Der ganz normale Alltag…

20. Okt 2012 | von | Kategorie: Freiwillige 2012/13, Magdalena Hengst in Bolivien

Ihr Lieben, es wird mal wieder Zeit, dass ich mich melde…

Im Projekt läuft alles wie gehabt und weiterhin gut. Ich fühl mich gut aufgehoben und ernte immer seltener fragende Blicke, wenn ich probiere mich auszudrücken.

Aber ich merke auch manchmal, wie anstrengend es ist, acht Stunden am Stück mit Kindern zu arbeiten. Und meine Geduld wird jeden Tag aufs Neue herausgefordert, wenn ich bei Hausaufgeben helfe oder mit den Kleinen Lesen und Schreiben übe…

Letzte Woche gab es eine Versammlung, zu der Juan, unser Psychologe, aufgerufen hatte. Mit Mitarbeitern anderer Organisationen, die in El Alto tätig sind, besprachen wir die großen Probleme der Umweltverschmutzung in Bolivien und überlegten, wie man das Bewusstsein der Menschen durch gezielte Aktionen fördern kann. In zwei Wochen wird es ein erneutes Treffen geben, um die Pläne zu konkretisieren und ich bin wirklich gespannt, was dabei herumkommen wird. Ein großes Problem ist der Abfall, gerade in El Alto, aber auch auf dem Land. Jeglicher Müll wird einfach auf der Straße oder in der Natur entsorgt und niemand kümmert sich um Mülltrennung. Die Flüsse sind oft so verschmutzt, dass man das Wasser nicht trinken darf, weil Menschen ihre Wäsche oder ihre Autos darin waschen und einfach sämtlichen Abfall abladen. Das ist gerade bei der Wasserknappheit in den Anden ein zusätzliches Problem.

Am Wochenende war ich mit meiner spanischen Mitbewohnerin und einem bolivianischen Freund in Sorata, einer Stadt, die in den Yungas liegt. Die grünen Täler, die Bäume, die an einen Urwald erinnern und die vielen Blumen waren atemberaubend schön. Aber grade durch diese natürliche Schönheit fiel der Dreck noch viel mehr auf, als in einer Großstadt wie El Alto. Überall liegen Plastiktüten, Verpackungen oder Autoreifen herum – ein wirklich trauriger Anblick in diesem Paradies. Trotzdem war die Fahrt nach Sorata ein schönes Erlebnis. Wir sind zu einer Grotte gewandert, in der es einen unterirdischen See gab und ich habe sogar Fledermäuse gesehen.

Der Klimaunterschied ist immer wieder verrückt: Aus dem kalten La Paz ging es innerhalb von drei Stunden in eine 35 Grad heiße Region, in der alles blüht und wächst – kaum vorstellbar wenn man dann wieder zurückkommt und jeder Baum eine Seltenheit ist.

Was gibt es sonst noch Neues zu berichten?

Am Freitag war ich im Stadion von La Paz, um das Auswahlspiel Bolivien gegen Peru, für die Fußballweltmeisterschaften 2014, anzuschauen. Obwohl ich in Deutschland nicht der größte Fußballfan bin, war die Stimmung mitreißend und ich habe gemerkt, dass die Südamerikaner doch ein bisschen mehr Feuer haben und das Spiel dementsprechend emotional ablief.

Außerdem habe ich angefangen Tanzstunden zu nehmen. Der Stil heißt Tribal Fusion und ist eine Mischung aus Yoga und arabischen und afrikanischen Tanzstilen. Es ist ganz anders als das Tanzen, was ich von Deutschland aus kenne und auch ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber es macht Spaß!

Eine witzige Situation war auch, als ich vor ein paar Tagen Susanne, eine Mitarbeiterin des Kindermissionswerks, auf dem Prado, der Hauptstraße La Paz’s, getroffen habe. Diese Stadt ist trotz ihrer Millionen von Einwohnern ein Dorf, ständig trifft man irgendwen.

Außerdem gab es letzte Woche eine große Ausstellung in El Alto, für alle Organisationen die mit Kindern arbeiten. Bis zum späten Abend des Vortags haben wir gebastelt und Fotos aufgeklebt, bis wir ein riesiges Plakat gebaut hatten, auf dem sämtliche Projekte Palliris aufgeführt waren. Am nächsten Tag ging es dann zum Plaza Juana azurduy de padilla, wo jede Organisation ihren eigenen Informationsstand hatte, und zusätzlich Tänze und andere Darbietungen aufgeführt wurden. Es war interessant zu sehen, was es noch alles für soziale Arbeiten in El Alto gibt und der Tag war für Palliri ein voller Erfolg!

So, bis dann,

alles Liebe,

Maggi

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