Eins, Zwei oder Drei

28. Jan 2018 | von | Kategorie: Freiwillige 2017/2018, Sandra Abrantes Diaz in Nicaragua

Nachträglich wünsche ich euch allen frohe Weihnachten (eins), ein frohes neues Jahr (zwei) und einen gesegneten Dreikönigstag (drei). Auch ich habe alle diese Feste mit lieben Menschen verbracht und denke, dass nun mal Zeit wird euch davon zu berichten!

Eins Ein Weihnachten ohne Schnee, ohne Plätzchen und mit viel amerikanischem Schnickschnack war meine diesjährige Abwechslung aus dem gewohnten Heilig Abend, besinnlich in Familie. Den Tage über wurde außer Kochen nicht sonderlich viel gemacht. Das Kochen hat sich aber auch sehr in die Länge gezogen, da nicht nur ein Gericht gezaubert wurde, sondern gleich eins, zwei, drei! Nummer eins war die Zunge. Ja, hier eine Delikatesse, die meine Gastmama schon in den frühen Morgenstunden anfing zuzubereiten. Dazu gab es noch eine Lasagne, was hier sehr besonders ist. Gerade für meine Gastschwestern war es ein Highlight, nicht nur wegen der teuren Zutaten (diese gibt es ja schließlich hier nicht), sondern auch, weil wir keinen Ofen haben und eine Freundin uns ihren zur Verfügung gestellt hat. Und das dritte Gericht wurde mit meinen Händen zubereitet: Es gab Spanische Paella. Als es dann so weit war zur Messe zu gehen, standen schon die Gäste vor der Tür bzw im Haus. Also wurde diese dann gestrichen und allen unerwarteten Gästen noch Stuhl und Teller gebracht. So ist das hier wenn man einen einlädt und dann fünf erscheinen. Mit über zwanzig Personen ging es nach dem Essen zum Tanzen! Und das kam nicht zu kurz. Bis tief in die Morgenstunden lief die Musik und alle begaben sich mit Fußschmerzen in den Schlaf.

 

Der ganz schlichte Weihnachtsbaum

 

Unsere improvisierte lange Tafel am 24.

Zwei Neujahr in einem Land zu verbringen, wo der Hüftschwung in die Wiege gelegt wird, bedeutet auch, dass mir meine Gastschwester die richtige Bewegung beibrachte. Die Feier ist sehr ähnlich wie in Deutschland, nur, dass ich eine besondere Tradition, die des Alten Mannes erzählen möchte. Üblich ist es nämlich um Mitternacht einen gebastelten Alten Mann, der mit Feuerwerkskörpern gefüllt ist, anzuzünden, um sich symbolisch von allem Schlechten des vergangenen Jahres zu befreien.

Drei Den sechsten Januar, Tag der heiligen drei Könige, feiert man leider nicht in Nicaragua. Daher war es für mich umso schöner diese Tradition mit den hier zu teilen. Aus Deutschland bekam ich den Segenspruch gesendet und wurde  auch gleich mit dem Haus meiner Gastfamilie und meines Projektes geteilt.

Bis nach Nicaragua schafft es der Segen

… Wochen frei?

Die Spontanität der Nicas gab mir das große Fragezeichen auf, wieviele Tage das Personal über die Feiertage frei haben würde, da die Kinder über einen Monat nicht da sein werden, schließlich sind momentan die langen – sehr langen – Sommerferien hier. Wundert euch nicht, dass ich Sommerferien schreibe, obwohl Nicaragua auf der Nordhalbkugel liegt und wir Winter haben, aber es ist derzeit einfach unglaublich heiß, weil es nicht regnet! Und wundert euch auch nicht, dass ich sehr lange schreibe, weil 10 Wochen schon ziemlich viel sind, oder?

Hieß es für mich also ein, zwei oder drei arbeitsfreie Wochen zu haben?  Erst am letzten Arbeitstag wurde ich aufgeklärt, dass der ursprüngliche Arbeitsbeginn einfach um fünf Tage vorverlegt und die Ferien auf zwei Wochen gekürzt wurden. Das ist eigentlich auch kein Problem, wenn man nicht schon – so wie ich – seinen Urlaub im Oktober unter dem vorgegebenen Termin plant. Letzten Endes habe ich nur drei Tage später wieder die Tür des Heims betreten und  ab da auch bis heute keinen Tag ausgelassen (dazu später mehr 🙂 ).

Was ich in dieser Zeit gemacht habe? Klar, reisen und meine neue Heimat kennenlernen. Dabei habe ich gleich drei (nicht nur ein oder zwei) verschieden Facetten Nicaraguas sehen können. Zunächst ging es in den Norden, also habe ich natürlich auch Pullis eingepackt, weil mir viel gesagt wurde, dass es dort kalt sei, die ich letztendlich bei 25 Grad nun wirklich nicht brauchte.

Als erstes fuhren wir nach León, um dort das “Volcano Boarding ” zu machen. Was das ist? Ein riesiger Spaß kombiniert mit einem aktiven Vulkan und rasanten Abfahrt bei 45 Grad Steigung. Es war tatsächlich nicht so schlimm, vielleicht auch einfach weil ich sicherheitshalber die langsame Bremsvariante gewählt habe, aber diese Erfahrung, einen Vulkan hochzuklettern, oben angekommen den Krater zu sehen, die heiße Asch unter seinen Füßen zu spüren und dann binnen wenigen Sekunden den Vulkan hinter sich zu lassen war einzigartig!

