Neuigkeiten aus „La Barranca“

Liebe Blogleser,

nach langer Zeit wieder ein Eintrag zu den Neuigkeiten in der Schule La Barranca.

1. Beginn der Bauarbeiten von zwei Fußballfeldern

Nach den Osterferien hat die Fundación Lorena Ochoa begonnen, die schon lange geplanten Fußballfelder oberhalb der Schule „La Barranca“ zu bauen. Geplant sind ein offenes Fußballfeld und eine kleine Sporthalle. Nebenbei wird auch gleich ein neuer Parkplatz für die Lehrer errichtet. Für dieses Projekt arbeiten täglich 10 Arbeiter an der Baustelle.

Die ersten Schritte waren die Planierung und Einebnung des steilen, felsigen Geländes. Die Schule wollte die Bevölkerung des Stadtviertels „La Coronilla“ in das Fußballprojekt mit einbinden und so sind viele von den Arbeitern auch Väter von Kindern in der Schule. Tagesarbeiten wie diese werden hier im Viertel gern gesehen, da die Väter der Familien oft keiner geregelten Arbeit nachgehen und ihnen so durch die Bauarbeiten an der Schule zusätzliche Einnahmequellen geboten werden.

Auch ich konnte während der ersten Wochen der Bauarbeiten ein wenig helfen. An der weiterführenden Schule, der Secundaria, wurde ein neues Abwasserrohr gelegt. Hier haben auch die Jungs aus der Secundaria geholfen, da es viel Schlepparbeit war und die ganzen einzelnen Rohrteile verbunden und ineinander gesteckt werden mussten.

Am Ende hatten wir ein ca. 50 Meter langes Abwasserrohr, welches dann von den Arbeitern in der Secundaria angebracht und gegen das alte Rohr ausgetauscht wurde. Im Laufe der Arbeiten des Fußballprojekts konnten auch viele Arbeiten und Reparierungen in der Schule erledigt werden, da die Anwesenheit der Profi-Bauarbeiter genutzt wurde.

Auch ich konnte diese Chance nutzen, da der Lichtturm und die Palme für den Schauspieler Wolfgang Maria Bauer noch aufgestellt werden mussten. Die Palme wurde so, wie auf Wunsch Bauers, vom Meer in Colima, einem im Westen gelegenen Bundesstaats Mexikos, bestellt und mit einem LKW direkt bis in die Schule gebracht. Mit der Hilfe von 15 Jungs mit Lehrern und Arbeitern wurde die Palme dann schließlich unterhalb des Theaters in der linken Ecke aufgestellt.

Sie hat eine Größe von ca. 12 Metern und soll später als Bühnenbild dienen. In einem Meter Abstand von der Palme wurde der Lichtturm aufgestellt. Hierfür mussten wir als erstes ein Loch graben, eine Zementbasis gießen und schließlich die Turmteile zusammenschrauben und verbinden. An diesen Turm mit einer Größe von ca. 8 Metern können später Scheinwerfer angebracht werden.

2. Fußballtrikots vom BVB

Mein Vater, Robert Wagner, hatte im Mai eine super Idee zum Thema des Fußballprojekts in der Schule „La Barranca“. Er hat beim BVB 09 angefragt, ob es nicht einen ungebrauchten Trikotbestand beim BVB gibt, der für ein Fußballprojekt in Mexiko gespendet werden könnte. Mit Hilfe des Blogs und meiner Berichte für das Kindermissionswerk konnten sich die Verantwortlichen beim BVB ein gutes Bild über mein soziales Jahr hier vor Ort machen.

Der BVB 09 hat dann schließlich Ende Mai 15 Fußballtrikots zu mir geschickt und ich habe diese in der Schule den Schülern und den betreffenden Lehrern weitergeleitet. Mit den Schülern wurde der Kompromiss gemacht, dass, wenn sie ein Trikot haben wollen, sie täglich und immer anwesend sein müssen in der Fußballgruppe und dazu auch das Trikot mitnehmen müssen. Die Kids haben sich super gefreut, als ich mit den Trikots in die Schule gekommen bin.

Da sie auch hier übers Fernsehen etwas über die deutsche Bundesliga mitbekommen, waren sie ganz interessiert, aber wussten auch gut Bescheid. Auch die beiden Sportlehrer Felipe und Artemio waren begeistert von der Idee und freuten sich sehr über die Spende des BVB 09. Es gab leider nur 15 Trikots, aber für die anderen Schüler wird dies eine Motivation sein, so hoffen die beiden Lehrer.

