Advent, Advent, kein Lichtlein brennt?

21. Dez 2017 | von | Kategorie: Freiwillige 2017/2018, Lea Feldhaus in Nicaragua

Hallo ihr Lieben,

Kaum vorstellbar: Der Dezember zieht ins Land und das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen. Fühlt ihr euch so?

Ich mich definitiv nicht! Schließlich ist es wettermäßig für mich noch immer noch August. Es windet was das Zeug hält, wodurch auch die warmen Temperaturen angenehm bleiben (ab und zu ist mir sogar echt kalt…)

Allerdings hat der Dezember begonnen und damit verbunden auch die freie Zeit im Centro. Denn für die Kinder und eigentlich fast ganz Nicaragua beginnen jetzt die großen Sommerferien.

Damit aber nicht alle aus dem stressigen Alltag in die absolute Leere des Nichtstuns  fallen, hatten wir eine Woche spielen und basteln vorbereitet. Etwas ganz neues und gutes, fand ich. Denn normalerweise besteht das Projekt aus Nachhilfe und Übung. So können wir trotz der oft schlechten Schulbildung der Eltern bzw. ihrer fehlenden Zeit (viele arbeiten den ganzen Tag als Tortilla-Verkäufer, bügeln oder waschen…) den Kindern Unterstützung beim Lernen zukommen lassen. Das ist zwar sehr gut, bringt mich aber oft an meine Grenzen, da wir so kaum spielen oder Abwechslung in dieses doch rund um die Welt für Schüler öde Thema Schule bringen können. Da sind alle gleich 🙂

Am 6. Dezember endete diese schöne Woche in einem Purisima-Fest. Das ist Maria Empfängnis und sehr wichtig im ganzen Land. Neun Tage lang wird jeden Tag der Rosenkranz gebetet, für die Schönheit des Lebens gedankt und für alle Kranken gebittet. Mit großen Umzügen und lauten Rufen wird die große Freude ausgedrückt. Da klingen Lieder und Reime durch die Straßen, wie:

Quien causa tanta alegria – la concepción de Maria. (Welche Sache bringt uns so große Freude – Maria Empfängnis)

Maria de Nicaragua – Nicaragua de Maria (Maria für Nicaragua – Nicaragua für Maria)

Una iglesia sin Maria – no es iglesia todavia (eine Kirche ohne Maria – ist immerhin noch keine Kirche)

All dies durften wir am Nikolaustag also auch hier feiern. Natürlich mit piñata, Essen, Gesang, Geschnatter und Vorfreude auf Ferien und Weihnachten. Bereits früh morgens ging es los mit schmücken und kochen. Sechs Stunden zur Vorbereitung reichen total aus.

Dachte ich. Aber wie es immer so ist waren schließlich doch die Menschen erst da, bevor wir fertig waren. Aber zum Glück sind ja alle entspannt und mit einiger Verspätung ging es dann auch los. Ich fand es beeindruckend, wie groß und klein mit einander respektvoll umgegangen sind. Denn meistens treffen sie nicht aufeinander,da die einen morgens, die anderen nachmittags studieren. Einmal alle zusammen an einem Tisch: das werde ich so schnell nicht vergessen.

Marienaltar aufbauen – das dürfen nur die Großen. Gespielt wird trotzdem

Mit Stolz darf ich sagen, dass wir drei dieser Sterne mit den Großen gebastelt haben

Wenn man schön zusammen sitzt

Eine schöne Tradition: Die Besten der Besten, die Kinder mit der besten Entwicklung im letzten Jahr und die mit der besten Erziehung werden für das mit einem kleinen Geschenk noch einmal belohnt. Da lohnt es sich, zu kämpfen…

Am eigentlichen Tag, dem 8. Dezember war bereits frei, sodass wir den Gottesdienst mit Erstkommunion und allem drum und dran genießen konnten. Auch nachmittags ging es mit Freunden und Nachbarn weiter mit beten. Denn wer gut mitgemacht hat, bekommt im Anschluss ein Paket mit Süßem, Spielzeug, Reis oder Bohnen. Manchmal auch von allem etwas 🙂 ich glaube, so viel Rosenkranz hab ich noch nie gebetet…

Noch einmal wurde in letzter Sekunde die Deko geändert. Sie war wunderschön.
Nur leider konnte so keiner die Bank betreten… 🙂

Ich fand es eine wunderbare Erfahrung, denn dieses Fest feiern wir in unserer Kultur doch eher selten. Während mir immer mehr unsere Traditionen auffallen und fehlen, wird hier der Advent ganz anders begangen. Frei nach dem Motto “ein Feiertag ohne feiern ist wie ein Kalender ohne Datum – kann man machen, bringt aber nichts” wird hier jeder Heilige mehr oder weniger intensiv bedacht. Aber das immer laut!!!! So kam es das bereits am 14. die Patronin des Viertels begangen wurde. Kein Problem. Und dazwischen noch ein großer Geburtstag. Ich kann euch sagen: ich platze vor lauter Essen und neuen Eindrücken.

Und so ist es gut all dies mit meinem Weihnachtsgeschenk teilen zu können. Denn am 14. sind meine kleine Schwester und meine Eltern in Nicaragua angekommen. Davon ein anderes mal mehr.

Ich hab euch lieb und wünsche euch eine besinnliche Zeit mit ein bisschen Ruhe, Geborgenheit. Weihnachten und die Geburt Jesu ist nah. Vergesst das neben den ganzen Dingen nicht, die noch zu tun sind.

Eine dicke Umarmung

Hasta muy pronto

 

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