Meine Ankunft in einer anderen Welt

20. Aug 2012 | von | Kategorie: Freiwillige 2012/13, Magdalena Hengst in Bolivien

Kurz vor der Abreise. Foto: Steffi Knoor / Kindermissionswerk

Vor etwa einer Woche hieß es noch in Deutschland Abschied zu nehmen und sich von der Familie und  Freunden für 10 Monate zu verabschieden. Mittlerweile kommt mir dieser Schritt vor wie eine Ewigkeit, obwohl seither erst 9 Tage vergangen sind. Doch in dieser Zeit habe ich schon so viele Eindrücke mitgenommen, Menschen kennengelernt, bin von einer anderen Sprache umgeben und habe schon ein bisschen in eine völlig andere Kultur reingeschnuppert.

Aber wo fang ich an? Zum Anfang lässt sich sagen, dass die neue Luft mich am Anfang ein bisschen umgehauen hat, doch man gewöhnt sich sehr schnell daran. Nur das Treppensteigen lässt einem immer noch die Luft wegbleiben.

Als ich also am Samstag vor 8 Tagen übermüdet von einer 24-stündigen Reise am Flughafen von El Alto ankam, wurde ich dort schon total lieb erwartet und zu meinem zukünftigem Zuhause gefahren. Da mein Flugzeug um 1 Uhr morgens gelandet war, bekam ich direkt die nächtliche Kälte El Altos zu spüren und war froh, an einen Schlafsack gedacht zu haben, der mich vor Minusgraden bei wenig isolierten Wänden schützt.

Am nächsten Tag nahm meine Chefin Isa (die zugleich ein wenig die Funktion einer Gastmutter für mich einnimmt da sie nur ein Haus weiter wohnt) mich direkt mit zu einem Trip nach Coroico, einer Stadt die zwar mit dem Auto in nur etwa 2 Stunden zu erreichen ist, jedoch sehr viel weiter unten liegt. Der Wandel der Vegetation ist einfach unglaublich! Wachsen in El Alto nur spärlich Baume und Blumen, so wurde der Straßenrand grüner und üppiger, je weiter wir gen Corico fuhren. Auch die Aussicht war einfach atemberaubend! Ich sah riesige Täler, die einem Urwald glichen und gigantische Berge, die aus dieser Landschaft emporkamen!

Eins von vielen Kreuzen am Rande der Strasse

Eines von vielen Kreuzen am Rande der Straße

Waren wir auf dem Weg nach unten noch die neu gebaute Umgebungsstraße gefahren, ging es nun, als wir wieder zurück nach El Alto wollten, die berühmte “Camino de la muerte” (Todesstraße) hoch. Früher war sie der einzige Wirtschaftsweg, der Coroico und La Paz miteinander verband. Somit fand sämtlicher Verkehr auf einer Straße statt, die an manchen Stellen nur Platz für ein Auto bietet. Auch wenn der Hauptverkehr seit 2006 auf die längere Umgebungsstraße umgeleitet wird, wird sie immer noch als gefährlichste Straße der Welt angesehen. Am Rand konnte man an manchen besonders schmalen Stellen ganze Wälder von Kreuzen sehen und  mir wurde erzählt, dass man in so manchen Abgrund noch Autowracks erkennen kann.

So viel zu meinem ersten Wochenende in Bolivien. Am Montag fing dann direkt mein zweiwöchiger Sprachkurs an, für den ich jeden Tag etwa 1 1/2 Stunden mit verschiedenen Minibussen (meist “Bullis” mit 9 Sitzplätzen) nach La Paz fahre. Am Anfang konnte ich mir nicht vorstellen, mich je in diesem Chaos von Bussen zurechtzufinden, die ihr Ziel hinaus rufen oder in der Scheibe stehen haben. Hat man den Wagen gefunden, der einen ans Ziel bringen soll, hält man die Hand raus, um den Bus auf sich aufmerksam zu machen und kann auch an jeder beliebigen Stelle wieder aussteigen. Bushaltestellen gibt es nicht. Mittlerweile komme ich aber schon ganz gut zurecht und verfahre mich immer seltener.

Die Aussicht macht aber jedesmal alles wieder wett! Wenn man von El Alto aus die Autobahn nach La Paz fährt, tut sich ein Tal mit einer RIESIGEN Stadt vor einem auf, von der man nicht erkennen kann, wo ihr Anfang und Ende ist. Im Hintergrund strecken sich zudem die gigantischen Anden mit schneebedeckten Gipfeln empor, einfach atemberaubend!

Zu meinem Alltag lässt sich sagen, dass ich mich mit dem Spanischen noch ein bisschen schwer tue aber es von Tag zu Tag besser wird. Mit meiner Gastfamilie zu kochen (der Mann Von Isa, Chris, ist ein begnadeter Koch), Filme zu gucken und sich einfach nur zu unterhalten hilft mir, immer besser hinter die Geheimnisse der spanischen Grammatik zu blicken (und sie auch anzuwenden).

So, das war’s für den Anfang,
bis bald,

Maggi

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Ein Kommentar
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  1. Hi Maggi, das klingt ja nach einem wunderbaren Start! Und ich kann mir vorstellen, dass ein klein wenig Familienanschluss gerade am Anfang sehr gut tut (geht mir ähnlich). Genieß es, lerne alles kennen, ich bin gespannt auf deinen nächsten Blogeintrag!

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