Der Alltag grinst…

Von ungefähr überall ist in Joburg der Telkom Tower zu sehen, was mir oft den Weg nach Hause erleichtert ;)
Von ungefähr überall ist in Joburg der Telkom Tower zu sehen, was mir oft den Weg nach Hause erleichtert 😉

Ohne behaupten zu wollen, dass mich der Alltag schon richtig eingeholt und an die Kette gelegt hat, habe ich doch mittlerweile einen geregelten Tagesablauf. Die erste Woche im Projekt habe ich hinter mir, und ich muss sagen, es macht sehr viel Spaß! Hier also ein kleiner Überblick über meine Woche: Einen normalen Arbeitstag starte ich um zehn, dafür arbeite ich bis sechs Uhr abends. Das ergibt sich daraus, dass die Projektkinder erst um drei kommen können und bis um sechs Uhr Unterricht haben. Das heißt, so lange sind wir auch im Büro. Morgens bin ich mit Esther zusammen im Büro. Esther ist die Koordinatorin des Projekts. Es gibt ziemlich viel zu tun. Letzte Woche waren wir noch vollauf damit beschäftigt, die Zeugnisse der Kinder vom zweiten Term (Anmerkung der Redaktion: Das südafrikanische Schuljahr gliedert sich in vier Terms) in die jeweiligen Akten zu sortieren (in unserem Büro wird einfach alles! aufgehoben und zu den Akten gelegt). Das habe ich dann gemacht 😉 Desweiteren habe versucht, mich mit Microsoft Excel anzufreunden, denn eine weitere meiner Aufgaben ist es, die Ergebnisse aller Kinder in Statistiken festzuhalten und daraus schöne Graphen zu machen. Am Montag folgt nämlich die Ergebnisbesprechung mit dem Schulleiter, wo die Zeugnisse aller Kinder besprochen werden, geschaut wird, wieviele das Term bestanden haben und wieviele nicht, also kurzum es geht um eine Bilanz der Ergebnisse.

Zwischendurch schreibe ich E-Mails für Esther, bzw. erinnere sie daran, auf bestimmte E-Mails zu antworten. Wie zum Beispiel an das Kindertheater, zu dem wir übernächste Woche fahren. Endlich bekommen unsere Kinder das ganze Stück zu sehen, das wir uns ja schon in einer Probe anschauen durften! Ich freue mich genauso sehr darauf, wie die Kinder, denn es war ein sehr kurzweiliges und toll inszeniertes Stück, in dem ein Schmetterling aus England sich nach Südafrika verirrt, und nun den Weg nach Hause finden muss. Die Kinder waren total begeistert von dem Stück und Esther war total begeistert, dass unsere Kinder alles so gut verstanden haben! Es ist natürlich auf Englisch, aber nicht alle unserer Kinder sprechen so gut Englisch. Umso schöner, dass sie trotzdem alles nachvollziehen konnten.

Aber zurück zu meinem Tagesablauf: Um zwei Uhr, nach einer kurzen Pause im Büro, kommen die ersten Kinder mit den Schulbussen. Meine Aufgabe ist es dann, die Kinder zu empfangen und auf den „ground“ (großes Feld) zu begleiten, wo sie noch bis drei, also bis alle da sind und der Unterricht beginnt, spielen dürfen. Ich bin also sozusagen Pausenaufsicht, gleichzeitig aber auch immer in irgendwelche Spiele der Kinder involviert, denn alle finden es unglaublich amüsant, dass ich ihre Spiele nicht kenne und möchten mir alles beibringen. Ich wette, im Gegenzug muss ich demnächst mit deutschen Spielen ankommen, also wer irgendwelche guten Tipps für mich hat, immer her damit!

Kurz vor drei versammeln sich die Kinder dann in ihren Klassen, es wird zusammen gebetet und jede Klasse geht mit ihrem Lehrer in ihren Klassenraum. Der Unterricht geht bis sechs, es gibt eine Stunde Englisch, eine Stunde Mathe, eine Pause mit Lunch und eine halbe Stunde Lifeskills (da werden dann Dinge aus dem alltäglichen Leben diskutiert, ein bisschen wie in Sowi). Eigentlich bin ich nicht in den Klassen eingesetzt, das heißt nachdem die Kinder in den Klassen sind, gehe ich zurück ins Büro und zu meiner Arbeit. Am Mittwoch hatten wir allerdings Lehrermangel, und so hat Esther mich gefragt, ob ich mir zutrauen würde, die Klasse 4 ausnahmsweise zu übernehmen. Ich musste kurz schlucken, denn eigentlich habe ich noch nie unterrichtet! Aber sie hat mir gesagt, woran die Kinder arbeiten, welche Aufagben wir machen müssen und die Kinder haben sich unheimlich gefreut, dass ich sie ausnahmsweise unterrichet habe. Und ich muss sagen, es hat Spaß gemacht! Alle waren mehr oder weniger bemüht, im Unterricht mitzumachen, und auch wenn es anstrengend ist, die ganze Zeit mit „Lehrerstimme“ zu sprechen, war der Unterricht für mich eine schöne Abwechslung.

So siehts in den Hütten der Townships aus - hier ein Bild aus einem Museum.
So siehts in den Hütten der Townships aus - hier ein Bild aus einem Museum.

Um sechs Uhr kommen dann die Busse, um die Kinder wieder nach Hause zu fahren. Es gibt verschiedene Haltestellen, zum Beispiel Berea oder Yeoville. Das sind Stadtviertel in Johannesburg, die nicht allzu weit von der Schule entfernt sind. Dort werden die Kinder rausgelassen und entweder von ihren Eltern abgeholt, oder sie gehen von dort aus zu Fuß nach Hause.

Ich dagegen fahre mit meinem kleinen blauen Auto nach Hause, bin dann so gegen halb sieben – sieben zu Hause, koche eventuell noch was und genieße die abendliche Ruhe, bevor es am nächsten Tag wieder heißt, 150 Kinder zu managen 😉 Da ich ja aber erst um zehn anfange, geht das alles sehr gut. Wenn ich nicht faul bin, gehe ich manchmal sogar noch vor der Arbeit eine halbe Stunde joggen…

Die Wochenenden sind dann frei. Diesen Samstag habe ich mich zum Beispiel mit einer Freundin getroffen, die ein Praktikum beim Kindertheater macht und aus Frankreich kommt. Wir waren in Sandton im Theater, und danach noch etwas trinken. Das Theater war sehr schön, stilvoll eingerichtet, Musik aus den 60ern, roter Samt, usw… Wir haben dort eine Freundin von ihr getroffen, die uns praktischerweise Freikarten organisiert hatte 😉 Man muss nur die richtigen Leute kennen.

Ja, und der Sonntag gehört bei den meisten Leuten hier der Kirche. Seit letzter Woche singe ich im Kirchenchor, das heißt auch ich bin sonntags morgens in der Kirche anzutreffen. Und ich muss sagen, es ist gar nicht komisch, regelmäßig zur Messe zu gehen. Zu Hause habe ich das nicht immer gemacht, aber hier gehört es mit dazu, auch die Studenten kommen meistens. Wenn nicht morgens um halb zehn, dann abends um sechs, dann gibt es nochmal eine Studentenmesse (ich glaube ich habe euch schonmal davon erzählt).

So weit zu meiner ersten Woche! Liebe Grüße aus dem immer noch winterlichen Johannesburg, wobei Winter hier mehr oder weniger eurem Herbst entspricht. Aber es ist trotzdem noch ungemütlich kalt… Ich freue mich definitiv auf den Frühling!