Was es bedeutet …

23. Jan 2018 | von | Kategorie: Freiwillige 2017/2018, Lea Feldhaus in Nicaragua

… Frei zu haben

Wie ich euch ja bereits vor knapp einem Monat erzählt habe, standen in Nicaragua die großen Ferien an. Gefühlt das ganze Land hatte frei und hat das auch genutzt. Häuser wurden repariert, der Bauernhof auf dem Land mal wieder langfristig bewohnt, die Familie besucht. Eben dies galt auch für meine Familie, die über Weihnachten und Neujahr hier in Nicaragua meine Gastfamilie und das wunderschöne Land kennenlernen durfte. Drei Wochen lang reisten wir von Ort zu Ort. Die Gastfreundschaft war dabei immer zu spüren. Bereits am zweiten Tag ging es auf die Schuleinführung meiner kleinen Gastschwester. Da die Koffer meiner Eltern in Madrid geblieben sind, kam es kurzerhand zum Klamottenaustausch, sodass meine Mama die Kleidung meiner Mentorin anhatte, um auch wirklich den Festlichkeiten angebracht erscheinen zu können

Die fremde Kleidung fällt gar nicht auf, oder?
Nur die Kopfbedeckung sieht etwas anders aus:)

Und so ging es auch weiter, gemeinsam mit zwei sehr guten Freunden durften sie Land und Leute kennenlernen. Vor allem touristische Orte wie Granada, Ometepe, Matagalpa, Estelí und Somoto standen auf der Karte. Aber eben auch Juigalpa, die Stadt, in der ich seit fast sechs Monaten wohne (könnt ihr das glauben?). Da sich dorthin eigentlich nie irgendwelche „Fremden“ verirren, fielen wir auch gleich auf: Gleich bei nächstbester Gelegenheit, auf dem Weg zum Tortilla-Kaufen wurde ich gefragt, ob ich jetzt glücklich sei. Schließlich seien jetzt meine Eltern da. Und das von einer Person, die ich zwar vom Sehen kenne, aber noch nie mit ihr gesprochen habe. So ist es hier. Da wird genauestens aufgepasst, was passiert und jede Neuigkeit direkt mit dem Nachbarn ausgetauscht

Ein paar Eindrücke der Reise folgen hier, da ich euch schlecht drei Wochen „Elternzeit“ wiedergeben kann:

Granada mit seinem “Hausvulkan” Mombacho

Vulkan Masaya: Jup, das ist Lava…

Isla de Ometepe

Mitten im Nicaraguasee

Laguna de Apoyo

Cañon de Somoto – wenn ihr durchwollt, müsst ihr schwimmen und springen…

In der Nähe Matagalpas
Das ist Kaffee

… 2018 zu feiern

Über Silvester ging es zu meiner Gastfamilie, mit der wir das neue Jahr einläuten durften. Für mich war das ein schöner Moment, mit meinen nun zwei Familien vereint zu feiern. Schließlich begleiten sie mich 2018 in fast gleichen Teilen und liegen mir fest am Herzen.

Die Feier selbst lief sehr ruhig da. Da eine Gastschwester erst kurz zuvor operiert wurde und nicht bei uns sein konnte, fehlten auch ihre Schwester und Eltern. Umso enger war der Kontakt per Telefon mit ihnen.

Um Mitternacht ging es dann los, wirklich laut zu feiern, wie es in Nicaragua eigentlich der Fall ist. Der sogenannte „viejito“, also der kleine Alte, wurde verbrannt und das letzte Jahr gleich mit ihm. Bereits einen Tag vorher begannen die Basteleien an ihm. Alte Kleider wurden zusammengenäht und mit Papier befüllt. So wachte er den ganzen 31. Dezember vor der Tür und grüßte die Passanten. Schön drapiert im Schaukelstuhl sah er so echt aus, dass ich mich mehrmals erschreckt habe…

