Endlich erste Grüße aus Sucre!

5. Okt 2014 | von | Kategorie: Freiwillige 2014/15, Theresa Kuhl in Bolivien

Endlich erste Grüße aus Sucre!

Nachdem ich nun schon über 50 Tage in Sucre bin, wird es jetzt wirklich Zeit euch ein wenig von meinen angehäuften Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten.

Nach ca. 30h Flug bin ich also am 14.August am sehr überschaubaren Flughafen in Boliviens Hauptstadt Sucre gelandet. Die lange und doch sehr anstrengende Reise führte Josi, eine andere Freiwillige aus La Paz/El Alto und mich über die Flughäfen von London, Miami und La Paz.

In Sucre angekommen nahm ich die wunderschöne Sicht auf die Berge und die ersten vielen neuen Eindrücke der Stadt leider nur sehr übermüdet wahr. So brauchte ich einige Stunden um mich zu erholen und mein Kopf und Magen wieder einigermaßen normal funktionieren zu lassen. Erst am nächsten Tag war ich wieder zu gebrauchen, konnte meine Arbeitsstelle besichtigen und mir die ersten Namen versuchen zu merken.

Bis Ende Juli 2015 arbeite ich in der Escuela Taller de Integracion. Eine integrative Einrichtung zu der eine Schule mit ca. 200 Schülern gehört, ein Kindergarten (Guarderia), in dem ziemlich viele kleine aufgeweckte Kinder auf verhältnismäßig engem Raum die Erzieher (Tias = Tanten) auf Trab halten. Ebenso gibt es eine Residenz, in der Menschen verschiedenen Alters mit unterschiedlichsten Behinderungen leben, essen und wohnen, einen Bereich der Physiotherapie, Nähwerkstätten, eine Bäckerei und das Centro integrado para niños’ (cin), ein Raum in dem bis zu 10 Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen separat betreut werden (müssen). Platz zum Austoben gibt es im ETI auf dem überdachten Asphaltplatz, wo auch der Sportunterricht der Schule stattfindet.

Bisher hatte ich die Gelegenheit die verschiedenen Bereiche der Einrichtung kennenzulernen. Die letzten Wochen war ich oft unten in der Residenz, in der, außer den Bewohnern, vormittags auch die Kinder die erst am Nachmittag zur Schule gehen, ihre Hausaufgaben machen oder spielen. Ich helfe dann bei Rechenaufgaben oder beim Lesen und Lernen der Vokale. Mit einem Mädchen habe ich neulich versucht, die vielen Wörter die sie lernt zu schreiben, auch zu lesen bzw. auszuprechen . Das war nicht nur für das Mädchen etwas anstrengend. 😉 Nachmittags war ich bisher im ‘Sala de tarea’ , wo ich (teilweise konzentrationsschwache) Kinder bei ihren Hausaufgaben unterstütze.

Und wenn’s mal keine Hausaufgaben gibt, wird zB. Obstsalat gemacht! Und alle helfen mit! Letzte Woche habe ich mit den Jungs Dinosaurier und Clowns gefaltet, als sie mit den Hausaufgaben fertig waren. Und noch einen. Und noch einen. 🙂

Seit Anfang September ist außer mir noch Larissa, eine andere Freiwillige aus Deutschland, im Projekt. Momentan wohnt sie bei mir nebenan, sodass wir vieles hier gemeinsam machen. Morgens geht’s um 8 zum Bus und von 8.30 – 17.00 Uhr arbeiten wir, wobei uns nach dem Mittagessen noch eine kleine Mittagsruhe gegönnt ist. 😉

Seit der zweiten Woche hier in Sucre, besuche ich 2-3x in der Woche einen Spanischkurs, um meine Sprachkenntnisse schnellstmöglich zu verbessern. Mittwochs kochen wir in der Sprachschule leckere typisch bolivianische Gerichte. Das macht zwar viel Spaß, jedoch bereitet mir das Essen hier auch noch nach 7 Wochen, neben viel mehr!!! Appetit und Hunger als Zuhause, leider auch oft noch Bauchschmerzen. Das sollte noch besser werden.

Nachdem ich meine erste Woche hier im ETI gewohnt hatte, lebe ich jetzt in einem netten Apartment, eher im Zentrum der Stadt, in dem ich ein kleines Zimmer, ein Bad und eine Küche versuche sauber zuhalten.

Das Wetter hier auf 2700 Metern ist so angenehm wie abwechslungsreich. Die Temperaturen liegen hier um die 20 Grad und die Sonne brennt. Ist es aber bewölkt oder die Sonne geht in Rekordzeit unter, wird es jedoch auch schnell wieder frisch. Momentan beginnt hier die Regenzeit, weswegen es sich oft lohnt die Regenjacke einzupacken, auch wenn morgens noch die Sonne knallt.

