Unterwegs in und um Dogbo

Elf Tage ist mein letzter Blogeintrag alt. Elf Tage voll mit Ereignissen; zu viele Dinge um den Blog zu verfassen. Eigentlich wollte ich das am Wochenende machen, aber das Leben hier ist geprägt von Spontanität. Schon kurz nachdem ich den letzten Blogeintrag veröffentlicht hatte, ging es weiter mit aufregenden Ereignissen:

Am Abend des 17.09. sollte eine Gruppe von „weitblick“ aus Deutschland ankommen. Als sie um 17:00 Uhr noch nicht hier im Projekt waren, stand ich vor der Entscheidung zu bleiben oder nach Hause zu gehen; die Entscheidung wurde mir aber durch den beginnenden Regen abgenommen. Also blieb ich hier! Nach dem kurzen Empfang und einem Austausch mit meinem Mentor Basile, der die Gruppe auf der Benin-Reise begleitet, ging ich dann aber nach Hause, denn mein Hund möchte schließlich etwas zu essen.

Basile erklärte mich zu seinem Assistenten und nahm mich zu einigen Programmpunkten mit. Der erste war der Besuch beim König von Dogbo am Freitag. Der Plan war, eine Fahrradtour zu seinem Haus zu machen, das in einem Ort ungefähr 6 km vom Projekt entfernt liegt. Doch davor mussten erstmal Fahrräder aufgetrieben werden, was sich schwerer als gedacht erwies. Als es dan losging, fuhren wir im Pulk über die Landstraße zum König. In dem Dorf liefen sofort alle Kinder zusammen, um die „Yovos“ zu bestaunen. Als der König zum Empfang bereit war, durften wir in sein Haus. Davor zogen wir die Schuhe aus und begrüßten den König dann auf die traditionelle Weise. Dafür geht man auf ein Knie und berührt dan mit der Hand den Boden, die Stirn, den Boden und die Brust. Danach durften wir uns hinsetzen. Der „Thronsaal“ war ein Zimmer in Wohnzimmergröße. An der Stirnseite saß der König auf einem Ledersessel, der auf einem Podest platziert war und an den beiden Seiten waren Sitzgelegenheiten aufgestellt. An den Wänden hingen verschiedene Bilder, unter anderem mit deutschen Reisegruppen und ein gemaltes Bild mit früheren Königen. Assistiert wurde dem König von einem jungen Mann, der wie ein Kammerdiener war. Während der Audienz hielt der junge Mann auch einen Regenschirm über den König; leider weiß ich nicht wozu, denn ich habe nicht nachgefragt, aber wenn ich das nächste Mal zum König gehe, werde ich mich dazu schlaumachen. Beim Koenig wurde uns zu Beginn Wasser angeboten, aber da ich nur das Mineralwasser trinke, habe ich nur den Ahnen etwas gegeben, indem ich etwas Wasser auf den Boden geschüttet habe; und natürlich wurde auch hier Sulabis ausgeschenkt. Jeder von uns Deutschen stellt sich dem König mit Namen vor und gibt ihm die Hand. Anschließend hält er eine kleine Lobeshymne auf die Arbeit von „weitblick“ in seiner Gemeinde. Zum Abschluss segnet uns der König noch, bevor wir zu einem Gruppenbild vor den Thronsaal gehen. Von einer Deutschen ist der König anscheinend besonders angetan, weshalb er ihr vorschlägt, dass sie bei ihm bleiben und Königin werden könnte. Die ganze Zeit, während wir empfangen werden, versuchen die Kinder von draußen etwas von dem Geschehen mitzubekommen.

