Geburtstag, Weihnachten, Silvester – So feiert man in Bolivien

8. Jan 2018 | von | Kategorie: Jakob Dybowski in Bolivien

“D­o you remember, the twentyfirst night of september,…“ Am 21.09. habe ich hier meinen Geburtstag gefeiert. Das ist jetzt zwar schon eine Weile her, aber an dieser Stelle nochmal Vielen Dank für die lieben Glückwünsche!!! Warum ich hier darüber schreibe ? Der 21. September ist in Bolivien nicht irgendein Tag wie jeder andere auch. Ganz im Gegenteil. Es ist der Tag des Frühlingsanfangs, der Tag der Verliebten, der Freundschaft und der Tag der Schüler und Studenten. Für viele also eine Gelegenheit zum Feiern. Auch aus anderen Gründen als meinem Geburtstag. Im Projekt z.B. habe ich mit den Kleinen eine Spieleparty organisiert. 

In einer Besprechung durften sie selber Verantwortlichkeiten für Dekoration, Musik, Spiele, Getränke usw. bestimmen und, wie die Großen, schon ziemlich selbständig die Feier gestalten. 
Auch in meiner Familie haben wir gefeiert. Es wurde kräftig gesungen und anschließend, traditionsgemäß und mit großer Freude, mein Gesicht in die Torte gedrückt. Eigentlich muss das Geburtstagskind die Torte nur kurz „anbeißen.“ Aber meine Gastgeschwister haben ungefragt dafür gesorgt, dass auch mein Gesicht genug von davon abbekommt.

Schon im August durfte ich erfahren, was es mit der Verehrung von Pachamama auf sich hat. Die „Mutter Erde“ wird in der andinen Kultur als Fruchtbarkeitsgöttin besonders verehrt. Im August und besonders freitags, gilt die Pachamama besonders „hungrig und milde.“ Deswegen bringen viele Bolivianer ihr in dieser Zeit ein Opfer dar und bitten sie ihnen Herzenswünsche zu erfüllen, Krankheiten zu heilen, um mehr Erfolg im Beruf usw. Es war interessant zu sehen, wie die Tradition von statten geht. Zuerst lässt man sich in einer kleinen Zeremonie von einer Fachkundigen eine Art Opferteller zusammenstellen. Auf ein Bett aus Coca- Blättern, Reis und Zucker werden allerlei andere Materialien wie z.B. Nüsse, Gewürze oder Zuckerplatten mit eingravierten Bildchen drapiert. Wer es sich leisten kann, lässt sich gerne auch einen getrockneten Lamafötus hinzufügen. Fertig dekoriert wird alles mitgenommen und zu Hause im Kreis der Familie auf einem kleinen Feuerchen verbrannt. Dabei wird traditionsgemäß in Aymara gesprochen. In diesem Moment herrscht eine ganz eigentümliche und andächtige Atmosphäre und man könnte fast meinen die Anwesenheit der Pacha Mama zu spüren.

Lamaföten hängen zum Verkauf aus

Ist das Feuer dann wieder aus, und der August vorbei, war es das für die meisten auch schon wieder. Nur einige Naturheilern kann man rund um das Jahr dabei zusehen, wie sie Opfergaben verbrennen und dabei für ihre Kunden beten.
Auch wenn nicht alle hier so intensiv daran glauben, ist die Pachamama doch zu mindestens für die meisten hier eine Art Schutzpatronin. Bauarbeiter weigern sich ein Haus zu bauen wenn im Fundament kein Lamafötus eingemauert wurde und jedes Mal wenn etwa Bier oder Wein getrunken wird, so gießt man vorher eine klitzekleines bisschen auf den Boden geschüttet.

Ein anderer großer Feiertag war Allerheiligen. Am 2. November, so sagt man, kommen die Seelen der Verstorbenen zurück auf die Erde und in die Häuser der Hinterbliebenen. Dort wird für sie eine Art Altar aufgebaut und mit allen möglichen Gaben dekoriert. Es kam mir vor wie bei unserem Erntedankfest. Vor allem die typischen Brote mit Gesicht (die „Tantawauas“ – „Brot-Kinder“) in Form von Cholitas, Lamas oder Pferden, dürfen hier nicht fehlen.

