Pride and Prejudices = Stolz und Vorurteile

28. Sep 2011 | von | Kategorie: Freiwillige 2011/12, Sarah Patzelt in Südafrika

Heritage Day oder auch „Sarah, you have to wear something traditional from your country!”

Das ganze Wochenende und vor allem am Samstag waren hier alle außer Rand und Band, denn der 24.9. ist ein Feiertag in Südafrika, der sogenannte „Heritage Day“. Schaut man in den Reiseführer, kann man lesen: „südafrikanischer Tag der Kultur und Geburtstag des Zulukönigs Shaka“. Äh ja, darunter konnte ich mir dann doch nicht allzu viel vorstellen und habe mich daher bei Freunden und Kollegen schlau gemacht. Also eigentlich wird an diesem Tag die kulturelle Vielfalt Südafrikas gefeiert. Das bedeutet, dass jeder in seinen traditionellen Kleidern (soweit diese vorhanden sind) erscheint. Die „Cultural Mass“ die hier in der Gemeinde am darauffolgendem Sonntag gefeiert wurde, fand auch in allen zahlreichen Sprachen statt (ich hab mich vor Deutsch gedrückt, aber habe fleißig die Ohrstecker mit der deutschen Flagge getragen ;-)). Generell ist die Studentenmesse am Sonntagabend genau so wie man sich eine südafrikanische Messe vorstellt und doch irgendwie ganz normal, ebenso wie bei uns. Größtenteils werden in der Studentenmesse afrikanische Lieder in Zulu, Xosa oder Sotho gesungen (ich bin leider noch zu sehr mit der Aussprache beschäftigt, so dass ich im Moment mehr zuhöre als mitsinge ;-)) und dabei wird fleißig getanzt, die Hände hin und her geschwenkt und einfach Spaß an der Sache gehabt. Und trotzdem, der katholischen Kirche sei Dank, ist der Gottesdienst hier eben ein Gottesdienst, wie er auch in Deutschland stattfindet, eben nur auf Englisch.
Aber zurück zum Heritage Day. Der Heritage Day ist aber auch unter einem weiteren Namen bekannt, dem „Braai-Day“, denn eines haben alle Südafrikaner gemeinsam. Ob Schwarze, Weiße, Farbige oder sonstige, sie braaien unwahrscheinlich gerne. Und das Braaien (entspricht unserem Grillen) verbindet somit die kulturellen Gruppen Südafrikas. Daher wurde natürlich auch hier in der Gemeinde gegrillt (und das war für unsere wohl durchorganisierten deutschen Verhältnisse zunächst ein Mega-Chaos, aber am Ende waren alle glücklich und satt, da kann man das Chaos ja auch verschmerzen und vielleicht bin ich da einfach nur etwas überempfindlich ;-))

Aber das führt mich gleich zu einem weiteren Punkt, Vorurteile: „Afrikaner: bei denen ticken die Uhren doch anders, die sind doch für deutsche Verhältnisse immer unpünktlich.“

Das wiederum kann ich widerlegen. Mein Fahrer, der mich allmorgendlich um halb zehn abholt, ist definitiv pünktlich (bis auf einmal, aber das kann jedem passieren). Und auch ansonsten hat man mich hier noch nicht allzu sehr warten lassen (eher lass ich wohl die Leute warten ;-))

„Aber ihr esst doch das ganze Jahr Lebkuchen…!“

Diesen Satz bekam ich zu hören, als ich mich mit zwei Freunden abends auf einen Tee traf. Natürlich antwortete ich total entsetzt: „Noooo! These are christmas cookies!!!“ Die beiden waren ehrlich überrascht, da sie wirklich dachten, dass wir die ganze Zeit Lebkuchen vertilgen.
Auch auf die verwirrte Frage, ob wir den Glühwein immer trinken, musste ich entgegnen, dass der Glühwein erwärmt im Winter getrunken wird. Meine südafrikanischen Freunde dagegen haben ihn tiefgekühlt getrunken und behaupten, dass dies sehr lecker gewesen wäre (brrrrr).

Und obwohl ich immer wieder erzähle, dass Bayern nicht für ganz Deutschland spricht, kommen immer wieder Beispiele aus Bayern. Vor allem, da auch in Südafrika, tausende Kilometer von Deutschland entfernt, das Oktoberfest zelebriert wird und natürlich jeder begeistert von diesem und im Speziellen von dem Bier erzählt. Mittlerweile weiß hier aber jeder, dass ich auf Bayern allergisch reagiere. Vor allem wenn Aussagen kommen wie: „But Bavaria is Germany!“

Südafrika – ein Land voller Deutsche?

Hier in Südafrika sind erstaunlicher Weise viele deutschsprachige Menschen anzutreffen. Neben den vielen deutschen Freiwilligen wurde mir schon berichtet, dass es viele deutsche Studenten gibt. Und einer der Brüder aus der hiesigen Gemeinde kommt aus Namibia und spricht deutsch (Was er mir aber volle vier Wochen verschwiegen hat und erst am Sonntag zu mir kam, um mit mir deutsch zu sprechen. Er wollte mich netter Weise erst einmal im Englischen einfinden lassen J).

Und erst gestern habe ich einen Lehrer kennengelernt, der auch aus Deutschland stammt. Also an Möglichkeiten, mich zwischen all dem Englisch, Zulu oder Afrikaans auf mal auf Deutsch zu verständigen, gibt es genügend. Nur ob man das immer will….?!

