Wohin geht bloß die ganze Zeit?

Mit Blick auf den Kalender habe ich am Montag überrascht festgestellt, dass ich jetzt schon über einen Monat in Dogbo bin. Ich habe viel erlebt und die Zeit kam mir eher vor, wie zwei Wochen. Mittlerweile gehe ich auch auf Markt und kaufe mir dort abwechslungsreichere Lebensmittel. Und natürlich lerne ich auch Schritt für Schritt, diese zu verarbeiten.

Eigentlich wollte ich das schon im vorletzten Blog erwähnen, aber ich habe es immer wieder vergessen… Meine Wäsche hier wasche ich mit der Hand. Am Anfang war es noch ziemlich kompliziert und viele hier fanden es komisch, dass ich das noch nicht konnte. Aber ich habe mittlerweile gelernt, wie es geht, und bin schon recht schnell darin. Rückblickend bin ich aber auch froh, dass ich genug Wäsche mitgebracht habe, um in den ersten zwei Wochen nicht waschen zu müssen. Das Einzige, was ich kompliziert finde, ist weiße Wäsche wieder sauber zu waschen, zum Beispiel wenn das Deutschlandtrikot nach einem Fußballspiel vor Staub fast braun ist.

In der vergangenen Woche habe ich Johanna bei einem Workshop für GrundschullehrerInnen unterstützt. Johanna ist gerade mit ihrem Lehramtsstudium fertig geworden und hat in Kooperation mit “weitblick” diesen Workshop angeboten. Dabei ging es hauptsächlich um den Vergleich und Austausch von Methoden. Für mich war es interessant, dadurch auch einen Einblick in das beninische Schulsystem zu bekommen und das deutsche System mit seinen Methoden aus einem neuen Bickwinkel zu betrachten. Um den Lehrern den deutschen Alltag etwas näher zu bringen, hatte Johanna ein Video von einer deutschen Schule dabei, auf das ich mit einem Lehrer ein Antwortvideo über das Leben in Benin drehen werde.

Am Freitag habe ich mit Johanna dann ein Tauffest veranstaltet, denn wir haben beide einen Spitznamen bekommen. Mein “neuer Name” lautet: “Tontulu-ngonu”. So in etwa spricht man das aus, denn Adja hat keine Rechtschreibregeln. Übersetzt bedeutet dieser Name “Stirn eines Truthans”. Warum auch immer ich diesen Namen trage…? Für das Tauffest haben wir uns überlegt, dass es etwas Deutsches zu Essen geben sollte. Letztendlich fiel die Wahl auf Schweinebraten. Diesen habe ich zusammen mit Edho, dem Konditor, in der Backstube zubereitet. Obwohl die Zubereitung dadurch etwas erschwert wurde, dass wir viele kleine Stücke statt einem großen Stück zur Verfügung hatten, hat es ziemlich gut geklappt. Am Fleisch war außer der Stückgröße ungewöhnlich, dass z.B. noch einige Zähne mit dabei waren. Sehr überrascht habe ich die Leute dadurch, dass ich Bier in die Soße zugegeben habe. Wir haben das Fleisch auf zwei tieferen Blechen mit der Schwarte nach oben in den großen Bäckereiofen geschoben. Das Fleisch hat zumindest deutsch gerochen; der Geschmack war eher beninisch-deutsch, wie ein etwas anderer Schweinebraten. Dazu haben wir Yamsknollen besorgt und diese wie Pommes frites geschnitten und frittiert. Die Meinungen zu dem etwas anderen Essen klangen in etwa so: ”Das Fleisch war gut, aber die Soße war nicht so mein Fall.” Als Nachspeise haben wir eine Herrencreme und einen Schoko-Sahne-Pudding gemacht. Sahne und Milch ist hier ziemlich teuer und so könnte man eigentlich von einem Luxusdesert sprechen. Der Schokopudding war allgemein beliebt und wurde gleich an Ort und Stelle verschlemmt. Von der Herrencreme war noch etwas übrig und der Wächter hat diese in das Gefrierfach. Am nächsten Tag hat er sie dann als Brotaufstrich verwendet und es „hat sehr gut geschmeckt“ 😀 .

Am nächsten Tag ging es für mich dann zur ersten Beerdigung in Benin. Die Familie des Verstorbenen hatte einen Stoff ausgesucht. Den habe ich gekauft und habe mir einen afrikanischen Anzug schneidern lassen. Gemeinsam mit Klaus, Johanna und Basile bin ich zu dem Ort gefahren, an dem die Beerdigung stattfinden sollte. Dort war ich als Erstes überrascht von der Stimmung. Alle waren fröhlich und die Atmosphäre lässt sich am besten mit einer kleinen Kirchweih vergleichen. Der Einzige etwas bedrückte war der Sohn des Verstorbenen. Wir wurden zu einem Tisch unter einem Zeltdach gebracht, an den wir uns setzen sollten. Dort wurde uns als erstes ein Glas Sulabis gereicht. Das ist beninischer Whiskey und man kriegt ihn eigentlich bei Jedem zur Begrüßung gereicht. Danach wurde Bier in kleinen Flaschen gebracht und auch zu Essen gibt es etwas. Nach der Stärkung gingen wir dann zum Grab, das einfach zwischen den Häusern lag. Allerdings wurde der Mann nicht erst an dem Tag beigesetzt, sondern war schon etwas bestattet, der Termin für die Feier wird aber so gelegt, dass möglichst viele Angehörige Zeit haben. Danach wurde noch eine Runde Getränke gebracht, bevor wir uns wieder verabschiedeten. Viele Andere bei dem Fest trugen Kleider aus dem gleichen Stoff, wie ich. Nach dem Fest ging es mit der kleinen Gruppe dann noch weiter in eine Bar und beendet wurde der Abend schließlich in einer kleinen Diskothek.

Ich bin gespannt, was noch so auf mich zukommt und hoffe das die Zeit weiterhin wie im Fluge vergeht, denn dann ist es am schönsten.

Liebe Grüße und bis dann

Tontulu-ngonu

P.S. Bilder gibt es hier

https://www.facebook.com/lukasinbenin