Meine erste Woche

17. Aug 2013 | von | Kategorie: Freiwillige 2013/14, Johanna Reichelt in Südafrika

Nun bin ich schon mehr als eine Woche hier und habe euch viel Neues zu erzählen.

Also von Anfang an ….

Letztes Wochenende war ich in einem Museum über die Ursprünge Afrikas und der Menschheit, die ja in Afrika liegen, und in dem Apartheidmuseum. Somit war ich datentechnisch schon mal ein wenig mehr gerüstet!

Seit Montag arbeite ich nun in meinem Projekt und lerne jeden Tag neues Vokabular, neue Verhaltensregeln und vor allem neue Leute kennen.

Gleich am ersten Tag musste ich auf „grade 4“ (4. Klasse) aufpassen, was ziemlich anstrengend war. Es ist wohl eine der lautesten Klassen und dann auch noch auf Englisch die Kinder in Schach halten. Keine leichte
Aufgabe! An den anderen Tagen habe ich im Büro gearbeitet und die Noten in die Berichte von den Kindern eingetragen. Zwischendurch kamen immer mal Eltern, die ihr Kind für das Three2Six–Projekt für nächstes Jahr registrieren wollten oder die  Kinder selbst hatten irgendwelche Fragen. Sogar ehemalige Kinder kamen zum Helfen.
Wie man hört,  war im Büro immer irgendwas los.

Zur südafrikanischen Pünktlichkeit
Ich sollte am Montag 9:30 Uhr abgeholt werden um zur Arbeit gebracht zu werden. Der Fahrer kam dann ganz gemütlich 9:50 Uhr und ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass ich irgendwas falsch verstanden habe. Ich muss mir wohl noch ein wenig Gelassenheit antrainieren. 🙂
Mir wurde auch gleich neues Vokabular beigebracht:
just now = irgendwann, kann in den nächsten 24 Stunden sein
now now = bald, kann in 3 Minuten oder aber auch in 3 Stunden sein

Zu den Temperaturen habe ich in meinem letzten Blogeintrag geschrieben, dass es draußen recht warm für die Jahreszeit Winter ist. Nun muss ich aber hinzufügen, dass es in den Häusern und in meinem Büro super kalt ist. Die Häuser sind quasi gar nicht isoliert und Heizungen sucht man vergeblich. Stellt euch also vor, ihr müsstet bei 12°C schlafen und arbeiten. Ein Glück gibt es in meinem Schlafzimmer einen winzigen „heater“ (Mini-Heizgerät), so kann ich wenigstens ordentlich schlafen. Einige Südafrikaner laufen aber dennoch mit
Ballerinas herum und tragen einfache Sweatshirts. Irgendwas mache ich wohl falsch!

Am Montag und Dienstag habe ich Abendbrot bei Esther gegessen. Esther ist quasi meine Chefin im Projekt, sie managt wirklich alles und ist meine Ansprechpartnerin Nummer 1. Es waren zwei wirklich schöne Abende. Die Familie ist super nett und hat mich gleich willkommen geheißen. So wurde ich auch gleich zur Kirche am Sonntag eingeladen. Da die Familie eigentlich aus Ruanda kommt, lerne ich mehrere Kulturen gleichzeitig kennen. Am Montag wurde mir dann auch ihr Bild von uns Deutschen beschrieben: Mülltrennung, Recycling und Kartoffeln essen. Jetzt ratet mal, was es am Dienstag für Essen gab … Kartoffeln. 🙂

Mein neues Zuhause
Ich wohne jetzt für eine Woche zusammen mit Jessica auf dem Schulgelände in dem Haus von dem Direktor, der im Urlaub ist. Kompliziert! Es ist schon etwas gruselig, dass man überall Gittertüren hat und die Leute einem sagen, dass man die auch ja zumachen sollte. Wenn man bei Dämmerung durch die Straßen läuft, wechselt man öfters mal die Straßenseite und man wird immer von einer männlichen Person begleitet. Man sieht viele hohe Mauern, super viel Stacheldrahtzaun und oft auch noch Security. Aber trotz alledem kann man sich am Tag in vielen Stadtteilen frei bewegen.