In direkter Nachbarschaft des Königsortes befindet sich eine Quelle. Aus Rohren sprudeln unaufhörlich große Wassermengen an die Oberfläche. Die Leute waschen dort sich oder ihre Kleidung oder holen Trinkwasser für die Häuser. Nach dem Besuch an der Quelle fahren wir wieder nach Dogbo zurück, doch damit war der Tag noch lange nicht zu Ende…

Am nächsten Tag ist die Beerdigung des Vaters des Feinbäckers, dafür ist in der Nacht davor eine Totenwache. Als ich mich am Abend aufmache, um gegen Mitternacht aufmache, um mit den Bäckern zu der Wache zu fahren -natürlich in den Stoff für die Beerdigung gekleidet- fahre ich erstmal mit Basile und den Weitblickerinnen zum Schneider, denn am nächsten Tag ist auch noch eine andere Beerdigung und spontan müssen vier Kleider genäht werden. Ich beschließe , mir diesmal nur ein Oberteil schneidern zu lassen; entsprechend dem Stoff mit ganz vielen Euro-Zeichen, beschließe ich mir aber ein etwas protzigeres Oberteil schneidern zu lassen. Nachdem auch mein und Basiles Stoff beim (Herren-)Schneider gelandet ist, fahre ich mit Basile noch kurz zur Totenwache der anderen Beerdigung. Und ich muss mich auch noch Umziehen, denn was ich nicht wusste ist, dass der Stoff für die Beerdigung nur für das Fest ist. Umgezogen warte ich dann bei der Bäckerei auf den Aufbruch, wenn die Brotproduktion, die extra früher begonnen wurde, abgeschlossen wurde. Gegen 1:30 Uhr am Morgen geht es schließlich auf in den Nachbarort, in dem Agbe, der Feinbäcker, lebt:

Nach einer Motorradfahrt durch die Nacht, bei der mir zum ersten Mal hier kalt wird, kommen ich schließlich mit Tchedegnon und Jonas, zwei Bäckerlehrlingen, in Majire an. Die Zelte für den nächsten Tag sind bereits aufgestellt und obwohl es mittlerweile 2:00 Uhr ist, spielt die Musik auf voller Lautstärke. Wir erfahren auch, dass Agbe gerade losgefahren war, um uns zu suchen; wahrscheinlich war er auf dem Motorrad, dass wir unterwegs getroffen haben, aber aufgrund der Dunkelheit nicht genauer erkennen konnten. Wir begeben uns in den Innenhof: Viele Menschen sitzen erschöpft auf Stühlen, einige schlafen, nur eine Gruppe von Frauen singt und tanzt noch, wobei auch das schon recht erschöpft wirkt. Agbe kommt nach einiger Zeit und setzt sich zu uns. Gegen 3:00 Uhr kommt dann auch noch das Lieferauto der Bäckerei und bring die restlichen Lehrlinge mit. In dem Innenhof bilden wir gemeinsam einen „Singkreis“. Die Beniner singen und klatschen dazu in dem Dreier-Rhythmus, der oft hier angewandt wird. In der Mitte tanzen immer einige wechselnde Menschen. Auch ich werde in die Mitte befördert und versuche zur allgemeiner Begeisterung „afrikanisch“ zu tanzen, was mir nach meiner Einschätzung aber eher misslingt. Nachdem das Lied oder die Lieder beendet sind, gehen wir nach draußen in eines der Zelte, um dort zu tanzen. Die Musik spielt immer noch lautstark und alle tanzen enthusiastisch. Meine Kamera ist wie immer in beninischer Hand und so entsthehen recht viele Bilder. Gegen 5:00 Uhr gehen wir dann wieder. Auf dem Weg müssen wir aber noch das Brot für den nächsten Tag ausliefern. Dafür halten wir bei den Häusern und hupen so lange, bis jemand rauskommt oder manchmal auch nicht. Gegen 7:00 kommen wir dann endlich bei prodogbo an und ich gehe mit einem frischen Brot unter dem Arm zu meinem Haus, in dem ich mich erschöpft etwas hinlege, um zu schlafen.

