Neues aus La Barranca

20. Mrz 2012 | von | Kategorie: Freiwillige 2011/12, Tamesh Wagner in Mexiko

Liebe Blogleser,

Nach dem langen Eintrag über meine Urlaubserfahrungen gibt es jetzt mal wieder Neuigkeiten aus der Schule La Barranca. Hier hat sich im letzten Monat einiges getan. Deswegen macht es auch Spaß, wieder vom Projekt zu berichten.

Nach meiner Rückkehr in die Schule habe ich als erstes mit einer Gruppe von vier Kindern die angebauten Zwiebeln geerntet, da die in einem Zeitraum von einem Monat prächtig gewachsen sind. Hierzu habe ich mit den Kindern vorsichtig die Zwiebel mit Wurzel aus dem Boden gezogen, diese mit den Kindern gesäubert und schließlich mit großer Hilfe der Kinder zerschnitten. Unsere Augen haben dabei sehr gebrannt, aber dadurch kam auch sehr viel Spaß auf. 🙂 Die Zwiebeln wurden dann am nächsten Morgen für das Frühstück der Schule verwendet. Es gab Tacos mit Bohnen und den von mir angepflanzten Zwiebeln. Das Frühstück in der Schule wird von Müttern der Schüler vorbereitet, obwohl dies nicht verpflichtend ist. Jedoch folgen viele Mütter dem Aufruf der Schule, sich freiwillig am Schulalltag zu beteiligen. Die Tacos haben übrigens super geschmeckt.

Auch mit dem Projekt “grüne Schule” geht es immer weiter bergauf. Da der Biologielehrer Viktor sich nicht mehr so um das Projekt gekümmert hat, habe ich jetzt eigentlich die komplette Verantwortung darüber. Hierzu muss ich jeden Tag einen kleinen Bericht für die Direktorin schreiben, eine Art Tagebuch. Mit diesen Notizen können dann bei der Regierung Gelder für Pflanzen, Bäume, Erde etc. beantragt werden. Von 9 bis 12 Uhr muss ich mich jeden Tag um das Projekt “grüne Schule” kümmern und dafür sorgen, dass der Rasen gemäht, das Unkraut gerupft, und alles gegossen wird. Schließlich soll die Schule eine kleine Oase im heruntergekommenen Stadtviertel sein und durch ihr äußerliches Erscheinen ein Magnet für das Viertel und die Leute sein. Wie auf den folgenden Bildern zu sehen, haben wir auch mit viel Arbeit wieder ein neues Beet angelegt. Hier wird ein kleiner Kräutergarten entstehen und paralell dazu eine kleine “Baumschule”.

Die Idee mit der Baumschule hatte der Biologielehrer und ich finde sie super. Dafür haben wir den unteren Bereich der Schule mit ca. 2 Tonnen Erde aufgefüllt. Die Jugendlichen aus der Secundaria haben mir dabei sehr geholfen. Bei 35°C mit der Schubkarre und Bottichen die Erde transportieren ist wirklich anstrengend, aber wir hatten auch jede Menge Spaß dabei, den Hausmeister mit ein paar Erdklumpen zu bewerfen :). Einen Nachmittag haben mir sogar noch die Kleinen aus der Primaria geholfen, da viele Jungs aus der Secundaria nachmittags arbeiten gehen d.h. Süßigkeiten auf der Straße verkaufen oder dem Vater auf einer Baustelle beim Steine schleppen helfen.

Für den Kräutergarten wurden uns ein Basis-Start-Set mit Kräuterpflanzen vom Colomos-Park, ein öffentlicher Botanik-Garten, zur Verfügung gestellt. Dieses Starter-Set wird uns sehr helfen, schnell und erfolgreich den Garten anzulegen und die Kräuter für den Biologieunterricht zu verwenden zu können. Praktisches Arbeiten ist mit den Kindern hier in Mexiko sehr wichtig, da dies durch ihre Familien nicht geschieht. Von Haus aus wird hier der Umgang mit der Natur und Umwelt komplett vernachlässigt und es kümmern sich auch nicht viele Leute drum. Deswegen ist es so wichtig, dass die Schule bzw. das Projekt den Kindern die Möglichkeit und Chancen bietet, den Umgang mit Pflanzen und Müllentsorgung zu lernen und es später besser zu machen als ihre Eltern.

