Der Bauernhof – Selbstgemachtes Brot und sind Meerschweinchen eine Delikatesse ?

Letztens kam ich vom Sprachkurs nach Hause und unser Küchentisch war komplett mit Mehl bedeckt. Zwei meiner Mitbewohner waren gerade dabei Brotteig zu backen und Dario mein italiänischer Mitbewohner erklärte mir auf Spanisch wie genau das funktioniert und warum er das macht. Dario arbeitet auf dem Bauernhof der Fundacion Palliri und hat diesen Teil des Projektes im letzten Jahr sehr weit nach vorne getrieben. Mein Spanischverständnis wird von Tag zu Tag besser und so konnte ich zum Glück vertehen, dass er mich dazu einladen wollte, am nächsten Tag mit ihm zu kommen und auf dem Bauernhof Brot zu backen. Da konnte ich natürlich schlecht Nein sagen, auch wenn das früh Aufstehen bedeutete und mein Magen sich noch nicht zu 100% an das örtliche Essen gewöhnt hat. Ich wollte aber unbedingt mal den Bauernhof sehen, da ich bis vor kurzem noch nichtmal wusste, dass das Projekt einen Bauernhof hat.

- eine Übersicht über den Bauernhof -
- eine Übersicht über den Bauernhof -

Am nächsten Tag sind wir also früh aufgestanden und Isa die Leiterin des Projektes Palliri, aka. meine Chefin, aka. meine Gastmutter für ein Jahr, die ich schon in Deutschland kennen lernen durfte brachte uns zum Bauernhof. Ich habe geholfen ein Loch zu graben und ein Sonnensegel aufzubauen, da die Kindergartenkinder aus unserem Projekt auch kommen wollten, um selber beim Brotbacken helfen zu können. Nachdem wir fertig waren und darauf warteten, dass der Steinofen heiß wurde, zeigte mir Dario den größten Teil des Bauernhofes. Es gibt einige Kühe,

Einen Tag waren wir in einem 1500m tiefer gelegenem Tal um Gras für die Kühe zu besorgen.
Einen Tag waren wir in einem 1500m tiefer gelegenem Tal um Gras für die Kühe zu besorgen.

Hühner, ein paar weiße Hasen, ganz viele kleine Meerschweinchen, Enten und sogar 4 Lamas. Hier werden Meerschweinchen übrigens oft gegessen, die von unserem Bauernhof sind aber nicht zum Essen sondern für die Kinder da. Auch wenn bald leider welche verkauft werden müssen, da sie sich so schnell vermehren und was mit diesen dann passiert kann man ja schlecht bestimmen. Eines der Lamas ist noch jung und läuft gern frei auf dem Bauernhof rum, auch wenn es dann gerne verbotenerweise den Heuvorrat anfrisst. Ich konnte es streicheln, wir mussten es aber irgendwann leider anbinden, bevor es uns die kleinen Kinder umrennt. Wir haben mit den Kindern dann Teig geknetet, auch wenn wir diesen natürlich nicht direkt zu Brot backen konnten, weswegen Dario und Almu ja am Tag vorher Teig für alle vorbereitet hatten.

Die Kindergartenkinder beim Teig kneten
Die Kindergartenkinder beim Teig kneten

Nach 2 Stunden musste ich dann die Kinder wieder zum Kindergarten begleiten, das Brot war bis dahin leider noch nicht fertig, da der Ofen noch nicht heiß genug war.

Am Wochenende war ich dann nochmal auf dem Bauernhof, da Dario einige Frauen aus einer Stofffärbungsfabrik zum Grillen eingeladen hatte. Wir sind früh morgens aufgestanden und mit einem Taxi zur Kreuzung gefahren, an der wir auf die Anderen warten sollten. Nach einer halben Stunde trafen sie dann auch mit einem Pick-Up ein. Es waren 7 Personen + ein kleines Schaf, da nur für 5 Personen im Auto platz war setzten sich die andern einfach hinten auf die Ladefläche, der Weg zum Bauernhof ist schon so holprig genug, weswegen die Fahrt noch aufregender wurde. Am Bauernhof angekommen zeigten wir alles, aßen Orangen und sammelten Enten- und Hühnereier. Bis 1 Uhr Mittags waren es 13 Eier, von denen wir oft einige mit Nachhause nehmen, um am Wochenende lecker Rührei machen zu können. Der Grill wurde hier natürlich ohne Grillanzüner sondern mit trockenem Gras und kleinen Stöcken angezündet.

Grillen mit schöner Aussicht in Achocalla
Grillen mit schöner Aussicht in Achocalla

Es gab kaum etwas zu Essen was ich so zubereitet kannte, aber extrem lecker war es trotzdem. Wie zu jedem Essen gab es Suppe, diesmal das Besondere war das mit Orangen zusammen gekochte Hühnchen, was sehr gut schmeckt hat. Es gab außerdem Brot mit Käse von den Bauernhofkühen, Kochbananen die vielleicht zu einer meiner neuen Lieblingsspeisen werden könnten, Kartoffeln, Reis, Möhren und noch mehr Kartoffel in allen Farben sage ich jetzt mal. Hier isst man „Chuños“, die aussehen wie kleine schwarze kartoffeln. Es sind zerstampfte Kartoffeln die immer wieder zerkleinert und an der Luft getrocknet werden, bis fast alles Wasser aus ihnen entwichen ist. Außerdem gibt es weiße Kartoffeln die „Tunta“ heißen. Das sind Kartoffeln die ein paar Wochen/Monate im Wasser bzw. in einen Fluss gelegt werden, bis sie „ausgespült“ sind, wurde mir erzählt und ich hoffe ich habe das auf Spanisch richtig verstanden. Den Geschmack konnte ich aber noch nicht genau zuordnen, es schmeckt auf jeden Fall keinesfalls nach Kartoffel. Mit der Suppe zusammen schmecken diese auch ganz gut, ohne Suppe gehören sie aber eher nicht zu meinen Lieblingsspeisen… Wichtig war aber, da jeder etwas mitgebracht hatte, dass ich auch von allem mindestens ein Löffel esse, selbst wenn ich weiß, dass es mir nicht schmecken wird. Es ist einfach sehr unhöflich von einer Person etwas nicht zu essen. Was hier beim Essen auch ganz anders ist als bei uns, ist, dass man nicht am Anfang „Guten Appetit“ sagt, sondern sich nach dem Essen bei jedem der mit einem gegessen hat, dafür bedankt, dass man zusammen essen konnte. Ein einfaches „Gracias“ reicht da schon, was dann mit „Provecho“ erwiedert wird. Es war ein sehr toller, erfahrungsreicher Tag und wir wurden für übernächste Woche in die Fabrik zu einem Mittagessen eingeladen, ich hoffe davon kann ich dann auch etwas berichten.

Insgesamt läuft es immoment aber auch sonst sehr toll, ich habe jetzt richtig angefangen zu arbeiten mit einem sehr interessanten Wochenplan, von dem ich bald bestimmt auch mal berichten werde.