Vieles ist anders!

Seit einigen Wochen habe ich neue Mitbewohnerinnen. Es sind vier Studentinnen aus Amsterdam, die ihre Bachelor-Arbeit über das Projekt und die Kinder schreiben und zu diesem Zwecke sechs Wochen Untersuchungen hier vor Ort machen. Es ist super schön Gesellschaft zu haben und endlich habe ich mal die Gelegenheit wirklich aus dem Projekt herauszukommen, da wir uns für zwei Wochen ein Auto gemietet haben.

Hier sind wir in einem Löwenpark in Johannesburg!
Hier sind wir in einem Löwenpark in Johannesburg!

Durch meine neuen Mitbewohnerinnen ist mir aufgefallen, dass viele Dinge, die für sie neu und verwunderlich sind, für mich schon zur Normalität geworden sind.

Supermärkte sind riesig hier. Man kann von Dr. Oetker bis zu deutschen Salzstangen  wirklich  alles kaufen. Manchmal ist man von dem Warenangebot so überfordert, dass man sich wirklich fragen kann, wer braucht das ganze Zeug?  In meiner wirklich kleinen Stadt, gibt es alleine sieben riesige Supermärkte, was allerdings daran liegen kann, dass hier in der Umgebung eine Menge Townships liegen und niemand wirklich einschätzen kann, wie viele Menschen hier wirklich leben.

Liquor-Stores. Alkohol wird nicht in den Supermärkten verkauft, sondern in Getränkemärkten neben den Supermärkten. Noch verwunderlicher als die Größe der Supermärkte finde ich eingentlich die Größe von den Alkohlgeschäften, aber auf Nachfrage wurde mir nur gesagt, dass eine Menge Alkohol zu der Kultur dazugehört.

Verkehr. Durch die Weltmeisterschaft hat sich die Infrastruktur in Südafrika enorm verbessert. Es wurden neue Autobahnen gebaut, die zum Start der WM zwar noch nicht fertig waren, von denen die Menschen aber jetzt profitieren können. Um die Autobahn zu benutzen, muss man eine Maut bezahlen, die mit 27 Rand (2 Euro), die Autobahn zu einem für viele Südafrikaner unmöglich benutzbaren Verkehrsweg macht. An Kreuzungen gibt es kein Rechts vor Links, sondern die Regelung ,,First comes, first goes“, das heißt, dass derjenige, der an der Kreuzung zuerst zum Halten gekommen ist, als Erster fahren darf. Am Anfang ist das etwas irritierend, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran.

Öffentliche Verkehrsmittel gibt es für mich nicht. Zwar fahren Minitaxen und Busse, aber als Weiße wird einem strengstens davon abgeraten, diese zu benutzen, was mich natürlich sehr in meiner Bewegung einschränkt, da ich im Moment noch kein Auto fahren darf. Allerdings ist die einzige Möglichkeit aus Sizanani herauszukommen ein Auto!

Shoppen. Es gibt keine Fußgängerzonen oder ähnliches, wenn man in Südafrika Bummeln möchte, muss man in ein Einkaufszentrum fahren. Diese sind riesig und auch wirklich gut bestückt. Allerdings ist das nächste Center von mir aus in Pretoria und damit ungefähr 50 Minuten Autofahrt entfernt.

Gewitter. Ich würde niemandem empfehlen, der in irgendeiner Weise Angst vor Gewittern hat, nach Südafrika zu kommen. Gerade im Sommer fängt es gegen Abend fast immer an zu stürmen und zu gewittern. Diese Gewitter sind so heftig, dass sie zur Folge haben, dass wir auch an vielen Abenden keinen Strom haben, also müssen wir uns immer beeilen, vor der Dämmerung zu kochen und alles zu erledigen, was in irgendeiner Weise Strom benötigt.

Geschwindigkeit gibt es in Südafrika nicht. Man muss auf ALLES warten. Gestern haben wir geschlagene 50 MInuten in der Post gewartet, weil der Postmann, diese Zeit benötigt hat um ganze sechs Briefe mit Briefmarken zu bestücken. Mir fällt es immer noch häufig schwer nach einer gewissen Zeit meine Ungeduld und auch meine Wut herunterzuschlucken.

Jobs. In Südafrika gibt es eine Menge Berufe, die man für recht sinnfrei halten kann, dabei aber vielen Menschen aus der Abeitslosigkeit helfen. Es gibt den ,,Benzin-in-den-Tank-Einfüller“, die ,,Tüten-im-Supermarkt-Packer“, die ,,Parkschein-in-den-Automaten-Schieber“ und die ,,Auf-dein-Auto-Aufpasser“.