Viel Zeit bleibt dafür aber nicht… Um 11:00 Uhr breche ich bereits wieder auf, wieder mit dem Stoff der Beerdigung. Als ich mich gerade auf den letzten Metern befinde, treffe ich auf den Bus mit der deutschen Reisegruppe und Basile, die sich auf dem Weg zu einer neuen Schule befinden, die „weitblick“ gebaut hat. Spontan fahre ich mit. An der Schule steht ein neues Gebäude, dass noch ganz frisch gestrichen riecht. Auf dem Gelände steht auch noch ein altes Schulgebäude, das aussieht, wie das Klischee einer afrikanischen Schule: Das Grundgestell besteht aus dünnen Holzstangen, das Dach ist mit rostigem Wellblech gedeckt und die Wände bestehen teilweise nur aus Ästen mit Blättern und der Boden ist einfach Erde. Allerdings baut weitblick „nur“ eine Hälfte des Komplexes, um der Kommune einen Anschub zu geben.

Nach der Rückkehr zu prodogbo sammeln sich dort langsam alle Mitarbeiter, um gemeinsam mit dem Bus nach Majire zur Zeremonie zu fahren. Wie immer ist der Bus natürlich überbelegt und so finde ich mich mit drei anderen Männern auf der hinteren Rückbank wieder; vor uns sitzen sogar fünf Menschen auf der Bank, nur vorne sind die Plätze normal belegt: dort sitzen der Fahrer, der Präsident der NGO und der Kassierer. Wir halten auch unterwegs nochmal an, um die Speisen fuer das Fest mit. Auf der Fahrt wird mir unglaublich warm und ich bin froh, als ich nach der Ankunft endlich wieder die frische Luft spüre und die Hitze etwas gemindert wird. Wir werden als Gruppe von prodogbo an einer längeren Tafel positioniert und umsorgt. Nachdem als erstes Rhum Whiskey angeboten wird, werden Wasserbeutel gebracht, die gekühlt und daher sehr angenehm sind. Danach beginnt das „Festmahl“: Der erste Gang besteht in einem Eintopf mit Linsen(?), der nach einem deutschen Kartoffeleintopf schmeckt, ein wohltuendes Gefühl… Der nächste Gang ist Reis mit Hühnchen oder Hase -genau kann ich das nicht sagen- und zum Abschluss gibt es Pâte mit Fisch. Dazu gibt es Bier, bzw. Limonade zu trinken. Im Verlauf des Fests kommen immer mehr Leute dazu und im Hintergrund bleibt konstant laute Musik. Während des Essens zieht eine Blaskapelle vorbei und als Entlohnung kann man Geld auf ein Bild des Verstorbenen legen, dass ein Junge voraus trägt. Bevor wir wieder aufbrechen, gebe ich Agbe auch noch mein Geschenk, denn so ist das hier üblich. Die Rückfahrt verbringen wir wieder in der gleichen Konstellation im Bus, es ist aber noch heißer, da die Sonne die luft erwärmt hat und alle mit vollem Bauch zurückfahren. Nach der Rückkehr zu prodogbo begebe ich mich schnell nach Hause, um in meinem Euro-Hemd dann zu der anderen Beerdigung zu gehen. Dort treffe ich auch wieder auf die deutschen Studentinnen; allerdings bleibe ich nur kurz, bevor wir wieder aufbrechen. Auf dem Rückweg werden wir von vielen Menschen angesprochen und viele kennen mich auch bereits, aber ich erkenne viele nicht. Ein Mann sagt mir sogar, er werde seinen nächsten Sohn Lukas nennen.

Aus den elf Tagen sind mittlerweile 13 Tage geworden, weshalb ich jetzt erstmal dieses Update hochlade. Der Rest wird auch kommen, aber irgendwie finde ich nie so richtig viel Zeit zum schreiben. So viel sei veraten: Am nächsten Wochenende werde ich in Cotonou sein, denn die deutsche Botschaft veranstaltet ein Fest zum Tag der deutschen Einheit.

Liebe Grüße und bis bald

Lukas

P.S. Auf der Facebook-Seite veröffentliche ich immer wieder neue Bilder, also immer wieder vorbeischauen lohnt sich 😉 :

https://www.facebook.com/lukasinbenin