Urlaub und Arbeit

Die Tugela Falls – ein wunderschöner Reinfall

Wie angekündigt haben wir die Wanderung zu den Tugela Wasserfällen in die Tat umgesetzt und sind 14 km bergauf und über Stock und Stein (im Wort wörtlichen Sinne) gewandert. Nach zwei Monaten ohne Sport war ich erstaunt, dass ich es überhaupt zu den Wasserfällen geschafft habe und auch mein Muskelkater die Tage danach hielt sich in Grenzen 🙂

Die Drakensberge, wo die Tugela Falls zu finden sind, sind wunderschön und unglaublich. Und ich muss gestehen, dass die Reiseführer recht haben, wenn sie behaupten, dass man eine ganze Woche in den Drakensbergen verbringen kann und immer wieder etwas Neues entdecken kann. Nun ja, wir sind also morgens zwei Stunden zu den Drakensbergen gefahren und sind frohen Mutes und mit viel Gepäck (Getränke, Lunch und Ersatzschuhen) los gestiefelt. Unsere erste Pause haben wir dann bereits nach einer Stunde eingelegt, es war aber auch verdammt anstrengend. Danach haben wir wieder kurz gerastet, als der Weg am Berghang endete und wir das Flussbett hinauf krackseln mussten. Zum Glück und leider auch zum Pech, hatte es noch nicht so viel geregnet, sodass der Tugela Fluss so gut wie kein Wasser führte. Allerdings bedeutet dies auch, dass wir keine Wasserfälle sehen konnten (was man uns erst sagte, als wir vermeintlich angekommen waren und nach den Wasserfällen Ausschau hielten)
🙂 Wir fanden aber ein Rinnsal an Wasserfall und gönnten uns eine Erfrischung, danach krackselten wir weiter und zwar war es ab da eine wirkliche Kletterpartie. Ich glaub in Deutschland wäre dies definitiv nicht erlaubt gewesen, denn es war teilweise schon ein bissel gefährlich. Aber wir haben es geschafft und wurden mit einem wahnsinns Ausblick auf das sogenannte Amphitheater belohnt (siehe Bild)

Der Weg zurück war dann weniger anstrengen und nachdem ich bereits auf dem Hinweg zwei Mal gestolpert war und mich hingelegt hatte, fiel auch endlich mal wer anderes hin uns saute sich mir roter Erde ein 😛 Aber uns ist nichts passiert und wir kamen gesund und munter am Parkplatz an. Und wie ein Freund dann treffend den Tag zusammenfasste: „Für 30 Rand (3 €) Eintritt ins Paradies“, denn so teuer war der Eintritt in den Royal Natal Nationalpark gewesen.

Gamedrive á la Sarah oder auch „krrr krrr krrr“

Am nächsten Tag wollten wir uns dann ein Gamereserve anschauen. Irgendwann fanden wir eins und auch der Eintritt schien okay. Auf die Frage, ob ich mit dem kleinen Auto auch in den Park fahren könnte, da dieses Auto verdammt tief liegt, bekam ich als Antwort: „Ja, die Straßen sind sehr gut“.

Straßen!!! Oh man, zwischendurch sind mir glaube ich 100 neue graue Haare gewachsen. Denn so super waren die Straßen durchaus ganz gewiss nicht und es klafften riesige Schlaglöcher in den unbefestigten „Straßen“. Das ein oder andere mal hörte man dann leider Geräusche wie „krrr, krrr“. Es hielt sich aber in Grenzen und wir fuhren das Auto NICHT kaputt. Eines weiß ich allerdings, dass es nicht für Südafrika geschaffen wurde. Trotzdem war es ein sehr schöner Tag und wir konnten einige Tiere beobachten und ich habe endlich Giraffen gesehen 🙂 Die Nashörner haben sich allerdings versteckt 🙁

„O zapft is“

Ich muss leider hier gestehen, dass das Oktoberfest anscheinend nicht nur weltweit bekannt ist, sondern auch weltweit zelebriert wird. Gestern waren wir dann auf einem sogenannten „Oktober Bierfest“ (Anscheinend muss man für die Einheimischen noch hinzufügen, dass es sich um ein Bierfest handelt ;-)) Es war ziemlich witzig, wobei ich glaube, dass es dem wirklichen Oktoberfest noch nicht nahe kommt. Aber alle hatten eine Menge Spaß und es wurde natürlich Bier (kein Deutsches!!!) getrunken. Zu den Speisen muss ich allerdings bemerken, dass man sich ein Wurstteller kaufen konnte, auf dem sich dann eine Bratwurst und eine Bockwurst befanden. Mhm komisch, aber ich esse diese Würstchen eigentlich weniger zusammen 😀

„Sarah du machst ja nur Urlaub“

Das werde ich regelmäßig von meinem Vater gefragt, wenn ich wieder von meinen Freizetaktivitäten erzähle. Aber natürlich arbeite ich auch und daher werde ich mal wieder etwas von meinem Projekt berichten.

Letzten Dienstag hatten wir Besuche von einem Ehepaar aus den USA, die einen Zwischenstopp in Johannesburg/Südafrika machten und sich nach einem Projekt umgeschaut hatten, welches sie unterstützen können. Da sie nur mit „leichtem Gepäck“ gereist sind, hatten sie zwei riesige Koffer mit Kleinigkeiten für das Projekt dabei. Da gab es viele Süßigkeite, Stifte, Schreibblöcke und Kleber, aber auch schon kleine Weihnachtsgeschenke für die Kinder. Es ist immer wieder erstaunlich und beeindruckend wie manchen Leute einfach helfen ohne sich großartig Gedanken darüber zu machen.

