Die Zeit rennt…

Es ist kaum zu glauben, aber ich habe bereits mein Bergfest hinter mir. Keine 6 Monate trennen mich von der Rückkehr nach Deutschland. Jeden Tag ist so viel zu tun und es passiert so viel, dass ich mich manchmal regelrecht erschrecke, wenn ich auf den Kalender schaue und feststellen muss, dass selbst der Februar schon wieder vorbei ist und wir nun auch schon wieder Mitte März haben.

Der Alltag…

Die Registrierung der neuen Kinder haben wir zum Glück abgeschlossen und nun stehen die Klassen erst einmal fest: 25 Kinder in 6 Klassen, 150 Kinder in allem. Mittlerweile hat auch die „Extraklasse“ angefangen und ich unterrichte drei Mal die Woche. Im Moment ist es noch ein bisschen schwierig, da wir viele neue Kinder haben, die noch kein oder kaum Englisch sprechen. Und da ich leider keine der afrikanischen Sprachen oder Französisch spreche, schauen wir uns manchmal verwirrt an und wissen nicht, was ihr Gegenüber meint. Aber wir nehmen es mit Humor und die Kinder freuen sich immer wenn ich versuche, ihre Muttersprache zu sprechen und mir dabei die Zunge verrenke 😉

Die Abbildung zeigt, aus welchen Ländern die Kinder kommen und wie viele offizielle (Amts- und National-)Sprachen in den Ländern gesprochen werden. Die ganzen Dialekte sind hier nicht mitgezählt!!!!

Man kann sich also vorstellen, welcher Vielfalt an Sprachen man gegenüber steht, wenn man 25 Kinder zu unterrichten hat. Die vielen unterschiedlichen Sprachen sind aber nicht das Hauptproblem der Neuankömmlinge. Oftmals scheint es, dass, obwohl sie behaupten zur Schule gegangen zu sein, nicht in ihrer Heimatsprache alphabetisiert sind. So beginnen wir momentan von ganz vorne und unterrichten hauptsächlich das englische Alphabet.

Obwohl wir die Registrierung nun endlich abgeschlossen haben, kommen nach wie vor die Eltern. Zwar nicht mehr in den Massen wie Anfang des Jahres, aber trotzdem müssen wir den Eltern nun mittlerweile sagen, dass keine Chance mehr besteht, dass die Kinder dieses Jahr noch einen Platz bekommen. Wir vertrösten sie dann auf nächstes Jahr und versprechen, dass wir ihre Kinder als erstes berücksichtigen, aber ein richtiger Trost ist das leider nun auch nicht.

Wir sind leider nur ein Schulprojekt…

Jeden Tag stoßen wir erneut an unsere Grenzen und Möglichkeiten. Das Three2Six-Projekt deckt nun einmal nur den Schulsektor ab, nicht andere Sektoren wie Gesundheit, Recht, Papiere oder ähnliches.
Oft haben wir Eltern, die verzweifelt zu uns kommen, weil sie nicht wissen, wie sie Schulgebühren für ihre Kinder, die auf öffentliche Schulen gehen, bezahlen sollen und Angst haben, dass das Kind dann von der Schule geschmissen wird. Wir können sie dann nur zu anderen gemeinnützigen Organisationen weiterleiten, die finanzielle Unterstützung geben. Aber bei vielen Eltern geht es auch um die bloße Existenz. So sehen wir im Moment, dass die Kinder wirklich nicht gut aussehen und einige anscheinend nicht viel zu essen bekommen. Normalerweise bekommen wir Lebensmittelspenden, allerdings sind dieses Jahr noch nicht sehr viele eingetroffen, so dass wir bisher kaum Lebensmittelpakete an die Familien weiterleiten konnten.

Eine weitere Grenze an die wir immer wieder stoßen, ist dass unsere Kinder oftmals misshandelt wurden (vielleicht auch noch werden) oder andere schlimme Erfahrungen gemacht haben, bei denen wir nicht helfen können, weil wir nicht entsprechend ausgebildet sind. So müssen wir auch hier auf Hilfe von außen hoffen.

Im Moment haben wir einen Schüler, der als Kleinkind mit seinen Eltern nach Südafrika kam. Dann allerdings verließ die Mutter Sohn und Ehemann und keiner weiß, ob sie überhaupt noch am Leben ist. Einige Zeit später kehrte auch der Vater zurück in sein Heimatland und ließ den Jungen in Südafrika bei seinem Stiefbruder zurück. Aber es scheint, dass sich seit Jahren kein Mensch so richtig um diesen Jungen gekümmert hat. Er hatte das Glück jemanden kennen gelernt zu haben, der sich seiner annahm und zumindest dafür sorgte, dass er nun bei uns im Projekt ist. Ein großes Problem ist momentan allerdings, dass dieser Junger nirgendwo registriert ist bzw. keinerlei Papiere hat. Solange er noch minderjährig ist, ist dies noch kein großes Problem. Sollte er aber irgendwann volljährig sein, könnte er Probleme mit der Polizei bekommen. Außerdem ist es gefährlich, wenn ein Kind nirgendwo registriert ist, zu schnell kann dieses Kind einfach verschwinden. (Das ist der schlimmste Fall!!! Also bitte keine Panik).

Letzte Woche waren wir also unterwegs, um zu schauen, was gemacht werden muss, damit dieser Junge Papiere bekommt. Es wird noch eine wahrer Rennerei von einer Behörde zur nächsten sein (manchmal ist es hier echt schlimmer als in Deutschland ;-)) Aber wir sind zuversichtlich in ein paar Wochen Papiere für ihn zu haben!

Allerdings bleibt für die Eltern erster Ansprechpartner bei Problemen die Koordinatorin des Projektes und da wir oft eine Adresse oder Telefonnummer haben, die wir herausgeben können bzw. unter Umständen auch mal selber den Kontakt zu anderen Organisationen aufsuchen, können wir wenigstens ein bissel helfen.

Super Soccer – wir sind ein Teil der Schule

Am Freitag hatten wir Besuch von einem Fernsehteam sowie dem Minister für Sport. Beide haben für den Fußball und für „Fair Play“ geworben. Und natürlich hatten unsere Kinder auch ein bisschen was davon.
Denn sie bekamen alle ein T-Shirt, einen Fußball und ein halbstündiges Coaching. Obwohl es den Tag vorher in Strömen geregnet hat und es auch am Freitag zunächst nur so regnete (Hier wird es dann doch langsam aber sicher Herbst :-)), hatte der Wettergott doch Einsicht mit uns und hielt für ein Stündchen die Regenwolken zurück, sodass unsere Kinder doch noch Fußball spielen konnten. Zusammen mit der Grundschule des Sacred Heart Colleges, haben unsere Kindern dann dribbeln, Slalom laufen mit dem Ball, schießen und anderer kleine Tricks geübt.
Sie hatten Unmengen an Spaß daran und vor allem war es für sie wieder ein ganz besonderer Tag, weil sie morgens zur Schule kommen durfte, wie jedes ganz normale Kind auch 🙂