Die 2700 Höhenmeter hier merke ich, wenn ich schon bei den kleinsten Anstiegen nach Luft schnappe, oder auch beim Fangespielen mit den Kindern ziemlich schnell alle bin. 😀

Während es in Deutschland jetzt herbstlich wird, ist hier seit dem 21.September offiziell Frühling, was natürlich ein Grund zum Feiern war. Dieser Tag ist gleichzeitig der Tag der Schüler, der Liebe und der Freundschaft. Im ETI feierten wir diesen Tag am Freitag schon mal vor, wofür wir in der Bäckerei über 400 Muffins gebacken hatten und Larissa und ich die dazugehörigen 400 kleinen Fähnchen bastelten und 400x ‘Felix dia de la Amistad’ ( Amistad = Freundschaft) geschrieben haben. Ansonsten wurde an diesem Tag viel getanzt und die Sportlehrer lieferten ihren Schülern spektakuläre Purzelbäume. Für die kleineren Kinder kam am Nachmittag der Clown und faszinierte mit jonglierenden Bällen Süßigkeiten und viel Konfetti.

Das erste große Fest allerdings was ich hier in Sucre miterleben und mitfeiern durfte, war das Fest zu Ehren der Jungfrau von Guadelupe  (“Dia de la Virgen de Guadelupe“) welches hier von Freitag-Sonntag (12.-14.9) mit einer Entrada mit sehr sehr vielen verschiedenen Tanzgruppen gefeiert wurde. Schon an den Abenden zuvor wurde in der Stadt geprobt und im ETI wurden seit Monaten für die größte Tanzgruppe der Stadt die bunten Kostüme genäht. An meinen ersten Tagen hier, half ich auch mit die Kostüme von den letzten Fäden zu befreien und alles einzupacken.Auch das ETI studierte mit den Schülern und Lehrern einen Tanz namens “Tarqueda“ ein. Dabei tanzten die Mädchen und Frauen in ebenfalls sehr bunten Kostümen und die Jungs spielten dazu auf Trommeln und Panflöten die Musik. Auch Larissa und ich übten mehr oder weniger die Tanzschritte mit und so standen auch wir am Freitag bunt angezogen, mit geflochtenen Zöpfen und ziemlich stark geschminkt am Treffpunkt, wo die Entrada starten sollte. Die Sonne brannte und sogar einige Bolivianer benutzten an diesem Tag Sonnencreme. 😉  Dann tanzten wir, mit kleinen Trinkpausen, ca. 4h durch die Straßen in Richtung Innenstadt. An den Straßenrändern standen Menschenmassen, jubelten den Tänzern zu, klatschten mit und machten viele Fotos.  Der Umzug endete an der Plaza, an einem Bild der “Virgen de Guadalupe”. Auch wenn ich am Ende fix und alle war und mir die Füße wehtaten, war es ein tolles Erlebnis was mir viel Spaß gemacht hat.

Am Samstag begann der Umzug mit dem Bild der ‘Virgen ‘ vorneweg. Dann tanzten von früh bis spät in die Nacht noch viel mehr Gruppen unterschiedliche Tänze in den tollsten Kostümen. Der Zeitplan, der ohnehin sehr vollgepackt war, verschob sich dann noch nach hinten, da das Wetter an diesem Tag leider nicht auf der Seite der Tänzer war und es oftmals regnete. Wir saßen an diesem Tag mit den Leuten aus der Residenz viele Stunden an der Straße und übernahmen heute mal die Rolle der Zuschauer. Alle warteten gespannt darauf, dass die Tänzer der Atipay vorbeikamen und wir die genähten Kostüme in Aktion sehen konnten.(Bild in der Mitte) Auch am Sonntag wurde in der Stadt noch getanzt, sodass die Trommelschläge bis zu meiner Wohnung zu hören waren. Abends erleuchteten an diesem Wochenende die schönsten Feuerwerke den Nachthimmel der Stadt. Alles in Allem 3 sehr eindrucksvolle und spektakuläre Tage.

Jetzt wisst ihr also wo ich lebe, arbeite und wohne und was sonst noch interessantes hier auf der anderen Erdhalbkugel passiert. Mir geht’s hier sehr gut und nach den ersten Wochen der Eingewöhnung und Orientierung, habe ich mittlerweile mit großer Vorfreude realisiert, dass ich hier bis zum nächsten Juli sein werde. Mein nötiges Visum habe ich nach dutzenden gesammelten Dokumenten und deren ‘fotocopias’ und unzähligen Besuchen in Banken, den skurrilsten Büros der Polizei, Ärzten und Krankenhäusern endlich erhalten.

Nachdem ich bei meiner Ankunft sehr herzlich empfangen wurde, sind die Leute auch jetzt noch freundlich und hilfsbereit. 😉 Ständig und überall fällt ein „Hola, como estas?“ (Hallo, wie geht’s?) Auch wenn dann keine Antwort erwartet wird, verbreitet es hier trotzdem Herzlichkeit unter den Leuten.

Die Zeit rennt, ich hoffe Ihr seid auch alle wohl auf und an alle Erstsemester Zuhause einen guten Start ins Studium!

Es grüßt Euch, Theresi

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Ein Kommentar
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  1. Liebe Theresa,
    habe neulich schon Deinen Blogeintrag gelesen, jetzt nach weiteren News Ausschau gehalten, abe rleider keine gefunden…habe heute grad einen Brief an Dich zur Post gebracht- 7-8 Tage mindestens könnte er unterwegs sein…mal sehen, wie lange dann wirklich?!
    Kannst Du auch hierüber mit mir “kommunizieren”?
    Liebe Grüße!
    Sabrina

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