe. Nach einer kleinen Stärkung gehen wir nach draußen. Es ist inzwischen abends und ich kann bereits Sterne am Himmel sehen. Hier ist es viel ruhiger als noch einige Stunden zuvor, das sollte sich aber gleich ändern. Mehrere Menschen stehen vor der Mall und blicken in den Himmel, der Countdown läuft und schon geht es los. Die ersten Raketen erhellen den Himmel und alle fangen an zu klatschen und zu schreien. Die folgende Lichtershow ist kaum in Worte zu fassen aber mit einem zweiten Silvester ist es gut zu vergleichen. Blaue, rote und weiße Lichter formen Kreise am Himmel und es sieht aus als ob Millionen von Sternschnuppen auf die Erde fallen. Der Geruch von Rauch steigt mir in die Nase und ich bin einfach nur glücklich über diesen schönen Tag, den ich erlebt habe. Der Blick zu meiner Gastschwester verrät mir, dass sie auch froh ist.
Ich freue mich, dass ich diese Erfahrung mit meiner Gastschwester und guten Freundin teilen kann und bin schon gespannt auf den morgigen Tag.

Das Feuerwerk erleuchtet den Nachthimmel

 

Sonntag – Die Sonne scheint und ich beginne den Tag mit einem etwas späteren Frühstück. Was wird der Tag wohl bringen, frage ich mich. Was werde ich wohl heute erleben?
Nachdem der gestrige Tag doch mehr geprägt von besinnlicher Stimmung war, sollte es heute nochmal anders werden. Mit meinem zuvor gekauften Sinulogshirt mache ich mich auf den Weg. Doch bevor es richtig losgeht, bekomme ich noch einen Kopfschmuck!

Ein Gruppenfoto, bevor wir uns in die Menge stürzen!

Die große Parade mit den Festwagen führt durch die ganze Stadt. So viele Menschen, es ist eng und ich bin froh etwas größer zu sein, sodass ich den Überblick behalten kann. Viele philippinische Künstler sind bei der Parade dabei, doch das Gekreische der Menschenmasse beim Anblick ihres Idols, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Liegt aber vielleicht auch einfach daran, dass ich mit den Gesichtern berühmter philippinischer Fernsehserien nichts anfangen kann.

alle halten Ausschau nach den geschmückten Paradewagen

Unser Weg führt uns weiter, vorbei an den Straßen mit den meisten Ausländern, die teilweise nur für das Fest angereist sind. Hier ist die Stimmung auf einer ganz anderen Ebene. Ehe ich mich versah, spürte ich schon die kalte und nasse Farbe an meinem Arm. Viele Jugendliche laufen mit Farbe herum und malen jeden an, der sich nicht rechtzeitig bücken kann. Da ich sehr groß bin, war es für viele schon eine kleine Herausforderung so hoch zu springen, um auch mein Gesicht anmalen zu können. Nach gefühlt 30 Sekunden hat sich mein weißes T-Shirt in einen Farbeimer verwandet und ich selbst sah aus, wie in einen Farbtopf gefallen. Man wurde direkt in diese fröhliche Stimmung aufgenommen und Fremde haben sich einfach umarmt oder gemeinsam gesungen. Es ist teilweise etwas wild aber sehr lustig. Nach tausenden Bildern bin ich mir nun auch sicher, dass mich jeder in Cebu kennt.
Geschmückte Straßen, Paraden an jeder Straßenecke und feiernde Menschen – so habe ich dieses Sinulog erlebt.

noch farbenfrohere Gesichter

Beim Anmalen kam ich nicht zu kurz…

Das ist aber nicht das Ende, gefeiert wird nämlich den ganzen Tag. Mit meinen Freunden vom Feeding ging es abends noch zu einem Freund zum Abendbrot. Familienfeiern mit reichlich Essen sind für viele mit das Wichtigste. Zum Abschluss ging es dann noch auf den „Plaza Independencia“ zur großen Bühne. Gute Musik und viele Menschen haben mich dort erwartet.
Der Himmel ist bereits dunkel als ich in mein Zimmer komme und einen kurzen Schreck vom Anblick meines Spiegelbildes bekommen habe. Glücklicherweise ging die meiste Farbe auch gut ab. Der rosafarbene Schimmer in meinem Gesicht ist nach einiger Zeit dann auch nicht mehr so sehr aufgefallen.

Es hat mein Wochenende einfach nur perfekt abgerundet und ich habe mich schon wieder auf mein Projekt gefreut! Entspannt bin ich dabei aber nicht aus dem Wochenende gekommen, dafür aber um einige Erfahrungen reicher, mit einer schönen Erinnerung im Kopf und gefestigten Freundschaften.

Und wer bis hierhin schon durchgehalten hat, kann sehr stolz auf sich sein! Ich konnte mich leider nicht kürzer halten, denn es sind so viele Erlebnisse gewesen, die ich mit euch teilen wollte. Aber ich hoffe, dass ihr die Frage „Was ist Sinulog?“ nun für euch selbst beantworten könnt, denn ich habe meine ganz eigene und persönliche Antwort an diesem Wochenende kreieren können!

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Ein Kommentar
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  1. Hallo Luise, wieder eine sehr umfangreiche und informative Darstellung.
    Haben wir sehr gerne gelesen.

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