Rassismus

Es begann für mich Anfang August, kurz nach meiner Ankunft in Dogbo. Es war ein Gespräch unter zwei Beninern, das ich damals nur teilweise verstand. Es ist nun Realität geworden!

Die Rede ist von den Wahlen in Benin.

Am vergangenen Sonntag fanden sie statt und der Sieger war für mich tatsächlich eine kleine Überraschung.

Das Bewerberfeld aus 36 Kandidaten, die zur Wahl antreten wollten war nicht klein, aber dennoch kristallisierten sich 5 Bewerber heraus, die eine Chance haben könnten. Alleine schon der Betrag, der nötig ist, damit man seine Bewerbung einreichen kann ist immens und es erstaunt mich, wie viele Leute sich das leisten können: 15 Mio. Franc CFA (ca. 23.000€). Unter ihnen zwei Größen aus der Wirtschaft, ein ehemaliger Premierminister, ein Wirtschaftspolitiker und ein „Weißer“. Bei diesem handelt es sich um den Sohn eines Beniners und einer Französin, der den Großteil seines Lebens in Frankreich verbracht hat. Sein Teint ist etwas heller und es wird von allen gesagt es sei der Kandidat Frankreichs.

Eben dieser Kandidat hat nun mit 28%den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen gewonnen. Der nächste Kandidat kommt auf 24% der Stimmen.

Hiermit möchte ich zu meinem eigentlichen Blogthema kommen.

Nachdem die Kandidaten für die Stichwahl bekannt waren, habe ich mir die Mühe gemacht, mir die Wahlprogramme durchzulesen. Meiner Meinung nach haben beide Programme ihre Berechtigung und auch starke Punkte. Die Programme ähneln sich in einigen großen Teilen, auch wenn ich persönlich nach der Lektüre- und damit gehöre ich wahrscheinlich zu einer landesweiten Minderheit- finde, dass Lionel Zinsou, der „Weiße“, über das bessere Programm verfügt. Ich finde bei ihm wichtige Punkte, wie die Elektrizitätsversorgung besser ausgearbeitet und befürworte die Zahlenbelege in seinem Programm, die schlüssig klingen, ich aber nicht nachprüfen kann!

Immer wieder versuche ich Menschen in Diskussionen zu zeigen, dass man Weiße nicht verallgemeinern sollte und auch, dass Man Herrn Zinsou vielleicht eine gleichberechtigte Chance geben könnte. Um ehrlich zu sein habe ich noch keine Richtig sachlichen Argumente GEGEN ihn finden können. Das häufigste „Argument“: „Wir haben genug von den Franzosen!“, kann ich verstehen, aber wer hat denn gesagt, dass „der kleine Weiße“ tatsächlich französische Interessen verfolgt? „Ein Weißer kann Benin nicht regieren!“, klingt logisch aber ist das so. Und viele stützen ihre Thesen auch auf den amtierenden Präsidenten, der offen Lionel Zinsou unterstützt und Stimmung gegen Patrice Talon, den Gegenkandidaten in der Stichwahl und großen Baumwollunternehmer, macht. Anscheinend hat Boni Yayi in seinen zwei Amtszeiten Dinge gemacht, über die die Beniner nicht so glücklich waren.

Nachdem das Niveau einmal auf „alle Politiker sind Räuber“ (das ist nicht meine Meinung) gefallen war, fiel ein Satz, den ich sehr erschreckend finde: „Lieber ein dunkelhäutiger Räuber, als ein weißer Räuber!“ Ich glaube das spiegelt eine gewisse Mentalität wider.

Frankreich hat immer noch nicht ganz mit seiner kolonialen Vergangenheit abgeschlossen. Ein Unding ist es für mich jedoch, diese Machenschaften einem Menschen anzulasten.

Politik soll nicht das einzige Thema sein:

„Pourquoi vous la…?“, ist ein Fragenbeginn, den ich oft zu hören bekomme (auf Deutsch: „Warum … ihr da …?“). Und immer wieder versuche ich zu erklären, dass man Menschen nicht verallgemeinern sollte, und auch nicht alle z.B. wegen der Hautfarbe über einen Kamm scheren sollte.

Noch deutlicher empfinde ich Diskriminierung, wenn die Kinder auf den Straßen das Yovo-Lied singen: „Yovo, Yovo, bon soir! Ca va bien? Merci!“  („Weißer, Weißer, Guten Abend! Geht es gut? Danke!“), oder wenn man mich einfach nur mit „Le blanc“ (Der Weiße) anspricht. In den meisten Fällen ignoriere ich diese Leute einfach und manche ‚ändern dann tatsächlich ihre Anrede zu „Monsieur“ (Herr) oder sagen nur „bonsoir“, worauf ich sie natürlich auch freundlich Grüße. Wenn ich versuche, den Menschen zu erklären, dass ich das als unhöflich empfinde reagieren sie oft unverständig. Effektiver ist es da, „ameyboh“ (Schwarzer; keine Ahnung wie man das schreiben soll) zu antworten. Das lässt die meisten verstummen. Ich setze es allerdings nur bei Menschen ein, die ich zumindest etwas kenne.

Und auch das vorherrschende Bild von Europäern ist eindeutig: Er ist reich und verschenkt. Aus diesem Grund werde ich häufig angesprochen, ob ich nicht mein Fahrrad, oder Geld verschenken möchte. Ich habe nichts dagegen, einem Jugendlichen zu helfen, der die Zulassung zum Abitur nicht bezahlen kann, oder zwei Grundschulkindern, die ihre Eltern verloren haben und jetzt mehr oder weniger alleine leben, aber diese grundsätzliche Annahme, ich hätte Reichtümer, weil ich eine weiße Haut habe, finde abstoßend, auch wenn ich weiß dass ich nicht schlecht verdiene.

Übrigens glaube ich nicht, dass Lionel Zinsou eine Siegchance hat, denn „ein „Weißer“  kann Benin nicht regieren!“; so ähnlich sind diese Worte in der Geschichte wahrscheinlich auch schon gegen Schwarze gefallen und dann gab es Nelson Mandela oder Barack Obama.

Und natürlich möchte ich Deutschland nicht von Rassismus ausnehmen. Es gibt zwar Menschen, die sich total für Flüchtlinge einsetzen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch NPD, AfD und Pegida, die gegen ausländische Bürger hetzen. Ich denke dabei auch an den Fall des Priesters aus der D.R. Kongo, der in Oberbayern sein Amt aufgrund von Rassismus niederlegen musste.

Und ich glaube auch in vielen Menschen steckt ein „kleiner Rassist“: Wann wechseln wir eher die Straßenseite? Wenn uns nachts ein deutschaussehender Mensch, oder ein Mensch der aussieht, als hätte er Migrationshintergrund, entgegenkommt?

In diesem Sinne…

Liebe Grüße und bis bald

Lukas