„Nos da mucho gusto de tener el contacto con Alemania y de conseguir los donativos del BVB.
Gracias para las playeras. Hicimos cuenta que su equipo ganó la ultima copa de la Bundesliga. Muchas Felicidades! Les queremos mandar muchos saludos por su apoyo aquí en el colegio La Barranca.“

3. “Wasserschlacht” und Muttertag

Am 4. Mai fand kein Unterricht für die Kids statt. Stattdessen gab es an diesem Tag eine große „Wasserschlacht“. Eine Möbelfirma hat für diesen Tag drei große aufblasbare Swimming-Pools gespendet und auch einen Tank-LKW mit sauberem Wasser. Ein Riesenspaß für die Kinder, da viele weder ein Schwimmbad kennen noch den Strand etc. und so konnten sie sich den ganzen Tag in den Pools austoben. Ich hatte die ganze Zeit auch meinen Spaß, da mich die Kinder ins Wasser schubsten und döppten. Auch gab es ein paar kleine Verletzungen im Laufe des Tages bei den Kids, so dass ich auch manchmal die Kinder zur Sekretärin bringen musste.

Am Muttertag mussten wir die Mütter der Kinder bekochen. Alle Mütter haben sich im Speiseraum gesammelt und wurden dann von den Lehrern und mir bedient. Es gab typisches Essen: Tacos, Tortas etc.
In Mexiko hat der Muttertag eine große Bedeutung für die Familien und wird fast so gefeiert wie ein Geburtstag. Es war also einiges los in der Schule. Nachmittags wurden kleine Spielchen und Werkstätten für die Eltern der Kinder zur Verfügung gestellt. Auch gab es einen kleinen Film mit den Höhepunkten des vergangenen Schuljahrs, in dem die Kinder ihren Eltern, besonders den Müttern, alles Gute wünschten.


4. Besuch von Wolfgang Maria Bauer

In der letzten Woche im Mai ist der Schauspieler Wolfgang Maria Bauer zu seinem zweiten Besuch in die Schule La Barranca gekommen.  In seiner Zeit vor Ort hat er Interviews mit den Kindern zum Thema „Machismus“ geführt. Die Berichte der Kinder werden eine Grundlage für Bauers Stück sein, an dem er seit seiner Rückkehr nach Deutschland schreibt. Es wird ein Stück, das viele wichtige Themen für die Kinder abdeckt: Der Umgang mit Gewalt und Drogen sowie der für Mexiko sehr typische Machismus in den Familien.

Auch die Rollenverteilung für das Stück steht schon. Die Kinder werden im Laufe des nächsten Schuljahrs die Texte zugeschickt bekommen, die sie dann in drei Monaten beherrschen müssen. Wolfgang hat sich gefreut, dass mit seinem Spendengeld, der Palme und dem Lichtturm alles gut geklappt hat. Mir hat die ganze Woche sehr viel Spaß gemacht, ich musste die ganze Zeit für Wolfgang alles übersetzen und erklären. Es tat auch gut, sich nebenbei auszutauschen und einfach mal ein bisschen deutsch zu reden, denn normalerweise tu ich dies nur mit meinen Eltern oder dem anderem Freiwilligen hier in Mexiko.

In einem halbem Jahr wird Wolfgang für drei Wochen in die Schule zurückkehren und in diesem etwas längerem Zeitraum das Stück mit den Kindern einplanen und am Ende dieser Zeit dann eine Vorpremiere aufführen lassen. Wolfgang war sehr begeistert von seinem Besuch hier in Guadalajara. Es hat ihn nochmal total beeindruckt, wie stark die sozialen Unterschiede in Mexiko sein können. Die Menschen haben nicht sehr viel zum Leben, haben aber gleichzeitig auf der anderen Seite eine offene Art und große Lebensfreude.

Sonst hab ich in der Schule meine üblichen Aufgaben verfolgt. Schließlich sind immer noch Kaninchen in der Schule, die versorgt werden müssen. Auch die Gärten, mittlerweile haben wir dort auch Wassermelonen angepflanzt, gedeihen prächtig. In den nächsten Wochen wird es eine sportliche und danach eine kulturelle Woche geben in der Schule. Die ganzen zwei Wochen findet kein Unterricht statt. Es wird den Tag über Sportgruppen, Werkstätten und Arbeitsgemeinschaften geben.

In der Sportwoche gibt es mehrere Basketball-Turniere. In der Kulturwoche dann z.B. einen kleinen Deutsch-Mini-Sprachkurs, den ich machen werde. Kommen werden dort alle Schüler des 3. Jahrganges der Secundaria. Ab dem 7. Juli gibt es Ferien und ich werde meine kurze Zeit bis dahin noch genießen. Auch werde ich mich schon mal langsam auf den Abschied vorbereiten, da ich dies nicht im letzten Moment machen will. Da muss dann auch eine kleine Feier in der Schule geplant werden!

Bis dahin alles Gute und bis zum nächsten Eintrag, der dann wahrscheinlich schon aus Deutschland kommt. 🙂