Im Moment sind wir sehr mit der Budgetplanung für das nächste Jahr beschäftigt. Das ist ziemlich viel Arbeit, da irgendwie keine Unterlagen vom letzen Jahr zur Verfügung stehen. Und jedesmal, wenn wir denken, dass wir´s nun geschafft haben, heißt es auf einmal „Ne, ihr habt noch dies oder jenes vergessen“. Heute wird das Budget abgegeben und dann haben wir es endlich hinter uns.

Eine andere große Angelegenheit ist momentan der Aufbau einer Bücherei für unsere Kinder. Bis jetzt haben wir die Bücher, die wir gespendet bekommen haben, teilweise aussortiert bzw. gruppiert, um verschiedenen Schwierigkeitsstufen kenntlich zu machen. Allerdings fehlen uns noch einige Sachen (wie noch mehr Bücher oder der Container, in dem dann die Bücherei rein soll). Es gestaltet sich allerdings als sehr schwierig, die Bücher zu sortieren und zu besorgen, denn unsere Kinder haben häufig ein niedriges Leseniveau. Teilweise weil sie einfach noch sehr jung sind und gerade erst lesen lernen, teilweise weil sie durch ihre Flucht bedingt sehr lange aus der Schule raus waren und aber auch, weil Englisch nun mal ihre Zweit- bzw. Drittsprache ist. Zunächst soll aber die „Bücherei“ in unserem Büro eingegliedert werden (man fragt sich im Moment noch wo, aber wir sind dabei uns einen Lageraum zu organisieren, um Platz für die Bücherei zu schaffen). Ziel ist es, mit Beginn des nächsten Jahres die Bücherei zu eröffnen.

Und schließlich war im letzten Monat noch die Registration von neuen Kindern für das nächste Schuljahr. Da kann ich allerdings nicht sehr helfen, denn das ist die Baustelle meiner Kollegin und da will ich auch noch nicht so wirklich ran. Es müssen nämlich etliche Formulare usw. ausgefüllt werden. Und im Moment ist sie die Einzige, die da durchschaut (eigentlich müsste man doch meinen das Papierkram typisch deutsch ist :-p).

Ach ja und der Animationsfilm ist fertig. „Precious – a refugee story“. Die Kinder haben den Film während des letzten Ferienprogramms im August entwickelt. D.h. sie haben die Story erntwickelt, die Figuren und Kulissen gebastelt und schließlich den Figuren die Stimmen geliehen bzw. alle erdenklichen Hintergrundgeräusche selbst erzeugt. Unterstützt wurden sie von jemanden, der letztes Jahr auch schon ein Comicbuch mit den Kindern entwickelt hat, und Schülern von der Regelschule, die das Ganze dann gefilmt haben. Mit dem Film und dem Comicbuch können die Kinder ihre ganz persönliche Geschichte von ihrer Flucht und ihrer Ankunft hier in Südafrika erzählen. Film und Buch sind wirklich beeindrucken, sowohl großartig als auch schrecklich, wenn man wieder einmal realisiert, was die Kinder teilweise schon durchgemacht haben.

Für alle, die den Animationsfilm sich angucken möchten, mögen doch bitte auf Youtube gehen und „Animation Three2Six“ eingeben, der erste Film sollte es sein 🙂 Und nebenbei wollen wir 1.000.000 Klicks bekommen, also auf geht´s!!!!

Heute Nachmittag geht es es dann für mich zu einem iPad-Workshop. Das Projekt hat vor einer Weile iPads gesponsert bekommen. Allerdings sind die Lehrer mit dieser Technik nicht allzu bewandert (und ich auch nicht, aber ich glaub ich arbeite mich da ein bissel schneller ein :-)). Mich begleitet eine Lehrerin, damit wir dann beim nächsten Meeting mit den restlichen Kollegen als Multiplikatoren dienen können 🙂

Das Unterrichten in der Remedial Class wird immer besser, obwohl ich leider zugeben muss, dass ich Freitag dann doch etwas geschafft war und die Diskussionen mit den Schülern über die Art und Weise, wie ich Fehler bzw. Richtiges markiere, die ich sonst immer ertrage und eigentlich auch ziemlich witzig finde, mir diesmal echt zu viel waren. Aber villeicht ist es auch ganz gut, dass die Kinder merken, dass mit mir nicht immer gut Kirschen essen ist und auch ich mal streng sein kann 😀

Aber die Vorbereitung für diese extra Klasse nimmt viel Zeit in Anspruch, da wir nicht nach einem Buch vorgehen, sondern immer wieder schauen müssen, wo noch weitere Schwachstellen der Kinder zu finden sind. Und leider stellt sich als eine der größten Schwachstellen heraus, dass einige der Kinder nicht lesen können und es anscheinend nie richtig gelernt haben. Stattdessen haben sie sich andere Methoden und Tricks ausgedacht, um nicht aufzufallen. Das erschwert aber das Unterrichten sehr, wenn sie die Aufgabenstellungen nicht lesen können und man mit ihnen jedes einzelne Wort durchgehen muss und sie einfach nur raten. Uah, naja, eine weitere Herausforderung, vor allem, da einige Schüler nächstes Jahr auf die öffentlichen Schulen gehen sollen und dort niemand mehr ist, der ihnen beim Lesen helfen wird.

Ansonsten muss einiges Weitere organisiert werden, wie die Zeugnisnoten (die bald kommen sollten) und auch die Zeugnisübergabe, sowie die letzte Schulwoche, in der kein Unterricht mehr stattfinden soll, sondern stattdessen kleinere Projekte mit den Kindern gemacht werden soll.

ALSO, ich arbeite durchaus und mache meine Freizeitbeschäftigung mit Vorliebe am Wochenende (wobei ich auch zugeben muss, dass das ganz schön schlaucht und ich mich auf den nächsten freien Samstag/Sonntag freue :-))