Kurz vor zwölf wurde die lebensgroße Puppe dann noch mit Böllern gefüttert. Das ging ab! Vor einigen Jahren soll das hier wohl jedes Haus gemacht haben, aber mittlerweile sind die Preise der Knaller so hoch, dass es sich viele nicht mehr leisten können. Und offen gestanden, mein Herz hätte auch nicht mehr als die zwei „viejitos“ in der Nachbarschaft mitgemacht 🙂

Viel entspannter war dann der letzte Teil des Abends. Alle saßen in einem Kreis, einschließlich meiner Schwester Mirjam. In der Mitte ein Hühnerknochen. Der wurde reihum geworfen. Je nachdem wie er landete sollte er dir sagen, ob du im folgenden Jahr ein Mädchen oder Jungen gebären wirst. Naja, da wurde auch schon mal sechs Mal geworfen, bis der Knochen dir ein Mädchen vorhersagte… Folgen nun vorher im gleichen Jahr fünf Jungs?!?!?! Ich hoffe, nicht:) Lustig war es trotzdem. Und wer weiß?

… Wenn die Arbeit wieder anfängt

Seit dem 8. Januar nun arbeiten wir nun wieder im Centro. Der Abschied von meinen Eltern vorher ist mir schwergefallen, denn die Zeit mit ihnen habe ich sehr genossen. Doch dank einiger Freunde und der Spontanität hier hatte ich nicht allzu lange Heimweh.

Im Centro begann die Arbeit nur wenige Tage später. Wir haben fast alles umgeräumt, geputzt und gereinigt. Jetzt glänzt es wieder. Es sieht alles anders aus. Denn wir haben einmal alle Klassenräume getauscht. Nun geht es daran, herauszufinden, wie viele der Kinder aus dem letzten Jahr auch im kommenden Schuljahr wieder bei uns lernen werden. Bisher haben sich noch nicht alle angemeldet, doch es sind deutlich weniger, als ich erwartet habe. Mal schauen, wie sich das entwickelt, es sind noch zwei Tage Zeit.

(Das habe ich vor einer Woche geschrieben. Update: 110 Kinder in allen Altersstufen werden in den nächsten Monaten hier studieren…)

… Priester zu werden

Ich singe für die Mutigen, die ihren Weg suchen, die das zurück lassen, was sie gefangen hält. Ich sing‘ für die vertrauenden, die Gottes Ruf hören, die auch ins Ungewisse gehen mit ihm.“

An dieses Lied musst ich am 13. Januar denken. Denn an diesem Samstag ging es für die Pfarrei „Nuestra Señora de Guadaloupe“ mit zwei Bussen in Richtung Camoapa. Das ist eine kleine Stadt im angrenzenden „Bundesland“ und knapp eine Fahrstunde von Juigalpa entfernt. Nach dort hatte Policarpo uns eingeladen, um mit ihm gemeinsam seine Priesterweihe zu feiern. Der Diakon hat zuvor fast ein halbes Jahr unsere Gemeinde geleitet, da ein Pfarrer fehlt. Und wie es so ist, wenn großzügig eingeladen wird: die Leute sind von nah und fern gekommen. Mehr 200 Menschen. In einer großen Messe mit Chor, „Keyboard-Orgel“, Bischof, der gefühlt ganzen Priesterschaft des Bistums, allen nicaraguanischen Priesteramtskandidaten und viel Freude wurde ihm das Sakrament gespendet. Nicht zu vergessen, sind aber auch die vergossenen Tränen. Denn neben der Freude war auch viel Traurigkeit zu spüren. Später hat uns Padre Policarpo erklärt, dass es eben auch ein Abschied ist, und er ins Ungewisse geht. Ungewiss, wann und wie oft er seine Familie sehen kann, wo er eingesetzt wird und was nun Neues für ihn beginnt. Da ist eine große Gefühlswolke schon zu verstehen, oder?! Daher gebe ich seine Bitte an euch weiter, für ihn zu beten. Auch wenn ihr ihn nicht kennt.

Jetzt wird es ernst

Die ersten Worte des Priesters.

Kennt ihr mich noch?

Bis sehr bald. Ich hab euch lieb

Lea

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