Gestern wurde ich von Jessica zum Abendbrot mit ihrer Familie eingeladen. Es war ein echt spannender Abend und ich habe wieder ein paar neue Leute kennengelernt. Heute habe ich Jessica zur Witwaters-University begleitet und gleich neue Kontakte mit ihren Kommilitonen geknüpft. Danach ging es zu einem Markt mit den verschiedensten Essensrichtungen und dann habe ich Jessica beim Tennisspielen zugeschaut.

Noch ein paar Sätze zu meinem Projekt:
Three2Six (oder 326) ist ein Schulprojekt für Flüchtlingskinder hier in Südafrika. Diese Kinder können nicht in eine normale Schule gehen, weil sie meist keine Papiere haben und auch nicht so viel Geld, um sich die Schulsachen und Schuluniformen zu leisten. Damit die Kinder aber nicht mehrere Jahre keine Schulbildung haben, wurde dieses Projekt eingerichtet. Es dient also nur zum Übergang und geht von Klasse 1 bis 6. Das Projekt findet auf dem Schulgelände vom Sacred-Heart-College statt und findet, wie der Name schon sagt, von 15 bis 18 Uhr statt, nachdem die normale Schule beendet ist. Die Wartelisten sind lang und viele Kinder können anfangs kein Englisch. Die Kinder werden mit kleinen Bussen von der Umgebung abgeholt und vor Einbruch der Dunkelheit wieder zurück gebracht. Die Busse sind für ca. 25 Personen ausgelegt und es ist schon erstaunlich zu sehen, wie dort eine Horde von ca. 40 Kindern rausgerannt kommt. Jeden Tag bekommen die Kinder auch Essen und Trinken, was für manche Kinder auch die einzige Mahlzeit am Tag ist. Ich arbeite hier von 10 bis 18 Uhr und helfe im Büro und auch ab zu in den Klassen.

Der Eintrag ist wohl ein bisschen länger geworden als gedacht, aber ich hoffe, ihr seht hier durch und könnt mir folgen. 🙂
Eigentlich wollte ich auch Bilder beifügen, aber das Internet ist wohl zu langsam um sie hochzuladen. Ist ja auch schon spät!

Nicht zu vergessen, die meist benutzten Worte sind hier:
How are you? Egal wen, wann, wo, ob am Telefon oder beim Einkaufen – das sind immer die ersten Worte. Also ein sehr freundliches Land, wodurch aber schon Kleinigkeiten etwas länger dauern. Es ist aber auch ein guter Start in ein neues Gespräch, weshalb ich es auch schon automatisch gebrauche.

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4 Kommentare
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  1. Liebe Johanna,
    das hört sich ja aufregend an. Aber es schein Dir auch gut zu gefallen und jede Menge Leute, so dass Du immer Gesellschaft hast.
    Wir wünschen Dir eine gute zweite Woche und nun muss ich so langsam mich fertig machen zur Kirche.
    Liebe Grüße von den Bergmännern

  2. Hallo Johanna, wir haben heute deine Seiten gelesen. Wir sind gerade in Lillehammer bei 13 Grad und ganz viel Regen. Kannst Du eigentlich auch zur Studentengemeinde gehen?
    Liebe Grüße Rita und Thomas

  3. Liebe Johanna,
    das klingt alles recht spannend und aufregend.
    Vielen Dank für die vielen Infos.
    Gerne lese ich mehr davon!

    Alles Gute!
    wolfgang

  4. Hi Johanna
    endlich bin ich mal dazu gekommen mir einige deiner Beiträge anzuschauen 🙂

    How are u? ja das kenn ich! dienst meist nur der Höflichkeits halber und es wird oft erwartet das man mit “fine” antwortet anstatt seine komplette Lebensgeschichte preiszugeben!
    Da hast du ja bisher schon ordentlich was erlebt und viele Bekanntschaften geknüpft – so wie sich das anhört!
    Schreib weiter und mach viele Bilder!

    Liebe Grüße, Franzi

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