Sarah, you become south african. You´re using your cell phone

Hier in Südafrika bzw. den Teil, den ich bisher gesehen habe, hat einfach jeder ein Handy. Und die beliebteste Marke scheint BlackBerry zu sein. Für alle, die mein Handy kennen und wissen, dass ich mein Handy auch gerne mal zuhause liegen lasse oder es einfach nicht höre, können sich vorstellen wie erbaut ich von der Tatsache bin, dass ein Handy hier das Kommunikationsmittel überhaupt ist (und ich kann meine neue Nummer immer noch nicht auswendig…).

Auf die Frage, was ich denn für ein Handy habe, hab ich mich gar nicht getraut es rauszuholen, so alt ist es schon und auch der Akku wird von einem Klebestreifen in der richtigen Position gehalten. Ich erkläre also ständig, dass Handys und ich nicht so eine innige Beziehung haben. Tja, bis ich nach Südafrika kam, denn hier läuft vieles über das Handy, denn oft haben die Leute hier keinen Festnetzanschluss oder anderen Zugang zum Internet, denn beides ist sehr teuer. Im Gegensatz zum Handy. Meine neue Simkarte hat sage und schweige 5 Rand =2,50€ gekostet und ich glaube, das war noch eine teure. Und auch das Telefonieren und SMS schreiben ist nicht allzu teuer. Sprich ich muss mich hier glaub ich wohl noch ein bisschen anpassen und hoffen, dass mein Handy das nächste Jahr noch überlebt!

Teacher, Mma Sarah, Mam oder einfach nur Sarah

„Mam, can you help me? “ Wuaaaa, wer, wie, was, bin ich etwa gemeint?
Das erste Mal, als ich so von den Schülern aus dem Three2Six-Projekt angesprochen wurde, war ich so perplex und eigentlich wollte ich schon antworten: „Bitte nenn´ mich nicht Mam, so alt bin ich noch nicht!“ Ich hab es aber sein gelassen und ertrage es stumm, wenn ich wieder mit „Mam“ angesprochen werde. Die Schüler nennen hier ihre Lehrer oftmals nicht beim Nachnamen, wie es bei uns in Deutschland der Fall ist, sondern Mam, Mma Sarah oder teacher Sarah. Vor allem „Mma“ ist eine respektvolle afrikanische Anrede, die die Lehrer auch untereinander nutzen.

Zum Glück sind die Schüler größtenteils auf Sarah umgestiegen und dabei versuchen sie die deutsche Aussprache nachzuahmen, weil ich mich auch so vorgestellt habe. Wunderbar und so schön J

Remedial Class oder auch Sarahs Versuch, auf Englisch zu unterrichten

Seit einer Woche haben wir eine extra Klasse für diejenigen Schüler eingerichtet, die dringend Unterstützung und Förderung brauchen. In der Klasse sind 20 Schüler und zwei Lehrer, nämlich Mma J. und ich. Die Klasse haben wir daher noch einmal geteilt, sodass jeder von uns mit einer Gruppe von zehn Schülern arbeiten kann.

Tja, nur hat irgendeiner mal versucht Mathematik auf Englisch zu erklären? Oh mein Gott, wie oft habe ich den Schülern in der letzten Woche erzählt, dass ich es ihnen erklären könnte, aber leider auf Deutsch. Ärgerlich, aber die Schüler nehmen es gelassen und so langsam finden wir ein gemeinsames Vokabular. Ich genieße die eine Stunde Unterricht sehr, denn ansonsten sitze ich viel im Büro und mache halt alles was anfällt (und das kann auch mal eine Google Recherche für eine Kollegin sein, die unbedingt noch ihre Hausaufgaben für die Uni machen muss :-D) Trotzdem macht das Arbeiten im Büro auch sehr viel Spaß (auch aufgrund meiner Kollegen) und langweilig wird mir dort auch nicht so schnell. Es ist einiges in den letzten Monaten liegen geblieben, da die jetzige Koordinatorin erst kurzfristig eingesprungen ist und sich zunächst auf das wichtigste konzentriert hat. Und natürlich führe ich auch schon wieder „To do-Listen“, die auch komischerweise nie kürzer werden, sondern stattdessen immer länger.

Aber wie bereits in früheren Beiträgen erwähnt, ich habe hier eine 40 Stunden Woche und die brauch ich bei der Arbeit auch J

Was passiert sonst noch in meiner Freizeit?

Am Samstag war ich dann zum ersten Mal hier im Rugbystadion und habe mir das Derby Lions (Johannesburg) vs. Bulls (Pretoria) angeschaut. Zum Glück hatte ich jemanden neben mir sitzen, der zu mindestens die Hauptregeln kannte und das ganze Spiel für mich kommentierte, damit ich wenigstens ein bisschen vom Spiel verstanden habe. Aber eins merkt man sehr schnell, dieses Spiel ist so brutal. Für alle, die nicht genau wissen, was bei diesem Spiel passiert, erinnern sich bitte an die schnulzigen Teenagerfilme aus den USA und dann an American Football. Einer der großen Unterschiede zu American Football ist allerdings, dass es beim Rugby keinen Schutzpanzer gibt und es trotzdem genauso zur Sache geht:-D

Ansonsten habe ich schon diverse Restaurants ausprobiert: Indisch, portugiesisch, italienisch, amerikanisch (Pancakes) usw. Leider habe ich noch kein wirklich südafrikanisches Restaurant gefunden, wenn es das überhaupt gibt. Denn auf meinen Einwurf, ich würde gerne mal südafrikanisch Essen gehen, hieß es nur, dass das auf die Person ankommt, was wirklich südafrikanisch ist. Und wir landeten in einem Restaurant, das ich eher als amerikanisch beschreiben würde 😀

Dazu kommt, dass ich jeden Donnerstag beim Direktor des College, wo das Projekt stattfindet, und seiner Familie zum Essen eingeladen bin. Also eines kann ich berichten, verhungern werde ich hier nicht ( wohl eher das Gegenteil J)

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