Fast jeder in El Alto bäckt um diese Zeit herum sein eigenes Brot. Wer keinen Ofen hat, geht zu Freunden. Manchmal auch nur, weil die Bäckereien zu haben und man kein Brot mehr kaufen kann. Ist es dann so weit, kommen die Seelen hinunter und erfreuen sich an den dargebotenen Speisen. Ein Indiz, dass sie da waren ? Aus dem Wasserglas fehlt ein kleines Schlückchen…

Tantawauas auf dem Altar in unserem Projekt

Auch ansonsten war ich schon bei ein paar feiern. Einmal hat z.B. meine „Gastcousine“ geheiratet und ein andermal war ich auf einem 15. Geburtstag eingeladen. Der wird hier bei vielen Mädchen ebenfalls groß gefeiert. Ähnlich wie bei der Hochzeit mieten sich die meisten ein Tanzlokal und laden oft die gesamte Familie und viele Freunde ein. Dann wird sich nett unterhalten, gemeinsam gegessen und getrunken und vor allem getanzt. In Bolivien hat das Tanzen einfach Tradition. Auch wenn viele traditionelle Tänze vor allem zu Paraden und beim Karneval getanzt werden, haben z.B. „Chicha“ und „Cumbia“ auch bei Hochzeiten tradition. Bei jüngerem Publikum ist zwar eher Reggeaton beliebt, aber es wird trotzdem fast immer in Paaren getanzt. Bilden sich bei uns in Discos und auf Feiern eher Kreise, so formiert man sich hier dementsprechend in Reihen auf dem Parkett.

Ach ja und dann waren da noch Weihnachten und Silvester.
Es hat schon was wenn man am Heilig Abend zu Bett geht und Morgens von sommerlichem Wetter geweckt wird. Ich bin schon fröhlich aus dem Bett gehüpft, da zeigte mir das Wetter das eigentlich Regenzeit ist. So begann es also schon im nächsten Augenblick fürchterlich zu schütten und gipfelte in einem fürchterlichen Hagelschauer. Schöne Bescherung ;D

Weihnachtsorigami die wir im Projekt gebastelt haben

Hinzu kommt, dass wir völlig verschlafen hatten. Denn Heilig Abend wird hier erst um Mitternacht gefeiert. Genau um null Uhr wird das liebe Christuskind in die Krippe gelegt und ein kurzes Gebet gesprochen. Dann wünschen sich alle gegenseitig ein frohes Fest und man setzt sich noch ein bisschen zusammen und lässt den Abend ausklingen. Das kann dann schon Mal später werden. Vielleicht lag es aber auch an dem ein oder anderen Glas Rotwein, dass wir es am Weihnachtstag nicht mehr rechtzeitig in die Messe geschafft haben. Als wir ankamen lief gerade zum Ausklang das Krippenspiel und der Chor sang noch ein paar schöne Weihnachtslieder. Naja, so waren wir vielleicht ein bisschen fitter für den darauffolgenden Weihnachtsspaziergang. Am Abend gab es noch einen gemütlichen Ausklang und dann ist Weihnachten auch schon wieder um. Den zweiten Weihnachtsfeiertag gibt es hier nämlich ebenso wenig wie die Adventszeit. Es fehlt ohne Schnee, Weihnachtsmärkte und Adventskalender einfach ein bisschen die Besinnlichkeit des Festes, die ich aus Deutschland gewohnt bin. Viel mehr freuen sich die Leute dafür, dass es was zu feiern gibt. So kann man zum Beispiel zu den meisten Weihnachtsliedern auch tanzen. Außerdem stehen nicht so die Geschenke sondern mehr das Beisammensein in der Familie im Vordergrund.

Trotzdem waren wir noch kurz vor Weihnachten mit einigen aus dem Projekt unterwegs und haben Weihnachtsmuffins an Bedürftige und arbeitende Kinder verteilt. Geteilte Freude ist ja bekanntlich doppelte Freude! Alles in Allem hatte ich also ein sehr wundervolles Fest und meine Gastfamilie hat mir gut dabei geholfen, dass ich nicht allzu sehr Heimweh hatte.

Silvester ist nicht viel anders als bei uns und doch gibt es einige witzige Traditionen, die ich noch mal kurz erwähnen möchte. So habe ich mich zum Beispiel gewundert, wieso vor dem Jahreswechsel die Straßen voller Stände waren, die Unterwäsche verkauft haben!

Auf dem Markt wird Unterwäsche verkauft

 

Unterwäsche, und noch mehr Unterwäsche !!!

Bis ich dann herausgefunden habe, dass es Glück bringt wenn man zum Jahreswechsel eine gelbe und Liebe wenn man an Silvester eine rote Unterhose anhat. Hab ich übrigens direkt mal ausprobiert… Ich berichte dann später von den Ergebnissen. Außerdem werden kurz nach Mitternacht zwölf Weintrauben gegessen. Für jeden Monat eine. Dabei darf man dann zwölf Wünsche machen. Das ist eigentlich viel komfortabler als die typischen „guten Vorsätze.“ Zugunterletzt sind mein Gastbruder und ich noch mit einem Koffer voller Bücher Treppen rauf und runter gerannt. Das bringt Glück wenn man im nächsten Jahr verreisen möchte. Trotz all den Traditionen hatten wir auch noch genug Zeit, um uns in aller Ruhe das Feuerwerk über La Paz von unserem Dach aus anzugucken – ein fantastischer Anblick.
Bis Bald euer Jakob

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