Wasser. Das Leitungswasser in Südafrika ist so sauber, dass man es ohne Probleme trinken kann, was sehr angenehm ist. Sprudelwasser ist dagegen wirklich unglaublich teuer, man bezahlt fast 2 Euro pro Liter, was Sprudelwasser zu einem wirklichen Luxusgut macht.

HIV/Aids. In unserem Heim ist die Rate der Kinder, die von der Krankheit betroffen sind, zum Glück gering, was allerdings daran liegt, dass die Kombination aus HIV und einer schweren Behinderungen häufig nicht zu einem langen Überleben führt. Eine Sache, die mich sehr schockiert hat und auch immer noch häufig schockiert, ist, dass viele Menschen hier glauben, von Aids geheilt zu werden, wenn man mit sechs Jungfrauen schläft. Dieser Glaube macht erschreckend viele kleine Mädchen zu Opfer von Missbrauch. Dieser Hexenglauben geht so weit, dass einige Menschen glauben, geheilt zu werden, wenn man mit behinderten Menschen und am besten Jungfrauen schläft. Das Resultat aus dieser Überzeugung ist wirklich erschreckend und es ist manchmal wirklich schockierend, mit welcher Normalität Menschen hier mit der Vergewatigung von Kleinkindern umgehen.

Insekten sind überall und gerade Mücken machen mir das Leben schwer. Zum Glück ist Malaria hier kein Thema, aber die Anzahl meiner Mückenstiche ist wirklich unglaublich nervig. Insekten erreichen außerdem ungefähr die fünfache Größe von den Insekten in Deutschland, was es allerdings einfach macht sie zu finden.

Mode. Man muss sagen, der Modegeschmack hier unterscheidet sich sehr zu dem in Deutschland. In großen Städten sieht man zwar keinen Unterschied, aber hier auf dem Land muss ich mir manchmal wirklich ein Lachen verkneifen. Wenn man Abends in einen Pub geht, tragen Männer in der Regel Trainingshosen oder Hotpants und dazu Adiletten mit weißen Tennissocken. Die Frauen gehen nach der Regel: ,,Egal wie oder was, ich trage Größe XS“, was wirklich häufig zum Schreien aussieht.

Tanzen. Ich habe bis jetzt drei Arten des Ausgehens hier kennengelernt. Zum einen gibt es die typischen Clubs, in denen man einfach tanzt wie man lustig ist, es gibt den afrikanischen Weg des Tanzens, der für mich unmöglich nachzumachen ist, obwohl ich es wirkich gerne können würde und eine Tanzart, die glaube ich typisch Bronkhorstspruit ist. Alles hier ist ein bisschen zurückgeblieben, so wird man als Mädchen richtig zum Tanzen aufgefordert, was ich davor wirklich noch nicht kannte. Leider mussten meine Mitbewohnerinnen und ich feststellen, das wir wirklich nicht so tanzen können und uns nur auf der Tanzfläche blamieren werden, also haben wir uns in eine Ecke gesetzt und dem bunten Treiben zugesehen.

Schuluniformen. In Südafrika gibt es Schuluniformen und sogar unsere Jungs, die zu Schule gehen, müssen sie tragen. Das Problem ist, dass keiner hier wirklich diese Uniformen bezahlen kann, da sie sehr teuer sind und die Kinder, die aus den Townships kommen um hier auf die Sonderschule zu gehen, häufig von ihren Elternt zu Hause behalten werden, da diese die Uniform nicht bezahlen können.

Im Moment steht hier alles auf den Vorbereitungen der Weihnachtsfeier, die schon am 6. Dezember stattfindet. Die Weihnachtsdekorationen wurden heute angebracht und ich muss sagen, dass sie zum größten Teil sehr geschmacklos sind. Kunstschnee, Lametta und Bling-Bling sind doch etwas zu viel für mich bei ungefähr 35 Grad, ein Weihnachtsgefühl kommt da gar nicht bei mir auf! Ich freu mich aber, dass ich morgen anfange, mit den Kindern ein Krippenspiel zu proben, wobei ich gar nicht einschätzen kann, inwieweit das möglich ist. Nur eines weiß ich mit Sicherheit: dass die Kinder immer für eine Überaschung gut sind.