Feliz navidad auf Bolivianisch

Ich glaube, Weihnachten war eines der Feste, auf das ich am meisten gespannt war, als ich noch zu Hause in Deutschland über meinen Auslandsaufenthalt nachgedacht habe. Und nun war plötzlich schon Mitte Dezember, es galt 1000 Weihnachtsgeschenke zu kaufen und sich ein bisschen in Weihnachtsstimmung zu bringen. So ganz hat das aber nicht geklappt. Es war einfach zu seltsam, dass ich mich im Garten sonnen konnte, aber gleichzeitig die Regenzeit angefangen hat und wir manchmal hier oben sogar etwas Schnee abkriegten.

Anfang Dezember habe ich in der Wohnung meiner Gastfamilie mitgeholfen, den Weihnachtsbaum zu schmücken und die riesengroße Krippe aufzustellen. Das Jesuskind fand  jedoch erst am 24. Dezember seinen Platz. Auch der Weihnachtsbaum sah etwas anders aus als in Deutschland. Hier wird traditionell eine Plastiktanne benutzt, die jedes Jahr aus dem Schuppen geholt wird und nach der Dekoration konnte man vor lauter Lichtern, Plastiksternen und Lametta die eigentlichen Zweige gar nicht mehr sehen.

Mit den Kindern habe ich Plätzchen gebacken und einen Adventskalender gebastelt, aber so richtig weihnachtlich fühlte ich mich immer noch nicht.

Der 24. Dezember sah dann folgendermaßen aus:

Nachdem Paulina und ich den Morgen mit einem Sonnenbad begonnen haben (im Nachhinein keine so gute Idee: meine ganzen Beine waren danach rot) sind wir nachmittags zu unserer Gastfamilie rüber gegangen und dann ging’s los: Es wurde gekocht, gebacken und jeder in der Familie hat etwas zum Abendessen beigetragen. Paulina und ich haben uns um den Nachtisch (natürlich typisch deutsch) und Glühwein gekümmert. Kurz vor dem Essen sind Isa, die Kleinen, Paulina und ich dann noch bei einigen Vecarios (die Stipendiaten Palliris) vorbei gefahren, um Geschenke vorbeizubringen und fröhliche Weihnachten zu wünschen.

Danach ging es zur Bescherung nach Hause zurück. Eigentlich ist es in Bolivien üblich, bis Mitternacht mit dem Geschenkeauspacken zu warten und vorher zu essen. Doch unsere Gasteltern waren der Meinung, dass es besser wäre, die Bescherung ein bisschen vorzuschieben, damit man nachher in Ruhe essen könne. Es war wirklich schön, wie unglaublich die Kleinen und auch der Rest sich über ihre Geschenke freuten.

Danach ging es ans große Fressen: Es gab Tapas, Käse- und Fleischfondue, Salate und 1000 andere Sachen, sodass wir uns nach dem Essen nach Hause kugelten.

Auch wenn es schon ein seltsames Gefühl war, Weihnachten auf eine ganz andere Art zu feiern als gewöhnlich, bin ich unglaublich glücklich darüber, diese Erfahrung mitnehmen zu dürfen.