Nach 12 Uhr arbeite ich an meinem neu angelegten Kaninchenstall. Die Idee ist mir gekommen, da wir im unterem Bereich der Schule einen ca. 14 m² großen Käfig haben. Früher haben hier mal zwei Ziegen gelebt, die sind aber im Laufe der Zeit gestorben. Um den Käfig nicht ungenutzt zu lassen, habe ich vier Kaninchen gekauft. Diese fühlen sich, wie man auf dem folgenden Foto sieht richtig wohl. Damit die Kinder viel von den Kaninchen haben, gehe ich jeden Tag mit drei Kindern der Primaria zum Käfig und die Kinder müssen dann die Tiere füttern und den Käfig vom Kot befreien. Das Kaninchenprojekt ist auch eine wunderbare Ergänzung zum Pflanzenprojekt, da sich die Kinder um die Tiere kümmern müssen und so die Fürsorge und den Umgang erlernen können. Natürlich haben die Kinder beim Arbeiten einen riesigen Spaß, da kleine Kaninchen eine magische Anziehungskraft auf ebenso kleine Kinder ausüben. Ich arbeite wie alle in der Schule bis 15 Uhr.

Neben den beschriebenen Arbeiten fallen auch immer kleinere Arbeiten für mich an. In der letzten Woche haben wir zum Beispiel ein neues Abwasserrohr verlegt, da das alte einen Riss hatte und viel Abwasser aufs Nachbargelände geflossen ist. Im Lehrerzimmer wurden mit Hilfe des Hausmeisters Ventilatoren angebracht, die von einer Immobilienfirma gespendet worden sind. Die Montage dieser Ventilatoren war eine schweißtreibende Arbeit. Mit dem Biologielehrer habe ich dann noch eine so genannte Schattenwand über die Pflanzen gespannt, da es jetzt mit der Zeit immer wärmer und auch schwüler wird. Die Sonne wird im Mai hier so stark, dass viele Pflanzen ohne diese Schattenwand nicht überleben könnten.

Es gab auch einen Erste-Hilfe-Fall. Eine Schülerin der Secundaria hat sich beim Basketballspielen den Arm gebrochen. Sie musste ganz schnell ins Krankenhaus gefahren werden und gestützt werden. Ich habe sie mit Hilfe des Sportlehrers Artemio ins Hospital begleitet. Die Eltern wurden informiert und dann war die Situation für die Schülerin schon besser.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich einen spannenden Monat bei mir in der Schule erlebt habe und freue mich schon auf die folgenden Wochen. Mitte vom Mai wird der Schauspieler Wolfgang Maria Bauer wieder in die Schule La Barranca zu Besuch kommen. Bis dahin werde ich noch mit dem Hausmeister Juan Manuel den Lichtturm aufbauen müssen. Die Materialien dafür werden auch in der nächsten Woche geliefert. In meiner Freizeit habe ich sehr viel Spaß im Haus mit meinen mexikanischen Freunden und jedes Wochenende ist Ramba-Zamba. Aber es stehen natürlich neben Feiern auch Arbeiten im Haus, wie Kleidung waschen
oder Zimmer putzen an. Ich fühle mich nach meinen sieben Monaten aber noch immer pudelwohl hier in Mexiko und finde, dass die Zeit viel zu schnell rum geht 🙂

Schöne Grüße aus Guadalajara und aus der Schule La Barranca und bis zum nächsten Blogeintrag.

Euer
Tameshito  🙂

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2 Kommentare
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  1. Lieber Tamesh! Es freut mich, dass es dir so gut geht!!! Vielen lieben Dank nochmal für deine wunderbare Führung durch die Schule “La Barranca” und grüß alle ganz lieb von mir!!! 🙂

  2. Hallo Tamesh,
    vielen Dank für den tollen, informativen Bericht aus Deiner Wahlheimat. Du schreibst so schön lebendig und man fühlt, wie Dir Deine kostbare Arbeit so richtig Freude bereitet. Ich denke, dass Du dort in der Schule “La Barranca” einen ziemlich guten Job machst. :O))
    Wie werden sie Dich alle vermissen. :O(
    Ich hoffe Du hattest nette Ostertage und kannst noch viele tolle Ideen mit Deinen Kindern umsetzen.
    ..liebe Grüße aus dem kühlen Frillendorf,
    Sabine

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