Zum Norden gehört es auch fast bis an die Landesgrenze zu reisen. Nur zwei Kilometer vor Honduras ging es nämlich zum Cañon. Zugegeben, hier war es kalt. Die Tour durch diesen Cañon (ganze Fünf Stunden) begann mit einer kleinen Wanderung bevor es dann ins Wasser ging. Einmal drinnen kam man da auch für die nächsten Stunden aus diesem Eiswasser auch nicht heraus und durfte mit Anziehsachen und Schuhen über zwei Kilometer schwimmen und Klippenspringen. Nein, ich gehöre nicht zu den Mutigen, die sich aus zehn oder fünfzehn Metern ins Wasser wagten, aber zu den Mutigen, die sich durch diesen Cañon geschwommen haben!

Die letzte “Nordstation” führte nach Matagalpa, der Stadt des Kaffees. Ich möchte nicht allzu viele neidisch machen, aber frischer Kafee direkt vom Feld ist schon was Feines! Außerdem konnten wir noch einen Wasserfall etwas außerhalb besuchen. Mein erster  und hoffentlich nicht letzter 🙂

Matagalpa von oben

Die zweite Station meiner Reise war die Umgebungen Granadas kennezulernen. Dabei ging es in  verschieden Nachbardörfer und auch hoch hinaus auf den Mombacho. Auf einer Höhe von 1344m hatte man einfach einen wunderschönen Ausblick über Nicaragua!

 

Ein, zwei oder drei Sternsinger in Nicaragua

 

Zum Abschluss meiner Reise ging es noch für ein paar Tage in die Karibik. Nicht nur türkisenes Wasser unter Palmen wartete dort auf uns, sondern leider auch ein Unwetter, welches sich erst am vorletzten Tag legte. Little Corn Island kommt dem Paradies aber schon sehr nahe und es ist so anders dort. Zum Einen natürlich das Essen, hier wird alles auf Basis von Kokosnuss gekocht. Zum Anderen aber auch die Einsamkeit, weil es keine Elektrizität gibt, das heißt nachts mit Taschenlampe um die Insel zu laufen und natürlich unterscheiden sich auch die Menschen. Ich war erstaunt, dass hier nur Englisch oder Miskito (die Sprache der Ureinwohner) gesprochen wird. Mit Spanisch kam man also gar nicht so weit hier.

An einem Tag ging es tief ins Wasser, um neben Korallenriffen auch eine Vielfalt von Fischen zu sehen. Kugelfische, Rochen und Haie. Ja, das Schwimmen mit den Haien hat mir wirklich Angst gemacht, ich meine, dass auf einmal sechs Haie um einen sind kommt nicht jeden Tag vor! Es ist nichts passiert, keine Sorge 🙂

Vor unserer Hütte das Meer

 

…Neuigkeiten im Heim?

Das neue Jahr brachte viele neue Überraschungen für mich im Projekt. Die größte Umstellung ist wohl, dass nach vier Jahren unsere Direktorin gewechselt hat und nun auch zusätzlich eine Novizin mir im Heim wohnt. Einen neue Chefin zu haben ist durchaus nicht einfach, aber Sor Claudia ist sehr offen und für viele Späße zu haben. Alle Befürchtungen, die man immer so hat, sind also schnell vom Tisch gewesen. Die zweite große Neuigkeit war eine einwöchige Schlung mit dem Personal. Es war als würde man sich vielleicht neu kennenlernen, denn wie verbrachten diese Schulung in Managua, wo wir sehr gemütlich in einem Zimmer Matratze an Matratze gequetscht schliefen, die Toilette durch einen Vorhang abgetrennt war und der Straßenlärm keine Nachtruhe gewährte. Dennoch haben wir viel gelacht und sind abends auch zusammen raus gewesen, was mir definitiv in schöner Erinnerung bleibt! Die Schulung war zum einen hilfreich das Kollegium besser kennenzulernen und in ihrer Gruppendynamik zu stärken, aber auch um pädagogisch hilfreiche Maßnahmen im Umgang mit den Kindern zu erhalten.

Am Mittwoch ist es dann so weit gewesen und die Tür für unsere nun 45 Kinder wurde wieder geöffnet. Es war alles neu! In den vergangenen wichen wurde nämlich das ganze Heim gestrichen und wir bastelten tatkräftig an neuer Zimmerdekoration, aber auch der Speisesaal, der Salon und die Wäscherei wurde  nicht ausgelassen. Da wir jetzt mehr Kinder haben und besonders auch kleine Kinder, denn die Jüngste ist erst drei Jahre, haben wir einen großen Spielraum, der dank Spenden mir Puppenhäusern gefüllt werden konnte und erste sehr anstrengende Tage hinter uns.

 

Ich merke schon, dass ich an verschiedenen Aufgaben gewachsen bin, aber auch an meine Grenzen kam. Die ersten drei Tage hieß es nämlich mit den Kindern verschieden themen zu besprechen, wie Respekt, Ernährung und das Benehmen miteinander. Am Dienstag Abend wurde mir noch mitgeteilt, dass ich eine eigene Gruppe haben werde. Das hieß für mich noch bis tief in die Nacht alles vorzubereiten, damit ich den Kindern möglichst spielerich und verständlich alles erklären konnte. Mit Stolz kann ich sagen, dass mir das wohl gut gelungen ist!

 

 

Ich hoffe, dass die nächsten Wochen vielleicht etwas weniger anstrengend aber mindestens genauso schön werden!

Bis dann, eure Sandra

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